Um mal wieder was lustiges zu schreiben: Sofern nicht ein Wunder passiert, werde ich im nächsten Jahr mit dem Auto zu diversen Radrennen quer durch Deutschland fahren.
Ich find’s auch nicht geil, mir graut geradezu davor, als Kilometerfresser auf der Autobahn durch die Windschutzscheibe zu starren, aber sofern die Leistungen des ganzen Bahn-Universums nicht deutlich besser werden, sehe ich nicht, wie ich mit Bahn und Fahrrad einigermaßen pünktlich an der Startlinie stehen soll.
Mittlerweile sind die Bahn und ich in unserer Fehde im freien Fall angelangt und ich könnte jetzt einen ganz schön langen Beitrag über Verspätungen, kaputte Weichen, kaputte Züge und so weiter schreiben. Zur Schonung der Nerven fasse ich das kurz in einer allgemeingültigen Anekdote zusammen:
Mittlerweile fahre ich bei gut 40 % meiner Fahrten im Fernverkehr mit einem Ersatzzug. Das heißt, statt eines zwölfteiligen ICE 4 kommt plötzlich ein modernisierter ICE 1 angerollt, der aber nur die halbe Kapazität anbietet. Kann man sich ja vorstellen, wie geil das insbesondere freitags und sonntags wird, also just an jenen Tagen, in denen ich zum Radrennen an- und abreise. Der Navigator gibt an, es gäbe Ersatzstellplätze in Wagen 1, was dann die übliche Lösung mit den Fahrrädern in den dortigen Abteilen darstellt. Nur: Die Abteile sind nicht für den Fahrradtransport vorbereitet: Dort saßen Fahrgäste, es gab auch keine Hinweisschilder an den Türen und das Zugpersonal informierte mich, dass diese Prozedur in den modernisierten ICE 1 wenigstens im nachfrageschwachen Winter nicht angeboten wird — statt acht Fahrrädern kann man nämlich auch 24 Fahrgäste transportieren und muss eben Prioritäten setzen.
Manchmal kommt sogar nur der fünfteilige ICE T angesaust, der gar nicht für eine Fahrradmitnahme vorbereitet ist, dort steht dann wenigstens dran, dass man Pech gehabt hat.

Das heißt: Ich buche mir eine Bahnfahrt mit Fahrradmitnahme von Lüneburg nach Frankfurt und habe jeweils für Hin- und Rückfahrt eine hinreichend hohe Wahrscheinlichkeit, dass ich mein Fahrrad gar nicht mehr transportieren kann, sondern dann in der Hauptreisezeit sehen kann, wie ich mit Nah- und Fernverkehr nach Hause juckeln kann — weitere Verspätungen im regulären Fahrbetrieb noch nicht einmal mit einkalkuliert.
Als ich heute Nacht gemerkt habe, dass Schnee fällt, habe ich meine Fahrt ins Bureau gleich abgesagt. Zu meiner Überraschung sind aber (fast) alle Züge pünktlich unterwegs, halt mit den üblichen Späßen als Ersatzzug oder mit nur einem Zugteil. Aber dann kommen eben auch solche Geschichten, dass ich von Augsburg bis Lüneburg insgesamt vier Stunden Verspätung angesammelt habe und von insgesamt zehn Stunden Fahrt in überfüllten Zügen gerade mal zwei Stunden lang einen Sitzplatz hatte. Es ist mittlerweile einfach nur noch absurd, was wir hier schulterzuckend zur Kenntnis nehmen.
Zum Radrennen nach Rostock am 19. April muss ich ohnehin mit dem Auto fahren, weil ich aufgrund der Baumaßnahmen zwischen Hamburg und Berlin mit der Bahn einen absurden Umweg über Berlin fahren oder mit überfüllten Nahverkehrszügen über Lübeck rumpeln müsste. Nach Göttingen am 26. April käme ich gerade noch eben so mit der Bahn, aber ob mein Fahrrad auch mitkommt, steht ja in den Sternen. Nach Eschborn am 1. Mai und Köln am 17. Mai komme ich nicht mit der Bahn, weil die Strecke zwischen Hamburg und Hannover zehn Wochen lang ein bisschen saniert wird.
Ja, Moment, was ist eigentlich mit dem Fahrradtransportkoffer, den ich mir angeschafft habe?

Joa, mein Fahrrad ist zu groß. Ich kriege den Koffer zwar grade eben noch so geschlossen, aber das Schaltwerk drückt unten gegen den Boden. Ich habe mich schon am Feldberg gewundert, dass zwei Gänge nicht mehr funktionierten, und musste dann in Köln vor dem Radrennen noch schnell mein Schaltwerk neu ausrichten lassen. Natürlich könnte ich das Schaltwerk auch jedes Mal wieder ab- und anschrauben, aber mal ehrlich, hält das hier jemand für eine gute Idee?
Die Hinfahrt nach Frankfurt im komplett leeren ICE 4 war noch okay, abgesehen davon, dass ich natürlich aufgrund kurzfristig anberaumter Baumaßnahmen nicht bis Frankfurt gefahren bin, sondern schon in Frankfurt-Mitte umsteigen musste, wo die S-Bahn in ungefähr 300 Meter Höhe, aber ohne Aufzug hält. Das war mit so einem riesigen Koffer auch nicht ganz so geil.
Auf der Rückfahrt fuhr dann der berühmte ICE-1-Ersatzzug, der aber zu meiner Überraschung einen ganz schön großen Bereich für Koffer in der 1. Klasse bereithielt:

Ganz schön überrascht waren auch die übrigen Fahrgäste, die sich flugs beim ebenfalls überraschten Zugpersonal beschwerten, denn das ginge so ja gar nicht, das mit seinem legendären Röntgenblick feststellen konnte, dass sich hier wohl ein Fahrrad im Koffer befindet und hier nun ein Missbrauch dieser dem Gepäck gewidmeten Fläche vorliege. Ich habe dann mit Duldung des Zugpersonals die Fahrt immerhin noch ganz hinten im Türbereich am Triebwagen verbringen können, musste dann aber in Kassel den Zug verlassen. Von dort aus fuhr immerhin noch ein InterCity mit dem riesigen Fahrradwagen nach Lüneburg.
Und ich ärgere mich ein bisschen, dass ich nicht die riesigen Schrankkoffer fotografiert habe, die anschließend dort anstelle meines Fahrradtransportkoffers standen, aber immerhin der Widmung des Bereiches entsprachen. Alberner wird es wohl wirklich nicht mehr.
Übrigens: Damit das nicht noch mal passiert, wurden mittlerweile diese Gepäckregale montiert:
