Woche 8 vom 18. bis 24. Februar 2019

  • (golem) Scheuer will E-Scooter und E-Boards zulassen


    Warum mit Versicherungskennzeichen? Richten die so hohe Schäden an, dass eine Privathaftpflicht nicht mehr ausreicht? Schließlich übernimmt die auch Schäden durch Radfahren.


    Und wenn die mit max. 20 km/h auf Radwegen fahren dürfen, ist das für Radfahrer noch ein Grund mehr, auf der Fahrbahn zu fahren.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • (dpa/heise) Bundesverkehrsminister will Fahrdienst-Markt liberalisieren


    Teilweise sinnvoll. Ich nutze auch gelegentlich einen Chaufferdienst im ländlichen Raum (spart ca. 1h Zeit) und fände es sinnvoll, wenn mehrere Fahrgäste gleichzeitig befördert werden dürfen.

    Aber es besteht natürlich die Gefahr, dass ÖPNV und Fahrrad dadurch kannibalisiert werden.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Vor allem dürfte interessant werden, wie die gegenseitige Rücksichtnahme und Akzeptanz auf Fahrbahnen des Kraftverkehrs gegenüber E-Scootern und E-Boards aussehen soll, wenn das heute mit dem Radverkehr schon in vielen Fällen nicht klappt. Wird sich ein E-Scooter-Fahrer denn tatsächlich auf einer vierspurigen Straße links einordnen, um dorthin abbiegen zu können, weil es keine Radinfrastruktur gibt? Und wie ist die Frage mit den Beleuchtungseinrichtungen und Fahrtrichtungsanzeigen geklärt? Einen Arm hinausstrecken stelle ich mir waghalsig vor.


    Oder dürfen sich vielmehr die Fußgänger über Zuwachs auf Ihren Gehwegen freuen, da die Dinger dann auch auf Gehwegen umhergefahren (und umgefahren...). Und schließlich: Aus welcher Verkehrsteilnehmergruppe sollen die zukünftigen E-Scooter- und E-Board-Fahrer überhaupt stammen? Sind es ehemalige Fußgänger, die nun schneller unterwegs sein wollen oder sind es Kraftfahrer, die auf dem Radweg den Stau und den Klimawandel umfahren wollen? Und warum steigen diese beiden Gruppen dann nicht auf's Fahrrad um? Oder sind es gar Radfahrer, die dann aber überhaupt gar keinen prägnanten Vorteil am Verkehrsmittelwechsel hätten? Fragen über Fragen... :/

  • Aus welcher Verkehrsteilnehmergruppe sollen die zukünftigen E-Scooter- und E-Board-Fahrer überhaupt stammen?

    Z. B. das letzte Stück zwischen ÖPNV und Start/Ziel-Ort. Die nächste Bushaltestelle kann schonmal 2km weit weg sein.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Mit den Dingern ist man doch wegen der kleinen Räder auf jedem durchschnittlichen "Radweg" hoffnungslos verloren. Das ist etwas für Hipster die damit von der Tiefgarage zur Sushi-Bar rollern oder für ganz Umweltbewusste: Vom S-Bahnhof zum Check-In Schalter am Flughafen.


    Aber mir soll's recht sein: Wenn sich die Teile entgegen meinen Erwartungen künftig massenweise verbreiten und Fußgänger auf Gehwegen gefährden, erkennt man vielleicht, dass man stärker darauf achten muss, dass Gehwege für Fußgänger da sind und für niemanden sonst.

  • Gerhart Die Privathaftpflicht haftet eben nicht für KFZ. Ab 6 km/h (oder 7) automobil braucht eben sogar der E-Rollstuhl ein Versicherunhskennzeichen.

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Da stimme ich dir zu!

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Wenn man die Rechstlage ändert, wird die existentiell wichtige Privathaftpflicht für alle teurer, auch für diejenigen, die diese neuen Mobilitätsmöglichkeiten nicht nutzen wollen oder gar können. Denn die Versicherungswirtschaft wird das damit einhergehende höher Risiko selbstverständlich einpreisen.
    Da finde ich es besser, wenn nur derjenige die Prämien zahlt, der die Dinger wirklich nutzt. Und das kann man auf diversen Wegen realisieren. Versicherungskennzeichen sind nur einer davon. Man könnte auch mit Plaketten arbeiten wie bei der Hundesteuer. Mein Wauzi würd sich jedenfalls wehren, wenn ich dem ein Versicherungskennzeichen an den Hintern spaxen wollte.
    Oder mit siegelartigen Aufklebern wie der TÜV-Plakette am Auto. Die kann man entsprechend fälschungssicher machen und Verstöße als Straftat verfolgen.


