Autofreie Kiellinie

  • Beinahe an mir vorbeigegangen ist die Sperrung der nördlichen Kiellinie in Kiel. Diese Promenade verläuft direkt an der Kieler Förde vom Landeshaus bis Hoch in den Stadtteil Kiel-Wik und besteht aus unterschiedlichen Querschnitten. Der nördliche, momentan autofreie Abschnitt ist 16 Meter breit und beinhaltet einem 3,5 Meter breiten Parkstreifen, zwei Fahrstreifen von 4,2 Meter Breite (?), einem 1,6 Meter breiten Zweirichtungsradweg und einem 2,5 Meter breiten Gehweg. Das ist also eher keine Promenade zum Flanieren und Verweilen, sondern vor allem ein Laufsteg Fahrsteg für höherpreisige Autos, die dort am Wochenende im Sonnenschein hin und her gefahren werden.


    Nun wird dort gebaut und man kam auf die Idee, die damit einhergehende Sperrung als „autofreie Kiellinie“ oder „Erlebnis Kiellinie Nord“ zu verkaufen und ein paar Sonnenliegen und Pflanzen aufzustellen. Ich hielt das zunächst für eine Mogelpackung, aber prinzipiell wurde in den letzten Wochen ein wirklich schöner Raum direkt am Meer mit ganz erheblicher gesteigerter Aufenthaltsqualität geschaffen. Dort war in den letzten Tagen echt viel los, beispielsweise wurde gestern das erste Kieler Lastenradrennen dort ausgetragen, nebenan fand das Klimacamp von Correctiv statt, während heute eine Klimaschutzwerkstatt zum Thema Mobilitätswandel, Nachhaltigkeit und Klimawandel bei schönem Wetter ans Wasser lockte.


    Ein paar Fotos davon gibt es hier:



    Um zum Thema Radverkehr zurückzukommen: Es gab heute eine Podiumsdiskussion, die sich an einen Vortrag von Heiner Monheim anschloss, an dem unter anderem Vertreter von Greenpeace und dem VCD mit Monheim und dem Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer diskutieren konnten. Diese Debatte fand natürlich unter dem Vorzeichen des so genannten Klimaschutzpaketes statt, dass die Bundesregierung am Freitag vorgelegt hatte.


    Diese Debatten verlässt man als Zuschauer immer mit dem wohligen Gefühl, dass wir das ja alles doch noch irgendwie in den Griff bekommen könnten, dass wir eigentlich auf einem ganz guten Wege wären und prinzipiell ganz gleich morgen früh sofort nach dem Aufstehen mit Klimaschutz und Mobilitätswende und allem drum und dran zu 500 Prozent anfangen. Zehn Minuten später steht man da und sieht betroffen den Vorhang zu, aber alle Fragen offen, denn irgendwie… kommt beim Klimaschutz ja eh nichts herum.


    Ich kann den Herrn Kämpfer eigentlich gut leiden, er meint es umwelt- und klimapolitisch einigermaßen ernst und fährt selbst hinreichend viel Fahrrad, um die Missstände in seiner Stadt zu kennen. Aber trotzdem kriegen wir hier nach meinem Empfinden nicht genügend auf die Reihe.


    Besprochen wurde beispielsweise die Stadtbahn, beziehungsweise StadtRegionalBahn, die Ulf Kämpfer selbst vor vier Jahren mit beerdigt hatte, weil sich die Umlandgemeinden nicht einig werden konnten — und nun plötzlich Auferstehung feiern soll, weil Fahrverbote für Dieselmotoren vor der Tür stehen. Und nun reden wir da ernsthaft drüber, ob womöglich 2030 oder gar schon 2025 der erste Zug durch Kiel fährt? In fünfeinhalb Jahren? Ich wohne erst ein knappes Jahr in Kiel, aber während dieser Zeit konnte ich einigermaßen eindrucksvoll die Debatte um die mögliche Bahntrasse in der Holtenauer Straße verfolgen. Der Einzelhandel ist gar nicht so ganz davon begeistert und sieht das natürlich traditionell kritisch, weil bekanntlich nur ein leerer Kofferraum einkauft und während der jahrelangen Bauphasen die Kunden ausbleiben. Und ich soll nun glauben, dass wir in den nächsten fünf Jahren eine Trasse durch die Straße ballern? Sorry: Ausgeschlossen. Abgesehen davon hat es natürlich ein gewisses Geschmäckle, mit der StadtRegionalBahn aufgrund der Dieselfahrverbote wieder um die Ecke zu kommen, obwohl das Konzept hinsichtlich Mobilität, Lebensqualität und Klimaschutz allein genügend Vorteile gebracht hätte.


