Fahrradmitnahme im Bombardier Twindexx Vario, Regionalbahn Schleswig-Holstein, RE 7, RE 70, RB 77

  • Ich hab gestern auch die Warnungen für sämtliche Züge gelesen. "Hälfte der Wagen fehlt. Verspätung von mindestens 20 Minuten. Fahrradmitnahme kann eingeschränkt sein"


    Ich verlasse mich mittlerweile garnicht mehr auf diese Bahn. Mir fehlt die gute alte RB77 sehr. ;(

    Meine Route nach Hamburg sieht momentan so aus: Flixbus vom Kieler Interims-ZOB bis Kaltenkirchen/Dodenhof (Fahrtzeit 50 min, 5€), ab da dann AKN bis Schnelsen (Fahrtzeit 40Min, 3,20€). Alternativ könnte man in Eidelstedt in die S3/S21 umsteigen.


    Geht in die Richtung meist sehr entspannt. Zurück steckt der Flixbus aus Berlin oft im Hamburger Verkehr fest und hat dementsprechend Verspätung in Kaki.



    Hier nochmal alle 12 planmäßigen Störungen der nächsten Wochen auf der Strecke: https://bauinfos.deutschebahn.com/norden,strecke,70

  • Ich verlasse mich mittlerweile garnicht mehr auf diese Bahn. Mir fehlt die gute alte RB77 sehr. ;(

    Meine Route nach Hamburg sieht momentan so aus: Flixbus vom Kieler Interims-ZOB bis Kaltenkirchen/Dodenhof (Fahrtzeit 50 min, 5€), ab da dann AKN bis Schnelsen (Fahrtzeit 40Min, 3,20€). Alternativ könnte man in Eidelstedt in die S3/S21 umsteigen.

    Also auf die Kombination hätte ich noch weniger Bock als das, was sich momentan im RE 7 oder RE 70 abspielt.


    Ich bin bis vor zwei Jahren hin und wieder mal mit dem Flixbus zwischen Kiel und Hamburg gependelt, habe da aber immer größere Verspätungen wegen der Baustellen eingefahren, das war noch schlimmer als in der Bahn, zumal ich da mit meinen langen Beinen meistens irgendwelche undankbaren Plätze hinten rechts abbekommen hatte.

  • Aufgrund von defekten Fahrzeugen läuft der Betrieb auf den Linien RE 7 und RE 70 seit Wochen nicht rund, nun berichtet auch der NDR: Umsteigen bitte: Bahn-Ärger auf der Strecke RE7


    Die grünen Triebwagen wollen sich teilweise nicht kuppeln lassen, kommen in Kiel und Hamburg plötzlich nicht mehr in Fahrt und bleiben stehen, manchmal sind auch randalierende Fahrgäste oder Steine schmeißende Jugendliche an den Ausfällen schuld. Es läuft einfach nicht gut.


    Die Fahrten des RE 70 werden momentan größtenteils mit lokbespannten roten Doppelstockwagen geleistet, der RE 7 fährt so gut er kann — oder eben nicht.

  • Ich glaube, die ET 445 haben vor ein paar Wochen ein Software-Update bekommen, das irgendwas bei den Außenanzeigen komplett zerschossen hat. Zusammen mit den äußerst präzisen Anzeigen am Bahnsteig sieht das beispielsweise so aus:



    1. Die acht Wagen stehen nicht im Abschnitt C und D, sondern G bis I.
    2. Was ist denn der „hintere Zugteil“? Wer, der nicht täglich pendelt, soll das bei einem Durchgangsbahnhof verstehen? Man könnte ja vermuten, dass die hinteren Wagen jene sind, die von dieser Anzeige am weitesten entfernt sind und der Zug in die Richtung fährt, in der schon das Dreilicht-Spitzensignal leuchtet. Stimmt aber nicht, ist nämlich genau andersherum.
    3. Die seitlichen Anzeigen am Zug zeigen in der Regel nur Stuss an, die ersten sieben Wagen wissen überhaupt nicht, wo sie sind und wohin sie fahren, der hinterste zeigt „Pinneberg“, wo dieser Zug noch nicht einmal halten wird. Ist das schon die Übung für die Baustelle nächste Woche, wenn die Züge nachts nur zwischen Kiel und Pinneberg fahren?
    4. Die Ansagen im Zug während der Fahrt sind herzallerliebst: „Wenn auf der Zugzielanzeige im Wagen Kiel steht, fahren Sie nach Kiel, wenn dort nichts oder Hamburg steht, fahren Sie nach Flensburg.“

    Es landen auch regelmäßig Fahrgäste in Kiel, die eigentlich nach Flensburg wollten und das mit dem Umsteigen in den richtigen Zugteil nicht so ganz gerafft haben. Immerhin fährt von Kiel nach Flensburg noch eine Bimmelbahn, die dann aber auch gleich noch mal über eine Stunde länger unterwegs ist.

  • Ui, nach den Bauarbeiten im Oktober und im Dezember droht im April schon der nächste Nervenzusammenbruch:

    Zitat

    Baukorridor 230 Pinneberg — Elmshorn und Neumünster

    Zeitraum: durchgehend vom 22. März ab 23:00 Uhr bis zum 2. Mai 2018 um 5:00 Uhr
    Aufgrund von Arbeiten an der Eisenbahnüberführung „Bahnhofstraße“ in Neumünster, Gleiserneuerungen zwischen Pinneberg und Tornesch sowie Weichenerneuerungen in Pinneberg muss der Verkehr zwischen Hamburg und Neumünster erheblich eingeschränkt werden. Zwischen Pinneberg und Tornesch dürfen nur noch zwei Nahverkehrszüge pro Richtung und Stunde verkehren. Damit müssen bis zu vier Nahverkehrszüge pro Richtung und Stunde in diesem Abschnitt ausfallen.


