Berliner Polizei und Abbiegesituationen

  • Donnerwetter:


    Das muss man sich mal vorstellen: Ein Drittel der Kraftfahrer verletzt seine Sorgfaltspflichten beim Abbiegen so extrem, dass die Polizei eine Anzeige schreiben musste — es hat also nicht einmal mehr für eine freundliche Belehrung gereicht. Man kann ja von der Berliner Polizei halten was man will, aber die sind offenbar etwas engagierter als ihre Hamburger Kollegen, was das Thema Fahrrad angeht.


    In Hamburg habe ich mir ja unlängst von einem Beamten erklären lassen müssen, als Radfahrer dürfe ich mich über das Echo der Kraftfahrer nicht wundern, wenn ich trotz Radweg mitten auf der Straße führe und Kraftfahrer damit provoziere.


    Hmm.

  • Das muss man sich mal vorstellen: Ein Drittel der Kraftfahrer verletzt seine Sorgfaltspflichten beim Abbiegen so extrem, dass die Polizei eine Anzeige schreiben musste

    Da hast Du aber etwas falsch verstanden! Ganz im Gegenteil hat NUR 1/3 der auffälligen Autofahrer tatsächlich eine Anzeige bekommen. Bei allen anderen blieb es bei einer mündlichen Ermahnung.
    Das verstehe ich immer nicht. Entweder liegt ein Verstoß vor oder nicht. In dem einen Fall gibt es ein Knöllchen und in dem anderen halt nicht.
    Gegenüber der Polizei ist ein "erwischter" natürlich immer freundlich. Und es war natürlich der erste Verstoß im Leben! Mache ich ja auch nicht anders. Aber warum lässt sich ein Polizist von sowas einwickeln?

  • Es ist schön zu sehen, dass Berlin und seine Ordnungskräfte auch mal positiv rezipiert werden.


    Ich persönlich kann das nicht so teilen.


    Ich bin hier von einem rabiaten Bauschuttlasterfahrer an den Straßenrand zum Zwecke der Verkehrsbelehrung (etwa: "Fahr auf dem Radweg du F... oder ick fahr dir um!" und "'Ick hau dir jez auffe Fresse") ) gedrängt worden.


    Ein hier beschäftigter Autofahrer mischte sich ungefragt ein und stellte sich als Zeuge zur Verfügung. Ganz neutral war er m.E. nicht ("Willst wohl sterben, du Idiot?!" und "Kannja allet nich wah sein hier" waren sein Einlassungen im meine Richtung).


    Die herbeigerufenen Beamten sahen sich veranlasst, die Belehrung fortzuführen: "Sie müssen hier auf dem Radweg fahren!" und ""Wenn Sie nicht auf dem Radweg fahren, sind Sie schuld, wenn etwas passiert" und "Wie soll er (der Lasterfahrer) Sie denn überholen?" und "Sie halten den gesamten Verkehr auf!" und "Er (der Lasterfahrer) wollte Ihnen eben klarmachen, dass Sie hier auf dem Radweg fahren müssen" und so weiter und so weiter....


    Die Geschichte vom Nachgang ist weit weniger spektakulär, alle Ermittlungen wurden eingestellt. Ob die Beamten nachgeschult worden sind (so wie ich das zwischenzeitlich im Anflug von Erregung angeregt hatte), entzieht sich meiner Kenntnis.


    Im nämlichen Stadtbezirk sind im April diesen Jahres zwei Radfahrer durch Unfälle mit Lastwagen zu Tode gekommen.

  • Die Berliner Polizei hat jetzt ein so genanntes „Video aus der Radlerperspektive“ veröffentlicht: Polizei schockt aus der Radlerperspektive


    Einerseits ist man da schon mal viel fortschrittlicher als bei den Hamburger Kollegen, andererseits habe ich die Befürchtung, dass der normale Verkehrsteilnehmer angesichts des Videos weiterhin der Meinung sein wird, es wäre alles doch recht riskant, was er dort im Video sieht und der Radfahrer ganz schön schnell und überhaupt. Dementsprechend undifferenziert ist bislang leider auch die Resonanz darauf.

  • Die Gefahr sehe ich auch.
    Ich möchte dabei auch nicht verhehlen, dass ich selber schon bei manchen Videos, die Forenmitglieder hier eingestellt haben, das Gefühl hatte, der Radfahrer sei für die Verkehrslage eigentlich zu schnell unterwegs. Und ich sehe das definitiv aus Alltagsradler-Perspektive.

  • Bescheuertes Video. Warum lassen die das nicht in Normalgeschwindigkeit laufen? Dann bekommt man einen Eindruck, wie die Radler fahren, und hat die Chance, auch die eine oder andere Ampelschaltung mitzubekommen. So sieht das doch alles aus wie »Ogottogott, das ist ja viel zu gefährlich.«



    Der Soundtrack klingt wie der Unterwasserstart bei »Raumpatrouille«, aber das nur nebenbei.

  • In Hamburg habe ich mir ja unlängst von einem Beamten erklären lassen müssen, als Radfahrer dürfe ich mich über das Echo der Kraftfahrer nicht wundern, wenn ich trotz Radweg mitten auf der Straße führe und Kraftfahrer damit provoziere.

    Henne oder Ei... wer war zuerst da, Autos auf Hamburgs Radwegen oder Malte auf Hamburgs Fahrbahn? Ich tippe auf ersteres.

  • Henne oder Ei... wer war zuerst da, Autos auf Hamburgs Radwegen oder Malte auf Hamburgs Fahrbahn? Ich tippe auf ersteres.

    Nach dieser Logik der Hamburger Polizei darf sich Olaf Scholz auch nicht wundern, wenn er trotz Roter Flora die G20 nach Hamburg holt und Linksradikale damit provoziert.


    Oder so gefragt: »Anstatt die Straßenverkehrsordnung durchzusetzen, finden Sie es also in Ordnung, wenn Autofahrer ihr Fahrzeug als Waffe einsetzen?«