    Und ja, das wird lustig werden auf allen Bereichen der Straße. Und nein, damit fahren nicht nur Hipster rum. In Barcelona etwa nutzen viele Geschäftsleute E-Scooter für kurze Wege wohin auch immer. Elegant und lässig.

  • Ach so, ich wollte noch erwähnen, dass ich einige der hier verlinkten Artikel und Beiträge im VP an passender Stelle auch verlinke. Schätze mal, es schadet nicht, Verschiedenes auch der eher Autofahrenden Bevölkerung zuteil werden zu lassen. So ist das mit der Nordbahntrasse ein schönes Beispiel für eine gelungene Verkehrswende. Mehr davon, und es könnte ein Schuh draus werden.

  • Wenn man die Rechstlage ändert, wird die existentiell wichtige Privathaftpflicht für alle teurer, auch für diejenigen, die diese neuen Mobilitätsmöglichkeiten nicht nutzen wollen oder gar können. Denn die Versicherungswirtschaft wird das damit einhergehende höher Risiko selbstverständlich einpreisen.
    Da finde ich es besser, wenn nur derjenige die Prämien zahlt, der die Dinger wirklich nutzt.

    Fahrräder sind in der Privathaftlicht drin, das heißt wir profitieren davon. Wer nicht mit dem Rad fährt, bezahlt also unsere Versicherung mit.

    Ist das gerechtfertigt? In meinen Augen ja, denn ich möchte gerne, dass möglichst viele Leute radfahren, und dabei automatisch (es hat hoffentlich jeder eine Privathaftpflicht!!) versichert sind.

    Ich möchte aber nicht, dass jeder einen (oder mehrere) Köter hat. Die machen Lärm, koten überall hin und sind bissig (Ja, es gibt auch gut erzogene Hunde).

    Ebensowenig möchte ich, dass jeder mit dem Auto fährt, also können auch die sich selbst versichern.


    Will ich also, dass viele Leute diese E-Scooter benutzen? Will ich, dass die hieraus resultierenden Gefahren dem allgemeinen Lebensrisiko zuzuordnen sind?

    Ich kenne bin nicht fachkundig; mein Bauchgefühl sagt mir aber, dass die (Fremd-)Schäden überschaubar sind und dass hiermit tatsächlich KFZ-Fahrten verhindert werden können. Ich glaube also, dass es generell positiv ist, diese Gefährte zu haben.



    Andererseits: Wenn Herr Scheuer die zulassen will, muss ein Haken an der Sache sein.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Ich denke, das ist historisch gewachsen.

    Jeder Mensch ist Fußgänger, solange er mobil ist. Und das Fahrrad ist sehr alt und hatte bereits früh eine große Verbreitung.

    Haftpflichtversicherungen dagegen gibt es noch nicht ewig. Kann also sein, dass es bereits verbreitet Fahrräder gab, als die Haftpflichtversicherung für die Massen verfügbar und erschwinglich wurde. Und notwendig. Armen Schluckern wie den frühen Industriearbeitern oder Landwirtschaftshilfen konnte die Haftpflicht egal sein, mangels Masse. Die lebten eh von der Hand in den Mund, da blieb nix für einen Gläubiger über.

    KFZ dagegen kamen erst relativ spät auf. Und die Unfälle nahmen da schnell teure Ausmaße an, so dass sich die "normalen" Haftpflichtversicherer wohl weigerten, dieses Risiko kostenfrei mit abzudecken. Und die Masse der Versicherten, die sich anfangs kein KFZ leisten konnten, haben sich wohl geweigert, für die wenigen KFZ-Besitzer ihre Prämien erhöhen zu lassen.

    Daher sind Fahrräder und die meisten sonstigen Sportgeräte in der Privathaftpflicht drin, KFZ in allen Ausprägungen aber über 6 km/h bbHG ausgenommen.

    Und nach dern Definition sind die "neuen" E-Fahrzeuge eben KFZ und damit draußen.

    Ob man will, dass die Leute die Dinger nutzen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Sobald es um schnelle KFZ geht, die es jedem ermöglichen, Geschwindigkeiten jenseits der flotten Gehgeschwindigkeit zu erreichen, ega, wie gebrechlich er ansonsten ist, steigt das Risiko bei Unfällen. Das einfach so der Allgemeinheit aufzubürden, ist nicht einfach.

