Woche 11 vom 11. bis 17. März 2019

  • „safety in numbers“ in einer Grafik (im Vollbild sieht man auch Kopenhagen ;) ) :

    Das mit den Ausgaben ist doch eh schon wieder höchst manipulativ... Solange Straßen auch von Radfahrern benutzt werden dürfen (weil man grade eben keine Fahrbahn- oder gleich Straßenverbote ausspricht), kommt somit jeder ausgegebene Euro auch dem Radverkehr zugute. Es ist dessen Problem, wenn er das Angebot dann nicht einfach nutzt (um stattdessen separate, benutzungspflichtige Wegelchen zu fordern)...


    Was "safety in numbers" betrifft, bin ich auch allgemein etwas skeptisch. Ich wohne ja in einer Gegend mit quasi Null Radverkehr - und fühle mich hier nicht unsicher. Im Gegenteil - grade weil es so gut wie keine Radfahrer gibt, fällst du umso mehr auf.

  • Der Unterschied mit Faktor 13 zwischen Hamburg und Kopenhagen scheint mir nicht realistisch zu sein.

    Der Unterschied besteht vor allem darin, dass die dänische Unfallstatistik auch nach eigenem Eingeständnis der Polizei eine immense Dunkelziffer besitzt. Dies betrifft insbesondere die Erfassung der leichten Unfälle ohne Krankenhausbehandlung, die ganz sicher auch in CPH den (das Gesamtbild prägenden) Bulk der Unfälle stellen dürften.


    Das Statistische Jahrbuch Dänemark 2017 weist z.B. für ganz DK (!) nur insgesamt 807 Verletzte ("non-fatal casualties") bei 26 Getöteten mit Fahrrädern aus (Tabellen 105 und 106). Das Verhältnis [Beteiligt/Getötet] beträgt somit für DK 32. D hatte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im gleichen Zeitraum 383 Getötete, 14.230 Schwerverletzte und 63.563 Leichtverletzte. Das Verhältnis [Beteiligt/getötet] ist 204, während die Relation [schwerverletzt/getötet] 37 ist. Die Unfallstatistik DK umfasst also offensichtlich lediglich Getötete und Schwerverletzte.


    Prinzipiell gilt das Gesagte auch für die NL im Allgemeinen bzw. AMS im Speziellen: so kommt AMS nach dieser Quelle bei 800.000 Einwohnern auf ~600 schwerverletzte Radfahrer, während es in Berlin bei 3,6 Mio Einwohnern nur ~650 sind. Annähernd gleiche Zahl an Schwerverletzten bei 4,5-facher Population: das dürfte locker ausreichen, auch den weit größeren Modal Split des Radverkehrs in AMS beim Unfallrisiko mehr als zu kompensieren.

  • Für mich ist er einfach nur ein widerwärtiger, reaktionärer, populistischer Sexist. Sein „Erfolg“ beweist lediglich, dass er nur die Spitze des Eisbergs ist …

    Sein Erfolg beweist, dass man mit polarisierenden Aussagen immer Aufmerksamkeit kriegt. Dann wird man sogar in linksgrün-versifften Fahrradforen verlinkt. ;)


    Ich kannte eigentlich nur den Namen bisher. Aber dem ersten Eindruck nach, teile ich deine Einschätzung.

  • Was "safety in numbers" betrifft, bin ich auch allgemein etwas skeptisch. Ich wohne ja in einer Gegend mit quasi Null Radverkehr - und fühle mich hier nicht unsicher. Im Gegenteil - grade weil es so gut wie keine Radfahrer gibt, fällst du umso mehr auf.

    Es ging um Großstädte mit einem signifikanten Radverkehrsanteil.

    Meine Ansicht zur separaten Infrastruktur hatte ich neulich schon geäußert. Für mich ist sie letztlich nur Mittel zum Zweck. Ich bin und bleibe Verfechter von Radfahren auf möglichst kraftfahrzeugfreien Straßen/Fahrbahnen bei Tempo 30 innerorts.


    Bitte bedenke bei meinen Posts generell, dass ich nicht zwangsläufig sämtliche Interpretationen 1:1 unterschreiben würde, nicht alle Fakten geprüft habe oder die Message gutheiße. Manches ist einfach nur ein „Guckt mal hier, kann vielleicht jemand brauchen.“ (wie in diesem Fall) oder ein Anstuper zur Diskussion. Nicht umsonst weise ich im Regelfall auf die Quelle(n) hin (und suche sie oft sogar vorher).


