Autofreie Kiellinie

  • Beinahe an mir vorbeigegangen ist die Sperrung der nördlichen Kiellinie in Kiel. Diese Promenade verläuft direkt an der Kieler Förde vom Landeshaus bis Hoch in den Stadtteil Kiel-Wik und besteht aus unterschiedlichen Querschnitten. Der nördliche, momentan autofreie Abschnitt ist 16 Meter breit und beinhaltet einem 3,5 Meter breiten Parkstreifen, zwei Fahrstreifen von 4,2 Meter Breite (?), einem 1,6 Meter breiten Zweirichtungsradweg und einem 2,5 Meter breiten Gehweg. Das ist also eher keine Promenade zum Flanieren und Verweilen, sondern vor allem ein Laufsteg Fahrsteg für höherpreisige Autos, die dort am Wochenende im Sonnenschein hin und her gefahren werden.


    Nun wird dort gebaut und man kam auf die Idee, die damit einhergehende Sperrung als „autofreie Kiellinie“ oder „Erlebnis Kiellinie Nord“ zu verkaufen und ein paar Sonnenliegen und Pflanzen aufzustellen. Ich hielt das zunächst für eine Mogelpackung, aber prinzipiell wurde in den letzten Wochen ein wirklich schöner Raum direkt am Meer mit ganz erheblicher gesteigerter Aufenthaltsqualität geschaffen. Dort war in den letzten Tagen echt viel los, beispielsweise wurde gestern das erste Kieler Lastenradrennen dort ausgetragen, nebenan fand das Klimacamp von Correctiv statt, während heute eine Klimaschutzwerkstatt zum Thema Mobilitätswandel, Nachhaltigkeit und Klimawandel bei schönem Wetter ans Wasser lockte.


    Ein paar Fotos davon gibt es hier:



    Um zum Thema Radverkehr zurückzukommen: Es gab heute eine Podiumsdiskussion, die sich an einen Vortrag von Heiner Monheim anschloss, an dem unter anderem Vertreter von Greenpeace und dem VCD mit Monheim und dem Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer diskutieren konnten. Diese Debatte fand natürlich unter dem Vorzeichen des so genannten Klimaschutzpaketes statt, dass die Bundesregierung am Freitag vorgelegt hatte.


    Diese Debatten verlässt man als Zuschauer immer mit dem wohligen Gefühl, dass wir das ja alles doch noch irgendwie in den Griff bekommen könnten, dass wir eigentlich auf einem ganz guten Wege wären und prinzipiell ganz gleich morgen früh sofort nach dem Aufstehen mit Klimaschutz und Mobilitätswende und allem drum und dran zu 500 Prozent anfangen. Zehn Minuten später steht man da und sieht betroffen den Vorhang zu, aber alle Fragen offen, denn irgendwie… kommt beim Klimaschutz ja eh nichts herum.


    Ich kann den Herrn Kämpfer eigentlich gut leiden, er meint es umwelt- und klimapolitisch einigermaßen ernst und fährt selbst hinreichend viel Fahrrad, um die Missstände in seiner Stadt zu kennen. Aber trotzdem kriegen wir hier nach meinem Empfinden nicht genügend auf die Reihe.


    Besprochen wurde beispielsweise die Stadtbahn, beziehungsweise StadtRegionalBahn, die Ulf Kämpfer selbst vor vier Jahren mit beerdigt hatte, weil sich die Umlandgemeinden nicht einig werden konnten — und nun plötzlich Auferstehung feiern soll, weil Fahrverbote für Dieselmotoren vor der Tür stehen. Und nun reden wir da ernsthaft drüber, ob womöglich 2030 oder gar schon 2025 der erste Zug durch Kiel fährt? In fünfeinhalb Jahren? Ich wohne erst ein knappes Jahr in Kiel, aber während dieser Zeit konnte ich einigermaßen eindrucksvoll die Debatte um die mögliche Bahntrasse in der Holtenauer Straße verfolgen. Der Einzelhandel ist gar nicht so ganz davon begeistert und sieht das natürlich traditionell kritisch, weil bekanntlich nur ein leerer Kofferraum einkauft und während der jahrelangen Bauphasen die Kunden ausbleiben. Und ich soll nun glauben, dass wir in den nächsten fünf Jahren eine Trasse durch die Straße ballern? Sorry: Ausgeschlossen. Abgesehen davon hat es natürlich ein gewisses Geschmäckle, mit der StadtRegionalBahn aufgrund der Dieselfahrverbote wieder um die Ecke zu kommen, obwohl das Konzept hinsichtlich Mobilität, Lebensqualität und Klimaschutz allein genügend Vorteile gebracht hätte.


    Was aber in den nächsten Jahren passieren wird, ist der Ausbau der Bundesautobahn 21 hoch bis Kiel. Die wird eine ganze Menge zusätzlichen Kraftverkehr in die Stadt spülen und für weitere Verkehrsprobleme in der ohnehin einigermaßen überlasteten Innenstadt führen. Denn dieser zusätzliche Verkehr, der muss ja auch irgendwo parken, irgendwelche Klima- oder Stickoxidziele einhalten, irgendwo fließen. Puh. Aus dem Publikum meldete sich Unmut, ob man diese Autobahn angesichts des Klima- und Mobilitätswandels überhaupt brauche, ob man den Ausbau nicht stoppen könnte, weil darunter auch eine wertvolle Grünfläche abhanden käme, aber irgendwie ginge das wohl nicht mehr, weil das eben eine Bundesautobahn wäre — und dieses Geschenk könne man nicht ablehnen.


    Dann kommt Möbel Kraft nach Kiel Höffner nach Kiel und bringt nicht nur Steuergelder, sondern noch mal zusätzlichen Verkehr in die Stadt, wird dabei eine Grünfläche vernichten, die bislang war sowieso nur eine Kleingartensiedlung mit begrenzter Lebensdauer war, aber eben eine Grünfläche und ein Lebensraum für die Natur. Das muss aber auch kommen, denn im Bürgerentscheid im Jahre 2014 waren 52 Prozent für eine Ansiedlung von Möbel Kraft. Da kann man nichts mehr machen.


    Wir haben mit der Sprottenflotte ein Leihradsystem bekommen, das von Nextbike betrieben wird. Mittlerweile ist das wohl auch relativ beliebt und hat eine Menge zusätzlicher Stationen bekommen, aber ich sehe noch nicht so ganz den Grund zur Hoffnung, dass man daraus aus Preetz oder Eckernförde mit einem Leihrad (?) auf einem noch zu bauenden Radschnellweg (?) zur Arbeit nach Kiel fahren wird — zumal beide Städte ja relativ gut mit halbstündlich verkehrenden Eisenbahnverbindungen angebunden sind.


    Ah, und Radwege? Klar, die Veloroute 10 ist bislang prima und wird mit der Verlängerung über die A 215 sicherlich noch attraktiver, gar keine Frage. Und ansonsten? Okay, die Radverkehrsinfrastruktur ist deutlich besser als in Hamburg und netter als in einer Menge anderer Städte, aber trotzdem nicht so der Kracher. Auch da soll nach Meinung des Podiums in den kommenden Jahren kräftig gedreht werden und auch da wird sich nach meiner Meinung erstmal nicht ganz so viel tun: Die Mühlen in der Verwaltung mahlen nunmal recht langsam. Bemängelt wurde beispielsweise der Radweg aus der Stadt Kiel heraus entlang der Eckernförder Straße, der wirklich in einem stellenweise absolut bemitleidenswerten Zustand ist — der aber nicht vollständig im Wirkungsbereich der Kieler Verwaltung liegt, sondern teilweise die Nachbarstadt Kronshagen zuständig ist. Man kann sich ja vorstellen, wie großartig die Zusammenarbeit bei einer Sanierung dieser nicht ganz unwichtigen Radverkehrsverbindung sein wird, gerade hinsichtlich eines eng getakteten Zeitrahmens.


