Woche 4 von 24. bis 30. Januar 2022

  • "Die vorherrschende politische Haltung ist, dass unser Verkehrssystem nur sozial gerecht ist, wenn jeder Erwachsene ein Auto besitzt", sagt der Mobilitätsforscher in dem verlinkten Artikel. Man müsste noch ergänzen, dass ursprünglich wohl davon ausgegangen wurde, dass es sozial gerecht sei, dass jede Familie (nicht wie heute jede und jeder einzelne) ein Auto besitzt.

    Aber das Problem gibt es nicht nur in Bezug auf das Auto. Wenn man sich die großen Trabantenstädte anschaut, die zur Zeit ihrer Gründung häufig Vorzeigeprojekte waren und wo jeder gerne drin wohnen wollte und beneidet wurde, wenn er dort eine Wohnung hatte, dann ist dort leider auch eine enorme Konsumsteigerung feststellbar. Heute will jeder sein Einfamilienhaus auf dem Land im Grünen.

    Und heute gilt es vielen als "perfekt" wenn jeder einzelne seine eigene Wohnung oder gar sein eigenes Einfamilienhaus im Grünen hat.

    So wie bei der Mobilität in der Schule eigentlich gelehrt werden müsste, dass es erstrebenswert, lohnenswert und ein Genuss ist, gemeinsam mit anderen Menschen den ÖPNV zu benutzen, müsste auch gelehrt werden, dass es attraktiv und lohnend ist, mit anderen Menschen gemeinsam zu wohnen. Sei es als klassische Familie oder in Form neuerer Familien-Konstrukte oder als Wohngemeinschaft, die muss ja nicht zwangsläufig eine Lebensphase sein, die sich nur auf die Jugendzeit beschränkt.

  • So gelingt die Verkehrswende nie in Berlin
    Radfahren macht Spaß, ist umweltschonend und preiswert. Doch Berlins Planer machen den Umstieg aufs Fahrrad schwer. Ein Kommentar.
    www.tagesspiegel.de


    Studie über teure Autos: Auto statt Altersvorsorge
    Die gesellschaftlichen Kosten für einen Pkw sind enorm. Warum wird die Mobilität von Menschen ohne Auto eigentlich nicht entsprechend subventioniert?
    taz.de

  • Das ist aus meiner Sicht gefährlicher Unsinn. Bei unserem Weg zur (Vor-)Schule sind die Gefahrenquellen hauptsächlich Straßenquerungen. Hier vor dem Kind zu fahren hat den großen Vorteil, dass man durch Anhalten automatisch das Kind mit anhält. Gleiches beim Fahren durch enge Stellen: Fährt mein Kind hinter mir, kann ich durch vorausfahren die korrekte Fahrspuhr zeigen. Vormachen ist viel einfacher als durch von hinten rufen erklären.


    Die Idee, dass man hinter dem Kind selbiges vollständig steuern kann ist zumindest optimistisch -- ein Kind ist kein ferngesteuertes Auto und manchmal setzt auch bei kurzem Abstand der "Funkkontakt" aufgrund von Abgelenktheit kurz aus.

    Ich handhabe es umgekehrt. Davon abgesehen, dass es grober Unfug und unverhältnismäßig ist, es zu ahnden, wenn man vor dem Kind fährt:

    Ich kann mich nicht ständig nach meinem Kind umsehen oder neben ihm fahren. Wenn es vor mir fährt, sehe ich die Gefahren, die ihm unmittelbar drohen, und kann es recht effektiv warnen und dirigieren. Im Einzelfall fahre ich nebenher oder vor und bremse es aus oder blockiere Gefahrenzonen. Ich habe es mehr als einmal erlebt, dass Eltern nicht sahen, welcher Gefahr Kinder, die hinter ihnen fuhren, gerade noch entronnen waren. In einem Fall: mir durch Vorfahrt nehmen ins Fahrrad zu fahren, Vadder war längst durch, ich machte Vollbremsung aus 40 km/h, Vadder bemerkte nichts davon.


    Anders im Gelände: Dann fahre ich vorweg und bölke bspw. "Achtung, dicker Ast!" oder "scharf abbremsen" oder "Brücke sauglitschig" oder "scharf rechts" oder "geradeaus geht es steil runter".


    Beim Überqueren dicht und schell befahrener Straßen (da gibt es in Norderstedt oft diese verfluchten "Querungshilfen") platziere ich die Kinder neben mir und gebe das Startsignal zum Losfahren. Schlimmstes Erlebnis dabei bislang: Tochter (damals 7) will nach längerer Wartezeit wegen hoher KfZ-Frequenz plötzlich ganz unvermittelt losfahren, direkt vor einem etwa 10 Meter entfernten Auto (Blackout); Fahrer hätte sie während der Schrecksekunde noch mit 50, 60 Sachen überrollt. Ich bin nicht mehr ganz neben ihr, um sie festzuhalten, kann sie aber "schockbrüllen", sodass sie erstarrt stehen bleibt. Voraussetzung: immer wieder bissiges Bremsen geübt. Puuuh ... Sie weint, ich beinahe auch. Aber beide heil.

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)


  • Leider kein Wort zum Tempo, welches gefahren wurde. Die freiwilligen Schritttempowege (in der Praxis oft mit Hup/Abstandsverstoß-Motivationshilfe vom MIV) wären ok, wenn jeder die Regeln dazu kennen würde. Meiner Erfahrung nach wird dort meistens zu schnell gefahren.


    Das dort Konflikte zwischen den Verkehrsarten entstehen ist größtenteils provoziert. Aus ungeeigneten [Zeichen 240] wurden einfach [Zeichen 239][Zusatzzeichen 1022-10] , welche aber oft wie [Zeichen 240] missverstanden und behandelt werden. Damit sind sie in der Praxis weiterhin ungeeignet.


    Die Nutzung nur durch langsame Radfahrer, z.B. Eltern/Kinder oder Senioren klappt nicht. In der Theorie eigentlich eine gute Idee, langsamen und schnellen Verkehr damit zu trennen. Damit es in der Praxis klappt müsste die Polizei mal ihren Job machen der in diesem Fall daraus besteht den MIV davon abzuhalten dass die Fahrbahn ein Angstraum für Radfahrer ist und den Radverkehr darüber aufzuklären, dass es kein Radweg ist.

    Die Menschheit hat es geschafft zum Mond zu fliegen, ein weltumspannendes Datennetzwerk aufzubauen aber ist zu blöde einem simplen Virus keine Verbreitungswege zu geben?