Das 9-Euro-Ticket kommt

  • Beim SPIEGEL gibt es gerade einen Live-Ticker über lustige Fahrten im Nahverkehr am Pfingstfreitag:


    Update: Unterwegs mit dem 9-Euro-Ticket
    Mit dem Pfingstwochenende fürchten Reisende Chaos auf deutschen Schienen. Was ist wirklich los in den Zügen? Verfolgen Sie die Erfahrungen unserer Reporter im…
    www.spiegel.de


    Das erinnert mich ja an meine doch recht populären #BahnCard100-Threads auf Twitter, nur nicht ganz so lustig.


    Mittlerweile ist übrigens mein Eindruck, dass insbesondere die Auslastung der Strecke von Hamburg nach Westerland aufgrund der medialen Berichterstattung unterschätzt wird. Ich traf am Mittwoch eine Gruppe älterer Radlinge, die in Altona in den Zug nach Westerland umsteigen wollten und meinten, so voll würde es nicht, das wäre ja nur so ein Internet-Ding. Das sehe ich anders, gab ich zu bedenken: Ich habe während meiner letzten beiden Schuljahre hin und wieder als Fahrgastzähler im Netz der Nord-Ostsee-Bahn gearbeitet und es war teilweise schon montags bis donnerstags so voll, dass wir die Fahrgäste nicht mehr zählen konnten, weil wir uns gar nicht mehr durch den Zug bewegen konnten. Ein paar Sonnenstrahlen im Sommer, Zack, alle wollen sie nach Sylt.

  • Das ist rational einfach nicht zu erklären, warum so viele trotzdem mit dem Auto fahren.

    Nein, es ist rational zu erklären jedoch selber nicht rational. Es gibt zwei gewichtige, weil unbewusste Gründe fürs Autofahren:


    1) Man ist im Auto wie in der heimischen Höhle vor Säbelzahntigern und dem Wetter geschützt. Ins das Bild passt, dass Autofenster immer kleiner und getönter werden.


    2) Die Kosten-Nutzen-Rechnung (Energie und Mobilität) ist gigantisch gut. Also für den eigenen Körper. Wenn man nicht in einer Überflussgesellschaft lebt, ist das wichtig.

  • Das ist rational einfach nicht zu erklären, warum so viele trotzdem mit dem Auto fahren.

    Das liegt IMHO auch sehr daran, dass der MIV schon immer gefördert wurde und ihm der rote Teppich ausgerollt wird - immer und überall. Jeder, der heute nicht "MIVt", macht das ja eigentlich gegen die jahrzehnte-alte Aufforderung/Sozialisierung, dass er als "normaler Bürger" gefälligst "MIVen" soll :)


    Nimm das Rauchen im Büro/Flugzeugen/Restaurants als Beispiel. Es hat keine Bürgerkriege/Volksaufstände gegeben, als es "abgeschafft" wurde, obwohl es bis dahin absolut normal war. Jeder, der sich übers Rauchen beschwert hat, war ein Spinner. Mit dem "MIVen" ist es m.M.n. das gleiche. Die Bevölkerung würde eine Einschränkung mehrheitlich kommentarlos hinnehmen, aber unsere Regierungen/Volksvertretungen "sind noch nicht so weit".

  • Ich habe heute von einer Bahnfahrt abgesehen und das war wohl auch eine gute Idee, denn nach Hause wäre ich nicht mehr gekommen: Der Metronom nimmt ab sofort keine Fahrräder mehr mit. Bislang gilt diese Regelung bis Pfingstmontag, aber angesichts der anstehenden Baumaßnahmen gehe ich einfach mal davon aus, dass die Fahrradmitnahme wohl den ganzen Sommer untersagt oder wenigstens eingeschränkt wird:


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    Ich habe mich eben an der BahnComfort-Hotline noch mit ein paar Fahrradreservierungen für den Fernverkehr eingedeckt, aber wer womöglich eine Radtour mit reservierten Campingplätzen oder Hotels geplant hat, guckt nun womöglich doof, wenn An- und Abreise nicht stattfinden können.

  • aber wer womöglich eine Radtour mit reservierten Campingplätzen oder Hotels geplant hat, guckt nun womöglich doof, wenn An- und Abreise nicht stattfinden können.

    … oder wer das Fahrrad einfach wieder mit nach Hause nehmen möchte

    … oder auf das Fahrrad angewiesen ist

    … oder wer sein Ziel nicht ohne Fahrrad erreichen kann


    Gerade der Metronom hat ja nun schon recht viel Platz für Fahrräder. Das sollte man dann davon abhängig machen wie viel Platz noch ist.

  • Gerade der Metronom hat ja nun schon recht viel Platz für Fahrräder. Das sollte man dann davon abhängig machen wie viel Platz noch ist.

    Aber die Regelung, dass die Mitnahme nur bei genügend Platz möglich ist, gibt es ja bereits heute: Theoretisch ist im Metronom nach 32 Fahrrädern Schluss, in der Wintervariante mit 16 Sitzplätzen passen noch 16 Fahrräder rein. Nur: Das interessiert die Leute im Zweifelsfall nicht, die kloppen dann noch mehr Räder dort rein, stehen in den Türräumen oder bis in die barrierearme Toilette des Mehrzweckwagens. In dem die Fahrradmitnahme komplett ausgeschlossen wird, spart man sich eine Menge Diskussionen und kann die Leute dann direkt vor die Tür setzen.


    Ansonsten klingt es in meinem Umfeld so, als wären die letzten drei Tage und insbesondere der heutige Tag ein Desaster sondergleichen gewesen. Der RE 1 von Hamburg nach Rostock wurde wohl mehrfach geräumt, der RE 5 von Berlin nach Rostock ebenfalls, der RE 8 von Hamburg nach Lübeck war wohl fast so voll wie der RE 6 von Hamburg nach Sylt und der RE 3 von Hamburg nach Hannover, naja, das war wohl auch eher beispiellos.


    Mal gucken, ob sich das abseits der Feiertage noch bessert.

  • Ich hatte zwischenzeitlich in Erwägung gezogen gestern Abend von Hamburg nach Hannover zu fahren und am Samstag wieder zurück. Da hätte ich vielleicht auch mein Fahrrad mitgenommen um vor Ort mobiler zu sein. Wie hätte ich das dann zurück bekommen? Im LINT41 auf der Heidebahn!?

    Ich bin auch gespannt was das noch wird. Volle Züge sind das eine, wegen überfüllter Züge gar nicht mitzukommen nochmal eine andere Hausnummer. Zumal man ja nie weiß ob man 1 Stunde später dann mitkommt.

  • Ich wollte damit sagen dass die Heidebahn jetzt an Schönwetter-Wochenenden eher zu meiden ist, wenn man sein Ziel gerne erreichen möchte.

    Für Fahrräder ist da noch weniger Platz als im Metronom.

    Schlussendlich wird man an Wochenenden jetzt sehr genau überlegen müssen, wann man welchen Zug nimmt.

    Allerdings muss man so ehrlich sein, dass Tagesausflüge innerhalb eines Bundeslandes mit dem jeweiligen Länderticket immer schon sehr günstig waren.

    Und Pfingsten ist immer schon Hauptreisezeit gewesen.

  • erster Samstag mit 9,- Ticket.



    Der RE42 von Nürnberg über Bamberg, Lichtenfels, Saalfeld, Jena nach Leipzig

    Ankündigung: Der Zug ist voll besetzt. kein Zustieg mehr möglich


    Auf dem anderen Bahnsteig fährt ein RE in Richtung Saalfeld ein.

    Aus welchem Depot die das Material wohl gezogen haben?

    achja, klar, der Bahnsteig für Fahrtrichtung Leipzig ist echt gut voll


    Hier kommt er, der RE42 .. und vllt. 10 Leute ingesamt können noch zusteigen.

    Mehrere Durchsagen: kein Zustieg mehr.


    okok, 20Min später kommt eine Regionalbahn nach Halle, von da kann man mit der S-Bahn nach Leipz...

    oh

    auch voll. aber mit drücken und quetschen passen doch noch viele rein


    Der RE42 in Gegenrichtung, also nach Nürnberg: auch voll! da wollten aber in Jena nicht so viele zusteigen.



    Oben am Westbahnhof wurde auf den Regionalexpress nach Göttingen über Weimar, Erfurt, Gotha gewartet

    reingekommen sind alle - aber so voll ist da Samstags (auch an einem Pfingstsamstag) sonst nicht.


    Das sind zustände, wie ich sie bisher nur aus Hamburg kannte.

    Bin auf Bilder/Meldungen aus den Großstädten gespannt X/


    edit:

    „Kein Zustieg möglich“: Züge auf Saalbahn am Pfingstsamstag stark ausgelastet
    Fahrgäste bleiben am Bahnsteig stehen: Warum die Züge auf der Saalbahn nicht nur wegen des 9-Euro-Tickets besonders stark gefüllt sind und was die Deutsche…
    www.otz.de

  • Zweiter Versuch, Sonntag


    fast gleiches Bild. nicht ganz so voll. Immerhin haben wir es in den RE nach Leipzig geschafft - alle mit Fahrrad mussten draußen bleiben

    Auf der Hinfahrt nach Leipzig hält der RE planmäßig in Naumburg. Es wird überraschend etwas leerer: da ist "Weinmeile".


    klar, Sommer.. wann auch sonst.

    Für die Rückfahrt schwant mir Übles.


    Wir laufen in Leipzig ein. Der Zug hat dort ca. 20min Aufenthalt, bevor er wieder kehrt macht nach Nürnberg.

    es ist total irre, man soll es nicht glauben, aber vom Bahnsteig drängt es in den Zug!


    vorgeschmack auf die Rückfahrt..

    Wir sind überpünktlich am Bahnsteig, warten auf den einfahrenden Zug aus Nürnberg:

    17:50 - rappelvoll

    direkt gleiches Szenario, vorher noch Ansage: bitte aussteigen lassen, dann einsteigen.


    Gedrängel, geschubse, Ellenbogen...

    in Naumburg steigen dann die ganzen Besoffenen von der Weinmeile zu.

    Maske/Mundschutz? pfft.


    ...

    in Jena angekommen: der Zug wurde nicht wesentlich leerer. Austieg-Einstieg-Reihenfolge? Vergiss es!

    Reiseradler mit ratloser Mine wurde am Bahnsteig der Zugang verweigert.


    unterm Strich:

    Stress pur

  • Es dürfte wohl das Thema des Sommers sein.
    Mit dem 9-Euro-Ticket nach Sylt zu fahren.
    Als ich die ersten Berichte vor 2 Monaten darüber las, war mir klar: das geht ab.
    Ich gehörte nämlich zu den Menschen, die 1995 den Aufrufen der BILD nach Hannover zu fahren gefolgt sind.
    Mit 2 mm Haarpracht, Bomberjacke, 12-Loch Rangerboots, Levis 501, 2 Paletten Büchsenbier (für die Zugfahrt), einem Schlafsack, 3 Kumpels und (bin mir nicht mehr sicher ob es damals so hiess) dem Quer-Durchs-Land-Ticket für ein paar Mark. War leider geil. Zwei Tage vollkommener Exzess.
    Also dachte ich mir letzte Woche: "Du bist nun ein alter Sack. Du fährst jetzt nach Sylt".
    Aber wie es mit Denken im fortschreitenden Alter so ist: Mit Büchsenbier nach Sylt? Und der Kater am nächsten Morgen? Wo kann ich meine Heizdecke im Park einstecken? Und wo kommt der Saft für das Laptop her? Hat das Schwimmbad auf um zu duschen?
    Jedenfalls wurde es nicht Sylt, sondern die Kieler Bucht.
    Und da ich die Strecke schon des Öfteren mit der Bahn gefahren bin, kam das 9-Euro-Ticket und die Aussicht mit dem Auto Stunden im Stau zu stehen gerade recht.
    Trotzig ignorierte ich alle Artikel von überfüllten Bahnen und Bussen. Ich habe gute Kopfhörer, mein Geruchssinn war noch sie sonderlich gut ausgeprägt und vor Zwangskuscheln schützen mich ein ziemlich breiter Militärrucksack sowie spitze Ellbogen.
    Als um 20:00 auf zu Hautpbahnhof. Spielt der HSV? Nein. Pfingsten spielt. Jugendliche, Großfamilien mit Kinderwagenzügen und Familien mit nagelneuen Trekkingrucksäcken, mit suchenden Gesichtsausdruck und leicht verängstigten Kinder dominierten das Bild.