    Und sonst so? Klar, Kiel hat eine ganze Menge Fahrradstraßen, von denen aber eine ganze Menge auch einfach nur Parkplätze mit einem Fahrradpiktogramm in der Mitte sind. Kommt ein Kraftfahrzeug entgegen, gibt es Stress, will ein Kraftfahrzeug überholen, gibt es Stress, an Kreuzungen gibt es immer Herumgekasper mit § 10 StVO oder Rechts-vor-links-Ansätzen. Das ist alles nicht grundsätzlich schlecht und falsch, aber meiner Meinung nach auch noch nicht die total reine Geilheit, als dass man damit angeben könnte.


    Man mag es leicht übersehen, aber die Stadt Kiel hat ja vor ein paar Monaten den Klimanotstand ausgerufen. Mir ist klar, dass viele Maßnahmen im Zuge dieses Klimanotstandes eher auf der Verwaltungsebene angesiedelt sind und in Ermangelung von Interesse nicht durch die Presse an die Öffentlichkeit gelangen. Aber ich frage mich schon, ob erneuerbare Energien und Solarzellen auf Dächern öffentlicher Liegenschaften, eine Erneuerung der Busflotte und neue Fähren so ganz das große Ding werden.


    Mittlerweile liegen beispielsweise bis zu fünf Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig in der Förde, fertigen an einem Tag rund 25.000 Fahrgäste ab, die anschließend den Bahnverkehr verstopfen (und keinen Landstromanschluss nutzen werden), in den kommenden Jahren werden fünf Schiffe gleichzeitig wohl keine Ausnahme sein).


    Ich gehe nicht davon aus, dass Ulf Kämpfer dieses Plakat mit genau diesem Motiv an genau diesem Ort angebracht hat, aber das Bild wirkt in seiner Gesamtkomposition ziemlich dreist:


    2019-09-22 um 11-34-42


    Ja, ich versuche als Bürger dieser Stadt durchaus für das Klima zu kämpfen. Trotzdem feiern wir uns immer wieder dafür so viele Kreuzfahrtschiffe anzuziehen, die unsere Verkehrswege verstopfen, die CO2-Bilanz ruinieren und eine Menge Schadstoffe im Umfeld der Förde verstreuen. Gerade in diesem Zusammenhang etwas von Klimaschutz in den bevorstehenden Oberbürgermeisterwahlkampf einzustreuen finde ich mutig.


    Und: Kämpfer wird von der Kieler FDP unterstützt, deren Ratsmitglied so langsam die Nase voll hat von „linksgrünen Verschwörungstheorien“ und „Klimahysterie“. Einerseits kann ich mir nicht vorstellen, wie mit einem solchen Bündnispartner, der sich eher um den Ausbau von Parkplätzen und Straßen sorgt, weitere Maßnahmen im Bereich Klimaschutz oder Verkehrswende auf die Beine gestellt werden soll — andererseits ist Kämpfer für mich gerade mit diesem Partner aus ebenjenem Grunde unwählbar. Pardon, aber wer sich mit Politikern einlässt, die von Verschwörungstheorien und Klimahysterie fabulieren, kann es mit Klimaschutz nicht ernst meinen.


    Und so fürchte ich, dass die autofreie Kiellinie wohl auch in Zukunft vor allem ein Experiment geblieben sein wird. Im nächsten Sommer wird sich der übliche kraftfahrzeugige Trott am Wochenende wieder eingespielt haben und Spaziergänger werden sich nicht mehr daran erinnern, wie ruhig die Kiellinie ohne den ganzen Kraftverkehr nebenan war, welche immense Steigerung der Aufenthaltsqualität mit baustellenbedingten Straßensperrung, ein paar Sitzbänken und Blumenkübeln zu erreichen war.


    Eigentlich echt schade.

  • Malte

    Hat das Thema freigeschaltet
  • Und so fürchte ich, dass die autofreie Kiellinie wohl auch in Zukunft vor allem ein Experiment geblieben sein wird. Im nächsten Sommer wird sich der übliche kraftfahrzeugige Trott am Wochenende wieder eingespielt haben und Spaziergänger werden sich nicht mehr daran erinnern, wie ruhig die Kiellinie ohne den ganzen Kraftverkehr nebenan war, welche immense Steigerung der Aufenthaltsqualität mit baustellenbedingten Straßensperrung, ein paar Sitzbänken und Blumenkübeln zu erreichen war.

    Tja, was konnte ich denn damals ahnen, was es in diesem Sommer passieren sollte? Wenigstens über die Osterfeiertage ist die Kiellinie wieder autofrei, damit die Menschen beim Flanieren in der Frühlingssonne den Mindestabstand von anderthalb Metern wahren können. Eine Woche vorher war die Kiellinie allerdings ohnehin aufgrund einer Arbeitsstelle gesperrt, in der Fußgänger und Radfahrer auf engstem Raum miteinander auskommen mussten.


    Hier wird der ohnehin für den Zweirichtungsverkehr sehr schmal bemessene Radweg einfach mal gesperrt. Wie so oft leider ohne jegliche Beschilderung — man fährt dann eben in beiden Richtungen ordnungswidrig auf dem Gehweg weiter?



    Es wird mitunter ganz schön eng, sogar ohne Gegenverkehr oder Fußgänger. Und ganz rechts geht’s direkt rein in die Kieler Förde.



    Blick aus der Gegenrichtung. Es gibt fünf rote Lämpchen, immerhin, die aber eigentlich die gesamte Breite der Vollsperrung anzeigen sollen. Zeichen 250 wacht derweil darüber, dass auch wirklich kein Fahrzeug den Straßenquerschnitt durchquert. Ob man hier an der Seite noch mit dem Rad entlangfahren darf oder soll, wäre mir bei diesem Anblick tatsächlich nicht klar gewesen.



    Noch ein Stück weiter hinten gibt es gar keine Anzeichen, dass man hier mit dem Rad überhaupt weiterkommt. Wäre ich nicht ortskundig, wäre ich hier mit dem Rad rechts abgebogen, um die Arbeitsstelle zu umfahren:



    Ist halt wieder diese „Der Radverkehr wird sich seinen Weg suchen“-Nummer. Dass ich mit dem Rad ordnungswidrig auf dem Gehweg fahren soll, erfahre ich nur beim Twitter-Konto der Stadt Kiel:


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  • Nun ist also der nördliche Teil der Kielline über das Osterwochenende für den Kraftverkehr gesperrt worden. Das ist, gar keine Frage, eine tolle Sache und umso wichtiger in Zeiten wie diesen, in denen Menschen zu Hause bleiben sollen und Spielplätze und Sportstätten gesperrt sind, weil auf den engen Gehwegen in unseren Städten überhaupt kein Platz ist, um sich aus dem Weg zu gehen, um wenigstens die geforderten anderthalb Meter Sicherheitsabstand zueinander einzuhalten.


    Was aber dieser tollen Idee fehlte, war eine entsprechende Beschilderung für Fußgänger und Radfahrer, dass ihnen für ein verlängertes Wochenende diese Straße gehörte. Das bekam man in meiner Filterblase nur über die Lokalzeitungen und die Social-Media-Angebote der Stadt Kiel mit:


    Ein Paradies für Sportler und Fußgänger


    Bewege ich mich aber als, naja, ich sage mal, uninformierter Verkehrsteilnehmer entlang der Kiellinie, dann bekomme ich davon gar nichts mit: Es gibt zwar mehrere Straßensperrungen, aber als uninformierter Verkehrsteilnehmer nehme ich die vielleicht gar nicht so richtig wahr, beziehungsweise schließe daraus nicht, dass ich mich jetzt tatsächlich auch im Interesse meiner anderthalb Meter Sicherheitsabstand auf der Fahrbahn bewegen soll.