    Das Statistische Jahrbuch Dänemark 2017 weist z.B. für ganz DK (!) nur insgesamt 807 Verletzte ("non-fatal casualties") bei 26 Getöteten mit Fahrrädern aus (Tabellen 105 und 106). Das Verhältnis [Beteiligt/Getötet] beträgt somit für DK 32. D hatte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im gleichen Zeitraum 383 Getötete, 14.230 Schwerverletzte und 63.563 Leichtverletzte. Das Verhältnis [Beteiligt/getötet] ist 204, während die Relation [schwerverletzt/getötet] 37 ist. Die Unfallstatistik DK umfasst also offensichtlich lediglich Getötete und Schwerverletzte.

    Danke für deine wie gewohnt sachliche Einschätzung der Lage und die Hintergrundinfos.

    Angenommen, die Relationen der Verletztenzahlen sind von DE auf DK übertragbar, dann wäre die Schlussfolgerung daraus, dass der obige Vergleich aus dem Greenpeace-pdf stark hinkt. Die Anzahl der Verletzten müsste man also für Kopenhagen etwa um den Faktor 4,6 (64/14) nach oben korrigieren. => 0,7*5,6 = 3,92 (0,749*5,6 = 4,19). Das wäre dann immer noch signifikant unter den Werten der deutschen Städte. Vorausgesetzt es gibt kein Problem mit der Bezugsgröße (pro 1 Mio. Wege), braucht’s also noch eine andere Erklärung.

    Übersehe ich etwas?

    Prinzipiell gilt das Gesagte auch für die NL im Allgemeinen bzw. AMS im Speziellen: so kommt AMS nach dieser Quelle bei 800.000 Einwohnern auf ~600 schwerverletzte Radfahrer, während es in Berlin bei 3,6 Mio Einwohnern nur ~650 sind. Annähernd gleiche Zahl an Schwerverletzten bei 4,5-facher Population: das dürfte locker ausreichen, auch den weit größeren Modal Split des Radverkehrs in AMS beim Unfallrisiko mehr als zu kompensieren.

    Auf die Problematik hinsichtlich der Belastbarkeit bzw. Zuverlässigkeit der Daten und auch die Tatsache, dass keine jüngeren Daten verwendet werden konnten, wird im niederländischen Vorwort sehr umfangreich und deutlich eingegangen.

    Nebenbei: AMS 850.000 und Berlin 3,75 Mio., Verhältnis passt aber trotzdem (4,4). Angesichts von 40 % bzw. 15 % Radverkehrsanteil sind die Verletztenzahlen in der Tat sehr interessant und wären wohl eine genauere Untersuchung wert. (Ich kann und mag da allerdings jetzt nicht tiefer einsteigen.)

  • Sein Erfolg beweist, dass man mit polarisierenden Aussagen immer Aufmerksamkeit kriegt. Dann wird man sogar in linksgrün-versifften Fahrradforen verlinkt. ;)

    Jup ;) Ich hatte es auch nur mit gewissen Bauchschmerzen gepostet. Auch wenn MB zerlegt wird, bekommt er ja dennoch Reichweite. Angesichts dessen, dass hier sicher einige mit ähnlichen „Argumenten“ konfrontiert wurden und werden, hielt ich das Fortbildungsangebot „Wie ticken die anderen?“ aber durchaus für brauchbar ;)

  • Eigentlich wollte ich ja nur ein Fundstück posten …

    Flensburg. Ein Lastwagenfahrer ist vom Amtsgericht Flensburg zu einer Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden, weil er einen vorfahrtsberechtigten 14 Jahre alten Radfahrer beim Abbiegen übersehen und überfahren hat. Die Richterin sah es bei der Urteilsverkündung am Montag als erwiesen an, dass der tödliche Unfall vom Lastwagenfahrer hätte vermieden werden können.

    Der heute 54-Jährige wurde zu einer Haftstrafe von acht Monaten, ausgesetzt auf Bewährung, verurteilt. Die Bewährungsfrist beträgt drei Jahre. Zudem erhielt er ein dreimonatiges Fahrverbot und muss als Geldauflage 1500 Euro an einen gemeinnützigen Verein in Flensburg zahlen. Gegen das Urteil kann Revision oder Berufung eingelegt werden. […]

  • Eben in drf gefunden:

    Badische Zeitung:

    Zitat

    Radschutzstreifen in Offenburg sind umstritten

    Sie dürfen nur ausnahmsweise von Autos befahren werden: Radschutzstreifen am Fahrbahnrand. In Offenburg sind sie umstritten – und werden vorerst nicht mehr neu angelegt.