    DB Netz, DB Regio, Nordbahn und NAH.SH haben vereinbart, stündlich jeweils ein Zugpaar von DB Regio und Nordbahn fahren zu lassen. Das ist in der Regel die Linie RE70, die tagsüber mit maximaler Kapazität (2 x ET445, 700 Sitzplätze) fahren wird. Die Züge dieser Linie müssen zwischen Hamburg und Neumünster zusätzlich die Fahrgäste des RE7 aufnehmen sowie zwischen Hamburg und Elmshorn die Fahrgäste der Linie RE6. Dreimal täglich fährt die Linie RE6 im Bauzeitraum ab/bis Hamburg-Altona. In diesen Stunden fällt stattdessen die Linie RE70 südlich von Elmshorn aus

    Das wird ja kuschelig. Da kann ich mich echt nur freuen, morgens in Kiel in den hoffentlich noch leeren RE 70 einzusteigen. Und zur Rückfahrt finde ich mich dann am besten schon auf Minute 35 im Hamburger Hauptbahnhof ein, um direkt in den einfahrenden RE 70 nach Kiel zu steigen, der 47 Minuten später losdüst.


    Ich bin aber mal gespannt, welche Fahrten des RE 70 man gegen den RE 6 eintauschen möchte. Das wird bestimmt super, wenn knappe eintausend Fahrgäste aus dem RE 70 in die sechs gut gefüllten Wagen des RE 6 steigen sollen.


    Ansonsten fährt ja der RE 84 zwei Mal pro Tag von Kiel über Lübeck nach Hamburg und zurück, das wäre ja eine ganz nette Alternative, wenn es denn Steckdosen im Zug gäbe.

  • ich habe mir im letzten Jahr diverse Fahrten zwischen Hamburg und Jena gegönnt.

    Standardverbindung:

    HH-Hannover-Göttingen mit ICE

    Göttingen-Jena mit so einem geschwurbelten Schaukeldiesellokomotiv-RE, dessen Heizung immer auf "max" steht und Steckdosen nur in der 1.Kl vorhält. Strecke ist teilw. eingleisig und führt über Gotha und Erfurt...

    und das ganze Geschaukel und Gestampfe des Dieselaggregates muss ich mir dann auch mehr als 2h lang antun!


    Mittlerweile bin ich bereit, 5EUR mehr auszugeben und stattdessen die Verbindung

    HH-Berlin-Halle mit ICE nonstop

    Halle-Jena mit RE

    zu nehmen. dauert ein paar Minuten länger, aber der RE ab Halle verfügt über Steckdosen & wifi, braucht nur 1h. Total geiles Reisen.


    Ich bin immernoch begeisterter Bahnfahrer. Aber auch nur, weil ich gewisse Alternativen habe. Und ich nicht täglich einsteigen muss. :-o

  • Ich habe mich ja schon gewundert, wann das mal passieren wird. Wegen einer Streckensperrung zwischen Neumünster und Flensburg saß ich gerade 23 Minuten lang im RE 7 von Kiel nach Hamburg fest, weil der zweite Zugteil aus Flensburg verspätet anrollte. Drüben steht noch der Flensburger Zugteil des RE 7 aus Hamburg.


    Dazwischen steht der RE 70, der aus Kiel um 8:27 Uhr losgefahren ist und uns gerne überholen möchte, aber nicht vorbei darf, weil er zwischen Neumünster und Elmshorn noch in Wrist und Brokstedt hält, also meinen RE 7 aufhielte, der ja aber sowieso nicht fahren kann, weil… naja.


  • Ich habe mich ja schon gewundert, wann das mal passieren wird. Wegen einer Streckensperrung zwischen Neumünster und Flensburg saß ich gerade 23 Minuten lang im RE 7 von Kiel nach Hamburg fest, weil der zweite Zugteil aus Flensburg verspätet anrollte. Drüben steht noch der Flensburger Zugteil des RE 7 aus Hamburg.


    Dazwischen steht der RE 70, der aus Kiel um 8:27 Uhr losgefahren ist und uns gerne überholen möchte, aber nicht vorbei darf, weil er zwischen Neumünster und Elmshorn noch in Wrist und Brokstedt hält, also meinen RE 7 aufhielte, der ja aber sowieso nicht fahren kann, weil… naja.


    Moin allerseits, ich habe das mal an meine Kollegen bei »Bürgerbahn statt Börsenbahn« weitergeleitet. Zu diesen gehört der ehemalige Bundesbahndirektor Dipl.-Ing. Eberhard Happe (er war Leiter der Zugförderung in Hamburg). Dieser antwortet:

    Zitat von Eberhard Happe

    »Vor 40 Jahren haben wir mit VT 12/13 in Neumünster geflügelt; das funktionierte ganz gut. Später haben wir es mit Wendezügen noch einmal versucht und ganz schnell wieder aufgegeben. Das Land Nordrhein-Westfalen verlangt inzwischen einen Halbstundentakt zwischen Köln und Berlin und verlangt ausdrücklich den Verzicht auf Flügeln. Flügeln führt nachweislich zu Reisezeit- Verlängerung. Warum wird denn überhaupt geflügelt? Weil man vorgibt, Trassen (und Personalkosten) einzusparen; in Wirklichkeit um Trassengebühren zu sparen. Den Gleisen, Weichen und Signalen ist es aber völlig schnurz ob 56 'Achsen' innerhalb einer Minute oder innerhalb dreier Minuten durchrollen.«

    Ich hatte bei meiner Anfrage auch die Prioritätensetzung des Fahrdienstleiters (Fdl) angesprochen. Dazu meldet sich ein weiterer »Insider«:

    (BZ = Betriebszentrum; EVU = Eisenbahnverkehrsunternehmen)