    Und die Versicherungswirtschaft wird das auch nicht wollen. Die wittern ein Zusatzgeschäft. Und Politiker wollen nach der politischen Karriere gerne nen Beraterposten oder ähnliches in den Bereichen ergattern, für die sie vorher zuständig waren. Nennt sich nachgelagerte Korruption. Aus der Richtung ist also auch keine Änderung zu erwarten. Daher wird es so kommen, wie es jetzt kommt, ohne Aussicht auf Änderung. Was ich, wie ich schrieb, nicht schlimm finde.

  • Ohne mich hier vorzeitig allzu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen: Jede Menge KFZ-Versicherer werden einfach anbieten "Ihr E-Roller ist bei uns mit versichert", sobald es eine Risikoabschätzung gibt (und das ist leicht, weil die E_Scooter in anderen Ländern ja schon verbreitet im Einsatz sind). Das verkauft sich dann als Werbung, da ist noch nicht mal viel Mehrpreis drin und schon hat man den anderen Versicherern auf einem Vergleichsportal ein Schnippchen geschlagen.


  • [...]So ist das mit der Nordbahntrasse ein schönes Beispiel für eine gelungene Verkehrswende.

    Anekdote vom Klassentreffen 2016: die noch immer in W wohnenden Klassenkameraden sind einhellig des Lobes voll für das neue Vorzeigeprojekt. Ich, angereist mit Bahn und Faltrad, und aus Neugier extra einen kleinen Umweg über die neue Trasse geradelt, erkundige mich bei der Runde gespannt danach, wer denn sonst noch schon eigene Erfahrungen mit der Trasse gemacht habe. Keiner meldet sich. Eine Klassenkameradin schließlich bricht das Schweigen und fragt entrüstet-erstaunt: "Ja, wie soll ich denn da hinkommen??" Gnaah!


    Dabei war meine Heimatstadt für mich immer der Kronzeuge dafür, wie sicher und "gleich be-recht-igt" Radfahren ohne Fahrradfirlefanz funktioniert. Friedrich-Engels-Allee/B7 mit >40.000 KFZ/Tag, ohne Radweg? Alles überhaupt kein Problem. Hupkonzerte, Drängeln, Unfälle beim Überholen? Unbekannt. Das Geschwafel der Fahrradförderer, dass man in W nicht radfahren könnte, weil es keine "Infra" gäbe? Glattweg gelogen.


    Man muss sich nur halt irgendwann mal ein Fahrrad schnappen, draufsetzen und losfahren. Der Schritt allerdings wird in Wuppertal nicht durch fehlende Infra erschwert, sondern durch den Umstand, dass nur sehr wenige Ziele ohne die ggf. mehrmalige Überwindung von bis zu 150 Höhenmetern erschlossen werden können...:evil:

  • So ist das mit der Nordbahntrasse ein schönes Beispiel für eine gelungene Verkehrswende. Mehr davon, und es könnte ein Schuh draus werden.

    Das sehen die Eisenbahnfans aber ganz anders... Da gibt es sogar einige, die hassen Radfahrer noch mehr als Autofahrer, weil wegen "der blöden Radfahrer" überall Eisenbahnstrecken entwidmet und zu Radwegen umgebaut werden. Auch wenn auf den Strecken seit 25 Jahren kein Zug mehr gefahren ist, ist am Ende der Radfahrer Schuld... Dabei wird durch die Umnutzung wenigstens die Trasse erhalten und weitergenutzt. Hier Pirmasens gammelt auch schon seit rund 25 Jahren das zweite, hinauf in die Stadt führende Gleis (samt 900 m langem Tunnel) im Wald vor sich hin. Reaktivierung für Bahnbetriebszwecke halten aber selbst die "Bahnfans" derzeit für nicht nötig - Umwidmung zu einem Radweg will man aber auch nicht.


    Übrigens zeigen grade Bahntrassenwege auf dem Land, dass die Bevölkerung derartige Luxus-"Radschnellwege" gar nicht annimmt. Ebenfalls Zitat aus einem Eisenbahnforum: "Ja, wie soll ich denn jetzt ohne den Zug noch nach Blieskastel kommen?" Ähm...!? Vielleicht mit dem Fahrrad...!? :/