    Offenburgs Oberbürgermeister Marco Steffens hat auf die Anfrage der SPD-Gemeinderatsfraktion zu den Radschutzstreifen in Offenburg geantwortet. Er stellt ein Moratorium für diese neue Form der Radwege auf der Fahrbahn in Aussicht. Mit anderen Worten: Es soll keine weiteren der umstrittenen Radschutzstreifen geben. Bei bereits bestehenden Streifen soll nachgebessert werden.

    ...

  • Falschparken in Sachsen und Hessen wird ab sofort radikal geahndet!

    Auf der anderen Seite hat Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) unlängst einen Gegenvorstoß unternommen: Der Rechtsstaat dürfe "auch bei massenhaft auftretenden Delikten mit regelmäßig nur geringen Schadenshöhen" keine Toleranz zeigen, wenn er nicht weiter an Respekt einbüßen wolle. In Sachsen, wo am 1. September gewählt wird, soll die Justiz künftig Diebstahlsverfahren schon bei einem Schadenswert von zehn Euro nicht mehr ohne Auflage einstellen dürfen. Eine Entkriminalisierung des Schwarzfahrens, so hat auch Hessens Ministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) gesagt, wäre "eine Kapitulation des Staates vor den Massendelikten".

    Ok, es geht doch fast ausschließlich ums Schwarzfahren ;) Angesichts der überlasteten Justiz und auch der Kosten, die durch das Verbüßen von Ersatzfreiheitsstrafen entstehen, ist da in der Tat Handlungsbedarf vorhanden.

  • am 14. März publiziert worden - damit gehört das in die KW 11 :)


    Der Holger Klein unterhält sich mit Herrn Neumaier zum Thema "Dieselmotor". 52-Minuten Podcast

    In dem Gespräch gehts aber vordergründig gar nicht um Dieselskandal, Gift, NOx, Fahrverbote und den ganzen heißen Scheiß - nee, es geht um einen historischen Abriss darüber, warum der Diesel in den USA so einen miesen Ruf hat.


    Gibt mal einen schönen Gesamtüberblick, was in den letzten 50 Jahren eigentlich alles schiefgelaufen ist in der Branche Der Herr Neumaier scheut drastische Worte, ist mir wegen seiner Beschäftigung bei der Helmut-Schmidt-Uni in Hamburg nun auch nicht wahnsinnig sympathisch. Freiheit von Forschung und Lehre und blablabla - es bleibt aber die Bundeswehr-Uni, bei der er nun lehrt und forscht.


    Interessant ist der Podcast dennoch :)

  • New research from Transport for London (TfL) claims that people walking, cycling and using public transport spend more than motorists in local shops. Conducted by Matthew Carmona from University College London's Bartlett School of Planning, the research reveals that those not in cars spend 40% more each month in neighborhood shops than motorists.


    The research was conducted in areas of London which have benefitted from Dutch-style streetscape improvements, such as the addition of cycleways.

  • Der Unterschied mit Faktor 13 zwischen Hamburg und Kopenhagen scheint mir nicht realistisch zu sein. Mit den Zahlen stimmt irgendwas nicht.

    Th(oma)s hat das Entscheidende schon gesagt: Es liegt an der Datenerhebung.


    Für Kopenhagen wird als Quelle nur das Statistikamt genannt ohne Verweis auf konkrete Zahlen. Deswegen habe ich die Zahlen für Amsterdam und Hamburg verglichen. Hamburg ist etwa doppelt so groß; Amsterdam hat etwa den doppelten Radverkehrsanteil. Naiverweise könnte man in etwa gleiche Opferzahl erwarten. Hamburg hat aber fast zehnmal so viele. Die Zahlen für Hamburg stammen aus einer Pressemitteilung der Polizei und stehen für tötete, Schwerverletzte und Leichtverletzte in einem plausiblen Verhältnis. In Amsterdam sterben laut der Statistikseite mehr Radfahrer als in Hamburg, werden mehr schwer verletzt, und praktisch keine leicht verletzt.


    So generiert man eine Schlagzeile aber kein Wissen. Greenpeace halte ich auch nicht zwingend für objektiv.