    Und so sah es dann entlang der autofreien Kiellinie auch aus: Die meisten Fußgänger und Radfahrer drängelten sich auf der schmalen Nebenfläche, die vier Meter für den Gehweg und 2,5 Meter für den Zweirichtungsradweg vorsieht, lediglich ein kleiner Teil der Besucher, hauptsächlich Radfahrer, nutzen die gesperrte Fahrbahn:



    Die Sperrungen entlang des autofreien Bereichs sind, naja, so eine Sache. Ich will mich gar nicht an den fünf roten Lämpchen aufhalten, die eigentlich über die gesamte Breite der Vollsperrung verteilt sein sollen, die aber auch gar keine Vollsperrung ist, weil Radfahrer ja passieren dürfen, was dieses Mal dankenswerterweise sogar mit Zusatzzeichen 1022-10 unterhalb des Zeichen 250 angezeigt wird. Links und rechts kommt man mit dem Rad auch noch vorbei, wenngleich die Sache ein bisschen eng ist. Aber insgesamt ist eine Freigabe für den Radverkehr gegeben, insofern ist die Sache nur halb so doof wie von mir befürchtet.



    Zwischendurch kommt man zu Fuß oder mit dem Rad noch an diesem Kunstwerk vorbei, das eindrucksvoll aufzeigt, wie das in Kiel und anderen Städten mutmaßlich mit den anderthalb Metern Sicherheitsabstand überall in Arbeitsstellen gehandhabt wird: Gar nicht. Und wie immer gilt auch hier: Wer zu Fuß oder mit dem Rad den blauen Container oder das rote Klo übersieht, der wird sowieso nicht sicher im Straßenverkehr unterwegs sein, doch fehlen hier trotzdem reflektierende Elemente am Baustellenzaun.



    Ein paar hundert Meter weiter im Süden wird die Fahrbahn hingegen schon stärker von nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmern in Anspruch genommen. Man sieht hier auch den Gehweg auf der wasserabgewandten Seite, der hier als Parkplatz Verwendung finden. Um sich auf der Bank zu setzen, muss man normalerweise durch die Fahrradständer kraxeln. Interessanterweise ist das Gehwegparken bei Zeichen 315 nur für Kraftfahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von maximal 2,8 Tonnen erlaubt ist, so dass das Zusatzzeichen „Pkw“ nur noch dafür sorgt, dass dort keine leichten Wohnmobile oder Wohnwagen oder sowas parken. Naja.



    Nun zum komplizierten Teil der Sache. Die südliche Grenze des autofreien Bereiches sieht „von innen“ so aus. Links zunächst Zeichen 239, das dort immer steht und kennzeichnen soll, dass die linke Fläche nur ein Gehweg ist. Dazu gesellt sich jetzt Zeichen 254 — als Radfahrer darf man sich jetzt wieder wundern, was die Straßenverkehrsbehörde mit dem Schild wohl erreichen möchte. Grundsätzlich ist die Sache relativ klar, man möchte wohl den Radverkehr weiterhin auf der Fahrbahn wissen, während der eigentliche Gehweg in diesem Bereich zusätzlich für Fußgänger vorgesehen sein soll, damit man sich hier weiterhin mit anderthalb Metern Abstand aus dem Weg gehen kann.



    Leider hat man ganz schön viele Zeichen 254 auftreiben können und in diesem Bereich überall aufgestellt:



    Das Problem ist aber: Die Fahrbahn, auf der Radfahrer ja offenkundig weiterhin kurbeln sollen, ist gesperrt — und zwar gar nicht zu knapp. Ja, Radfahrer sind von Zeichen 250 ausgenommen, immerhin, dafür wird’s hier aber schon echt eng, irgendwie mit dem Rad vorbeizukommen — und das wird umso absurder, weil ja der Radweg nebenan mit diversen Zeichen 254 verziert ist. Man muss also hier irgendwie durch und kann sich dabei schön noch an der Verkehrshalbinsel aufs Maul hauen. Ich finde schon, dass hier mit etwas gutem Willen eine bessere Schleuse möglich gewesen wäre, die den Kraftverkehr abhält, aber auch älteren Radfahrern oder Fahrrädern mit Anhänger die Durchfahrt ermöglicht. Es hätte womöglich schon gereicht, das rechte Absperrgitter einen Meter nach hinten zu versetzen.


    Ochso: Die roten Lämpchen, nä? Und da ja auch Verkehr aus der anderen Seite zu erwarten ist, wären dort auch reflektierende Elemente angesagt. Aber das ist vielleicht schon ein bisschen viel verlangt.



    Weiter geht’s an allen erdenklichen Stellen mit dem Verbot von Fahrrädern, was nicht immer besonders gut gelungen ist…


    … und auch nicht besonders sinnvoll scheint: In dem autofreien Bereich durfte der Radweg benutzt werden, obwohl die Fahrbahn frei von störenden Kraftfahrzeugen war, aber im südlichen Bereich, in dem Kraftfahrzeuge, darunter Busse und Poserkarren unterwegs sind, ist der Radweg tabu. Das dürfte ja insbesondere Familien mit Kindern die An- oder Abreise erschweren, wenn man sich plötzlich mit dem teilweise nicht unerheblichen Parksuchverkehr herumschlagen muss.



    Tja. Zugegeben: Viel ist momentan nicht los.




    Die südliche Grenze markiert dann diese wunderbare Verkehrsführung in Form eines einzelnen Zeichen 254. Wer hält das für eine gute Idee?



    Ist doch klar, dass das so nicht funktioniert:



    Es gibt keine Absperrgitter, keine Arbeitsstelle, es gibt überhaupt nichts — und damit auch erfahrungsgemäß keinen Grund, warum man als Radfahrer dieses Zeichen ernst nehmen sollte. Die Erfahrung zeigt ja schließlich, dass im Verkehrsraum so einiges an Verkehrszeichen herumsteht, das vergessen oder entgegen der Anordnung aufgestellt wurde und insofern im Sinne von „man sieht ja, was gemeint ist“ zu ignorieren ist.


    Mir ist klar, dass man für diese vier Tage keine aufwändige Verkehrsführung installieren möchte, aber, Pardon, dann darf man sich über so genannte Kampfradler nicht beschweren. Den ganzen Kram kapiert halt kein normaler Mensch.


    Meines Erachtens fehlen hier ein zwei wesentliche Dinge:

    • Ein Schild, dass die autofreie Kiellinie erklärt. Ist aber aufwändig, lohnt sich mutmaßlich nicht für vier Tage, hätte aber den positiven Effekt, dass es ein größerer Teil der Verkehrsteilnehmer versteht.
    • Eine Aufleitung auf die Fahrbahn mit gelben Markierungen in Höhe des Zeichens 254 zusamen mit einer Sperrung des Radweges — einfach nur so, damit man merkt, dass die Sache ernst gemeint ist. Dazu gehört natürlich in diesem Fall auch eine Fahrbahnverengung vor der Aufleitung, so dass der Wechsel auf die Fahrbahn möglichst einfach und gefahrlos ist.

    Insofern: Die autofreie Kiellinie ist eine tolle Sache — sofern man denn davon weiß. Und wenn wir mit solchen Maßnahmen auf einen Abstand von anderthalb Metern hinarbeiten wollen, dann müssen wir eben auch dafür sorgen, dass die Leute solche Sperrungen verstehen und auch vernünftig anwenden können. Und das wird mit Vollsperrungen und wie mit der Gießkanne verteilten Zeichen 254 eher nicht erreicht.

  • Was aber dieser tollen Idee fehlte, war eine entsprechende Beschilderung für Fußgänger und Radfahrer, dass ihnen für ein verlängertes Wochenende diese Straße gehörte. Das bekam man in meiner Filterblase nur über die Lokalzeitungen und die Social-Media-Angebote der Stadt Kiel mit:


    Ein Paradies für Sportler und Fußgänger

    Hmm:

    Zitat

    Die Entscheidung der Stadt, die Kiellinie zwischen Lindenallee und Marinestützpunkt für den Verkehr zu sperren, kommt bei Fußgängern, Radfahrern und Sportlern sehr gut an.


