Luftverschmutzung: „Hamburg kann aufatmen“

  • Habe mir inzwischen den Beitrag nochmals genau angeschaut und dabei eine Antwort auf eine Frage gefunden die mich schon länger beschäftigt:
    Warum machen die das eigentlich?
    Ca. ab Minute 14:00 erläutert der Film die Abgasreinigung durch AGR und den Grund für die Abschaltung durch die Betrugssoftware:
    Warum werden die Motoren eigentlich abgeschaltet? Weil bei der Abgasreinigung ein Teil der Abgase in den Motor zurückgeführt wird. AGR (=Abgasrückführung) Dadurch wird der Stickoxidwert reduziert. Die Motoren jedoch verrußen, weil die zurückgeführten Abgase auch Ruß enthalten. (ab Minte 14:00)
    Dazu hab ich mir folgendes Schaubild erstellt:

    Bisher hatte ich die Fahrer von Dieselfahrzeugen ja meistens noch die "Opferrolle", die sie oft spielen, abgenommen. Vollig ahnungslos kaufen sie den Diesel-PKW vom Autohändler ihres Vertrauens und wissen gar nichts davon, welchen Schaden sie damit anrichten.

    Die Sendung jedoch kommt diesbezüglich zu einem anderen Ergebnis. In der Sendung wird darauf hingewiesen, dass Autohersteller (genannt wird BMW) ihren Kunden eine Drosselung der Abgasareinigung per Software-Update in der Werkstatt anbieten, um die oben beschriebene Gefahr der Motor-Verrußung noch weiter zu senken, als es bereits durch die manipulierte Software ohnehin schon der Fall ist.
    Und in den Werkstätten sind diese Kunden kein Einzelfall. In Minute 15:15 wird darüber berichtet, dass die Hersteller ausdrücklich diese Maßnahme empfehlen.

    Wenn mir noch mal ein Diesel-PKW-Fahrer unter kommt, dann werde ich ihn erst mal fragen, ob er denn schon zum Updaten in der Werkstatt war, damit sein Motor nicht so schnell verrußt.

  • Noch eine bemerkenswerter Vergleich:Beim Terroranschlag in Berlin mit 11 Toten ist das Geschrei groß und überall werden Maßnahmen zum Schutz der Menschen ergriffen.
    Aufgrund der Luftverschmutzung sterben in 10 Minuten ungefähr genauso viele Menschen in Deutschland. Aber die sterben ja zu hause und niemand sieht sie.

    Der Vergleich an sich stammt aus dem Video, die Zahlen hatte ich nicht mehr im Kopf und habe sie gerade selbst zusammen gesucht.

    Auch darauf wird in dem Film ausdrücklich hingewiesen:
    "Das macht mich zornig. Weil das macht mich wirklich, wirklich böse. Sie müssen sich vorstellen, die Leute werden wirklich schwer krank, sie sterben. Sie sterben aber zu hause allein im Bett, deswegen macht es keinen großen Aufruhr." Zitat von Lungenfacharzt Norbert Mülleneisen, Leverkusen. Er kommt mehrfach in der ARD-Sendung zu Wort, unter anderem mit diesem Zitat bei Minute 28:10.
    Schau dir doch auch nochmal den ganzen Beitrag an, bin neugierig, was dir noch so ins Auge springt! Es ist ja eine Sache, was man sich selbst bereits für ein Bild von einer Sache gemacht hat. Aber wenn man das auch noch in einer gut gemachten Sendung bestätigt bekommt, ist das noch mal ein kleines "Sahne-Tupferl". Auch wenn's hier ganz und gar nicht um Sahne geht.
    Exclusiv im Ersten: Keine Luft zum Atmen
    10.07.2017 | 29 Min. | UT | Verfügbar bis 10.07.2018 | Quelle: Das Erste

    Allerdings eins fehlt mir in der Sendung: Die Schuld für schlechte Luft durch Autoabgase wird einseitig auf die Diesel abgeladen, dabei verdrecken auch Benziner die Luft. Und überhaupt ist die Geasamtproblematik, dass Verkehrsprobleme nicht durch Autoverkehr gelöst werden können (egal welcher Antrieb) zu kurz gekommen.

