Hohenwedeler Weg

  • Yeti: Das ist in der Tat schwer zu sagen und hängt vermutlich auch davon ab, wie die Richter die Lage einschätzen. Die "besonderen örtlichen Verhältnisse" sind ein unbestimmter Rechtsbegriff, der voll durch das Gericht ausgelegt werden und überprüft werden darf - anders als eine Ermessensentscheidung, die nur begrenzt überprüfbar ist.

    Ich selbst finde a) Schulen in etwas, das wie ein Wohngebiet aussieht, wenig spektakulär und b) sieht auch die ERA2010 bei geringem Schwerverkehr und gerader Linienführung eine Führung des Radverkehrs im Mischverkehr vor. Die schmale Straße dürfte vor allem außerhalb des 6-7m-Fahrbahnbreitenbereichs liegen, in dem eine gemeinsame Führung problematisch sein kann (ERA2010, S. 22). Die Verkehrsmenge beträgt in der Spitze auch nicht mehr als 700Kfz/h, womit Mischverkehr - zusammen mit den anderen Kriterien - verträglich sein sollte.
    Jüngere Radfahrer sind ohnehin dadurch geschützt, dass sie auch ohne Beschilderung den Gehweg befahren dürfen/müssen; ich betrachte dies im Bezug auf junge Verkehrsteilnehmer als abschließende Regelung. Ferner kann die Polizei auch die geltenden Regeln im Bezug auf Überholmanöver kontrollieren, so dass es hier allenfalls ein Durchsetzungs- und kein Regelungsdefizit gibt. Die IGS ist scheinbar auch durch die Bergstraße erreichbar, die jedenfalls auf Maps nicht dein Eindruck erweckt, besonders verkehrsbelastet zu sein. Junge Verkehrsteilnehmer haben somit auch eine Alternativführung.

    Falls man es wirklich versuchen möchte, wäre wohl der erfolgversprechendste Ansatz, dass der Gehweg für Kinder auf Grund seiner Breite und der Menge des Fußverkehrs unzumutbar und nicht sicher befahrbar ist, also auch junge Verkehrsteilnehmer auf die Fahrbahn ausweichen müssten, am schlauesten. Die Argumentation zieht natürlich nur dann, wenn sie durch die Fußverkehrsmengen belegbar ist und man nicht auf die hanebüchene Idee kommt, auch erwachsenen Radfahrern durch Beschilderung die Möglichkeit zu eröffnen, linksseitig(!) auf einem Gehweg, der baulich absoluter Müll ist, zu fahren. Aber so blöd wäre ja niemand, oder?

  • Dass das vermutlich keine befriedigende Antwort ist, ist mir klar. Wer einfach Tempo 30 innerorts möchte, müsste die StVO anpassen. Da der Posten aber derzeit mit einem FDPler besetzt ist, der eine Vulgärauffassung von "Freiheit" hat, sind den Verkehrsbehörden die Hände gebunden. Mal abgesehen davon, dass man sich bei einer solchen Änderung auch jede Menge Verwaltungsaufwand (falls hier FDPler mitlesen: ihr könnt das als "schlanker Staat" oder so verkaufen) für die Begründungen der Einzel- und Flächenanordnungen sparen kann und dann ggf. nur noch Straßen auf denen schneller gefahren werden soll begründen müsste. In München wäre das nur noch 1/5 des Straßennetzes. Und die Schilder, die Wissing vergeblich sucht, sind dann auch wieder da :)

  • ...Jüngere Radfahrer sind ohnehin dadurch geschützt, dass sie auch ohne Beschilderung den Gehweg befahren dürfen/müssen...

    ... und man nicht auf die hanebüchene Idee kommt, auch erwachsenen Radfahrern durch Beschilderung die Möglichkeit zu eröffnen, linksseitig(!) auf einem Gehweg, der baulich absoluter Müll ist, zu fahren. Aber so blöd wäre ja niemand, oder?

    Naja, wer blöd genug ist, zu meinen, dass Kinder auf dem Gehweg geschützt sind, wird das in Bezug auf Erwachsene wohl erst recht meinen.