    Tja, bei Fußgängern, Radfahrern und Sportlern handelt es sich nach Ansicht der Zeitung offenbar nicht um Verkehr.

  • Da sieht man, wie tief das anerzogene Verhalten sitzt, den 'Verkehr' nicht zu behindern. An den Feiertagen hatten wir auch hier praktisch leere Straßen, und die Radfahrer drängen sich trotzdem lieber auf dem engen Gehweg.

  • Die Sperrung zugunsten Radfahrern und Fußgängern wurde bis zum Sonntag, den 19. April verlängert — man darf aber wie immer nicht die Drunterkommentare lesen:


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    Ich muss bei Gelegenheit mal hinfahren und gucken, ob man an der Absperrung tatsächlich etwas verbessert hat:

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  • Die autofreie Kiellinie wird noch für zwei weitere Wochen beibehalten:


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    Das findet natürlich nicht jeder prima. Kraftfahrer beschweren sich, dass sie nicht mehr an der Kiellinie spazieren fahren könnten, Anwohner über den erhöhten Umleitungsverkehr. Letzteres kommt mir dann doch ein bisschen seltsam vor, denn das Verkehrsaufkommen müsste in den Spitzenzeiten insgesamt immer noch deutlich geringer sein als noch vor sechs Wochen in den Tagesrandlagen. Aber das ist natürlich auch nur eine grobe Schätzung aus dem Bauch heraus: Verkehrsfreie Kiellinie: Ergebnisse werden präsentiert

  • Kiel schafft zwar nach meiner Kenntnis nur an der Kiellinie Platz für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer, dafür dort allerdings ernsthaft: Die Sperrung wurde noch mal um eine Woche verlängert:


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    Vielleicht könnten wir das ja auf unbestimmte Zeit so beibehalten.

  • Kiel legt noch mal nach und sperrt die Kiellinie am verlängerten Himmelfahrtswochenende noch einmal:

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  • https://www.kn-online.de/Kiel/…lant-Kiellinie-ohne-Autos


    https://www.kn-online.de/Kiel/…llinie-spaltet-die-Kieler


    Es gibt Bestrebungen der Kieler Verwaltung im Zuge der Neugestaltung der Kiellinie u.a. den Bereich zwischen ?Seebar? und MStPkt für den Kraftfahrzeugverkehr zu sperren. Ich persönlich stehe Veränderungen, die zu einer Aufwertung dieses Bereiches und mehr Aufenthaltsqualität beitragen, positiv gegenüber-

    Die KN berichtet Kritik der Anlieger die verstärkten Umgehungsverkehr z.B. über die Feldstraße befürchten. Wenn man diesen Leuten jetzt noch sagt dass sie Recht haben und der Kraftfahrzeugverkehr in Kiel insgesammt verringert werden muss.... .

    Ich radle durch die Heide, ich pflüge durch die Saat, hurra ich verblöde, für mich bezahlt der Staat.

    (Frei nach Rötger Feldmann)

  • Das ist jetzt etwas kurzfristig, allerdings findet morgen, am 28. Oktober, eine gemeinsame Sitzung der Ortsbeiräte Ortsbeiräte Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook und Wik um 19 Uhr in der Hebbelschule statt.



    Es gibt quasi nur einen Tagesordnungspunkt: Die Neugestaltung der nördlichen Kiellinie.


    Es herrscht nämlich seit einigen Tagen Angst und Schrecken unter Kiels Steuerzahlern, dass im Zuge der Neugestaltung der Kiellinie womöglich der Kraftverkehr ausgesperrt werden könnte: Weiter Streit um die Kiellinie-Nord


    Der Sozialdemokratische Oberbürgermeister Ulf Kämpfer wird natürlich nicht müde zu betonen, dass natürlich auch weiterhin Planungsvarianten mit Kraftverkehr geplant würden. Der Unternehmensverband ist auch dabei und möchte ebenfalls gerne keine Teil- oder Vollsperrungen für Kraftfahrer.


    Es gibt inzwischen auch eine Initiative namens „Kiellinie für alle“, die auch sehr aktiv ist und Flyer an Kraftfahrzeuge und ansässige Anwohner verteilt hat. Im Logo der „Kiellinie“ taucht eine lustige Kombination aus Kraftfahrzeugen, Fahrrädern und Fußgängern auf — das Kraftfahrzeug thront natürlich in der Mitte — die aber so auf der Kiellinie gar nicht fahren kann. Ein Lastenrad auf dem Zweirichtungsradweg zu bewegen ist bestimmt ein großes Abenteuer, auf der Fahrbahn nebenan wird man über den Haufen gehupt. Nun ja. „Für alle“ heißt nach meiner Erfahrung auch eher „für Autos“.


  • Geschickt gemacht, der Flyer.

    Immerhin sind Fußgänger und Radfahrer bei der Grafik in der Überzahl! Erst der Text macht dann klar, worum es den "Aktivisten" wirklich geht.

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Na klar: "Für alle" bedeutet in der Regel "vor allem für Autofahrer". Die Formulierung, man müsse "an alle Verkehrsteilnehmer denken und niemanden benachteiligen" heißt, dass man selbstverständlich weiterhin Fußgänger und Radfahrer benachteiligt, wenn es dem ungebremsten Kfz-Verkehr dient.


    Sehr beliebt bei Radfahrer-Schikanen ist auch die Aussage, man müsse auch an unsichere Radfahrer denken. Im Zweifelsfall müssen Schulkinder herhalten, um objektiv gefährliche Anordnungen und Infrastruktur zu rechtfertigen, solange es sich sicherer anfühlt. Kindergartenkinder fahren ja noch nicht Fahrrad, ansonsten wäre das noch effektiver.


    Würde man wirklich an unsichere Radfahrer denken, würde man auch wirklich sichere Anordnungen treffen und sich überlegen, wie sich das auch sicher anfühlen kann, bzw. intensiv darüber aufklären, warum es wirklich sicher ist. Oder man würde sogar Maßnahmen treffen, die Gefährder einzuschränken, z.B. in Form eines Tempolimits.

  • Geschickt gemacht, der Flyer.

    Immerhin sind Fußgänger und Radfahrer bei der Grafik in der Überzahl! Erst der Text macht dann klar, worum es den "Aktivisten" wirklich geht.

    Ich finde, man sollte die Grafik aufgreifen und offensiv vertreten: "Seht ihr - so sieht eine vernünftige Flächenaufteilung für die Kiellinie aus! 20 % Gehweg, 20 % Radweg, 20 % Fahrbahn, 20 % Radweg, 20 % Gehweg!"

  • 17:45 Uhr: Der frühe Vogel kriegt den Sitzplatz, sagt man nicht so? Obwohl erst ab 18 Uhr Einlass sein soll, war dieser Spruch wohl noch ein paar anderen Interessierten bekannt, jedenfalls stehen schon ein gutes dutzend Menschen vor dem Eingang zur Aula herum und warten. Weil diejenigen, die hier keine Maske tragen wollen, demonstrativ eine Zigarette nach der anderen rauchen, schmuggle ich mich sneaky-sneaky an die Pole-Position vor der Tür.


    17:50 Uhr: Wie immer lausche ich mit einem halben Ohr mit und staune über die Sorgen, die mancher Mitbürger in Zeiten wie diesen hat. „… die Grünen die Kiellinie sperren, dann kann ich da nicht mehr langfahren. Ich brauche die Fahrt ander Kiellinie, um nach Feierabend runterzukommen.“ Ja, die lustige Berichterstattung der letzten Tage wirkt mal wieder: Die Grünen wollen uns alles verbieten, vor allem den Turndown-Feierabendumweg an der Kiellinie entlang.



    18:00 Uhr: „Nun ist’s sechse“, bemängle ich das Vorgehen des Türstehers, „geht’s jetzt los?“ Nein, geht’s nicht, einen Moment noch.


