Woche 6 vom 5. Feb. bis 11. Feb. 2024

  • Sorry, aber das Problem der westlichen Länder ist Ressourcen- und Energie-Verbrauch. Und der Bau, also Hoch- und Tiefbau haben da einen nicht unwesentlichen Anteil dran.

    Sehe ich genau so.

    Das fängt damit an, dass man nicht überall einen neuen Radweg bauen muss, wenn es schon mehrere Fahrspuren gibt, dann kann man einfach eine davon nehmen.

    Das heißt auch, dass man nicht überall in der Pampas bei Straßen mit 1000-5000 Fahrzeugen täglich daneben noch mal einen 3-4m breiten Asphaltstreifen legen muss, wenn nur 100 Radler am Tag da entlang torkeln.

    Das mit der Umwandlung von Fahrstreifen für Autos zu Radfahrstreifen sehe ich ebenfalls so.

    Und ich halte auch nichts davon, dass wenig befahrene Landstraßen mit Asphaltstreifen flankiert werden.

    Aber so lange an Tempo 100 auf Landstraßen festgehalten wird und darüberhinaus der Fahrzeugverkehr mit 100 und mehr über gefährliche schmale, kurvige und bucklige Holperpisten rasen, weil sie glauben sie dürften dass, weil Politik und Verkehrsbehörden niedrigere Tempolimits boykottieren, so lange wird der Fahrradverkehr marginal bleiben.

    Und auch der Omnibusverkehr wird marginal bleiben, wenn nicht durch Tempo-Limitierung und eine andere Bushaltestellengestaltung mehr Chancengleichheit für den Busverkehr hergestellt wird.

    Und auch, dass man nicht 50 Busse am Tag für 30 Fahrgäste fahren lässt.

    In dem konkreten Fall geht es um 36 Busse statt 12 Busse. Die von dir angenommen 1000 bis 5000 Fahrzeuge würden bei angenommenen 1,0 PKW-Insassen und einer gleichmäßigen Verteilung bedeuten:

    1000 : 36 = 28 Fahrgäste pro Bus.

    5000 : 36 = 139 Fahrgäste pro Bus. (Dann müssten alle Busse Gelenkbusse sein und es wären neben den Sitzplätzen fast alle Stehplätze besetzt.)

    Und selbst bei den von dir angepeilten 50 Bussen, wären es dann noch 100 Fahrgäste pro Bus.

  • Beim ÖPNV stimme ich dir zu, denn Busse sind eben auch Kraftfahrzeuge mit erheblichen CO2-Emissionen und damit sogar eher Teil des Problems als der Lösung. Auf dem Lande erreichst du dabei sehr schnell einen Punkt, wo es _besser_ für den Klimaschutz wäre, wenn die Leute mit dem eigenen Auto fahren, weil die CO2-Emission pro Fahrgast geringer ist. "Bus" auf dem Lande heißt halt oft, den eh schon längeren Weg mit Umwegen zu verlängern, während man weitgehend alleine in einem riesigen Fahrzeug mit 30-50l/100km verbringt.

    Beim Rad- und Fußverkehr ist die Berechnung jedoch eine gänzlich andere, denn der hat zwischen gar keinem und marginalem CO2-Ausstoß. Jede vermiedene Autofahrt und jede deswegen eingesparte Bustour dient also sehr deutlich dem Klimaschutz. Sich da über den Flächenverbrauch zu beschweren, wird sehr schnell hinfällig, zumal ja dadurch wiederum Flächen für Parkplätze am Ziel eingespart und die Auslastung von Radwegen oder Bahnstrecken in der Verlängerung verbessert wird.

    Und nein, das muss sicherlich kein 4-Meter breites Asphaltband sein – 2 Meter sollten bei geringen Verkehrsaufkommen ausreichen; oder sogar der von MTL genannte Weg am Bach mit Wassergebundener Decke. Und bitte bedenkt, dass der Maßstab für solche Wege Grundschüler auf dem Weg zur Schule sind (da wird dann der Bus eingespart) oder 80-jährige Omas zum Einkaufen; nicht todesverachtende Rennradler.

  • Beim ÖPNV stimme ich dir zu, denn Busse sind eben auch Kraftfahrzeuge mit erheblichen CO2-Emissionen und damit sogar eher Teil des Problems als der Lösung. Auf dem Lande erreichst du dabei sehr schnell einen Punkt, wo es _besser_ für den Klimaschutz wäre, wenn die Leute mit dem eigenen Auto fahren, weil die CO2-Emission pro Fahrgast geringer ist. "Bus" auf dem Lande heißt halt oft, den eh schon längeren Weg mit Umwegen zu verlängern, während man weitgehend alleine in einem riesigen Fahrzeug mit 30-50l/100km verbringt.

    Ich kann einfach nicht verstehen, warum bei manchen Menschen die Vorstellung, einen Omnibus zu benutzen mit solchen Aversionen verbunden ist, dass sie den ÖPNV mit Omnibussen im ländlichen Raum sofort pauschal als angeblich völlig unbrauchbaren Verkehrswende-Beitrag diffamieren.