    Zitat

    Du hast den Nagel fast auf den Kopf getroffen. Der Fdl sitzt in Hannover, das ist richtig. Vergessen hast Du, dass er einen viel größeren Bereich im Auge haben muss, als alle Fdl vor der Bildung der BZ. Damit hat man auch das Dilemma schon in der Hand. Um seine Arbeit zu unterstützen, hat man die automatische Zuglenkung eingeführt. Die arbeitet exakt so, wie die Zugreihung (Zugnummern) eingegeben wurde. Die Züge werden der Reihe nach abgearbeitet, wie sie im Regelfall fahren sollen, egal ob verspätet oder nicht. Um den vorher beschriebenen Fall bearbeiten zu können, muss der Fdl den Fall auf seinen vielen Bildschirmen gesehen haben und evtl. händisch in das Gefüge eingreifen. Nun kommt die Frage, hat er die Situation erkannt, hat er die Folgen seines evtl. Eingriffes bzw. Nichteingriffes voll übersehen, wollte er nicht eingreifen oder durfte er nicht eingreifen (EVU-Interessen und Problem Pünktlichkeit). Das ist der Fluch der Divisionalisierung und der Bestellertätigkeit der Nahverkehrsverbünde und Abhängigkeiten der EVU. Früher hat der Disponent und Fdl die Zugfolge geregelt. Heute machen das die Auftraggeber, wenn auch indirekt. Du kannst das Szenario noch auswalzen. Ja, es hat auch etwas mit Trassen zu tun. Die Nahverkehrsverbünde wollen Geld sparen und lassen flügeln. Auch sind auf manchen Strecken schlichtweg keine Trassen mehr da, weil auf Teufel komm raus bestellt wurde bzw. Kapazitäten abgebaut wurden bzw. diese überhaupt fehlen und man nun zu diesem Notnagel greift, um der Misere Herr zu werden.

    Auch mal hier gucken: https://inside.bahn.de/fahrdienstleiter-arbeitsplatz/


    »Bürgerbahn statt Börsenbahn« tagt zufällig nächsten Montag in Fulda und wird das Thema auf die Tagesordnung nehmen. Ich bin leider nicht dabei, leite aber gerne die Einschätzungen weiter.

    Malte, gib gerne (nochmal?) durch: wie häufig kommt es da zu Kupplungsstörungen, wie häufig sind solche Wartezeiten auf den anderen Flügelzug?

  • Malte, gib gerne (nochmal?) durch: wie häufig kommt es da zu Kupplungsstörungen, wie häufig sind solche Wartezeiten auf den anderen Flügelzug?

    Das kann ich dir leider nicht so richtig sagen, ich bin im letzten Herbst nach Möglichkeit immer mit dem RE 70 gefahren, weil der RE 7 so unzuverlässig fährt. Im neuen Jahr nehme ich momentan immer den RE 7 um 8:02 Uhr von Kiel nach Hamburg und das läuft halt irgendwie so.


    Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Problemen beim Kuppeln: Verspätungen oder Probleme mit dem Rollmaterial.


    Verspätungen liegen quasi auf der Hand: Der RE 7 von Kiel nach Neumünster fährt 24 Minuten, der von Flensburg nach Neumünster über eine Stunde. Der kam im letzten Jahr regelmäßig zu spät und wenn er zu spät kommt, dann auch gleich zehn bis 15 Minuten.


    Der andere Problemkomplex sind Probleme mit der BR 445. Ich weiß nicht genau, wie viele grüne Triebzüge die Regionalbahn Schleswig-Holstein insgesamt besitzt, aber es sind meistens zu wenige, um einen Betrieb von RE 7 und RE 70 damit zu gewährleisten. Beim RE 70, der ja von Kiel nach Hamburg ohne Flügelung fährt, kommen dann häufig rote Doppelstockwagen im Sandwich-Betrieb zum Einsatz, um den auf die schnelle BR 445 ausgelegten Fahrplan überhaupt einhalten zu können.


    Sobald noch mehr kaputt geht, wird die Flügelung beim RE 7 aufgegeben. Dann fahren vier Wagen zwischen Kiel und Hamburg und vier Wagen von Flensburg über Neumünster nach Kiel und zurück, je nachdem, was man sich da in der Leitstelle überlegt hat. Das tolle ist aber auch dann: Wenn der Flensburger Zugteil mit Verspätung in Neumünster ankommt, wartet der Kieler Zugteil artig seine Viertelstunde am Bahnsteig auf seinen Kumpel, anstatt dass man die Flensburger Fahrgäste auf den zwanzig Minuten späteren RE 70 vertröstet, der dann ja insgesamt nur noch fünf Minuten später in Neumünster ankommt — oder uns beinahe überholt, so wie auf dem Foto oben.


    Probleme beim Betrieb als Doppeltraktion gibt es bei der BR 445 nach wie vor. Die von dir angesprochenen technischen Probleme beim Kuppeln sind allerdings mittlerweile seltener geworden. Im letzten Herbst ist es mehrfach passiert, dass dann der hintere Zugteil in Neumünster geblieben ist, weil man die Sache einfach nicht in Gang bekommen hat, das klappt mittlerweile besser. Das habe ich ein paar Mal mitgemacht, danach bin ich wie gesagt auf den RE 70 umgestiegen. Genaue Zahlen kann ich dir da aber leider nicht nennen, obwohl ich mir das eigentlich alles notiert habe.


    Was aber immer noch passiert: Direkt nach dem Kuppeln weiß der Zug nicht mehr, wer er ist und wohin er fahren möchte. Dann gehen draußen und drinnen die Anzeigen aus, manchmal sogar das Licht, dann funktioniert teilweise die Lautsprecheranlage nicht mehr ordentlich, so dass Ansagen aus dem vorderen Zugteil hinten nicht ankommen oder umgekehrt und so weiter und so fort. Oder, wie gerade eben: Wir kommen pünktlich an, die Züge sind beide da, aber das Kuppeln dauert nicht die veranschlagten drei Minuten, sondern fünf oder acht.


    Gerade die Sache mit den Anzeigen am Zug ist immer lästig, sobald der RE 7 im Hamburger Hauptbahnhof steht und sich die Zugteile nicht zu erkennen geben. Der Fahrgast darf dann raten, wo im Hamburger Hauptbahnhof der „vordere Zugteil nach Kiel“ steht. Und gerade solche Lautsprecherdurchsagen wie „Wenn auf den Anzeigen Kiel steht, fahren Sie nach Kiel, wenn dort nichts oder Hamburg steht, fahren Sie nach Flensburg“ sind ja der Hit.