    Was aber in den nächsten Jahren passieren wird, ist der Ausbau der Bundesautobahn 21 hoch bis Kiel. Die wird eine ganze Menge zusätzlichen Kraftverkehr in die Stadt spülen und für weitere Verkehrsprobleme in der ohnehin einigermaßen überlasteten Innenstadt führen. Denn dieser zusätzliche Verkehr, der muss ja auch irgendwo parken, irgendwelche Klima- oder Stickoxidziele einhalten, irgendwo fließen. Puh. Aus dem Publikum meldete sich Unmut, ob man diese Autobahn angesichts des Klima- und Mobilitätswandels überhaupt brauche, ob man den Ausbau nicht stoppen könnte, weil darunter auch eine wertvolle Grünfläche abhanden käme, aber irgendwie ginge das wohl nicht mehr, weil das eben eine Bundesautobahn wäre — und dieses Geschenk könne man nicht ablehnen.


    Dann kommt Möbel Kraft nach Kiel Höffner nach Kiel und bringt nicht nur Steuergelder, sondern noch mal zusätzlichen Verkehr in die Stadt, wird dabei eine Grünfläche vernichten, die bislang war sowieso nur eine Kleingartensiedlung mit begrenzter Lebensdauer war, aber eben eine Grünfläche und ein Lebensraum für die Natur. Das muss aber auch kommen, denn im Bürgerentscheid im Jahre 2014 waren 52 Prozent für eine Ansiedlung von Möbel Kraft. Da kann man nichts mehr machen.


    Wir haben mit der Sprottenflotte ein Leihradsystem bekommen, das von Nextbike betrieben wird. Mittlerweile ist das wohl auch relativ beliebt und hat eine Menge zusätzlicher Stationen bekommen, aber ich sehe noch nicht so ganz den Grund zur Hoffnung, dass man daraus aus Preetz oder Eckernförde mit einem Leihrad (?) auf einem noch zu bauenden Radschnellweg (?) zur Arbeit nach Kiel fahren wird — zumal beide Städte ja relativ gut mit halbstündlich verkehrenden Eisenbahnverbindungen angebunden sind.


    Ah, und Radwege? Klar, die Veloroute 10 ist bislang prima und wird mit der Verlängerung über die A 215 sicherlich noch attraktiver, gar keine Frage. Und ansonsten? Okay, die Radverkehrsinfrastruktur ist deutlich besser als in Hamburg und netter als in einer Menge anderer Städte, aber trotzdem nicht so der Kracher. Auch da soll nach Meinung des Podiums in den kommenden Jahren kräftig gedreht werden und auch da wird sich nach meiner Meinung erstmal nicht ganz so viel tun: Die Mühlen in der Verwaltung mahlen nunmal recht langsam. Bemängelt wurde beispielsweise der Radweg aus der Stadt Kiel heraus entlang der Eckernförder Straße, der wirklich in einem stellenweise absolut bemitleidenswerten Zustand ist — der aber nicht vollständig im Wirkungsbereich der Kieler Verwaltung liegt, sondern teilweise die Nachbarstadt Kronshagen zuständig ist. Man kann sich ja vorstellen, wie großartig die Zusammenarbeit bei einer Sanierung dieser nicht ganz unwichtigen Radverkehrsverbindung sein wird, gerade hinsichtlich eines eng getakteten Zeitrahmens.


    Und sonst so? Klar, Kiel hat eine ganze Menge Fahrradstraßen, von denen aber eine ganze Menge auch einfach nur Parkplätze mit einem Fahrradpiktogramm in der Mitte sind. Kommt ein Kraftfahrzeug entgegen, gibt es Stress, will ein Kraftfahrzeug überholen, gibt es Stress, an Kreuzungen gibt es immer Herumgekasper mit § 10 StVO oder Rechts-vor-links-Ansätzen. Das ist alles nicht grundsätzlich schlecht und falsch, aber meiner Meinung nach auch noch nicht die total reine Geilheit, als dass man damit angeben könnte.