    So weit zu gehen, den Omnibusverkehr als Teil des Problems zu bezeichnen, ist allerdings schon besonders dreist. Und es ist völlig unzutreffend. Ein gut ausgebauter ÖPNV ist ein zentraler Bestandteil einer Verkehrswende auch im ländlichen Raum, die den Namen Verkehrswende verdient. Und zeitnah umsetzen lässt sich der ÖPNV-Ausbau vielerorts zunächst nur mit Omnibussen. Freilich muss dieser ÖPNV-Ausbau verknüpft sein mit einem MIV-Rückbau in der Form, dass für PKW deutlich niedrigere Tempolimits gelten. Auf Landstraßen beispielsweise generell maximal Tempo 60 und an vielen gefährlichen Engstellen müssen niedrigere Tempolimits angeordnet werden. Bushaltestellen müssen grundsätzlich so gestaltet werden, dass PKW nicht am haltenden Omnibus vorbeifahren können.

    Stattdessen aber findet ein Generalausbau aller Landstraßen statt, der möglichst überall Tempo 100 für PKW gefahrlos ermöglichen soll. Also das genaue Gegenteil von Verkehrswende.

  • Erstmal: Ich nutze den ÖPNV auf dem Lande hin und wieder selbst, weil im Winter 40 km auf dem Fahrrad nervig sind. Soviel also zu irgendeiner Aversion. Ich fahre dabei meistens azyklisch (morgens auf's Dorf, abends zurück), was dazu führt, dass ich vor allem auf dem letzten Abschnitt fast immer der einzige Fahrgast bin.

    Das ändert aber nichts daran, dass diese Fahrten nicht das geringste mit Klimaschutz zu tun haben, denn der Bus verbraucht ein vielfaches eines privaten Autos und das Auto fährt nicht noch leerer wieder zurück. Und nein, die Leute fahren nicht alle mit dem Auto, sondern da fährt zu der Zeit und zumal in der Richtung einfach gar keiner. Den ÖPNV gibt's für "es könnte ja einer wollen" (vor allem von denen, die mit der Bestellung eines Rufbusses überfordert wären).

    Der Verkehrsfluss dort hat im Prinzip drei Spitzen: Morgens alle in die Stadt, mittags die Schüler und einkaufenden Hausfrauen zurück, abends die Berufstätigen zurück. In der übrigen Zeit sind die Busse (die trotzdem ungefähr stündlich fahren) weitgehend leer und es kommt vielleicht alle 10 Minuten mal ein Auto vorbei.

    "1000 Autos" verteilen sich da nämlich so: 200 Autos morgens in beiden Richtungen zusammen (was rechnerisch zwei Autos pro km sind), 200 Autos abends zurück und die anderen 400 verteilen sich über den Tag, wobei vieles davon die Busse selbst, Lieferungen (auf dem Lande ein Wundermittel gegen sinnloses Herumgegurke!), Handwerker und andere eben nicht durch ÖPNV vermeidbare Fahrten sind.

    Und weil es da einen Radweg gibt, ist es mir auch relativ egal, wie schnell die Autos da fahren.

  • Beim Rad- und Fußverkehr ist die Berechnung jedoch eine gänzlich andere, denn der hat zwischen gar keinem und marginalem CO2-Ausstoß. Jede vermiedene Autofahrt und jede deswegen eingesparte Bustour dient also sehr deutlich dem Klimaschutz. Sich da über den Flächenverbrauch zu beschweren, wird sehr schnell hinfällig, zumal ja dadurch wiederum Flächen für Parkplätze am Ziel eingespart und die Auslastung von Radwegen oder Bahnstrecken in der Verlängerung verbessert wird.

    Und nein, das muss sicherlich kein 4-Meter breites Asphaltband sein – 2 Meter sollten bei geringen Verkehrsaufkommen ausreichen; oder sogar der von MTL genannte Weg am Bach mit Wassergebundener Decke.

    Flächenverbrauch ist doch nur eins der Probleme. Bezüglich des Klimaschutzes muss man die CO2-Äquivalente eines Radwegbaus vergleichen mit der Einsparung durch aufs Fahrrad verlagerte Fahrten. Je weniger es davon gibt, desto später oder nie amortisiert sich ein Radwegbau bezüglich des Klimaschutzes.

  • Schlafender Obdachloser in Garagenausfahrt überfahren und liegen gelassen
    Der Mann legt sich in einem Schlafsack vor die Ausfahrt einer privaten Tiefgarage. Erst eine Anwohnerin verständigt den Rettungsdienst.
    www.sueddeutsche.de
    Zitat


    Gegen 3.30 Uhr wollte offensichtlich eine Person in einem Auto die Tiefgarage verlassen, dabei überrollte das Fahrzeug den schlafenden Mann

    Ob die Person oder das Fahrzeug gefahren ist, muss noch geprüft werden 🤪

  • Man sieht doch längst, dass es das mit "ein Radweg neben jede Fahrbahn" auch in 100 Jahren nirgendwo geben wird. Der Radentscheid in München kommt kaum voran, es werden jetzt erstmal Radwege in Straßen gebaut, wo sie eigentlich kaum jemand braucht, aber da ist halt wenig Konfliktpotenzial und man kann hinterher sage: "schaut's her, wir tun was".