  • Die Politik ruft auf zum "Diesel-Gipfel" und Dobrindt appelliert ganz und gar untypisch für seinen Schmusekurs mit der Autoindustrie an die "verdammte Verantwortung" der Hersteller:
    "Dobrindt sieht "verdammte Verantwortung"
    Stand: 30.07.2017 11:01 Uhr

    Wenige Tage vor dem Diesel-Gipfel hat Bundesverkehrsminister Dobrindt die Auto-Industrie aufgerufen, sich ihrer Verantwortung zu stellen. Bundesumweltministerin Hendricks kündigte ein unbequemes Treffen an.
    In der Dieselkrise der deutschen Autoindustrie hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) an die "verdammte Verantwortung" der Hersteller appelliert, "das Vertrauen wiederherzustellen und die begangenen Fehler zu beheben". Die Branche habe sich angesichts des Abgasskandals, millionenfacher Rückrufe und der jüngsten Berichte über ein mutmaßliches Kartell "in richtig schweres Fahrwasser" gebracht, sagte er der "Bild am Sonntag". Mittlerweile droht nach Einschätzung des Ministers auch ein Imageschadenschaden für deutsche Autos generell."

    Aber worin besteht denn nun diese "verdammte Verantwortung" der Automobilindustrie, die uns mit dreckigen Diesel die Luft zum Atmen nimmt?

    Alle Diesel PKW, die noch nicht mit einem SCR-Katalysator ausgestattet sind, müssten damit nachgerüstet werden. Die SCR-Technik basiert auf der Abgasreinigung mit Ammoniak, zu deutsch Harnstoff (Ad-blue).

    Und diejenigen Fahrzeuge, die bereits damit ausgestattet sind, müssten so modifiziert werden, dass genug Harnstoff für eine wirksame Abgasreinigung dem Motor zugeführt wird und der Autofahrer regelmäßig ausreichend Ad-blue nachtanken kann. Also größere Ad-blue Tanks und eineTankstelleninfrastruktur, die es nicht nur LKW-Fahrern sondern auch PKW-Fahrern ermöglicht, das Harnstoff-Wassergemisch (=Ad-blue) an der Zapfsäule zu tanken.

    Und - nein! Es reicht nicht aus, hin und wieder mal in den Ad-blue-Tank zu pissen!

    An der Stelle sei noch mal erinnert:
    Ammoniak hörte sich für die Autowerbestrategen zu sehr nach Misthaufen an.
    Harnstoff dagegen zu sehr nach "Pisse".
    Deshalb erfanden die Werbestrategen den Begriff Ad-blue.

    Für Diesel-Fahrzeuge die noch nicht mit der SCR-Technik ausgestattet sind, muss es ein komplettes Einfahrverbot in die Städte geben. Und es muss echte Tests geben, die sicher stellen, dass die Add-blue-Zufuhr nicht reduziert werden darf, um auf Kosten der Umwelt den Verbrauch zu schonen. Echte Test heißt unter realen Bedingungen und zusätzlich intensive Tests nach dem Zufallsprinzip mit einer Ausweitung der Tests bei auffälligen Fahrzeugtypen. Und das Auto muss stehen bleiben, wenn der Ad-Blue-Tank leer ist. Diese Technik ist allerdings meines Wissens bereits verbaut. In welchem Umfang dabei getrickst wurde, weiß ich allerdings nicht.

    Ganz anders, als die Werbe-und Verkaufsstrategen der Autoproduzenten das vermuten, gehe ich davon aus, dass sich die Fahrer von Diesel-PKW nicht sonderlich schwer tun werden damit, regelmäßig (bei ca. jeder fünften bis zehnten Tankfüllung) außer Dieselkraftstoff auch Harnstoff nachzutanken. Die allermeißten kriegen's ja auch geregelt, gelegentlich Scheibenwischwasser nachzufüllen.

    Wenn Baden-Würtembergs Ministerpräsident Kretschmann (Grüne) Recht behalten soll, dass auch der Diesel-PKW noch eine Zukunft hat, dann nur unter den oben genannten Mindestvoraussetzungen.

    Kommt bei dem "Diesel-Gipfel" weniger bei raus, dann heißt das, dass man uns in den Städten weiter systematisch vergiften wird mit NOx.

