München (und Umgebung)

  • In Anlehnung an Maltes Beitrag bezüglich Überlastung von Radverkehrsanlagen sowie auch in Ergänzung an mein weiter oben abgegebenes Versprechen...

    Dass dort momentan kein Radfahrer unterwegs ist, liegt an der Tageszeit. Am Vormittag sind alle Pendler bereits am Arbeitsplatz. Morgens ist dort teilweise die Hölle los. Ein Ampel-Umlauf reicht da nicht, um die Massen zu bewältigen. Die Tage mache ich mal ein schönes Foto davon.

    liefere ich hier noch einen Schnappschuss der besagten Kreuzung Landsberger Straße/Donnersbergerbrücke/Trappentreustraße in München.


    +


    Man erkennt unschwer den bereits bekannten roten Bauzaun.


    Das auf dem Foto festgehaltene Radverkehrsaufkommen ist für einen Werktag morgens gegen 8:00 völlig normal. Hier sind eher noch recht wenig Radfahrer unterwegs. Ein oder zwei Umläufe später kann die Traube doppelt so groß sein.


    Lustig wird's dann, wenn ein Geisterradler auf der ohnehin viel zu schmalen Furt auf sein selbst eingeräumtes Recht pocht und voll draufhält. So kann es durchaus leicht zu Situationen kommen, die man normalerweise nur von Gedenkveranstaltungen nach tödlich verlaufenden Abbiegeunfällen aus Hamburg kennt: Es liegt alles auf dem Asphalt.


    Der Blick in Fahrtrichtung sieht dann im weiteren Verlauf so aus:



    Auch dies ist völlig normal. Obwohl dies ein g e m e i n s a m e r Geh- und Radweg ist, lässt sich der Fußgängerstrom beider Richtungen an die Seite drängen. Es wird so getan, als sei dies ein g e t r e n n t e r Geh- und Radweg. Es hat sich halt so eingebürgert und ist in nahezu allen Köpfen fest verankert, obwohl es niemals so angeordnet war. Lustig wird es dann, wenn ich als Fußgänger den Radfahrern auf der linken Seite entgegenkomme, also bergab gehe, weil ich mir sage, dass es nicht verkehrt sein kann, wenn ich in meiner Gehrichtung stets möglichst weit rechts bleibe. Auf einem Waldweg würde ich mich schließlich auch nicht links einordnen.


    Ich hasse diese Donnersbergerbrücke, muss sie aber regelmäßig nutzen, um zum S-Bahnhof zu gelangen.

  • Und die täglich 142.000 Kraftfahrzeuge, selbst auf den 8-spurigen Abschnitten der A99 (Münchner Autobahnring) fahren weniger Fahrzeuge.

    Allerdings sind die Voraussetzungen für die Anordnung von einem VZ240 auf der Donnersberger Brücke schlicht nicht gegeben: alle drei Vorgaben aus den VwV-StVO sind nicht erfüllt, außerdem haben die Rampen auf beiden Seiten mehr als 3% Gefälle. Da hätten sich die städtischen Referate halt schon vor Jahren einmal zusammensetzen und überlegen müssen, wie man die Situation entschärft. Die Bushaltestellen auf der Brückenmitte machen die Situation ja nun auch nicht besser.

  • Der geballte Unverstand seitens der Straßenverkehrsbehörde geht in München munter weiter. An der bekannten Baustelle Landsberger Straße ist der Radweg, nachdem die Halteverbotsschilder ja erfreulicherweise vom Radweg entfernt wurden, nun komplett dicht:



    Das weiter oben berichtete Entfernen der Halteverbotsschilder diente hier anscheinend nur der Ermöglichung anstehender Arbeiten auch auf dem Radweg und nicht etwa dem Radverkehr selbst. Traurig, traurig...



    So, wie es aussieht, ist der benutzungspflichtige Radweg momentan also nicht nutzbar. Man könnte dies sogar noch rechtzeitig an der vorherigen Kreuzung erkennen und auf die Fahrbahn ausweichen, wenn man den Blick nach vorne schweifen lässt. Aber wie verhält sich der ahnungslose Radfahrer? Natürlich genau so, wie die StVB es von ihm erwartet und der Kraftfahrer es gerne von ihm hätte:



    Für die Mehrheit unserer Gesellschaft wäre es sowieso begrüßenswert, wenn man Radfahren gleich ganz verbieten würde. Nicht nur hier, sondern pauschal überall. Anders kann man es einfach nicht deuten, wenn selbst hinter der Baustelle der Radweg mit Baken zugestellt wird:



    Diese ganze Separierung kotzt mich einfach nur an. Wenn Radfahrer einfach nur die Fahrbahnen benutzen würden, gäbe es diesen ganzen Bockmist doch gar nicht erst. Die baulich bisher vorhandenen Radfurten könnte man dann ja ruhig belassen, weil man auf denen ja schön am Stau vorbeifahren kann. Aber einerseits dem Radfahrer vorzuschreiben, "Du musst HIER fahren!" und ihm dann andererseits eine lange Nase zu zeigen und zu sagen "NÖÖ, doch nicht!", das ist schon mehr als frech.