    Irgendwie sehe ich bei keiner Behörde oder staatlichen Institution, dass das Wort "Priorisierung" irgendeine Bedeutung haben könnte. Das gilt insbesondere aber keineswegs ausschließlich für die Nicht-Umsetzung der Radverkehrs-"Novelle" von 1997. Wenn überhaupt, wird irgendetwas hingewurschtelt, das dann nur zu 90 % fertig wird, und für die restlichen 10 % dauert es dann weitere zehn Jahre. Sobald zwei unterschiedliche Behörden involviert sind, klappt beim Radverkehr schlicht nix, weil man müsste sich ja absprechen.

    Ein solcher Klassiker zB hier (Baureferat und das Kreisverwaltungsreferat hätten sich halt mal vorher abstimmen müssen):

    Das ist am Mittleren Ring in München. Ob man das auf der Fahrbahn auch so ausgeführt hätte? Aber zum Mitdenken wird bei der Landeshauptstadt München wohl schon lange niemand mehr bezahlt.

  • Flächenverbrauch ist doch nur eins der Probleme. Bezüglich des Klimaschutzes muss man die CO2-Äquivalente eines Radwegbaus vergleichen mit der Einsparung durch aufs Fahrrad verlagerte Fahrten. Je weniger es davon gibt, desto später oder nie amortisiert sich ein Radwegbau bezüglich des Klimaschutzes.

    Zur ersten Abschätzung kann man davon ausgehen, dass der von einem Projekt verursachte CO2-Fußabdruck direkt proportional durch die Baukosten abgebildet wird. Der Kilometer neu angelegter Radweg kostet minimum 250.000€, bei Brücken, Tunneln etc ein Mehrfaches (ja, ich weiß, es ist weit weniger als bei einer Autobahn. Das ist aber egal, weil die „Autobahn“ nebenan ja quasi schon vorhanden ist). Lassen wir den zusätzlich zum Fahrbahnunterhalt notwendigen Mehraufwand für Zinsen, Reinigung, Grünschnitt, Winterdienst erstmal beiseite und rechnen optimistisch mit 50 Jahren Haltbarkeit bis zum vollständigen Neubau, dann betragen die jährlichen Kosten 5000€/km. Ein km Verbrennerfahrt verursacht ca. 10ct Spritkosten, so dass sich der Weg ökologisch rentiert, wenn (nur wegen seinem Bau) 50.000 Passagen jährlich aufs Fahrrad verlagert werden. Das entspräche ca. 122 Pendlern, die komplett umsteigen und diesen Weg dann ausnahmslos, also 220-mal im Jahr, auf Hin- und Rückfahrt benutzen müssten. Wenn ich bedenke, dass ich selbst auf meinem Weg vom Wohndorf in die benachbarte Großstadt (trotz brauchbarem Radweg nebendran) quasi der einzige Radfahrer bin, kann ich mir ausmalen, wie gering die Chancen sind, Radwege an Landstraßen ökologisch zu amortisieren, die Relationen deutlich mehr als 10km außerhalb der Städte verbinden.

  • Ein km Verbrennerfahrt verursacht ca. 10ct Spritkosten

    So doof rechnet ja nichtmal der ADAC (deren Mitglieder allerdings teils schon…). Das Auto hält nämlich zudem länger oder muss gar nicht erst gebaut werden – insofern sollten wir hier die üblichen 30ct pro km nehmen. Nun hält durch weniger Verkehr aber auch die Straße länger – rechnen wir da auch das absolute Minimum von 1 Mio/km und die Haltbarkeit steigt von 25 auf 27,5 Jahre (10%)… Macht auf dieser Ebene ~3600€ Einsparung pro Jahr. Damit braucht's noch ~4500 Fahrten pro Jahr oder 10 (!) Pendler.

    Darüber, die Fahrbahnradler zu verrechnen, mache ich mir da keine Gedanken: Rund um Lüneburg gibt es einen Ring aus Radwegen, der durchgehend mit mindestens 50, in weiten Teilen sogar weit über 100 Radfahrern/Tag in der Verkehrslastkarte steht. Nur die eine Lücke (die man auch nicht über Parallelstraßen oder Waldwege umfahren kann), die hat 11. Die meisten Fahrbahnradler im gesamten Landkreis sind nach der Karte ganze 19 (was für die Bedeutung der Strecke bereits extrem viel ist und das Ding schon auf die Dringlichkeitsliste des Landkreises gebracht hat…).