    Das Abenteuer begann damit, dass es auf der Treppe vom U-Bahnstieg zur Haupthalle nicht voran ging. Grund war, dass zwei Männer in der Mitte auf die Idee kamen sich lustige Handyvideos ansehen zu müssen. Und weil die recht aufgepumpt und "gefährlich" aussahen, wurde es von den anderen Reisenden wohl hingenommen.
    Von mir nicht. Ein freundliches "Ey, Digger, ihr macht hier Stau." wurde mit einem freundlichen "Digger, willst Du Stress. Wir gehen ja schon." gelöst.
    10 Minuten vor der Abfahrt stand der RE70 bereits auf dem Bahnsteig. Eine Menschenmenge bahnte sich den Weg.
    Und stieg, wie die Lemminge, in den ersten erreichbaren Waggon ein.
    Hahahaha.
    Ich bin, quasi ohne Begleitung, zum letzten Waggon gelaufen, suchte mir einen sauberen Sitzplatz mit Steckdose aus und fing an zu arbeiten.
    Kurz vor der Abfahrt wurde das Abteil dann voll. Dammtor wurde es brechend voll. Und kaum 20 Minuten später hatte der Spuk ein Ende und der Zug war fast komplett leer.
    Wir hatten Elmshorn erreicht. Und dort fuhr der Anschlusszug nach - Tada - Sylt.
    Ja, ernsthaft. Jugendliche und Familien mit Kinderwägen und nageleuen Trekkingrucksäcken, auf den Weg nach Sylt.
    Die Macht der Medien.
    Mir sollte es recht sein. Denn meine Fahrt an die Ostsee verlief von nun an extrem entspannt und ruhig.
    Gestern musste ich wieder zurück. Und bahn.de warnte mich vor "sehr starken Aufkommen von Reisenden".
    Von Kiel nach Hamburg? Um 21:30?
    Ge- und Entspannt trudelte ich am Bahnof ein, setzte mich in den letzten Waggon des RE7, nahm die Maske ab und musste sie bis Neumünster auch nicht mehr aufsetzen.
    Ich war nämlich im kompletten Waggon die einzige Person.

    Aber vielleicht wartete ja das starke Aufkommen in Neumünster in Form der AKN auf mich?
    Horden jugendlicher Dorfkids, die sich alle mit dem 9-Euro-Ticket auf der Reeperbahn die Fresse polieren lassen oder ihre Geldbörsen verlieren wollen?
    Nix da. Auch hier war wieder so gut wie nichts los, abgesehen von einer Gruppe von ca. 20 Dorfkids, die "aufm Kiez voll abdrehen" wollten. :D

    Fazit: die Mär von Sylt stimmt. Wollten wirklich viele hin. Wie viele davon zum "Recherchieren" oder Bloggen?
    Ansonsten was das normaler Pfingstbetrieb. So normal, dass es auch einfach ein normaler Freitag hätte sein können.

  • Gut, unsere Fahrt von Lüneburg nach Hamburg am Sonnabend. Die Mitnahme von Fahrrädern war ja bekanntlich untersagt und Leute von der DB-Sicherheit sprachen offenbar auch Fahrgäste mit Fahrrädern an, um das Verbot durchzusetzen.



    Interessant wäre ja auch die rechtliche Frage, ob sich wirklich ein pauschales Verbot der Fahrradmitnahme verkünden lässt, das beispielsweise auch nachts gilt, wenn der Zug nicht mal ansatzweise voll ist. Der Maßnahmenkatalog des EVU sieht nach meiner Kenntnis primär vor, die Fahrradmitnahme aufgrund der Auslastung der Züge zu versagen, aber keine Präventivmaßnahmen wie bei der DB-Regio SH während der Kieler Woche, als man mich in Hamburg nicht nach Kiel mitnehmen wollte, weil es in Neumünster so voll würde.


    Und: Beim Metronom ist das Unterdeck des Wagens 2 in der Regel nur für Fahrräder vorgesehen, sofern nicht die winterliche Bestuhlung mit 16 Sitzplätzen eingebaut wird. Das heißt, da ist auch gar kein Fahrgastaufenthalt vorgesehen, wovon ja mehrere Aufkleber in dem Bereich künden: Keine Haltestangen, kein Aufenthalt. Nun ist mir klar, dass dort trotzdem ständig Fahrgäste stehen und sitzen, aber so ganz einfach scheint mir das Verbot ja gar nicht zu sein.