    18:02 Uhr: Einlass. Erster an der Tür, Erster im Saal — genau wie es die Tradition verlangt. Vorne an der Tür wird die Zahl der „interessierten Bürger“ genau erfasst, auf den mit anderthalb Metern Abstand aufgestellten Sitzplätzen liegen die obligatorischen Formulare zur Angabe der Kontaktdaten bereit. Binnen kürzester Zeit sind gut die Hälfte der Sitzplätze vergeben. Steckdosen gibt es hier keine, dafür aber eine imposante Orgel, die sich hinter der Leinwand für den Beamer verbirgt.


    18:22 Uhr: Auf dem Weg zur Toilette schnappe ich das Stichwort „… Angstraum für Frauen…“ auf. Das ist ein Thema, bei dem ich als Mann natürlich nur bedingt mitreden kann, aber ich halte die Argumentattion, die insbesondere in den gesellschaftlichen Netzwerken im Vorfeld die Runde machte, man brauche auf der nördlichen Kiellinie unbedingt regelmäßigen Kraftverkehr, weil Frauen sonst belästigt und vergewaltigt würden, für nicht so ganz schlüssig. Da gäbe es nach meiner bescheidenen Meinung effektivere Maßnahmen unter anderem städtebaulicher Art.


    18:30 Uhr: Es fühlt sich fast wie in Hamburg an: Im Saal sitzen ausweislich ihrer Kommentare bislang vor allem Menschen, die Angst haben, die Grünen würden ihnen das Autofahren an der Kiellinie verbieten. Dazu gesellt sich dann eine kleinere Fraktion der nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmer, die aber leider nicht so gut organisiert und längst nicht so wütend ist wie den Kraftfahrern, denen ja etwas „weggenommen werden soll“.


    Es fehlt eigentlich nur noch, dass am Eingang ein inoffizieller Türsteher der kraftfahrenden Fraktion steht und interessierte Gäste fragt, ob sie denn an der Kiellinie oder wenigstens in Düsternbrook wohnen. Ich erinnere mich an irgendeine Fahrradstraßen-Parkplatzvernichtungs-Debatten in Hamburg, an denen vor der Tür versucht wurde zu sortieren, dass denn wirklich nur Anwohner, also Kritiker der Maßnahmen, der Veranstaltung beiwohnen und keine interessierten Bürger aus anderen Stadtteilen, die eine Fahrradstraße zum Radfahren genutzt hätten und nicht zum Parken. Das scheint man sich hier in Kiel trotz aller Angst vor den Grünen nicht zu trauen.


    18:38 Uhr: „… gesperrt wird, dann kann ich nicht mehr dort Joggen! Ich wohne in Altenholz!“ Hmm, ja. Ich gehe davon aus, dass auch bei einer tatsächlich ganz radikal autofreien Kiellinie in der Nähe genügend Parkplätze zur Verfügung stünden, um aus Altenholz mit dem Auto hinzufahren. Dann parkt man eben 150 Meter von der Joggingstrecke entfernt; das sollte die Kondition doch eigentlich hergeben? Ahahahaber: Sind Mitbürger aus Altenholz eigentlich meinungsberechtigt, was die Gestaltung der Kiellinie angeht? Vermutlich schon, weil sie ja mit dem Auto und nicht mit dem Rad zum Joggen kommen. Wenn ich mir noch mal einen flapsigen Kommetar erlauben darf: Altenholz ist quasi eingekreist von Friedrichsort und Holtenau mit Joggingstrecken, die verglichen mit der Kiellinie vermutlich eine deutlich schönere Aussicht und deutlich mehr Platz bieten. Ich kapiere diese Argumentation nicht, warum man gegen eine autofreie Kiellinie ist, weil man aus Altenholz mit dem Auto zur Kiellinie zum Joggen fährt, anstatt einfach in Altenholz und Umgebung in ähnlich landschaftlich reizvoller Umgebung zu Joggen.


    18:45 Uhr: Das war’s dann wohl mit den freien Sitzplätzen. Angesichts des anfänglichen Andranges bin ich verwundert, dass die 130 Sitzplätze hinreichend lange gereicht haben.


    Mich wundert ja: Die Fahrradfraktion ist hier entweder kaum vertreten oder regt sich einfach nicht so doll auf.


    18:55 Uhr: Irgendjemand verteilt Flugblätter, für oder gegen den Stadionausbau, so ganz habe ich das aus der Ferne nicht verstanden. Seine Flyer wird er allerdings gut genug los, so dass ich keinen mehr abbekommen.


    19:06 Uhr: Noch ein kurzer Lichttest, dann geht’s los mit der Verlesung der Corona-Schutzmaßnahmen. Weil es sich formal um zwei getrennte Sitzungen von zwei Ortsbeiräten in einem Raum handelt, ackern wir die Formalien gleich zwei Mal ab. Im Publikum sorgt das relativ schnell für ungeduldige Kommentare. Das anstrengendste an diesem Verfahren ist jedoch das Vorliegen eines einzigen Mikrofones, das bei jedem Wechsel zwischen der einen und der anderen Sitzung wieder desinfiziert werden muss.


    19:13 Uhr: Jetzt führt jemand vom Dezernat Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt noch mal in die Neugestaltung der nördlichen Kiellinie ein.


    Die Präsentation gibt’s hier zum Herunterladen und angucken, insofern spare ich mir das Tippen: https://www.kiel.de/de/kiel_zu…vom_10_september_2020.pdf


    Grundsätzlich wolle die Verwaltung mit zwei Optionen in den Planungswettbewerb einsteigen: Einmal mit Kraftverkehr, einmal autofrei. Bislang wäre eine autofreie Planung bevorzugt worden, aber aufgrund der vielen schriftlichen Eingaben und Rückmeldungen aus der Bevölkerung ginge man nun ergebnisoffen in den Planungswettbewerb und öffne den Wettbewerb auch für Lösungen mit Kraftfahrzeugen.


    Mich wundert alle paar Minuten wieder, dass der Typ dort droben ungestört von einer autofreien Kiellinie schwadronieren kann, ohne dass die anwesenden Wutbürger die Bühne stürmen. Das ist hier echt ein ganz anderes Klima als in Hamburg, wo solche Vorträge gnadenlos niedergebrüllt würden.


    19:27 Uhr: Nun darf sich die „spontan gegründete Bürgerinitiative“ namens „Kiellinie für alle“ vorstellen. Beim Erscheinen des Logos auf der Leinwand gibt’s gleich den ersten Applaus.



    Man setze sich ein für ein Verkehrskonzept „für alle“ an der neuen Kiellinie. Man wünsche sich ein attraktives Konzept für die Kiellinie, denn die Mitglieder der Initiative wären jene, die dort wohnten und die Kiellinie am meisten nutzten. Man freue sich sehr darüner, dass sich die Verwaltung künftig auch für eine Variante mit Kraftverkehr öffne und die Auswirkungen auf die umliegenden Straße untersuchen wolle.


    Es wird die Online-Befragung kritisiert, bei denen nur jede 120. Kieler teilgenommen habe. Diese Umfrage wäre mit „Bürgerbeteiligung“ überschrieben worden, aber es habe keine echte Bürgerbeteiligung im eigentlichen Sinne gegeben.


    7.000 Autos führen täglich auf der Kiellinie entlang, die eine wichtige Verbindungsstraße zwischen dem Ost- und Westufer wäre. (Applaus) Eine Sperrung der nördlichen Kiellinie würde zu einer Mehrbelastung der umliegenden Straßen führen, die sich sogar auf den Westriung und die B 76 auswirken könnten.


    Die Feldstraße wäre allerdings schon jetzt von Lärmbelastung betroffen und könne keine weiteren Fahrzeuge aufnehmen. Man fordere eine Beteiligung der beteiligten Bürger und ein ganzheitliches Verkehrskoznept. Man müsse die Kiellinie so gestalten, dass niemand belastet wird. Dazu wird eine Grafik mit äußerst intensiver Verkehrsberuhigung visualisiert, die aber niemals 7.000 Kraftfahrzuege aufnehmen könnte. Das ist eher diese Nummer einer autofreien Kiellinie mit Freigabe für Anlieger, bei der dann noch hundert oder zweihundert Kraftfahrzeuge pro Tag wären.



