Mit der Umbuchung auf den ICE 617 habe ich natürlich wieder meine Fahrrad- und meine Sitzplatzreservierung verloren, im Reisezentrum ließ sich für den ICE 617 auch nichts mehr buchen, dafür fahre ich jetzt eine Stunde früher, nämlich um 16:23 Uhr nach Köln. Eigentlich ist mir das auch ganz recht, dann habe ich noch was vom Abend dort.
Einfach mal so eine Stunde früher zu fahren hat dann doch nicht geklappt, denn auch als Software-Entwickler mit gänzlich flexiblen Arbeitszeiten hat man manchmal Termine, die sich nicht verschieben lassen. Die Abfahrt um 17:23 Uhr hätte easy funktioniert, aber nicht eine Stunde früher.
Also ging’s wieder ins Reisezentrum. Eine halbe Stunde stehe ich in der Schlange vor der Reception, bekomme dann trotz Platin-Status eine normale Wartenummer und warte noch mal zwanzig Minuten. Naja.
Weil mittlerweile die Direktverbindungen von Hamburg nach Köln natürlich alle ausgebucht waren, wollte ich am heutigen Sonnabend über Hannover fahren, wo ich mit einer Stunde Umstiegszeit eine passende Verbindung ausgesucht hatte: Um 14:19 Uhr mit dem ICE 681 nach Hannover, dann 68 Minuten Pause, um 17:31 Uhr mit ICE 846 nach Köln.
Mein Gesprächspartner im Reisezentrum scheiterte allerdings an seinem eigenen Buchungsprogramm. Er zeigte mir mehrfach auf seinem Bildschirm die ausgebuchten Direktverbindungen, sah sich aber auch außerstande, Hannover als Umstiegsbahnhof mit einer Stunde Wartezeit einzutragen. Hat er einfach nicht hinbekommen. Habe ihm dann gezeigt, was er auswählen muss, ich kenne das Programm der Bahn mittlerweile ganz gut, um dann festzustellen: Auch die Verbindung, die mir der Navigator als frei anzeigte, war bei der Bahn bereits ausgebucht.
Das ging dann noch ein paar Minuten so weiter, im Endeffekt habe ich mir dann die Fahrradkarte, die für mich mit BahnCard 100 eigentlich kostenlos ist, dann für 14,99 € selbst gekauft, weil in diesem Laden das nicht funktionierte.
Und dann guck ich gestern einfach mal spaßeshalber nach Direktverbindungen für heute von Hamburg nach Köln: Um 13:23 Uhr ist noch was frei, um 15:23 Uhr ist noch was frei, um 18:23 Uhr ist noch was frei. Definitiv waren diese Verbindungen vor ein paar Tagen noch ausgebucht. Haben die Leute ihre Fahrkarte samt Fahrradreservierung storniert?
Ich geh also wieder ins Reisezentrum, mal wieder eine lange Schlange, weil an der Reception jeder direkt verarztet wird — ich allerdings auch: Ich bekomme keine Wartenummer ausgehändigt, sondern direkt die gewünschte Fahrradreservierung. Das hat mich bei meinem ganzen Gemaule über den Laden doch positiv überrascht.
Okay, Abfahrt: Hier in Lüneburg wird ja momentan gebaut, es fährt pro Stunde ein Regionalzug nach Hamburg sowie bis Mitte Juni ein Pendelzug bis Uelzen und ungefähr alle zwei Stunden ein Fernverkehrszug nach Hamburg (und einer nach Berlin). Die Züge haben so gut wie immer Verspätung, weil sie durch das Nadelöhr am Westbahnhof rollen müssen. Der Bahnhof ist immer voll, sowohl für Züge als auch für Fahrgäste, man kommt auf dem schmalen Bahnsteig, der in der nördlichen Hälfte keine Zuwegung hat, kaum vorbei.
Es ist also 12:30 Uhr, um 12:36 Uhr fährt der RegionalExpress nach Hamburg, um 12:38 Uhr der RailJet von Prag nach Kopenhagen, den ich gebucht habe.
Und weil es so eng ist, komme ich kaum mit dem Rad an den Menschen vorbei.
Und dann hüpft weiter hinten schon ein Fahrgast einfach runter ins Gleis und läuft weiter nach vorn. Von vorne nähert sich im langsamen Tempo ein ICE, der zwar noch locker bremsen kann, aber glücklicherweise ohnehin aufs Nebengleis geleitet wird, denn eigentlich sollte am Bahnsteig ja gerade der RegionalExpress stehen, der aber offenkundig nicht dort ist, sonst hätte der Typ ja nicht ins Gleis hüpfen können.