    Gut, der Zug fährt ein. Wagen 2 mit dem Fahrradbereich ist knüppeldicke vol mit Fahrrädern. Wie die wohl alle dort reingekommen sind?!? Außerdem werden aus mehreren Türräumen Fahrräder entfernt:



    Die eigentliche Fahrt war dann aber gar nicht so wild. Es ist halt wie immer, die vordere Hälfte des Zuges hält von Uelzen nach Hamburg ungefähr dort, wo die Treppen sind, so dass alle vorne einsteigen, also war’s hinten im Zug tatsächlich einigermaßen leer.


    Un dann kamen wir in Hamburg an. Auch dort gilt die eiserne Regel der Beförderungsfall-Entropie: Alle stehen im Bereich der Treppen. Wenn sich die Fahrgäste weit über den Bahnsteig verteilen, dann wird es ernst. Und es wurde ernster als ich es in den letzten Jahren erlebt hatte: Wir kamen nur mit Mühe aus dem Zug raus, weil die gegnerischen Beförderungsfälle direkt mit ausgefahrenen Ellenbogen in den Zug drängten:



    Eine solche Szenerie habe ich tatsächlich schon länger nicht mehr erlebt. Einige Fahrgäste haben sich gegenseitig aus dem Weg geschubst, um auf jeden Fall zuerst einsteigen zu können. Ob dieses panische Verhalten wohl auch der regelmäßigen Berichterstattung geschuldet ist von wegen die Züge wären so voll, dass niemand mehr reinkäme?


    Der Fahrradwagen an der Treppe war natürlich auch sofort überfüllt…



    … während das Zugpersonal hier lautstark Fahrgäste aus dem Mehrzweckwagen wieder rauskehrt, um Platz für Rollstühle und Kinderwagen zu schaffen. Ein Chaos sondergleichen, als ob die Leute alle zum ersten Mal mit der Bahn fahren:



    Die Rückfahrt gegen 1:33 Uhr war hingegen problemlos. Da pennten alle schon ihren Rausch aus.

  • Gestern ging’s dann mit dem Fahrrad zur wirklich aller-aller-allerletzten Gumminase auf Fehmarn. Wegen Bauarbeiten fuhr der dänische IC3 über Pfingsten nicht über die Große Beltbrücke, sondern wieder von Hamburg nach Puttgarden — nur um dort vor der Fähre zu stoppen, die Fahrgäste in Busse umzuladen, die dann weiter nach Nykøbing F. fuhren, denn aufgrund der Vorbereitungen für die feste Fehmarnbelt-Querung fahren auf der dänischen Seite keine Züge mehr bis Rødby. Warum man dann nicht gleich die Fahrgäste mit Bussen über die Große Beltbrücke gekarrt hat, erschließt sich mir nicht, aber das Motiv nahm ich natürlich gerne mit.


    Los ging’s morgens in Lüneburg, wo ich direkt angebellt wurde, ob ich denn lesen könne, die Beförderung von Fahrrädern wäre ausgeschlossen. Herzlichen Dank, liebe Bundesbahn, tatsächlich sollte das nicht die einzige Unfreundlichkeit an diesem Pfingstsonntag bleiben, aber dazu in den nächsten Tage mehr. Ich stieg dann einfach mit dem Faltrad in den ICE gegenüber und ließ den Nahverkehrs-Hilfssherriff weiter herumbölken.



    Die Zugbegleiterin im ICE gab mir das Gefühl, als ob sie mich für einen 9-Euro-Reisenden hielt, der hier im Fernverkehr nichts zu suchen hätte, aber den Spaß verdarb ich ihr recht schnell. Naja.


    In Hamburg war’s dann nicht so schön, oben auf der Brücke gab’s hinter mir Tumult, weil aufgrund des Iron Mans die Straßen für den Kraftverkehr teilweise gesperrt waren, unten gab’s Tumult auf dem Weg nach Bremen wegen Überfüllung des Bahnsteiges, außerdem hatte der Zug offenbar wegen Verzögerungen in Harburg lockere 15 Minuten Verspätung eingesammelt, weil einige 9-Euro-Reisende nicht den Unterschied zwischen Hamburg-Harburg und Hamburg-Hauptbahnhof gekannt haben sollen. Ob das so stimmt sei mal dahingestellt, eine nette Anekdote ist es auf jeden Fall.