    Man mag es leicht übersehen, aber die Stadt Kiel hat ja vor ein paar Monaten den Klimanotstand ausgerufen. Mir ist klar, dass viele Maßnahmen im Zuge dieses Klimanotstandes eher auf der Verwaltungsebene angesiedelt sind und in Ermangelung von Interesse nicht durch die Presse an die Öffentlichkeit gelangen. Aber ich frage mich schon, ob erneuerbare Energien und Solarzellen auf Dächern öffentlicher Liegenschaften, eine Erneuerung der Busflotte und neue Fähren so ganz das große Ding werden.


    Mittlerweile liegen beispielsweise bis zu fünf Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig in der Förde, fertigen an einem Tag rund 25.000 Fahrgäste ab, die anschließend den Bahnverkehr verstopfen (und keinen Landstromanschluss nutzen werden), in den kommenden Jahren werden fünf Schiffe gleichzeitig wohl keine Ausnahme sein).


    Ich gehe nicht davon aus, dass Ulf Kämpfer dieses Plakat mit genau diesem Motiv an genau diesem Ort angebracht hat, aber das Bild wirkt in seiner Gesamtkomposition ziemlich dreist:


    2019-09-22 um 11-34-42


    Ja, ich versuche als Bürger dieser Stadt durchaus für das Klima zu kämpfen. Trotzdem feiern wir uns immer wieder dafür so viele Kreuzfahrtschiffe anzuziehen, die unsere Verkehrswege verstopfen, die CO2-Bilanz ruinieren und eine Menge Schadstoffe im Umfeld der Förde verstreuen. Gerade in diesem Zusammenhang etwas von Klimaschutz in den bevorstehenden Oberbürgermeisterwahlkampf einzustreuen finde ich mutig.


    Und: Kämpfer wird von der Kieler FDP unterstützt, deren Ratsmitglied so langsam die Nase voll hat von „linksgrünen Verschwörungstheorien“ und „Klimahysterie“. Einerseits kann ich mir nicht vorstellen, wie mit einem solchen Bündnispartner, der sich eher um den Ausbau von Parkplätzen und Straßen sorgt, weitere Maßnahmen im Bereich Klimaschutz oder Verkehrswende auf die Beine gestellt werden soll — andererseits ist Kämpfer für mich gerade mit diesem Partner aus ebenjenem Grunde unwählbar. Pardon, aber wer sich mit Politikern einlässt, die von Verschwörungstheorien und Klimahysterie fabulieren, kann es mit Klimaschutz nicht ernst meinen.


    Und so fürchte ich, dass die autofreie Kiellinie wohl auch in Zukunft vor allem ein Experiment geblieben sein wird. Im nächsten Sommer wird sich der übliche kraftfahrzeugige Trott am Wochenende wieder eingespielt haben und Spaziergänger werden sich nicht mehr daran erinnern, wie ruhig die Kiellinie ohne den ganzen Kraftverkehr nebenan war, welche immense Steigerung der Aufenthaltsqualität mit baustellenbedingten Straßensperrung, ein paar Sitzbänken und Blumenkübeln zu erreichen war.


    Eigentlich echt schade.

  • Malte

    Hat das Thema freigeschaltet
  • Und so fürchte ich, dass die autofreie Kiellinie wohl auch in Zukunft vor allem ein Experiment geblieben sein wird. Im nächsten Sommer wird sich der übliche kraftfahrzeugige Trott am Wochenende wieder eingespielt haben und Spaziergänger werden sich nicht mehr daran erinnern, wie ruhig die Kiellinie ohne den ganzen Kraftverkehr nebenan war, welche immense Steigerung der Aufenthaltsqualität mit baustellenbedingten Straßensperrung, ein paar Sitzbänken und Blumenkübeln zu erreichen war.

    Tja, was konnte ich denn damals ahnen, was es in diesem Sommer passieren sollte? Wenigstens über die Osterfeiertage ist die Kiellinie wieder autofrei, damit die Menschen beim Flanieren in der Frühlingssonne den Mindestabstand von anderthalb Metern wahren können. Eine Woche vorher war die Kiellinie allerdings ohnehin aufgrund einer Arbeitsstelle gesperrt, in der Fußgänger und Radfahrer auf engstem Raum miteinander auskommen mussten.