    Blue-motion ist eines der "Zauberwörter", mit dem VW seinen gesundheitsgefährdenden Betrug inszenierte:


    Die Verkehrsprobleme in den mit Autos vollgestopften Städten wird der Diesel-Gipfel freilich nicht lösen. Nicht lösen können. Es ist ja auch gar nicht das Thema der Veranstaltung. Es soll einmal mehr verschleiert werden, dass Autoverkehr und Mobilität für alle Menschen in den Städten nicht miteinander in Einklang zu bringen sind.

  • Alle Diesel PKW, die noch nicht mit einem SCR-Katalysator ausgestattet sind, müssten damit nachgerüstet werden.

    Dieses große Fass wird mit Sicherheit nicht aufgemacht werden.
    Einen beschleunigten Austausch der alten Technik z.B. durch Diesel-Abwrackprämie, mag man sich schon eher realistisch vorstellen. Das sollte nur allerdings nicht ausschließlich dazu führen, den einen Verbrenner durch einen anderen Verbrenner zu ersetzen.

    Twitter: @Nbg_steigt_ab

  • Dieses große Fass wird mit Sicherheit nicht aufgemacht werden.Einen beschleunigten Austausch der alten Technik z.B. durch Diesel-Abwrackprämie, mag man sich schon eher realistisch vorstellen. Das sollte nur allerdings nicht ausschließlich dazu führen, den einen Verbrenner durch einen anderen Verbrenner zu ersetzen.

    Also werden wir weiter vergiftet werden und Herr Kretschmann wird seinen Unmut äußern, so wurde er heute in einem HAZ Interview zitiert: "... wenn ich hingehe und es wird nichts entschieden, dann werde ich meinem Unmut freien Lauf lassen." HAZ vom 31.7.2017: "Wie teuer wird der Diesel-Gate"? " Wer weiß vielleicht sucht er dann ja den Schulterschluss mit den Basisgrünen, die sich vorstellen können, mit Sit-ins auf den Eingangsstraßen, ein Fahrverbot für Dieseldreckschleudern zu erzwingen. Das würde freilich auch Nicht-Diesel-Fahrzeuge treffen. Aber was soll's. Ein bisschen mehr Aktion würde ich mir wünschen. Aber ob es überhaupt noch solche Leute bei der Grünen gibt?

    Eine Diesel-Abwrack-Prämie kann ich mir nicht vorstellen. "Der Ausdruck „Abwrackprämie“ wurde am 18. Dezember 2009 von der Gesellschaft für deutsche Sprache zum Wort des Jahres 2009 gewählt"

    Damals ging es um einen weltkonjunkturbedingten Rückgang der Auto-Verkaufszahlen. Das heißt die Autofirmen positionierten sich als Opfer der Konjunkturkrise, denen geholfen werden müsse. Diemal sind die Autofirmen die Täter und dass wird man auch nicht schönreden können!

  • Die Politik ruft auf zum "Diesel-Gipfel" und Dobrindt appelliert ganz und gar untypisch für seinen Schmusekurs mit der Autoindustrie an die "verdammte Verantwortung" der Hersteller:
    "Dobrindt sieht "verdammte Verantwortung"
    Stand: 30.07.2017 11:01 Uhr

    Mir ist der Kurswechsel von Dobrindt weitgehend unverständlich. Er hat ja nach außen und innen einen unglaublichen Kuschelkurs zur Autoindustrie gefahren.
    Den Kuschelkurs nach außen kann ich sogar irgendwo verstehen. Denn wenn er nach außen eine härtere Linie vertritt, sind die im Zweifel durch Schadenersatzforderungen recht schnell pleite.
    Wichtig wäre aber eine harte Linie nach innen gewesen. Aber auch dort gab es einen Kuschelkurs. Ich erinnere nur daran, dass er schärfere Kontrollen auf EU-Ebene verhindern wollte. Zum Glück ist ihm das nicht gelungen.
    Also: Woher kommt der plötzliche Kurswechsel? Ich habe keine befriedigende Erklärung. An eine plötzliche Läuterung mag ich nicht glauben.
    Böse Stimmen sagen: "getroffene Hunde bellen". Indizien deuten darauf hin, dass er persönlich sehr genau darüber informiert wurde, was Porsche da so verbaut hat. Deshalb muss er jetzt plötzlich einen harten Kurs fahren. Einfach weil seine persönliche Karriere bedroht ist.