    19:35 Uhr: Nun geht’s los mit den Fragen.


    Anwohner aus der Nähe der Kiellinie: Das Thema wäre ja sehr emotionalisiert worden. Der Fragesteller wohne in der Nähe der Kiellinie und habe bei der Sperrung der Straße im letzten Jahr plötzlich erleben dürfen, wie ruhig es dort sein könne, wie groß die Aufenthaltsqualität plötzlich wäre. Er habe den Planungsprozess in den letzten Monaten intensiv verfolgt.


    Es stünde außer Frage, dass eine Sperrung der Kielline mehr Verkehr in den umliegenden Straßen bedeuten werde. Wie sich die Verkehrsbelastung auswirken würde, müsse man untersuchen. („Das weiß man schon!“)


    Er wünsche sich einen Modellversuch, in dem die nördliche Kiellinie für ein Jahr für den nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmer freigegeben wird, so dass man beobachten könne, wie sich der Kraftverkehr in den umliegenden Straßen verteilt. Er wäre sicher: Nach einem Jahr wären alle begeistert und für eine Beibehaltung der autofreien Kiellinie. (Applaus!)


    Alexander Blažek, CDU, Ortsbeirat Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook : Warum habe man den Planungswettbewerb nicht von vornherein ergebnisoffen konzipiert, sondern zunächst die Vorgabe einer autofreien Planung mitgegeben? Eine ergebnisoffene Planung hätte beinhalten können, dass die Spundwände an der Kiellinie weiter nach vorne ins Wasser gezogen würden und alle Verkehrsteilnehmer mehr Platz hätten.


    Anwohner aus Düsternbrook: Begrüßt es sehr, dass eine Variante mit Kraftverkehr geplant würde. Die Kiellinie wäre breit genug für eine Veloroute, eine Fahrbahn mit Begegnungsverkehr und Gehweg für Fußgänger. Eine radikale Lösung oder gar eine Sperrung für ein Jahr wäre im höchsten Maße undemokratisch.


    Anwohner aus der Wik: Bürger wohnt seit zwei Jahren in Kiel, musste aber feststellen, dass Kiel gar nicht so richtig am Wasser läge. Es wäre schnwer, in Kiel Zeit am Wasser zu verbringen, weil das meiste von Autos belegt wäre. Als Teil der „schweigenden Mehrheit“ wolle er darauf hinweisen, dass die Gegner einer autofreien Kiellinie in den Berichterstattung in den Medien sehr viel Raum bekommen hätten, während die Befürworter kaum Erwähnung fänden. (Applaus) Es werden Beispiele aus Aarhus, Kopenhagen und Amsterdam aufgezählt, diese Städte wären sehr progressiv und würden Aufenthaltsqualtität durch die Umverteilung des Verkehrsraumes schaffen.


    Einschlägig bekannter Lastenradler: Wer profitiere denn eigentlich von einer Kiellinie mit Kraftverkehr? Primär Touristen, die dort für ein kurzes Foto entlangführen, (ständiges Gemurmel und gegenteilige Meiungen) während eine autofreie Variante nicht beinhalte, dass dort überhaupt kein Auto mehr fahren dürfe. Der bisherige Kraftverkehr würde sich auch nicht komplett in die umliegenden Straßen ergießen, sondern teilweise von Rad- und Fußverkehr ersetzt.


    Anwohner aus der Feldstraße: Wie wäre das mit der Gefahrenlage und den Nutzungskonflikten an der Kiellinie? Und: Wäre eine Sperrung der Feldstraße nicht sinnvoller, um die dortigen Anwohner zu entlasten?


    Anwohnerin aus der Feldstraße: Frage an die Befürworter der autofreien Kiellinie: Haben Sie ein Auto? Wären Sie bereit, das Auto abzuschaffen? Die Anwohnerin wäre viel mehr für eine autofreie Feldstraße, denn die Verkehrsbelastung wäre nicht mehr zu ertragen. Der Verkehrsversuch im letzten Jahr mit der Sperrung aufgrund der Baustelle habe gezeigt, dass das Verkehrsaufkommen in der Feldstraße ins Unerträgliche gestiegen wäre.


    Anwohner aus der Feldstraße: Bei der ersten Sperrung der Kiellinie wäre die Verkehrsbelastung unerträglich, es staute sich in alle Himmelsrichtungen. Es fehle dort an Abbiegestreifen, so dass jedes abbieende Kraftfahrzeug zu Störungen im Verkehrsfluss führe. Man müsse alle zwei Wochen die Fenster putzen.


    Christina Musculus-Stahnke (???), FDP-Ratsfraktion: Sie wäre sehr froh, dass jetzt eine Variante mit Autoverkehr geplant würde. Sie führe regelmäßig mit dem Auto zwischen Eckernförde, Schilksee und Kiel und könne nicht auf den ÖPNV umsteigen. Als die Kiellinie gesperrt wurde, sei die Verkehrssituation katastrophal gewesen. Die nördliche Kiellinie könne doch verbreitert werden und die Fußgänger „über“ das Wasser führen könnte. Dann könne man auch weitere Liegeplätze einrichten, denn die Warteliste für Liegeplätze wäre mehrere Kilometer lang.


    Vertreter der Kieler Stadtführer: Man fühle sich in einer Position zwischen der einen und der anderen Seite. Mehr Aufenthaltsqualität wäre immer gut. Eine Neugestaltung wäre gut, aber warum autofrei? Die Stadtführer hätten im Jahr 2019 insgesamt 9.000 Fahrgäste dort entlanggefahren, mit Kreuzfahrern und Nutzern des Hop-on-Hop-off-Busses käme man auf 20.000 Touristen. Wenn die nördliche Kiellinie autofrei würde, könne man den Menchen die Stadt nicht mehr zeigen. Die Promenade müsse verbreitert werden, so dass genügend Platz für alle ist. Man brauche eine Autoverbindung von Süd nach Nord.


    Anwohner aus der Wik, Mitglied des NABU Kiel: Findet es toll, die Aufenthaltsqualität zu steigern. Sobald dort aber Autos führen, wäre die Aufenthaltsqualität für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer wieder dahin. (Applaus) Es könne keine „Kiellinie für alle“ geben: Entweder Autos oder nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer. Umso wichtiger wäre es, ein Verkehrskonzept für die umliegenden Straßen zu entwickeln, also ein großes Gesamtkonzept zu entwerfen. („Wie soll das denn gehen?“, Applaus)


    Anwohnerin aus Düsternbrook: Habe auch negative Erfahrungen mit der Sperrung der Kiellinie gemacht. Die Kosten wären mit 17, mit 20 Millionen veranschlagt worden. Sind die Gelder, die von der EU versprochen wurden, eigentlich noch da? In Zeiten wie diesen müssten auch die Auswirkungen der Pandemie bezahlt werden.


    Anwohner aus Düsternbrook: Aufgabe des Gemeinwesens wäre es, nicht einzelne Interessen zu bevorzugen. Aus der Grafik wäre ersichtlich, dass an der Kiellinie Platz für alle wäre. Es gäbe auch die Möglichkeit einer Einbahnstraße oder einer Sperrung der Kiellinie an den Wochenenden. Die Kiellinie wäre eine der schönsten Promenaden der Welt, es wäre ein Skandal, dass die mittlere Kiellinie immer noch von einem Bauzaun gesperrt würde.