    Naja. Und gerade gestern sind die beiden Zugteile überhaupt nicht miteinander klargekommen, so dass mein Triebwagen ständig Alarm ausgelöst hat. Wir sind dann irgendwie noch gerade so bis Elmshorn gerollt. Dort durften dann mehrere hundert Fahrgäste aus acht Doppelstockwagen des RE 7, der zuvor schon die Fahrgäste des ausgefallenen ICE 77 aufgenommen hat, in die vier Wagen des nachfolgenden, aber ebenfalls schon gut gefüllten RE 70 einsteigen.

  • Der Fahrzeugmangel an funktionstüchtigen BR 445 ist wohl wieder so groß, dass die Flügelung auf der Linie 7 teilweise ausfällt und auf der Linie 70 wieder die „alten“ Doppelstockwagen fahren. Heute hat es anscheinend noch nicht einmal für eine Elektrolokomotive gereicht, stattdessen fährt anscheinend schon den ganzen Tag Conny von der Westfrankenbahn zwischen Kiel und Hamburg.


    Ich finde, die ist mit der Lackierung und dem echten DB-Keks mal ein Foto wert:



  • Nächste Woche soll es ein Software-Update bei den Twindexx geben und deswegen auch Fahrplanänderungen:

    Meldung von nah.sh

    Oh, endlich wieder ICE fahren. Da muss ich zwar früher aufstehen, aber das muss mir der Spaß wert sein.


    Ich habe die „Ansage“ heute in Nortorf gesehen, wo es aufgrund der kleinen Fahrgastinformationssysteme dann doch eine Weile dauerte, bis die komplette Meldung über die Matrixanzeige geschoben wurde. Die Zeit muss man sich auch erst einmal nehmen.




    Das Problem mit dem Kuppeln in Neumünster hat man nach meiner Erfahrung ganz gut im Griff. Im Januar bin ich beinahe ausnahmslos mit dem RE 7 um 8:02 Uhr in Kiel losgefahren und nach meiner Erinnerung gab es einen einzigen Tag, in dem das Kuppeln mit vorheriger Ankündigung nicht praktiziert wurde. Es wäre aber tatsächlich cool, wenn insbesondere die Zugzielanzeigen ordentlich funktionieren und die Lautstärke der Lautsprecher regulierbar wäre.



    Oder noch lustiger: Man steigt in Hamburg im Wagen 4 ein, kommt aber in Kiel im Wagen 1 an, weil das Ding nach der Zugteilung in Neumünster abstürzt und die Nummerierung der Wagen durcheinanderbringt, was gleich noch mal so lustig wirkt, weil auf den Triebköpfen die Wagennummer von außen aufgedruckt ist:


  • Tja — das Softwareupdate ist seit Dienstag durch, aber so richtig geändert hat sich aus Fahrgastsicht momentan noch nichts. Der Zug bölkt weiterhin mit „STÖRUNG“, „BRANDALARM“ und „ZUGBEEINFLUSSUNG“ in die Lautsprecherdurchsagen, die Anzeigen und Displays funktionieren manchmal, manchmal nicht, die Lautstärke der Durchsagen ist immer noch nicht angeglichen.


    Nun weiß ich natürlich nicht, ob das Update nur der erste Schwung war und die Einstellungen mit der Zeit angepasst und aktiviert werden, aber ich hatte mir davon schon ein bisschen mehr versprochen.

  • Was für ein Glück, dass ich gerade mit Erkältung und Fieber im Bett bleiben muss. Am Montag legte der Sturm Bennet den Zugverkehr in Hamburg-Eidelstedt lahm und seit Dienstagmorgen hat die Regionalbahn Schleswig-Holstein offenbar schon wieder ihre liebe Not, den planmäßigen Zugverkehr mit der BR 445 zu bestreiten — deren Meldungen auf Twitter laufen quasi über vor Meldungen über Züge, die heute nur mit einem statt zwei Teilen verkehren.

  • Seit nunmehr acht Monaten fahre ich jeden Tag mit dem RE 7 oder dem RE 70 von Kiel nach Hamburg zur Arbeit und es dauerte immerhin jene acht Monate, bis die ganze Sache am Montagabend mal so richtig schief ging.


    Der Reihe nach:


    20:44 Uhr: Von der Critical Mass in Lüneburg breche ich mit dem ICE 584 nach Lübeck bis Hamburg auf, der schon 20 Minuten Verspätung wegen polizeilicher Ermittlungen hat. Macht ja nichts, damit rutsche ich gerade so in eine Lücke zwischen zwei Metronom-Verbindungen und erwische in Hamburg noch den RE 70 nach Kiel um 21:22 Uhr.


    21:10 Uhr: Ankunft in Hamburg. Dumme Sache allerdings: Der RE 70 nach Kiel fällt aus. Und der folgende RE 7 ebenfalls. Es fährt überhaupt nichts mehr aufgrund polizeilicher Ermittlungen in Kiel. Das weiß auch die Lautsprecherdurchsage im ICE, als wir gerade in den Bahnhof fahren, aber weitere Handlungshinweise für Reisende nach Kiel gibt es leider nicht. Man steht dann etwas dumm in der Gegend herum.



    21:19 Uhr: Die Lautsprecheransage am Bahnsteig empfiehlt den ICE 584 nach Lübeck, aus dem ich gerade ausgestiegen bin, ab dort die RB 84 nach Kiel, aber da komme ich leider nicht mehr mit, weil die Türen bereits geschlossen sind und hinter der einzig verbleibenden Tür zur Zugabfertigung schon Stau herrscht, während der Zugbegleiter die letzten Reisenden mit riesigen Koffern in den überfüllten Zug bittet.



    Ich weiß auch nicht so richtig, was ich in Lübeck sollte, beziehungsweise wie weit ich mit dem RE 83 oder der RE 84 komme, wenn der Kieler Hauptbahnhof nicht angefahren würde. Vielleicht fährt die Bahn bis Kiel-Elmschenhagen, vielleicht bis Raisdorf oder Preetz, von dort könnte ich noch mit dem Rad weiter, aber wenn es blöd läuft, fährt sie vielleicht nur bis Plön oder fällt komplett aus. Irgendwas muss ja im Busch sein, denn der RE 7 oder RE 70 könnte ja auch wenigstens bis Neumünster oder Bordesholm fahren. Tut er aber nicht.