    Aber wie man sieht, ist es im selben Maße gesellschaftlich akzeptiert wie z. B. Geisterradeln und Rotlicht ignorieren. Es schert sich einfach niemand darum. Und genau deswegen probiere ich es auch einmal aus. Ich packe morgen 40 Umzugskartons und stelle sie auf die Trambahngleise (für alle Nichtbayer: das ist die Straßenbahn.) Vielleicht weicht die dann ja auch über den Gehweg aus.

  • Schreibe das doch bitte alles ans KVR (verkehrsanordnungen (PUNKT) kvr (ÄT) muenchen.de). Ja, die wissen das sogar schon, aber steter Tropfen höhlt den Stein, Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dort viel mehr Beschwerden von Autofahrern statt von Radfahrern eingehen.


    Was mich in letzter Zeit ebenfalls so generell aufregt, ist dieses "Vision Zero"-Geschwätz. Klingt gut, muss man als Politik und Verwaltung natürlich dafür sein. Nur: solange man nicht nur an Baustellen solchen Mist anordnet, wird das in 100 Jahren nix. Also hält man doch besser die Klappe und macht erst mal seine Arbeit richtig.


  • Dieser Radschnellweg würde praktisch vor meiner Haustür vorbeiführen... Bin gespannt.

  • Davon wird ja schon länger geredet, nicht ganz so lange wie von dem dann demnächst vielleicht tatsächlich mal vorgestellten Radwegkonzept.


    Wir reden also immer noch vom Beginn der Planung, heißt also von etwas, dass dann frühestens in 10 Jahren verwirklicht sein könnte, ist ja nicht so etwas wie der BER, wird aber sicher so teuer, dass es eher 30 Jahre dauern wird, schon wegen der Finanzmittel.

    Alleine wenn da parallel ein weiterer (überflüssiger) Teerweg vom Tulpenfeld auf Emmeringer Flur mit 4m Breite auf etwa 2km durchs Feld bis zum Gewerbegebiet gebaut wird, was kostet so etwas, 1 Mio €? Am/im Gewerbegebiet gehts eh nur auf der Roggensteiner weiter, das Reginawerk gibts ja auch noch. Dann der Ausbau des Radwegs an der Roggensteiner, wieder 2km, wahrscheinlicher wollen sie dann gleich an den Schienen entlang, damit die Autofahrer das radelnde Elend nicht sehen müssen, die Aubinger nach Puchheim muss natürlich auch so bleiben wie sie ist, also auch dort alles neu bauen,....


    Viel günstiger und schnell, also eigentlich sofort realisierbar wäre es, einfach ab LRA-FFB auf der Emmeringer-Straße die Radwegpficht aufzuheben, ordentlich breite Schutzstreifen draufzumalen, die Verbindung Eichenau-Bahnhof <-> Puchheim-Bahnhof, also die Aubinger-Straße und dann vom Bahnhof weiter den Aubinger-Weg und auf Münchner-Seite die Emmeringer-Straße nach Aubing zur Fahrradstraße zu erklären. Von Aubing gibts dann eh einen Anschluß an die Blutenburg bzw die Von-Kahr, da kommt man dann überall hin, wo man muß in die Stadt.

    Kostet also nur etwas Farbe, Verwaltung und Schilder, aber böse, böse, würde den Autofahrern natürlich die Schleichwege klauen. Also völlig indiskutabel.

    Und, könnte wohl innerhalb von Wochen realisiert werden, aber wer will das schon. Dann könnte man ja nicht mehr davon reden, dass man gerne möchte.

  • In München gibt es nun die erste Fahrradstraße, in der Radfahrer absteigen müssen:



    Die Straße heißt "Am Nymphenbad" und ja, ich weiß: das Zusatzzeichen hat erst einmal keine rechtliche Bedeutung. Man muss im Zweifels- und Klagefall jedoch nur an den falschen Richter gelangen, der einem dann zumindest eine Teilschuld aufbrummt.


    Sogar die Kraftfahrzeugführer nehmen sich das Zusatzzeichen zu Herzen. Wie man sieht, stellen sie ihre Autos dort ab und gehen zu Fuß weiter!


    Allerdings wird das zu Fuß weitergehen auch schwierig, denn Fußgänger werden zwischen beiden Straßenseiten in einer Endlosschleife hin und her geschickt. Das passiert so schnell, dass die riesige Menschentraube an Fußgängern mittlerweile schon unsichtbar geworden ist...