    Hier wird der ohnehin für den Zweirichtungsverkehr sehr schmal bemessene Radweg einfach mal gesperrt. Wie so oft leider ohne jegliche Beschilderung — man fährt dann eben in beiden Richtungen ordnungswidrig auf dem Gehweg weiter?



    Es wird mitunter ganz schön eng, sogar ohne Gegenverkehr oder Fußgänger. Und ganz rechts geht’s direkt rein in die Kieler Förde.



    Blick aus der Gegenrichtung. Es gibt fünf rote Lämpchen, immerhin, die aber eigentlich die gesamte Breite der Vollsperrung anzeigen sollen. Zeichen 250 wacht derweil darüber, dass auch wirklich kein Fahrzeug den Straßenquerschnitt durchquert. Ob man hier an der Seite noch mit dem Rad entlangfahren darf oder soll, wäre mir bei diesem Anblick tatsächlich nicht klar gewesen.



    Noch ein Stück weiter hinten gibt es gar keine Anzeichen, dass man hier mit dem Rad überhaupt weiterkommt. Wäre ich nicht ortskundig, wäre ich hier mit dem Rad rechts abgebogen, um die Arbeitsstelle zu umfahren:



    Ist halt wieder diese „Der Radverkehr wird sich seinen Weg suchen“-Nummer. Dass ich mit dem Rad ordnungswidrig auf dem Gehweg fahren soll, erfahre ich nur beim Twitter-Konto der Stadt Kiel:


  • Nun ist also der nördliche Teil der Kielline über das Osterwochenende für den Kraftverkehr gesperrt worden. Das ist, gar keine Frage, eine tolle Sache und umso wichtiger in Zeiten wie diesen, in denen Menschen zu Hause bleiben sollen und Spielplätze und Sportstätten gesperrt sind, weil auf den engen Gehwegen in unseren Städten überhaupt kein Platz ist, um sich aus dem Weg zu gehen, um wenigstens die geforderten anderthalb Meter Sicherheitsabstand zueinander einzuhalten.


    Was aber dieser tollen Idee fehlte, war eine entsprechende Beschilderung für Fußgänger und Radfahrer, dass ihnen für ein verlängertes Wochenende diese Straße gehörte. Das bekam man in meiner Filterblase nur über die Lokalzeitungen und die Social-Media-Angebote der Stadt Kiel mit:


    Ein Paradies für Sportler und Fußgänger


    Bewege ich mich aber als, naja, ich sage mal, uninformierter Verkehrsteilnehmer entlang der Kiellinie, dann bekomme ich davon gar nichts mit: Es gibt zwar mehrere Straßensperrungen, aber als uninformierter Verkehrsteilnehmer nehme ich die vielleicht gar nicht so richtig wahr, beziehungsweise schließe daraus nicht, dass ich mich jetzt tatsächlich auch im Interesse meiner anderthalb Meter Sicherheitsabstand auf der Fahrbahn bewegen soll.


    Und so sah es dann entlang der autofreien Kiellinie auch aus: Die meisten Fußgänger und Radfahrer drängelten sich auf der schmalen Nebenfläche, die vier Meter für den Gehweg und 2,5 Meter für den Zweirichtungsradweg vorsieht, lediglich ein kleiner Teil der Besucher, hauptsächlich Radfahrer, nutzen die gesperrte Fahrbahn:



    Die Sperrungen entlang des autofreien Bereichs sind, naja, so eine Sache. Ich will mich gar nicht an den fünf roten Lämpchen aufhalten, die eigentlich über die gesamte Breite der Vollsperrung verteilt sein sollen, die aber auch gar keine Vollsperrung ist, weil Radfahrer ja passieren dürfen, was dieses Mal dankenswerterweise sogar mit Zusatzzeichen 1022-10 unterhalb des Zeichen 250 angezeigt wird. Links und rechts kommt man mit dem Rad auch noch vorbei, wenngleich die Sache ein bisschen eng ist. Aber insgesamt ist eine Freigabe für den Radverkehr gegeben, insofern ist die Sache nur halb so doof wie von mir befürchtet.



    Zwischendurch kommt man zu Fuß oder mit dem Rad noch an diesem Kunstwerk vorbei, das eindrucksvoll aufzeigt, wie das in Kiel und anderen Städten mutmaßlich mit den anderthalb Metern Sicherheitsabstand überall in Arbeitsstellen gehandhabt wird: Gar nicht. Und wie immer gilt auch hier: Wer zu Fuß oder mit dem Rad den blauen Container oder das rote Klo übersieht, der wird sowieso nicht sicher im Straßenverkehr unterwegs sein, doch fehlen hier trotzdem reflektierende Elemente am Baustellenzaun.