    Genaueres weiß man nicht, also warte ich lieber auf die nächste gesicherte Reisemöglichkeit, anstatt plötzlich irgendwo in Ostholstein mitten in der Nacht am Bahnhof ausgesetzt zu werden.


    21:25 Uhr: Ein Blick auf das Twitter-Konto der @DBRegio_SH offenbart, dass die polizeilichen Ermittlungen gar nicht in Kiel stattfinden, sondern in Neumünster. Insofern wäre eine Fahrt über Lübeck doch eine ganz gute Idee gewesen, um zeitig nach Hause zu kommen: https://twitter.com/DBRegio_SH/status/1112790716571373576



    21:30 Uhr: Ich saufe mir jetzt erstmal einen an, dann sehen wir weiter. Zwischendurch wäge ich die Alternativen ab: Ich könnte ab 22:08 Uhr mit dem RE 8 bis Lübeck und von dort aus mit der RB 84 nach Kiel fahren, wäre dann aber erst um 0:17 Uhr dort. Das ist mir ein bisschen zu lang und ich warte erstmal ab, ob die Streckensperrung wie mittlerweile angekündigt um 22 Uhr aufgehoben wird; dann wäre ich nämlich mit dem RE 70 um 22:22 Uhr schon um 23:32 Uhr in Kiel. Und obendrein spare ich mir das Geprügel um den kleinen LINT, mit dem die Fahrten der RB 84 ab Lübeck geleistet werden.


    21:40 Uhr: Ah, es soll ein Schienenersatzverkehr von Brokstedt nach Kiel und von Neumünster nach Nortorf geleistet werden. Das nährt die Hoffnung, dass es hier bald weitergeht, denn wenn der Schienenersatzverkehr in Brokstedt startet, muss man ja auch irgendwie nach Brokstedt kommen: https://twitter.com/DBRegio_SH/status/1112799772761616384



    22:12 Uhr: Der RE 70 nach Kiel am Gleis 7 steht zwar als Abfahrtbereit auf der Tafel, am Gleis dann aber doch nicht und fällt aber dann doch aus. Naja. Der Zugbegleiter weiß auch nichts davon, dass es einen Schienenersatzverkehr ab Brokstedt geben könnte, und äußert seinen Missmut darüber, dass ihn ohnehin niemand informiere. Tja. Er bekommt dann den ganzen Frust der Reisenden ab, die nun nach Hause wollen.



    22:20 Uhr: Mal gucken, was im RE 7 auf Gleis 12 so geht. Laut Auskunft der App soll sich die Bahn um 22:43 Uhr in Bewegung setzen. Wer’s glaubt! Die Abfahrtstafel bittet darum, vom Einsteigen abzusehen, ich beschließe aber, dass ich mir von Anzeigetafeln heute nichts mehr sagen lasse.


    22:24 Uhr: Ah, mittlerweile trudeln die ersten Presseberichte zum Vorfall in Neumünster ein: Neumünster: Bahnhof nach Bombendrohung gesperrt



    22:41 Uhr: Auch der RE 7, in dem ich mich gerade befinde, fällt aus. Obendrein wechselt die Anzeige plötzlich zu „Flensburg“. Nach Kiel geht’s also eh nicht? Der Typ neben mir macht sich erst einmal ein Starkbier auf und leert die Dose binnen zwei Minuten. Den Pegel hätte ich jetzt auch gerne.


    22:42 Uhr: Ein Fahrgast kommt vorbei und möchte gerne nach Elmshorn. Ich lese ihm seine Reisemöglichkeiten mit RB 71 und RE 6 vom Hauptbahnhof und aus Hamburg-Altona vor, aber damit kann er nicht so richtig viel anfangen. Er versteht aber, was „Zug fällt aus“ bedeutet, viel mehr geben seine Deutschkenntnisse nicht her.


    22:45: Der Typ mit der nunmehr leeren Starkbier-Dose fraternisiert mit einem Fahrgast aus der ersten Klasse und organisiert noch ein Sixpack Astra aus dem EDEKA, der in einer Viertelstunde schließt. Eile ist geboten, aber man will halt nicht mit dem ganzen Gepäck in den engen Supermarkt klettern.


    22:46 Uhr: Durchsage: Der Zug fällt aus. Das ist ja nichts neues. Aber: Wir mögen bitte mit einem RE 8 über Lübeck fahren und wären dann um 1:45 Uhr in Kiel. Dieser Zug würde gleich umgesetzt auf Gleis 13 um und würde dort als Hotelzug stehenbleiben.


    Für mich stellt sich nun langsam die Frage, ob ich nicht lieber im Bureau übernachte. Um 1:45 Uhr in Kiel ankommen — wenn es denn wirklich so pünktlich klappt — bedeutet schließlich auch erst um 2.15 Uhr im Bett zu liegen und theoretisch müsste ich schon um 5:30 Uhr wieder aufstehen, um gegen 6:27 Uhr den Zug nach Hamburg zu erwischen.


    22:50 Uhr: Zwei aufgeregte Fahrgäste betreten den Wagen, sie wären gerade im RE 8 gewesen und hätten dort vom Zugbegleiter die Information erhalten, dass aufgrund polizeilicher Ermittlungen in Kiel die RB 84 ausfiele. Man habe sie dann auf diesen Zug verwiesen, weil die Streckensperrung in Kürze aufgehoben würde. Nun wundere ich mich: Ist die Nummer mit den polizeilichen Ermittlungen in Kiel immer noch die alte Information von vor zwei Stunden? Oder wurden die Ermittlungen nun ausgeweitet, wurde der Zug mit der Bombe zur Untersuchung womöglich nach Kiel verbracht, so dass der Bahnhof in Neumünster wieder freigegeben wurde? Nichts genaues weiß man nicht und es ist auch niemand da, den man fragen könnte. Die beiden Damen oben an der DB-Information haben auch keine genaueren Information und wissen noch nicht einmal, dass die Sperrung von einer Bombendrohung verursacht wurde.


    22:59 Uhr: Nun soll der RE 7 von Gleis 11 auf Gleis 13 wechseln, damit er dem abendlichen Fernverkehr nicht im Weg steht. Mal sehen. Jedenfalls setzt sich die Bimmel nun in Bewegung.