    Okay, weiter nach Fehmarn. Zwischen 15 Uhr und 19 Uhr nutzte ich die Zeit, um mir mal die Überreste der dänischen Inselbahn im südwestlichen Bereich der Insel anzusehen und Herrjemine, die Insel ist überfüllt von Leuten mit Fahrrad — und ich schreibe explizit nicht „Radfahrer“, denn an der Körperhaltung auf den nicht ordentlich eingestellten Fahrrädern erkannte ich bereits ohne Blick auf die Aufkleber, dass es sich um Leihräder handelte, mit denen da Menschenmassen sondergleichen über die Insel kurbelten.


    Interessant sind jene, die sich aufgrund der Fahrradkleidung oder der Fahrradtaschen von diesen Leuten unterscheiden: Das waren dann Radreisende aus Dänemark. Und die steckten nun in der Klemme, denn wenigstens ein paar hatten noch Fahrkarten für den Regionalverkehr von Fehmarn bis Lübeck oder Hamburg, um von dort aus mit dem Fernverkehr weiter zu fahren. Und dann kamen die heute morgen auf der Insel an und hörten sich plötzlich an: Nö, keine Fahrräder im kleinen Nahverkehrs-LINT. Das Zugpersonal hat dann wohl den kleinen roten Triebwagen leer von Fehmarn nach Lübeck gefahren, denn um diese Zeit steigt ja in dieser Fahrtrichtung quasi niemand ein, und verwies auf den so genannten Strand-Express, der an Wochenenden und Feiertagen mit Doppelstockwagen von Hamburg auf die Insel fährt.


    Und gerne mal ausfällt, wie an diesem Vormittag.


    Und dann sitzt man da mit seinen Fahrkarten mit Zugbindung, die man gekauft hat, als die Idee des 9-Euro-Tickets noch nicht einmal geboren war, und darf jetzt sehen, wie man mit dem Drahtesel von Fehmarn bis Berlin oder Hannover kommt.


    Insofern stellt sich dann schon die Frage, ob die Bahn oder das jeweilige Eisenbahnverkehrsunternehmen in irgendeiner Hinsicht zur Vertragserfüllung verpflichtet ist und womöglich den Fahrradtransport im Großraumtaxi oder per Kurier ermöglichen müsste.

  • Ein Profi-Bahner schreibt mir dazu:


  • Ein Profi-Bahner schreibt mir dazu:

    Der Satz zu den Beförderungsbedingungen ist mMn Blödsinn:

    Die Mitnahme von Fahrrädern, konventionellen bzw. elektrisch betriebenen Tretrollern ist im

    Rahmen der vorhandenen Platzkapazität und nur in den entsprechend gekennzeichneten
    Wagen bzw. Bereichen möglich. Die Beförderung kann bei Platzmangel abgelehnt werden,
    insbesondere dann, wenn der für die Fahrradmitnahme vorgesehene Platz für die Beförderung
    von Fahrgästen, im Speziellen von Kindern in Kinderwagen und Rollstuhlfahrern, benötigt wird.
    Die Beförderung kann ebenfalls bei Ersatzverkehr mit Bussen abgelehnt werden. In
    Zweifelsfällen entscheidet hierüber das Betriebs- und Kontrollpersonal

  • Tja, große Überraschung: Der Metronom setzt die Fahrradmitnahme aufgrund der Baumaßnahmen zwischen Uelzen und Hamburg ab Freitag bis auf Weiteres aus:


    https://www.der-metronom.de/ueber-metronom/presse/menschen-und-sicherheit-gehen-vor-metronom-schraenkt-fahrradmitnahme-ein/


    Damit fällt der Sommer fahrradmäßig für mich schon ziemlich ins Wasser. Momentan fahre ich nach Feierabend mit dem Rad ein oder zwei Bahnhöfe aus Lüneburg raus und mit dem Rad in den Sonnenuntergang zurück, aber das muss ich mir dann wohl schleunigst abgewöhnen.


    Ansonsten geht’s ja leider nur mit dem kleinen Bummel-LINT von der DB-Regio Schleswig-Holstein von Lüneburg über Büchen nach Lübeck (und weiter nach Kiel), aber in das Ding passen mitunter drei Fahrräder und ich werde ja kaum der einzige sein, der auf die Idee kommt, über diese Strecke auszuweichen. Das kann ich mir ja sparen.

  • Fürs Gefühl noch mal ein paar Fotos vom Pfingstmontag. Am Bahnsteig stehen etwa zehn Radfahrer, von denen zwei morgens aus Celle mit dem Metronom bis Uelzen gefahren sind und nach einer Radtour bis Lüneburg wieder nach Hause wollen, eine Dame, die hier in Lüneburg jemanden besucht hatte und zurück nach Göttingen möchte und drei Radlinge, die eine mehrtägige Tour hinter sich hatten und zurück nach Braunschweig wollten und noch vier weitere Radlinge, die über ihr Vorhaben nicht so breitwillig Auskunft gaben.


    Alle hatten aber offenbar bereits vor längerer Zeit Fahrkarten mit Fahrradtickets gekauft und wenigstens die Leute von der Mehrtagestour hatten noch gar nicht mitbekommen, dass die Fahrradmitnahme untersagt wurde.


    Das Zugpersonal achtete penibel darauf, dass niemand mit einem Fahrrad einstieg und verwies die Radlinge auf den nächsten Zug eine Stunde später. Dass der aber auch keine Räder mitnehmen würde, erklärte man lieber nicht, vielleicht wollte man sich nicht auf die lästige Diskussion einlassen. Jedenfalls wäre in Lüneburg noch einiges an Platz im Fahrradabteil gewesen, das mag aber natürlich zu anderen Uhrzeiten und an anderen Bahnhöfen ganz anders aussehen.



    Der mehr oder weniger offizielle Tipp für diese Gelegenheit lautet also: Auf den nächsten Zug warten. Obwohl der auch keine Räder mitnimmt. Oder es im Fernverkehr versuchen, obwohl der ja auch am Pfingstmontag mehr oder weniger überfüllt sein wird.


    Gut, am Dienstag ging es ins Bureau. Am Bahnsteig stehen ein paar Leute und überlegen, ob das Neun-Euro-Ticket auch für den verspäteten ICE gilt und schließen aus dem C in ICE, das ja für „City“ steht, dass es sich wohl um einen Nahverkehrszug handelt. „Das ist aber ein Inter-City-Express“, gebe ich zu bedenken, „das ist ein Fernverkehrszug“, aber das interessiert die Leute natürlich nicht, die wissen eh alles besser (deshalb steigen ja auch wider meinen Tipp so viele Leute in Hamburg-Harburg aus, die eigentlich zum Hauptbahnhof wollen).


    Naja.


    Ich weiß nicht, ob es wohl noch der Rückreiseverkehr der Pfingstfeiertage war oder doch die Auswirkungen des Neun-Euro-Tickets, aber der Zug war ziemlich voll. Fahrräder hätten hier auch nicht mehr reingepasst.



    Ankunft in Hamburg. Auch hier bin ich mir unsicher, ob es wohl die Auswirkungen der Berichterstattung über die überfüllten Züge ist oder ob die Leute dank des Neun-Euro-Tickets zum ersten Mal in eine Eisenbahn steigen, aber die Tür geht auf, die Leute strömen rein und machen erst gar keine Anstalten, hier jemanden aussteigen zu lassen. Wie gesagt: Die berühmte Metronom-Wende in Hamburg ist grundsätzlich stressig, zu Feierabendzeiten ist der Bahnsteig ohnehin immer voll, aber dass ich jetzt zum zweiten Mal beim Aussteigen geradezu überrannt werde, das gab’s vorher nicht:



    Rückfahrt. Pünktlicher Feierabend, pünktlich nach Hause? Nö, nicht in Zeiten wie diesen. Der Zug nach Bremen bringt sogar zwei Fahrradwagen mit, in beiden ist aber nicht mal mehr Platz für ein Faltrad.


  • ... und schließen aus dem C in ICE, das ja für „City“ steht, dass es sich wohl um einen Nahverkehrszug handelt. „

    ich bin mir oft nicht sicher, ob das wirklich so eine unfassbare Unwissenheit ist oder ob sich dieser Schlag von Menschen nicht einfach wissentlich etwas zurecht lügt, um sich dann beim Erwischtwerden dumm zu stellen.


    Die Erfahrung zeigt leider: Dreistigkeit gewinnt zu oft.

    Und wenn es doch mal Stress gibt, zieht man die "Beschwerde!" und "das ist nicht kundenfreundlich!"-Karte. Immer und immer wieder.