    Ein paar hundert Meter weiter im Süden wird die Fahrbahn hingegen schon stärker von nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmern in Anspruch genommen. Man sieht hier auch den Gehweg auf der wasserabgewandten Seite, der hier als Parkplatz Verwendung finden. Um sich auf der Bank zu setzen, muss man normalerweise durch die Fahrradständer kraxeln. Interessanterweise ist das Gehwegparken bei Zeichen 315 nur für Kraftfahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von maximal 2,8 Tonnen erlaubt ist, so dass das Zusatzzeichen „Pkw“ nur noch dafür sorgt, dass dort keine leichten Wohnmobile oder Wohnwagen oder sowas parken. Naja.



    Nun zum komplizierten Teil der Sache. Die südliche Grenze des autofreien Bereiches sieht „von innen“ so aus. Links zunächst Zeichen 239, das dort immer steht und kennzeichnen soll, dass die linke Fläche nur ein Gehweg ist. Dazu gesellt sich jetzt Zeichen 254 — als Radfahrer darf man sich jetzt wieder wundern, was die Straßenverkehrsbehörde mit dem Schild wohl erreichen möchte. Grundsätzlich ist die Sache relativ klar, man möchte wohl den Radverkehr weiterhin auf der Fahrbahn wissen, während der eigentliche Gehweg in diesem Bereich zusätzlich für Fußgänger vorgesehen sein soll, damit man sich hier weiterhin mit anderthalb Metern Abstand aus dem Weg gehen kann.



    Leider hat man ganz schön viele Zeichen 254 auftreiben können und in diesem Bereich überall aufgestellt:



    Das Problem ist aber: Die Fahrbahn, auf der Radfahrer ja offenkundig weiterhin kurbeln sollen, ist gesperrt — und zwar gar nicht zu knapp. Ja, Radfahrer sind von Zeichen 250 ausgenommen, immerhin, dafür wird’s hier aber schon echt eng, irgendwie mit dem Rad vorbeizukommen — und das wird umso absurder, weil ja der Radweg nebenan mit diversen Zeichen 254 verziert ist. Man muss also hier irgendwie durch und kann sich dabei schön noch an der Verkehrshalbinsel aufs Maul hauen. Ich finde schon, dass hier mit etwas gutem Willen eine bessere Schleuse möglich gewesen wäre, die den Kraftverkehr abhält, aber auch älteren Radfahrern oder Fahrrädern mit Anhänger die Durchfahrt ermöglicht. Es hätte womöglich schon gereicht, das rechte Absperrgitter einen Meter nach hinten zu versetzen.


    Ochso: Die roten Lämpchen, nä? Und da ja auch Verkehr aus der anderen Seite zu erwarten ist, wären dort auch reflektierende Elemente angesagt. Aber das ist vielleicht schon ein bisschen viel verlangt.



    Weiter geht’s an allen erdenklichen Stellen mit dem Verbot von Fahrrädern, was nicht immer besonders gut gelungen ist…


    … und auch nicht besonders sinnvoll scheint: In dem autofreien Bereich durfte der Radweg benutzt werden, obwohl die Fahrbahn frei von störenden Kraftfahrzeugen war, aber im südlichen Bereich, in dem Kraftfahrzeuge, darunter Busse und Poserkarren unterwegs sind, ist der Radweg tabu. Das dürfte ja insbesondere Familien mit Kindern die An- oder Abreise erschweren, wenn man sich plötzlich mit dem teilweise nicht unerheblichen Parksuchverkehr herumschlagen muss.



    Tja. Zugegeben: Viel ist momentan nicht los.




    Die südliche Grenze markiert dann diese wunderbare Verkehrsführung in Form eines einzelnen Zeichen 254. Wer hält das für eine gute Idee?