  • ...und man nicht auf die hanebüchene Idee kommt, auch erwachsenen Radfahrern durch Beschilderung die Möglichkeit zu eröffnen, linksseitig(!) auf einem Gehweg, der baulich absoluter Müll ist, zu fahren. Aber so blöd wäre ja niemand, oder?

    Bislang ist man so blöd. Der Gehweg auf der nordwestlichen Straßenseite ist derzeit in Richtung IGS mit [Zeichen 240] (leichte Steigung) und in Gegenrichtung (Gefälle) mit [Zeichen 239] [Zusatzzeichen 1022-10] beschildert.


    Breite ca. 1,80m, der gegenüberliegende Gehweg ist sogar noch schmaler. Aus meiner Sicht unverantwortlich, darauf das Radfahren auch nur zu erlauben. Messungen haben ergeben, dass dort ohnehin kaum jemand 50km/h fährt, sondern dass die Durchschnittsgeschwindigkeit bei knapp über 40km/h liegt.


    Man könnte es auch einfach darauf anlegen, T30 anzuordnen. Wenn tatsächlich jemand erfolgreich dagegen klagt, dann muss es halt wieder weg. Bis dahin hat es sich vielleicht schon mehr durchgesetzt, dass man auf der Fahrbahn besser unterwegs ist, oder die StVO wurde bereits dahingehend geändert, dass T50 innerorts begründet werden muss und nicht T30.


    Im Prinzip ist diese Straße doch ein Musterbeispiel dafür, dass es umgekehrt sein sollte.

  • Bis dahin hat es sich vielleicht schon mehr durchgesetzt, dass man auf der Fahrbahn besser unterwegs ist, oder die StVO wurde bereits dahingehend geändert, dass T50 innerorts begründet werden muss und nicht T30.

    Nach meinem (laienhaften) Verständnis ist es der Verwaltung einfach nicht gestattet, in dieser Straße ein Fahrbahnverbot für Fahrräder anzuordnen. Was sagen die Herrschaften denn dazu, wenn man sie direkt darauf anspricht?


    Könnte man nicht einen Juristen mitnehmen, der ihnen anhand von Gerichtsurteilen erklärt, dass sie das nicht dürfen? Oder ist das Gespräch dann beendet?


    #Bratwurstbude, #BeleidigteLeberwurst :)

  • Nach meinem (laienhaften) Verständnis ist es der Verwaltung einfach nicht gestattet, in dieser Straße ein Fahrbahnverbot für Fahrräder anzuordnen.

    Die Benutzungspflicht wird aufgehoben. Die Frage ist lediglich, ob dazu T30 kommt oder nicht oder ob sich irgendwer damit durchsetzt, die schmalen Gehwege zum "Radfahren" freizugeben.

  • Die Benutzungspflicht wird aufgehoben

    Ei, sind die da ganz von selbst draufgekommen?


    Also hierzulande schießen die "Fahrradfreundlichen Kommunen" gradezu aus dem Boden - obwohl sie eigentlich nur ein paar der jahrzehnte alten, illegalen Anweisungen aufgehoben haben (aber nur da, "wo es gar nicht anders ging" :) ). Und es scheint, wenn man das Siegel "Fahrradfreundlich" erstmal offiziell hat, ist's auch schon wieder vorbei mit "Verkehrswende". Klar, nach der Anstrengung... ^^

  • Lustig! Genauso wurden bisher die Radwegbenutzungspflichten begründet.

    Ja, genau. Aber man kann eine Gefahrenlage auf zwei unterschiedliche Weisen auflösen:

    1. Man sperrt die Gefährdeten weg

    2. Man reduziert die Gefahr


    Da 2. in der Regel zu Lasten des Autoverkehrs geht, entscheidet man sich meistens für 1. Jeder, der behauptet, dass es auf der Fahrbahn zu gefährlich sei, mit dem Fahrrad zu fahren, spricht sich aber zwangsläufig für T30 aus.