    Man könne auch an der südlichen Kiellinie spazieren gehen. Aber wer in Kiel auch nur einen Tag zu Besuch wäre, der wolle mit dem Auto an der Kiellinie entlangfahren. (Gelächter) „Ja, lachen Sie nur“, wenn man mit dem Zug ankomme, dann könne man kein Lastenrad mitnehmen, sondern wolle von den Gastgebern mit dem Auto an der Kiellinie dort entlanggefahren werden. (Aufruhr, ich: „Mich hat noch niemand an der Kiellinie entlangfahren wollen, irgendwas mache ich falsch.“)


    Anwohner: Autofahren an der Kiellinie wäre ja schön, aber wenn man zu Fuß die Aufenthaltsqualität genießen möchte, könne man ja auch im südlichen Teil spazieren gehen.


    Anwohnerin aus der Wik: In der Holtenauer Straße gäbe es auch sehr viel Kraftverkehr. Wäre Autofahrerin, Radfahrerin und Fußgängerin. Es wäre ein Genuss, mit dem Auto an der Förde entlangzufahren. Das müsse auch künftig für alle möglich sein. Es gäbe auch schwerbehinderte Menschen, die nicht zu Fuß oder mit dem Fahrrad dort entlangfahren könnten. Alte Menschen könnten eine autofreie Kiellinie nicht mehr genießen.


    Anwohnerin aus der Wik: Es gäbe hier eine Win-Lose-Situation: Die einen wollen die autofreie Kiellinie, die anderen keinen Mehrverkehr in den umliegenden Straßen. Eine autofreie Kiellinie wäre toll und ein Gewinn für folgende Generationen, müsse aber mit einem Verkehrskonzept verbunden werden, das überzeugend darstellt, dass die umliegenden Straßen nicht stärker belastet würden.


    Anwohnerin aus Düsternbrook: Zu Wort gekommen wären bislang vor allem Anwohner aus der Kiellinie, aber beispielsweise nicht die Anwohner aus dem Kieler Westen, die bei der Sperrung der Kiellnie alle dorthin gekommen wären, um die Aufenthaltsqualtität zu genießen.


    Anwohner: Man wäre an der Kiellinie in einer äußerst priviligierten Position und müsse sich bewusst machen, dass die Kiellinie nicht nur für Anwohner wäre. Wie sollten bei einer autofreien Kiellinie Menschen aus Gaarden und Mettenhof an die Förde kommen? Außerdem wäre es blöd, dass einzelne Diskussionsteilnehmer immer wieder den Begriff „undemokratisch“ nutzen. Nur weil Entscheidungen der Politik nicht der eigenen Meinung entsprechen, wäre das noch lange nicht undemokratisch.


    Anwohnerin: Eine Straßensperrung verursacht immer eine Sperrung des Verkehrsflusses. Es gäbe genügend Menschen, die auf Autos angewiesen wären. Man käme schon heute kaum noch vom Ost- zum Westufer. Es wäre toll, wenn Kiel autofreier wird, aber das dürfe nicht auf Kosten jener Menschen gehen, die auf das Auto angewiesen wären.


    20:15 Uhr: Nun zu den beiden vorliegenden Antägen. Es geht um Begleitmaßnahmen zu der weiteren Planung, die allerdings größtenteils nur interessant für eine autofreie Kiellinie wären.


    Von den 7.000 Autos führen 3.500 Autos einfach nur durch, und zwar nicht nur durch die Kiellinie durch, sondern durch die Stadt hindurch, der könne auch über die Autobahn fahren. (Gemeint ist wohl die Bundesstraße) Es werden in sehr schneller Geschwindigkeit Maßnahmen zur Entlastung der Feldstraße vorgestellt, etwa die Verkehrsflusssteuerung mittels Lichtzeichenanlagen und Tempo-30-Zonen. Eine Entlastung der Feldstraße bedeute auch immer eine Entlastung der übrigen Straßen.



    Die Kiellinie würde auch vom Rettungsdienst genutzt. Das wäre allerdings auch bei einer autofreien Kiellinie möglich. Mit den anliegenden Arbeitgebern sollen Gespräche geführt werden, um Mobilitätskonzepte zu erarbeiten. Wenn eine Hälfte des Verkehrsaufkommens auf der Kiellinie Durchgangsverkehr wäre, dann wäre die andere Hälfte mutmaßlich Anliegerverkehr. Mit einer Stärkung des ÖPNVs und des Radverkehrs ließe sich das Aufkommen des Kraftverkehrs senken.


    Im Zuge der Verkehrswende würde das Verkehrsaufkommen in den nächsten Jahren ohnehin sinken, die 7.000 der Kiellinie und 10.000 von der Feldstraße würden automatisch weniger. Man könne aber nicht einfach die 7.000 Kraftfahrzeuge von der Kiellinie direkt der Feldstraß zuschlagen. Man könne sich auch darauf einigen, dass erst bei einer Verkehrsbelastung von insgesamt 13.000 Kraftfahrzeugen eine autofreie Kiellinie eingerichtet wird, so dass der Ausweichverkehr und der umzuleitende Verkehr nicht mehr ganz so drastisch wäre.


    20:26 Uhr:


    Dieser Antrag solle nun diskutiert werden.


    Maria Laatsch, FDP, Ortsbeirat Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook: Findet den Antrag sehr kritisch, da er unter dem Motto stünde: „Wie vergräme ich den Verkehr aus der Feldstraße.“ Man könne nicht einfach abbremsen, ausbremsen und dann hoffen, dass es weniger Verkehr würde. Der Verkehr würde sich dann auf die Holtenauer Straße verlagern. Man müsse ganzheitlich denken. Ergänzende Maßnahmen wie Blitzer und Tempo-30-Zonen wären hingegen als Einzelmaßnahmen sinnvoll. Sie spreche sich gegen den Antrag aus.


    Matthias Triebel, Grüne, Ortsbeirat Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook: Er wohne am Blitzer beim POI an der Holtenauer Straße. Finde den Antrag gut, weil man die gesamte Maßnahme mit einem Verkehrskonzept begleitet. Der reine Durchgangsverkehr müsse weder durch die Kiellinie noch die Feldstraße noch die Holtenauer Straße fahren. Eine Maßnahme wäre, das Autofahren durch die Feldstraße für jene Kraftfahrer unattraktiv zu machen. Wer einfach nur durch die Stadt fahren will, könne auch die B 76 nehmen. Es müsse aber attraktiver werden, mit dem ÖPNV zu fahren, so dass man auch als Schilksee fahren kann. Es müssten auch die kostenlosen Parkplätze überdacht werden. Kostenlose Parkplätze zögen den Kraftverkehr an, wenn die Parkplätze kosten, würden andere Verkehrsmittel attraktiver.


    Philipp Timm, CDU, Ortsbeirat Wik: Der Antrag ginge davon aus, dass die Kiellinie für den Kraftverkehr gesperrt würde. Man könne nicht auf hypothetischen Annahmen deinen Antrag formulieren, mit dem die Anwohner aus der Feldstraße mit Baumaßnahmen doppelt belastet würden.


    Anwohnerin: Es ginge nicht um einzelne Verkehrsarten, sondern ein Miteinander aller Verkehrsarten. Manche Bewohner könnten nunmal nicht mehr zu Fuß oder mit dem Rad, sondern würden gerne mit dem Auto dort entlangfahren. Es fehle das demokratische Miteinander, es könne nicht immer nur gegen das Auto gehen.


    Anwohnerin aus Düsternbrook: Als Autofahrerin wolle sie nicht vergrämt werden und wolle auch keine weiteren Blitzer mehr im Viertel. Als Autofahrerin halte sie sich an die Regeln, fahre nicht zu schnell, würde aber psychologisch bedroht, ausgenommen wie eine Weihnachtsgans, obwohl sie schon Steuern zahle und so weiter und so fort. Sie wäre seit 30 oder 50 oder 80 Jahren autofrei und fahre nie zu schnell. Keine Blitzer! Keine Blitzer!!! („Endlich kommt mal Stimmung auf!“, lautes Gelächter, undeutliches Murmeln)


    Anwohnerin: Bei einer Straßensperrung müsste der Verkehr abgeschafft und nicht umgelenkt werden. Wenn alle, die nicht wirklich auf ihr Auto angewiesen wären, auf andere Verkehrsmittel umstiegen, dann gäbe es weniger Probleme. An der Feldstraße wohnen Menschen, die nicht weiter vom Verkehr beeinträchtigt werden wollten.