    Ist doch klar, dass das so nicht funktioniert:



    Es gibt keine Absperrgitter, keine Arbeitsstelle, es gibt überhaupt nichts — und damit auch erfahrungsgemäß keinen Grund, warum man als Radfahrer dieses Zeichen ernst nehmen sollte. Die Erfahrung zeigt ja schließlich, dass im Verkehrsraum so einiges an Verkehrszeichen herumsteht, das vergessen oder entgegen der Anordnung aufgestellt wurde und insofern im Sinne von „man sieht ja, was gemeint ist“ zu ignorieren ist.


    Mir ist klar, dass man für diese vier Tage keine aufwändige Verkehrsführung installieren möchte, aber, Pardon, dann darf man sich über so genannte Kampfradler nicht beschweren. Den ganzen Kram kapiert halt kein normaler Mensch.


    Meines Erachtens fehlen hier ein zwei wesentliche Dinge:

    • Ein Schild, dass die autofreie Kiellinie erklärt. Ist aber aufwändig, lohnt sich mutmaßlich nicht für vier Tage, hätte aber den positiven Effekt, dass es ein größerer Teil der Verkehrsteilnehmer versteht.
    • Eine Aufleitung auf die Fahrbahn mit gelben Markierungen in Höhe des Zeichens 254 zusamen mit einer Sperrung des Radweges — einfach nur so, damit man merkt, dass die Sache ernst gemeint ist. Dazu gehört natürlich in diesem Fall auch eine Fahrbahnverengung vor der Aufleitung, so dass der Wechsel auf die Fahrbahn möglichst einfach und gefahrlos ist.

    Insofern: Die autofreie Kiellinie ist eine tolle Sache — sofern man denn davon weiß. Und wenn wir mit solchen Maßnahmen auf einen Abstand von anderthalb Metern hinarbeiten wollen, dann müssen wir eben auch dafür sorgen, dass die Leute solche Sperrungen verstehen und auch vernünftig anwenden können. Und das wird mit Vollsperrungen und wie mit der Gießkanne verteilten Zeichen 254 eher nicht erreicht.

  • Was aber dieser tollen Idee fehlte, war eine entsprechende Beschilderung für Fußgänger und Radfahrer, dass ihnen für ein verlängertes Wochenende diese Straße gehörte. Das bekam man in meiner Filterblase nur über die Lokalzeitungen und die Social-Media-Angebote der Stadt Kiel mit:


    Ein Paradies für Sportler und Fußgänger

    Hmm:

    Zitat

    Die Entscheidung der Stadt, die Kiellinie zwischen Lindenallee und Marinestützpunkt für den Verkehr zu sperren, kommt bei Fußgängern, Radfahrern und Sportlern sehr gut an.


    Tja, bei Fußgängern, Radfahrern und Sportlern handelt es sich nach Ansicht der Zeitung offenbar nicht um Verkehr.

  • Da sieht man, wie tief das anerzogene Verhalten sitzt, den 'Verkehr' nicht zu behindern. An den Feiertagen hatten wir auch hier praktisch leere Straßen, und die Radfahrer drängen sich trotzdem lieber auf dem engen Gehweg.

  • Die Sperrung zugunsten Radfahrern und Fußgängern wurde bis zum Sonntag, den 19. April verlängert — man darf aber wie immer nicht die Drunterkommentare lesen:



    Ich muss bei Gelegenheit mal hinfahren und gucken, ob man an der Absperrung tatsächlich etwas verbessert hat:

  • Die autofreie Kiellinie wird noch für zwei weitere Wochen beibehalten:



    Das findet natürlich nicht jeder prima. Kraftfahrer beschweren sich, dass sie nicht mehr an der Kiellinie spazieren fahren könnten, Anwohner über den erhöhten Umleitungsverkehr. Letzteres kommt mir dann doch ein bisschen seltsam vor, denn das Verkehrsaufkommen müsste in den Spitzenzeiten insgesamt immer noch deutlich geringer sein als noch vor sechs Wochen in den Tagesrandlagen. Aber das ist natürlich auch nur eine grobe Schätzung aus dem Bauch heraus: Verkehrsfreie Kiellinie: Ergebnisse werden präsentiert

  • Kiel schafft zwar nach meiner Kenntnis nur an der Kiellinie Platz für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer, dafür dort allerdings ernsthaft: Die Sperrung wurde noch mal um eine Woche verlängert:



    Vielleicht könnten wir das ja auf unbestimmte Zeit so beibehalten.

  • Kiel legt noch mal nach und sperrt die Kiellinie am verlängerten Himmelfahrtswochenende noch einmal: