Oberbürgermeisterinwahl im Herbst 2021

  • Mit der örtlichen Lokalpolitik bin ich knappe drei Monate nach dem Umzug in die Hansestadt Lüneburg natürlich noch nicht vertraut und ich kenne mich bislang nur soweit aus, dass hier seit knapp 30 Jahren Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) die Verwaltung leitet. Er kann in diesem Herbst kein weiteres Mal antreten, weil er mit dann 71 Jahren über der Altersgrenze von 65 Jahren liegt. Über seine Leistungen und Positionen vermag ich mir kein Urteil zu erlauben, wenngleich ich den Eindruck habe, dass es hier mit Umwelt- und Klimaschutz und Verkehrswende nicht im Ansatz soweit her ist wie es das knuffige Image Lüneburgs eigentlich vermuten lässt. Darauf hat er als Chef der Verwaltung natürlich nur mittelbaren Einfluss, aber bei mir bleibt das Gefühl, da ginge noch mehr.


    Von der langen Liste der Bewerberinnen sind wohl nur noch vier Namen relevant, soweit ich das einschätzen kann:

    Hinsichtlich den für dieses Forum relevanten Themen mit Verkehrswende und Fahrradinfrastruktur sind sich alle sehr einig, da müsse viel passieren, man ist sich sogar so doll einig, dass drei der vier Kandidatinnen auf ihrer Webseite (Kalisch hat offenbar noch keine) ganz viele Fotos von Fahrrädern und Lastenrädern und nachhaltiger Mobilität zeigen.


    Aber das hat ja auch Ulrich Mädge in der Vergangenheit gewusst. Trotzdem sind wir hier im Februar überraschend in eine autogerecht ausgebaute Stadt gezogen, die er ja seit nunmal 30 Jahren verwaltet und formt. Ich bin dementsprechend jetzt nicht so richtig zuversichtlich, dass sich künftig viel verändern wird, zumal das die Oberbürgermeisterin nicht selbst entscheidet.


    Geradezu ubiquitär in der Hansestadt ist Monika Scherf, die gerade zwei Veranstaltungen zum Thema Straßenverkehr prominent auf Plakaten bewirbt:


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    Scherf ist mir noch ein Rätsel, denn einerseits macht sie mit der Quote an Fotos, auf denen sie sich mit dem Fahrrad abbilden ließ, meiner eigenen Quote deutlich Konkurrenz, andererseits hat sie für mich den Makel der CDU-Mitgliedschaft, die sich auch auf kommunaler Ebene hinsichtlich einer Verkehrswende eher als hinderlich erwiesen hat. Nun ist Kommunalpolitik immer etwas anderes als Landes- oder Bundespolitik, aber mit meinen Erfahrungen aus Hamburg und Kiel mag ich nicht glauben, dass es in Lüneburg gänzlich anders laufen sollte.


    Und dann möchte sie in der morgigen Veranstaltung ausgerechnet mit Marcus Lewe über „Moderne Mobilität für Lüneburg“ sprechen, während sich Lewe wohl gerade freut, sich in Münster nicht mehr allzu sehr mit den Ambitionen einer autoarmen Innenstadt herumschlagen zu müssen.


    Vielleicht mag ja der eine oder andere dem Termin beiwohnen?

  • Zitat

    Geradezu ubiquitär


    Die weiß halt, wie's läuft. Ich hab mal von einem Buch über das sog. "Bauchgefühl" gelernt, dass Omnipräsenz sogar bei negativem Kontext normalerweise vorteilhaft ist. Am schlechtesten steht derjenige da, von dem noch nie jemand was gehört hat.


    Kennt ja auch jeder aus eigener Erfahrung: Wer am lautesten plappert, selbst wenn die Beiträge noch so blödsinnig sind, bleibt im Gedächtnis. Wahlwerbung funktioniert genauso wie Waschmittelwerbung. Aus wissenschaftlicher Sicht müsste man Wahlwerbung verbieten.

  • Von der langen Liste der Bewerberinnen sind wohl nur noch vier Namen relevant, soweit ich das einschätzen kann:

    Hinsichtlich den für dieses Forum relevanten Themen mit Verkehrswende und Fahrradinfrastruktur sind sich alle sehr einig, da müsse viel passieren, man ist sich sogar so doll einig, dass drei der vier Kandidatinnen auf ihrer Webseite (Kalisch hat offenbar noch keine) ganz viele Fotos von Fahrrädern und Lastenrädern und nachhaltiger Mobilität zeigen.

    Die Liste ist dahingehend unvollständig, dass Michèl Pauly (Die Linke) fehlt.

    https://www.landeszeitung.de/l…-nominieren-michel-pauly/

    Pia Steinrücke ist nach meinem Kenntnisstand parteilos, kandidiert aber für die SPD.

    Monika Scherf leitet aktuell das Amt für regionale Landesentwicklung in Lüneburg und war 2014 erfolglose Landratskandidatin im Landkreis Lüneburg.

    Ich denke, dass alle KandidatInnen erkannt haben, dass ohne Radverkehrsthemen die Bürgermeisterwahl nicht zu gewinnen ist.

    Stellt sich nur die Frage, bei wem es sich um unklare Phrasen und bei wem um ernstgemeinte Vorschläge handelt.

    Spätestens im Rahmen der Wandelwoche im Juli 2021 sollte es konkrete Aussagen zu Lüneburgs Zukunft von allen KandidatInnen geben.

    https://wandelwoche-lueneburg.de/

    Ein geplanter Programmpunkt sind die Wahlprüfsteine. Da auch ADFC und Radentscheid auf der Wandelwoche vertreten sind, erwarte ich aussagekräftige Diskussionen.

  • Und dann möchte sie in der morgigen Veranstaltung ausgerechnet mit Marcus Lewe über „Moderne Mobilität für Lüneburg“ sprechen, während sich Lewe wohl gerade freut, sich in Münster nicht mehr allzu sehr mit den Ambitionen einer autoarmen Innenstadt herumschlagen zu müssen.

    Insgesamt waren mit Scherf und Lewe 20 Zuhörerinnen anwesend, wobei es weniger um Fahrräder als mehr um vermeintlich moderne Mobilität ging. Also: Elektrobusse, Apps, kleine Midi-Busse für die Tagesrandzeiten und so weiter. Notiert habe ich mir vor allem Lewes Aussage, dass die Abschaffung der Straßenbahn in Münster der Startschuss für unfassbare Fahrradinfrastruktur gewesen wäre, weil man keine autogerechte Stadt wollte. Ich habe mich mit Brompti nur ein paar Stunden in Münster aufgehalten, aber naja, ich sehe das dann doch etwas anderes. Und es soll ein Radwegenetz parallel zu den Hauptstraßen eingerichtet werden, die in den Außenbereichen in Velorouten übergehen und das Umland verbinden.


    Dann wurde noch über grünen Wasserstoff gesprochen, der mit Windrädern erzeugt werden soll, die aus der EEG-Förderung rausgefallen sind. Ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich funktionieren wird oder nur kühne Pläne sind.


    Dann betone Scherf noch, der Umstieg vom Auto auf ÖPNV und Fahrrad wäre auch in Lüneburg sehr wichtig, was ich mal für den Rest des Wahlkampfes im Hinterkopf behalten werde. Zum Schluss ging es noch irgendwie um Flächengerechtigkeit und es wurde grob die Problematik umrissen, dass Geh- und Radwege sehr eng wären, nebenan aber breite Fahrbahnen für den Kraftverkehr bereitstünden.


    Das erinnert mich ein wenig an die Sanierung der Dahlenburger Landstraße, wo der Radweg auf Kosten des Gehweges verbreitert wurde, weil offenkundig mal wieder der Mut fehlte, die Parkplätze auf dem Seitenstreifen aufzugeben. Und ich finde, das ist definitiv jene Art der Verkehrswende, mit der wir uns keinen Gefallen tun.


    Vielleicht frage ich noch mal per Mail nach, wie viel Mut Frau Scherf aufzubringen gedenkt, was die Umverteilung der Nebenflächen angeht.