  • Ich vermute auch rein opportunistische Gründe. Frau Merkel macht ja seit Jahren vor, wie man Regierungsentscheidung nach Umfragen trifft. Vielleicht hat irgendein Institut ermittelt, dass die Mehrheit der Bürger findet, dass die Automobilkonzerne zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Also vertritt man das nach außen vor dem Gipfel nun so und holt sich ein paar Schlagzeilen ab. Wie 'bettercycling' schon sagte, wird sich am Kurs selber wohl nicht viel ändern

  • Sollen die gewählten Politiker nicht das Volk vertreten? Ist es also nicht eher richtig, wenn sie einen Mehrheitswunsch umsetzen, statt sich einer Parteirichtung anzuschließen?

    Schon klar.. so geplant ist das nicht. Aber es entspricht eigentlich recht gut meinem Bild einer Demokratie: Das was sich die Mehrheit wünscht wird umgesetzt...

  • Ich denke, die anstehende Bundestagswahl spielt auch eine Rolle für seine geänderte Außendarstellung. Letztendlich wird sich am Kurs der Regierung aber wohl nichts ändern.

    Jo. Dobrindt kann nun behaupten, hart durchgegriffen zu haben (wurde nur nicht fertig damit...) und hat gleichzeitig einen eher kleinen Autohersteller gewählt, bei dem nicht auf einen Schlag so viele Arbeitsplätze gefährdet wären wie etwa nebenan bei Daimler. Außerdem sind die Porsche-Kunden vermutlich die treuesten, denen es noch am gleichgültigsten ist, was das Fahrzeug hinten rausbläst. X/

    Twitter: @Nbg_steigt_ab

  • Sollen die gewählten Politiker nicht das Volk vertreten? Ist es also nicht eher richtig, wenn sie einen Mehrheitswunsch umsetzen, statt sich einer Parteirichtung anzuschließen?

    Schon klar.. so geplant ist das nicht. Aber es entspricht eigentlich recht gut meinem Bild einer Demokratie: Das was sich die Mehrheit wünscht wird umgesetzt...

    "Was sich die Mehrheit wünscht wird umgesetzt." Aber was ist, wenn eine Mehrheit sich etwas wünscht, dass sich nicht umsetzen lässt?
    Beispiel Automobilität: "Deutschland muss Automobilland Nummer Eins bleiben, tönte jüngst der niedersächsische Ministerpräsident. Vermutlich hat er damit eine Mehrheit der Wähler hinter sich (noch). Aber der Massenautomobilismus ist schon heute, in den Städten für jeden ersichtlich, ein verkehrspolitischer Irrweg.
    Das Ganze erinnert an die Zeit der großen Diskussionen über Atomkraft. Da hieß es zwar nicht "Deutschland muss Atomkraftland Nummer Eins bleiben." Aber es gab haufenweise Argumente in der Art, "die Atomkraft ist die unabdingbar notwendige Voraussetzung für den Wirtschaftsstandort Deutschland". Und auch dafür gab es anfangs noch eine Mehrheit in der Wahlbevölkerung.
    Beides sind Irrwege. Die Idee vom Autoland Nummer Eins ist ein verkehrspolitischer Irrweg. Die Idee von der unabdingbaren Notwendigkeit der Atomkraftnutzung zur Stromerzeugung ist ein energiepolitischer Irrweg.
    Und wie entwickelte sich die Diskussion bei der Atromkraft? Vor dem Ausstieg kam das Argument der zunächst noch benötigten "Brückentechnologie". Das erinnert doch sehr an die "Dieseldiskussion":


    Merkel verteidigt Atomenergie als "Brückentechnologie"
    finanzen.net vom 14.9.2009:
    Das war rund eineinhalb Jahre vor dem Ausstieg aus dem Ausstieg, ausgelöst durch Fukushima.

    Auto-Verbandschef Wissmann "Der Diesel ist als Brückentechnologie unverzichtbar"
    Rheinische Post online vom 16.6.2016:

    Eine Umfrage der HAZ (von wegen "Mehrheitswunsch") kommt zu folgendem Ergebnis in der aktuellen Diskussion. Eine absolute Mehrheit für das Aussperren der Diesel-PKW ist das nicht:

    Fahrverbote
    Sollen auch in Hannover Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge verhängt werden? siehe:  

    Das Verwaltungsgericht Stuttgart den Weg für Kommunen freigemacht hat, komplette Fahrverbote für alle Dieselautos zu verhängen.
    So haben unsere Leser abgestimmt (4938 Stimmen):
    Fahrverbote Ja, anders lässt sich die Luftqualität nicht verbessern. (2244)
    45%
    Nein, zu viele Menschen sind auf ihre Fahrzeuge angewiesen. (1495)
    30%
    Ich finde das Thema zu kompliziert. (1199)
    24%
    Abgesehen davon ist das Schauspiel, das da gerade aufgeführt wird, m. E. als Versuch zu werten, von der eigentlichen Problematik Massen-Individualmotorisierung anzulenken. Die Diesel-PKW werden zumindest in den Sonntagsreden runtergeputzt. Sie stellen so eine Art Bauernopfer dar. Die Massenmotorisierung inklusive Zweit- und Drittwagen jedoch wird weiter eingefordert. (Deutschland muss Automobilland Nummer Eins ...)
    Aber selbst wenn der Ausstieg aus der "Brückentechnologie Dieselmotor" efolgt. Ein Ausstieg aus der Massen-Individualmotorisierung mit immer größeren, schwereren und PS-stärkeren Fahrzeugen ist damit leider noch nicht erreicht. Und ich fürchte der "Diesel-Gate" ist noch kein Fukushima. Aber der "Dieselgate" hat vergleichbare Charakterzüge.

  • Aber was ist, wenn eine Mehrheit sich etwas wünscht, dass sich nicht umsetzen lässt?

    Dann haben die Parteien bzw. die Medien schlechte Arbeit gemacht.

    Zitat von Art 21 Abs. 1 GG

    Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.

    Es ist Aufgabe der Parteien und der Medien, das Volk über die Möglichkeiten aufzuklären und Probleme aufzuzeigen. Dadurch ändert sich mit der Zeit die öffentliche Meinung. Nicht immer so schnell, wie man es gerne möchte, aber mit guten Argumenten schafft man es dann irgendwie doch.
    Natürlich kommt nicht immer für jeden genau das raus, was er gerne hätte. So ist das Leben in einer Gemeinschaft halt: es gibt viele unterschiedliche Interessen.
    Wenn man die ganzen alltäglichen Scharmützel mal außen vor lässt, klappt es im Großen und Ganzen doch ganz gut.

  • Wichtig wäre aber eine harte Linie nach innen gewesen. Aber auch dort gab es einen Kuschelkurs. Ich erinnere nur daran, dass er schärfere Kontrollen auf EU-Ebene verhindern wollte. Zum Glück ist ihm das nicht gelungen.

    Welche schärferen Kontrollen genau konnt Dobrindt nicht verhindern?

  • Welche schärferen Kontrollen genau konnt Dobrindt nicht verhindern?

    Die EU hat zwei wesentliche Änderungen vorgenommen (aus der Erinnerung und ohne Gewähr für Details):
    1.) Irgendeine EU-Institution darf nun aus eigenem Antrieb Abgasmessungen vornehmen und ziemlich saftige Strafen bei Verstößen verhängen.
    2.) Bisher bezahlen die Autohersteller die Prüfinstitute direkt, von denen sie sich den Schadstoffausstoß bescheinigen lassen. Damit sind Gefälligkeitsgutachten natürlich recht wahrscheinlich. Künftig sollen die Hersteller nur noch eine Pauschale für die Zulassung eines Autos an die EU zahlen. Aus diesem Topf werden die Prüfinstitute bezahlt.

    Beides wollten Dobrindt und soweit ich weiß auch Merkel verhindern.

  • Dieses große Fass wird mit Sicherheit nicht aufgemacht werden.

    Ich bin mir da nicht mehr so sicher. Vor ein paar Jahren war Feinstaub das Problem. Diesel ohne Feinstaubfilter erhielten keine Plakette und mussten - wenn sie in die Umweltzonen einfahren wollten - erstmal einen Feinstaubfilter nachrüsten. Kosten damals soweit ich weiß: ca. 700€ pro Fahrzeug, abzgl. gut 300€ Förderung vom Staat.
    Aktuell stehen Kosten von 1.500€ für die Nachrüstung mit einem SCR-Kat im Raum.

  • Das kann die Politik schon - wenn die Bevölkerung es will. Es ist auch - im Rahmen der Interessenabwägung - gut, dass nicht jeder Umweltpolitische Vorschlag aufgenommen wird. Es gibt Neubaugebiete und Großverkehrseinrichtungen an denen der lokale Hamsterbestand leiden muss. Und diese haben durchaus auch für viele Menschen meßbare Vorteile. Die hier gelegentlich so verpöhnten Arbeitsplätze zähle ich da durchaus dazu.

    Und mei.. auch die Atomkraft hat ein paar wirklich beeindruckende Vorteile. Kein CO2-Außstoß bei der Energieerzeugung, deutlich weniger Tote pro GWh als alle anderen Energieformen und eine schnelle An-/Abschaltbarkeit, wie ein Pumpspeicherkraftwerk. Das sind alles keine Kleinigkeiten. Dem Gegenüber steht eine wirklich bedrohliche Last an Abfall. Schon richtig, das alles schnellstmöglich wieder los zu werden, wenn Energiespeicher vernünftig betrieben werden können. Die Reihenfolge ist aber wichtig. Ich mag meinen Strom bitte gerne vorwiegend Abends und Nachts. Wenn die Sonne scheint brauche ich viel weniger....

  • auch die Atomkraft hat ein paar wirklich beeindruckende Vorteile. Kein CO2-Außstoß bei der Energieerzeugung, deutlich weniger Tote pro GWh als alle anderen Energieformen und eine schnelle An-/Abschaltbarkeit, wie ein Pumpspeicherkraftwerk. Das sind alles keine Kleinigkeiten. Dem Gegenüber steht eine wirklich bedrohliche Last an Abfall.

    Der letzte Satz ist der entscheidende: In die Berechnung der Toten pro GWh und die CO2 Bilanz müssen natürlich auch die Rohstoffgewinnung sowie die nächsten mehreren 100.000 Jahre Atomabfallwirtschaft mit einfließen:

    Für die Entsorgung für schwach- und mittelradioaktive Abfälle wird in Deutschland das Bergwerk Schacht Konrad umgebaut. Diese Abfälle stellen 90 % des Gesamtvolumens dar, jedoch nur 1 % der Radioaktivität.
    Obwohl seit Jahrzehnten technische Verfahren zur Konditionierung und Endlagerung erprobt werden, ist die Entsorgung für hochradioaktive Abfälle ungelöst. Insbesondere mittel- und hochradioaktive Abfälle stellen große Herausforderungen an die Entsorgung. Aufgrund der langen Halbwertszeiten vieler radioaktiver Substanzen fordert die deutsche Gesetzgebung eine sichere Lagerung über 1 Million Jahre.[8] Die Halbwertzeit von Plutonium-239 beträgt 24.000 Jahre.

    (Hervorhebung von mir)

    Mal ganz abgesehen von der Verantwortungslosigkeit und dem Irrsinn, mehreren hundert bis mehreren tausend nachfolgenden Generationen dieses Problem überhaupt aufzuhalsen.

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    Peter Viehrig

    "Glaube ist die Überzeugung, dass etwas wahr ist, weil die Belege zeigen, dass es falsch ist."
    (Andreas Müller)

  • Zitat von Ngbradler

    schnelle An-/Abschaltbarkeit,

    Neeeneeenee, Atomkraftwerke sind ausgesprochen träge und werden daher hauptsächlich in der Grundlast eingesetzt. Schnell an- bzw. abschaltbar sind Pumpspeicher- und andere Wasserkraftwerke, an fossilen Kraftwerken auch Gaskraftwerke (allerdings nicht ganz so schnell).

    Edit: Da war @Epaminaidos schneller.

  • Mal ganz abgesehen von der Verantwortungslosigkeit und dem Irrsinn, mehreren hundert nachfolgenden Generationen dieses Problem überhaupt aufzuhalsen.

    Der eigentlich deprimierende Teil ist ja, dass wir das Zeug zwar jetzt mit großem Aufwand verbuddeln, es zukünftige Generationen aber ziemlich sicher wieder hervorholen, um es endgültig unschädlich zu machen. Ich zumindest glaube nicht, dass der ganze Müll in 500 Jahren noch an der gleichen Stelle liegt.
    Vorher kommt irgendein schlauer Kopf und beseitigt die Sünden, die seine Vorfahren hinterlassen haben.
    Da wäre es ehrlicher, den ganzen Dreck oberirdisch oder zumindest leicht zugänglich zu lagern. Dann vergisst der Staat auch nicht, die nötige Forschung zu finanzieren.