    23:03 Uhr: Irgendwo zwischen Innen- und Außenalster wenden wir jetzt.


    23:06 Uhr: Nun stehen wir auf Gleis 13. Da sind wir ja schon mal weit gekommen; hin und zurück bestimmt 500 Meter.



    23:29 Uhr: Draußen am Bahnsteig wird regelmäßig irgendwas durchgesagt, davon ist aber im Zug nichts zu verstehen. Meine Motivation, aufzustehen und mir das anzuhören, ist eher gering.


    23:35 Uhr: Durchsage: Es fährt ein Bus nach Neumünster und Flensburg um 23:45 Uhr an der Kirchhofallee. Alle rennen los. Was ist denn eigentlich mit Kiel?


    23:45 Uhr: Vom Bus, der genau jetzt abfahren sollte, ist bislang nichts zu sehen.



    23:46 Uhr: Der Bus ist da, fährt aber nur direkt nach Dänemark und bedient Pattburg, Aarhus, Frederica und Kopenhagen. Und diesen Bus hat offenbar noch nicht einmal die Regionalbahn angefordert, sondern die Dänische Staatsbahn als Ersatz für den Nachtzug IC 431 nach Kopenhagen.



    23:50 Uhr: In den nächsten Minuten kommen weitere Busse an, bei denen aber noch nicht so ganz klar ist, welcher denn nun wohin fährt. Einer hält nur in Flensburg, ein anderer nur in Rendsburg und Schleswig, ein dritter in Neumünster. Dann gibt es wohl noch einmal widersprüchliche Informationen, zwei Busse fahren wohl über Neumünster, dann einer nach Rendsburg und einer nach Schleswig. Und was ist mit Kiel? Kurz vor Abfahrt wird noch mal hektisch telefoniert, einige Fahrgäste rennen hastig zu einem anderen Bus, weil sich die Fahrtziele geändert haben.



    0:20 Uhr: Ich komme leider nicht mit, weil Falträder im Schienenersatzverkehr aus Sicherheitsgründen von der Beförderung ausgeschlossen sind. Klar, wer kennt es nicht, dieses Verletzungsrisiko, wenn das Faltrad bei einem starken Bremsmanöver die Decke der Gepäckfächer des Reisebusses durchschlägt und drei Fahrgäste tötet? Bei dem ganzen Krempel, den die Leute in den Bus stopfen, habe ich für diese Begründung jetzt nicht so ganz viel Verständnis, da fährt schließlich sogar ein ganzer Kontrabass-Koffer auf dem Gang liegend mit.


    Allerdings: Was hätte ich in Neumünster oder Schleswig schon machen sollen? Den Rest mit dem Rad zurücklegen? Dann gehe ich eben wieder zurück in den blöden Aufenthaltszug. Von Schleswig aus hätte ich immerhin mit der RE 74 nach Kiel fahren können, aber es soll wohl nicht sein.



    0:23 Uhr: Bei der rund um die Uhr geöffneten DB-Information erfahre ich, dass der Aufenthaltszug bis vier Uhr dort am Gleis steht und dann, sofern möglich, wieder in den Regelbetrieb wechselt. Das bringt mir ja nicht so viel: Ich kann also bis vier Uhr dort pennen, muss dann aber vier weitere Stunden am kalten Bahnhof zubringen, bis ich ins Bureau kann. Super. Obwohl der Lauftext auf der Anzeigetafel verspricht, der Zug bliebe „die ganze Nacht am Bansteig (sic!)“, ist er wohl wirklich nur zum Aufwärmen gedacht und nicht als Übernachtungsmöglichkeit für Arbeitnehmer, die in acht Stunden wieder im Bureau sitzen sollen.



    0:30 Uhr: Das ist natürlich eine tolle Idee, hier in einem Hotelzug zu schlafen, wenn hier seltsames Publikum umherstreift und Mülleimer durchsucht. Ich will ja niemandem etwas böses unterstellen, aber womöglich finden die Leute Falträder oder Notebooks oder Geld genauso toll wie ich und ziehen mir meinen Kram unter dem schlafenden Hintern ab. Es wird ja schon seinen Grund haben, dass die Lautsprecherdurchsagen regelmäßig vor aggressiven Bettlern und organisierten Diebesbanden warnen.


    0:35 Uhr: Die Bahn ist ja nicht doof und setzt die DB-Sicherheit ein, um zwielichte Gestalten aus dem Zug zu entfernen. Gleichzeitig wird kontrolliert, dass sich auch niemand auf den Ultrabequemsesseln der ersten Klasse breit macht, der das in Ermangelung einer entsprechenden Fahrkarte gar nicht darf. Da wundere ich mich schon: Hier sind vielleicht vierzig Personen im Zug, warum kann man die nicht einfach in der ersten Klasse sitzen lassen?



    0:38 Uhr: Hektik, Hektik! Der Zugbegleiter hat Taxi-Gutscheine organisiert, wir mögen uns bitte alle oben auf dem Hachmannplatz treffen.


    0:50 Uhr: Es gibt Taxis nach Elmshorn und Kiel und der Zugbegleiter hat trotz der ganzen Sonderwünsche seiner Fahrgäste („bitte nicht zum Bahnhof sondern nach Hause“, „bitte in Sparrieshoop halten“) eine Ruhe sondergleichen, das könnte ich nicht. Mit Faltrad habe ich aber wieder keine Chance, denn eine Beförderung von Fahrrädern ist im SEV nicht vorgesehen. Ich habe auch nicht ganz so viel Lust, mich jetzt mit Taxifahrern zu streiten und mich dann in der gedrückten Stimmung nach Kiel fahren zu lassen, womöglich stimmt er während der Fahrt noch das Lied vom „RAAADWEEEG“ an. Und schon gar nicht will ich jetzt eine Diskussion mit dem Zugbegleiter anfangen, denn der macht schließlich auch nur seinen Job und hält schon für die Wut der Fahrgäste auf seinen Arbeitgeber den Kopf hin, da muss ich nicht auch noch draufschlagen.