    Anwohner: Wie wäre es denn, wenn man sich als Zielvorgabe setzt, dass der Kraftverkehr in der Feldstraße nur noch 5.000 Kfz pro Tag zähle? Dieses Engagement solle man endlich aufbringen.


    Anwohner: Das Prinzip Hoffnung, „das würde schon“, damit könne man nicht planen. Man müsse das Verkehrsaufkommen genauer untersuchen.


    Alexander Blažek, CDU, Ortsbeirat Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook: Man müsse das Verkehrskonzept noch einmal in einer der nächsten Sitzungen diskutieren und dann von der Verwaltung beurteilen lassen. Das wäre aber Schritt Nummer 2, Schritt Nummer 1 wäre, das man sich erst einmal über die Kiellinie Gedanken mache, zu der auch noch ein Antrag vorliege.


    Benjamin Walczak, SPD, Ortsbeirat Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook, erklärt noch einmal: Im Planungswettbewerb würden beide Maßnahmen berücksichtigt, der Ratsversmmlung obliege die Entscheidung, welche Variante schließlich umgesetzt wird. Man habe beim Verkehrsversuch im letzten Jahr festgestellt, dass von den 7.000 Kraftfahrzeugen angesichts der gesperrten Kiellinie durch die Feldstraße gefahren wären. Warum? Wisse keiner. Man müsse sich also rechtzeitig flankierende Maßnahmen überlegen.


    Noch mal zur „Vergrämung“: Die autofreie Kiellinie funktioniere nur unter der Maßnahme, dass der Kraftverkehranteil in den nächsten Jahren sinke. Wenn aber beispielsweise aufgrund von Corona der Kraftverkehr stark ansteige, käme eine autofreie Kiellinie ohnehin nicht in Frage. Insofern wäre es sinnvoll abzuwarten, ob die Verkehrswende ungefähr so abliefe, wie man sich das vorstelle. Sobald sich der Kraftverkehr aber „von sich aus“ reduziere, könne man auch die Kiellinie sperren.


    Magda Franzke, DIE LINKE, Ortsbeirat Wik: Es solle im nächsten Jahr ein Mobilitätswendebeirat gegründet werden, man könne dessen Ergebnisse abwarten. Dem Antrag möge sie nicht zustimmen, die vielen Wortbeiträge hätten sie zum Nachdenken gebracht.


    Anwohner: Wäre der Antrag nicht ohnehin überholt, wenn Herr Kämpfer beide Varianten einer Kiellinie geplant werden sollen? Dann könnten doch im künftigen Verfahren alle Gedanken einbringen, die man jetzt aufgeschrieben habe.


    Antwort: Ja, aber man könne trotzdem bereits jetzt einen Antrag formulieen, um eine Prüfung der Maßnahmen anzustoßen.


    Dr. Matthias Triebel, Grüne, Ortsbeirat Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook: Warum wolle man mit der Entlastung der Kiellinie warten, bis mit der Sperrung der Kiellinie eine zusätzliche Belastung entstünde? Der Antrag wäre ein Beitrag zur Verkehrswende, vollkommen unabhängig, was nun mit der nördlichen Kiellinie passiert oder nicht.


    Anwohner: Die Debatte wäre interessant, weil sich ein Großteil der Diskutierenden vom Lärm des Autos und vom Aufkommen des Kfz-Verkehrs gestört fühlen. Der Kern des Problems wäre also das Auto, also müsse das Ziel sein, die Mobilitätswende zu gestalten und das Kfz-Aufkommen reduzieren, eine lebenswerte Stadt für alle zu schaffen, anstatt eine Stellvertreterdebatte über die Kiellinie zu führen.


    Anwohnerin der Holtenauer Straße: Man müsse den Kfz-Verkehr minimieren. Könne man den Verkehr, der nur durch die Stadt führe, nicht mit P+R-Angeboten umleiten? Der ÖPNV in der Holtenauer Straße wäre beinahe perfekt, aber in anderen Straßen ließe die Taktung und die Verbindungen zu wünschen übrig.


    Seit 42 Jahren Kieler: Das Verkehrskonzept der Kiellinie wäre rätselhaft. Wir diskutierne hier über 7.000 Kraftfahrzeuge, während der Neubau des Stadions für 25.000 Zuschauer noch eine deutliche Belastung des Straßenverkehrs verursachen wird. Wie passt das zusammen, wo hat die Stadt Kiel dort ein Konzept?


    Anwohner: ÖPNV wäre eine Riesenbaustelle, denn gerade aus dem Umland wäre die Anbindung sehr schlecht. Wenn die Kiellinie autofrei würde, dann führe auf der Feldstraße niemand mehr 50, sondern nur 25.


    Anwohnerin „Keine Blitzer“: Als die Kiellinie während des Verkehrsversuches gesperrt war, käme man teilweise zehn Minuten, 15 Minuten lang nicht über die Straße, so voll wäre es gewesen.


    Benjamin Walczak SPD, Ortsbeirat Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook, erklärt noch mal die Idee des Antrages. Es ginge nur darum, dass die Verwaltung unverzüglich verkehrliche Begleitmaßnahmen erarbeitet, die die zu erwartenden Folgen einer autofreien Kiellinie in die Ausweichstraßen abfedert. Es ginge primär um die Transitverkehre, die möglichst geringe Auswirkungen auf die Wohngebiete haben sollen.


    21 Uhr: Immer noch Debatte.


    Dennis Schneider, CDU, Ortsbeirat Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook: Könne der Begriff „autofrei“, „kraftfahrzeugfrei“ ersetzt werden? Beispielsweise wäre eine Einbahnstraßenlösung, die bei einem Wettbewerb herauskommen könnte, nicht von diesem Antrag berücksichtigt, obwohl Verkehrsströme entstünden, die ebenfalls berücksichtigt werden müssten.


    Burkhardt Gernhuber, DIE LINKE, Ortsbeirat Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook: Noch besser wäre „unabhängig vom Ergebnis“, so dass die Maßnahmen losgelöst von dem Projekt Kiellinie umgesetzt werden könnten.


    Benjamin Walczak, SPD, Ortsbeirat Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook: Wolle dem als Antragssteller nicht zustimmen, man müsse aber einen gewissen Zusammenhang mit der Umgestaltung der Kiellinie herstellen.


    Abstimmung im Ortsbeirat Ravensberg/Brunswik/Düsternbrookr: 7 dafür, 1 dagegen, 2 Enthaltungen. Beschlossen.


    Abstimmung im Ortsbeirat Wik: 2 dafür, 2 dagegen, 2 Enthaltungen. Abgelehnt.



    21:05 Uhr: Nun geht’s zum zweiten Antrag. Die Reihen im Zuschauerraum lichten sich. Weil der zweite Antrag nicht so übermäßig interessant ist, versteckte ich den im folgenden Spoiler-Kasten.



    21:37 Uhr: Ende.


  • „… die Grünen die Kiellinie sperren, dann kann ich da nicht mehr langfahren. Ich brauche die Fahrt ander Kiellinie, um nach Feierabend runterzukommen.“

    Ich habe nicht alles gelesen, viel zu viel ;-) Aber an der Stelle möchte ich reingrätschen, denn die Aussage kann ich nachvollziehen. Früher hatte ich Feierabend, wenn ich das Auto zu Hause abgestellt hatte. Dann habe ich jedoch meinen Feierabend vorverlegt auf den Zeitpunkt, als ich mit dem Rad nach der Arbeit vom Hof gerollt bin. Das ist nur eine andere Lösung für das gleiche Problem.

  • Hier noch mal die Ergebnisse der gestrigen Ortsbeiratssitzungen in kompakter Form:


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