Weiter geht’s, RegionalExpress kommt, RailJet hat plötzlich 20 Minuten Verspätung. Der RegionalExpress endet wegen Baumaßnahmen in Harburg, der RailJet hält nicht in Harburg, der Zug nach Köln aber schon. Die sichere Wahl ist also der Bummelzug mit anschließendem Umstieg in Harburg. War dann auch alles recht voll, aber naja, kenne ich ja nicht anders. Der Umstieg mit dem RailJet in Hamburg Hbf hätte dann auch gar nicht mehr funktioniert.
Weiter mit dem ICE in Harburg. Der Zug kommt schon knackevoll an, obwohl „mittlere Auslastung“ prognostiziert wurde, beim Einsteigen macht mich ein Bundesbahner direkt an, ob ich denn mit dem Rad jetzt ernsthaft in den Zug steigen wollte. „Oh, wie haben Sie das erraten?“, frage ich. Und weil ich auf dumme Sprüche gerne mit dummen Sprüchen reagiere und meine Zunge nicht im Griff habe, rutscht mir noch raus: „Aber vielleicht bleiben Sie einfach draußen, dann ist drinnen mehr Platz für gute Laune.“
Die Messlatte für das Eskalationsniveau war also schon mal recht niedrig. Ungünstigerweise waren die Stellplätze 107 und 108 von einem Kinderwagen belegt, der nach Auskunft der ganz besonders freundlichen Bahnmitarbeiter gemäß der heiligen Beförderungsbedingungen Vorrang vor Fahrrädern habe; schließlich könne ich ja mit dem Rad nach Köln fahren, mit dem Kinderwagen ginge das nicht.
Bis Münster war noch ein anderer Stellplatz frei, den ich frech nutzte, danach wurd’s aber eng. Mittlerweile hatte sich allerdings auch der Zugchef durch seinen Zug gekämpft, der mittlerweile mit einer „außergewöhnlich hohen Auslastung“ ausgewiesen wurde, und fand das, was er da sah, nicht ganz so lustig. Der Kinderwagen ließ sich entgegen voriger Beteuerungen der Besitzer nach einer deutlichen Ansprache plötzlich doch zusammenklappen, die Gepäckstücke passten in die Ablage, Rucksäcke verschwanden von den Sitzplätzen und der Typ, der von München bis Hamburg geradelt war und im Fahrradabteil schlafen wollte, musste sein Nickerchen auf einem Sitzplatz fortsetzen.
Joa. Mal gucken, wie das Radrennen morgen hier in Köln wird. Das Anstrengenste am Radrennen ist aber immer die Anreise mit der Bahn.
Oder die Abreise: Nach Eschborn–Frankfurt wollte ich zurück nach Hause, aber mein Zug fuhr als ICE 1, Fahrradmitnahme-Blabla in Wagen 1, aber dann halt doch irgendwie nicht. Stattdessen bin ich dann kurz vor Mitternacht mit einem ICE nach Berlin gefahren und von dort mit einem ICE-L nach Lüneburg. Das war auch nicht ganz so geil, aber ich war erstaunlich fit am nächsten Tag.
Ochso, und andere Fahrten mit dem Rad haben auch nicht stattgefunden, weil mal der Zug ausfiel oder mit anderem Rollmaterial ohne Fahrradmitnahme fuhr — oder, mal ganz was neues, weil eine Doppeltraktion ICE-T in Lüneburg-West nicht an den Bahnsteig passt, so dass die Tür von Wagen 24 mit den Fahrrädern leider nicht zugänglich war.
Irgendwas ist ja immer. Am Montag geht’s um 5:11 Uhr mit dem ICE 208 wieder zurück nach Hamburg. Letztes Jahr am 19. Mai war der Zug … Moment mal, was war denn am 19. Mai … Hmm, ah! Da haben in Hamburg 150.000 Menschen den Aufstieg des HSV in die Fußball-Bundesliga gefeiert. Und selbst in Köln gab es genügend HSV-Fans, so dass der Zug schon um 6 Uhr mit absolut besoffenen Fußballfans überfüllt war und ich die Fahrt vier Stunden lang stehend im Gang verbracht habe, anstatt mich mit absolut besoffenen Fußballfans über meine Sitzplatzreservierung zu unterhalten.