    Und davon abgesehen: Wenn ich um 1 Uhr mit dem Taxi loskäme, wäre ich inklusive der ganzen Zwischenstopps vielleicht um 3 Uhr in Kiel, vielleicht auch erst um 4 Uhr, wenn die ganzen Leute noch ihre Sonderwünsche durchsetzen und statt zum Bahnhof lieber direkt vor die Haustür chauffiert werden wollen, weil die Bahn ja zahlt. Dann penne ich noch zwei Stunden und fahre wieder los? Das hat auch keinen Sinn, dann bleibe ich lieber hier.


    Ach, scheiße.


    1:05 Uhr: Ich beschließe, den Leuten nicht weiter auf den Sack zu gehen und setze mich wieder in den Aufenthaltszug. Vielleicht kann ich ja wenigstens bis 4 Uhr schlafen und dann noch die Zeit totschlagen.



    1:20 Uhr: Ein Typ kommt vorbei und weckt mich auf, indem er mir an die Schulter packt. Oder habe ich das nur geträumt? Jedenfalls hätte ich ihm vor Schreck fast aufs Maul gehauen, obwohl er eigentlich nur 80 Cent für den Bäcker will. Die kriegt er aber nicht, weil mir die Sache etwas seltsam vorkommt, am Ende nimmt er nicht nur 80 Cent, sondern das ganze Portemonnaie.


    1:30 Uhr: Lautsprecherdurchsage: Die Streckensperrung in Neumünster wäre aufgehoben worden, diese Bimmel führe um 1:57 Uhr los nach Kiel. Damit stellt sich ja die Frage, ob beide Zugteile nach Kiel fahren oder ob einer nach Flensburg düst oder einer hier im Bahnhof verbleibt. Bislang kennzeichnen sich beide Zugteile als „Regionalbahn SH“ und verweigern hartnäckig jegliche Auskunft, wohin sie wohl fahren. Dann leuchtet plötzlich doch noch „Kiel Hbf” als Fahrziel auf, aber ich mag der Sache nicht ganz trauen, denn schließlich hält sich der Zug ja auch noch für den RE 7, der um 21:43 Uhr losfahren sollte.



    1:37 Uhr: Nächster Kontrollgang der DB-Sicherheit. Die wissen aber noch nicht einmal, dass die Bahn gleich losfahren soll, geschweigedenn dass sie Auskunft über die Fahrtziele machen könnten.


    1:45 Uhr: Durchsage: Dieser Zug hält heute wegen Bauarbeiten nicht in Hamburg-Dammtor. Ich glaube, das ist meine kleinste Sorge. Ob hier ernsthaft jemand am Hauptbahnhof ausgeharrt hat, um mit diesem Zug die 500 Meter nach Dammtor zu fahren, also hat hier jemand ernsthaftes Interesse an dieser Information?



    1:48 Uhr: Oh, der Zug ist aufgewacht. Jetzt weiß er ganz sicher, dass er nach Kiel fährt und spult jetzt das ganze Programm seiner Durchsagen ab, beispielsweise „Ausstieg in Fahrtrichtung rechts“. Das stimmt mittlerweile aber nicht mehr, weil wir an einem anderen Bahnsteig stehen als vorhin, aber wer weiß, wo für den Zug denn gerade „in Fahrtrichtung rechts ist“.


    1:51 Uhr: Der NDR berichtet, dass Sprengstoffspürhunde im Zug in Neumünster angeschlagen hätten: https://www.ndr.de/nachrichten…tellt,neumuenster532.html


    1:53 Uhr: Ohne weitere Durchsage oder Vorwarnung fuhr der Zug plötzlich los — aber in die falsche Richtung. Keine fünf Meter stoppt er abrupt.


    1:54 Uhr: Noch mal nachgesehen: Draußen an den beiden Zugteilen steht jetzt nicht mehr „Regionalbahn SH“, sondern „Kiel Hbf“.


    1:55 Uhr: Wir spielen das gleiche Spiel noch einmal und rollen fünf Meter weiter. Mittlerweile haben wir auch schon drei Minuten Verspätung gegenüber der eigentlich anvisierten Abfahrtszeit angesammelt. Gegenüber meiner geplanten Ankunft in Kiel um 22:32 Uhr habe ich nun beinahe viereinhalb Stunden Verspätung angesammelt.


    1:58 Uhr: Der eifrige Zugbegleiter von vorhin ist immer noch im Dienst und läuft aufgeregt mit dem Telefon am Ohr hin und her. Das ist kein gutes Zeichen.


    2:00 Uhr: Wir fahren wieder. In die falsche Richtung. Jetzt kapiere ich das erst: Weil wir aufgrund von Bauarbeiten nicht über Hamburg-Dammtor fahren können, nehmen wir wieder den Weg über die Güterumgehungsbahn — und die ist halt über die andere Richtung erreichbar.


    2:02 Uhr: Was soll jetzt noch schiefgehen? Tja: Wir haben beispielsweise noch ein paar Betrunkene vom Bahnhof dabei, die sich offenbar im Aufenthaltszug aufwärmen wollten und von der buckeligen Anfahrt aufgeweckt wurden. Die wollen aber gar nicht nach Kiel, die wollen wieder aussteigen und überlegen, wo sich die Notbremse befindet. Immerhin geben die Leute gleich wieder Ruhe und pennen weiter.


    2:06 Uhr: Aufgrund polizeilicher Ermittlungen verzögert sich die Fahrt um fünf Minuten. Ist mir echt scheißegal: https://twitter.com/DBRegio_SH/status/1112868936171782144


    2:08 Uhr: Einer der Obdachlosen sitzt in der Sitzgruppe gegenüber und hantiert nun mit Kaffeepulver herum und schmiert damit erst einmal den ganzen Tisch ein. Naja.


    2:10 Uhr: Wo auch immer wir gerade entlangfahren, viel zu sehen ist in der Dunkelheit eh nicht von der Güterumgehungsbahn.



    2:12 Uhr: Der Typ hat jetzt Kaffeepulver in seine Wasserflasche gekippt. Die enthielt allerdings Wasser mit Kohlensäure und dementsprechend sieht es jetzt auch aus. Hätte er stilles Wasser genommen, hätte es vermutlich nicht zur Detonation gereicht.


    2:20 Uhr: Nun weiß ich beinahe alles außer seinem Namen über den Mann. Er ist seit zwanzig Jahren obdachlos, hat Wasser in den Beinen und einen kaputten Rücken, deshalb kann er „nicht mehr so gut kacken“ und bittet um Entschuldigung für den Geruch. Dann bemüht er sich wirklich redlich, seinen gesprudelten Kaffee wieder aufzuwischen. Er war mal Matrose, mal Maschinenbauer, und hat noch nie einen Tropfen Alkohol getrunken.


    2:22 Uhr: Nun ist der Zug irgendwo bei Hamburg-Eidelstedt wieder von der Güterumgehungsbahn auf die eigentliche Strecke eingebogen. Das hätte ich mir ja zu gerne bei Tageslicht angesehen, dort habe ich schließlich dreieinhalb Jahre gewohnt.


    2:26 Uhr: Nicht nur im Bahnhof Dammtor wird gebaut, sondern auch hier wurde irgendwas an den Gleisen geschweißt. Das sieht bei dieser Dunkelheit zwar echt hochinteressant aus, ist aber für die Geschwindigkeit dieser Bimmel eher nachteilig.


    2:30 Uhr: Wir halten jetzt ernsthaft in Pinneberg.



    2:35 Uhr: Nach der Abfahrt in Pinneberg ist dem Zug plötzlich eingefallen, dass er ja einen Fahrplan hat. Der ist zwar nicht ansatzweise aktuell, aber das hält den Zug nicht davon ab, eine ganz schön optimistische Einschätzung der Ankunft in Kiel um 2:58 Uhr zu versprechen — das wäre in knapp 20 Minuten.


    2:39 Uhr: Dass mir mein Sitznachbar angesichts meines hartnäckigen Hustens von anderen Obdachlosen erzählt, die auch so geklungen hätten, um dann zwei Tage später tot zu sein, bessert meine Laune nur mäßig.


    2:51 Uhr: Wir halten sogar in Wrist. Wahnsinn!


    2:55 Uhr: Mein Sitznachbar wechselt nun die Plastiktüten aus, die er zwischen Socken und Schuhen trägt, weil er offene Beine hat. Der Gestank im Wagen ist unerträglich, aber Scheiße, meine größte Sorge war bis eben, dass ich heute nicht nach Hause komme? Er hat gar kein zu Hause, sondern lebt mal hier und mal da und ist froh, zwangsläufig zwei Stunden im warmen Zug verbringen zu können.


    2:57 Uhr: Nun stöbert er in einem Flyer von nah.sh und ist über die Garantie gestolpert. Er staunt, ob man wirklich Geld zurückbekommt und ich rechne ihm vor, dass ich für diese siebenstündige Verspätung 3,70 Euro zurück — und merke in diesem Moment, dass das für mich so lächerlich wenig Geld ist, dass sich eigentlich noch nicht einmal das Ausfüllen des Formulares lohnt, mein Nachbar davon aber vermutlich einen ganzen Tag ziemlich gut leben kann.


    3:05 Uhr: Der Zug mit der Bombendrohung hat den Bahnhof Neumünster offenbar bereits verlassen, hier ist überhaupt nichts mehr zu sehen.



    3:28 Uhr: Relativ pünktlich kommt die Bimmel in Kiel an. Nun stellt sich die Frage: Fahre ich gleich mit dem nächsten Zug zurück und warte eine halbe Stunde am kalten Bahnhof? Und dann fahre ich aus Hamburg noch mal mit einem Zug von bis Elmshorn oder Neumünster und wieder zurück, inklusive des Risikos, aufgrund verpasster Anschlüsse am kalten Bahnhof zu übernachten? Oder fahre ich jetzt nach Hause, lege mich für zwei Stunden hin und fahre direkt um 6:27 Uhr zur Arbeit?


    Ich entscheide mich schließlich dafür, kurzfristig einen halben Tag Urlaub zu nehmen und bis zehn Uhr zu Hause zu schlafen. Das halte ich für die beste Idee in dieser Situation.


    Und ansonsten lerne ich, dass Informationen alles sind. Hätte ich in dieser zunächst widersprüchlichen Informationslage gleich gewusst, dass die Ermittlungen nicht in Kiel, sondern in Neumünster sind, hätte ich ja einfach über Lübeck fahren können. Mit ein bisschen mehr Frechheit hätte ich mir und meinem Faltrad einen Sitz-, beziehungsweise Stellplatz gesichert und fertig.


    Aber die Bahn beziehungsweise deren Personal weiß halt auch nicht weiter. Das Ende der Streckensperrung wurde quasi jede Stunde wieder um eine Stunde verschoben, nichts genaues wusste man nicht. Mir ist natürlich klar, warum das so ist, denn die Bahn ist auf Informationen der Polizei angewiesen und die Polizei weiß natürlich auch nur das, was die Sprengstoffspürhunde oder das Bombenräumkommando melden. Natürlich ist man nachher immer schlauer, das nächste Mal penne ich einfach im Bureau oder suche mir rechtzeitig ein Hotel oder fahre über Lübeck oder notfalls mit dem Rad nach Kiel. Das wären auch nur vier Stunden gewesen.


    Will sagen: Es muss sichergestellt werden, dass Fahrgästen und dem Personal eine eindeutige Informationslage zur Verfügung steht. Es geht nicht an, dass es anfangs noch hieß, der Kieler Bahnhof wäre gesperrt, so dass ich mich gar nicht erst auf den Weg nach Lübeck gemacht habe. Und dass der Schienenersatzverkehr erst nach knappen vier Stunden, Taxis noch eine Stunde später bereitgestellt werden, Puh, ich weiß nicht, das ist schon sehr unglücklich. Und das sind auch Dinge, die ich nicht so ganz verstehe: Laut diversen Informationshäppchen gab es ja einen Schienenersatzverkehr ab Brokstedt, warum fuhr man dann nicht wenigstens von Hamburg bis Brokstedt?


    Aber immerhin bekomme ich ja 3,70 Euro erstattet.