Radfahren in Schenefeld

  • Klagst Du denn auch bei jeder Ablehnung eines Widerspruches, bzw. der Ignoranz desselbigen über weit mehr als drei Monate? Da kommen im Jahr rund 5000,- Euro zusammen, die vorgestreckt werden wollen... :/
    Ein Widerspruch allein ändert ja nichts.


    jopp.
    ich finde jetzt 5k EUR übers Jahr auch nicht so wahnsinnig viel.
    In Schenefeld sind RWBP angeorndet, diese Klagen kann man nach allem, was ich las, gar nicht verlieren.
    So gesehen sind die 5k unterm Strich nicht weg. Nur halt statt auf dem Tagesgeldkonto mit unglaublichen 1,irgendwas% Zinsen dann eben bei der Justizkasse :)

  • nachdem ich das hier las:



    dachte ich mir: fährste mal hin und guckst dir das an.
    Großes Kino. Ganz-großes Kino.


    Ausgangssituation:
    im Gegensatz zu Hamburger Ausschüssen sind Wortmeldungen aus dem Publikum in den Schenefelder Ausschüssen nicht zulässig. Tja. Ich glaub aber, dass mein schmerzverzerrtes Gesicht, mein Augenrollen, meine "Hände vors Gesicht schlagen", Kopfschütteln, leises "oh man..."-Stöhnen und später auch lauteres nörgeln durchaus nicht zu übersehen/überhören war.
    Weiterhin muss erwähnt werden, dass die Grünen immerhin gleich viel (oder fast gleich viel?) Sitze wie die SPD haben und mit der zusammen gegen die CDU-FDP-Front stehen.


    [ich schreib nachher weiter... , Geduld]

  • Die Sitzung plätscherte so vor sich hin, bis dann endlich das Thema "Radwege" an die Reihe kam. Der Ausschussvorsitzende Herr Schmitz fasste kurz zusammen, worum es geht.
    Blankeneser Chaussee, Radwege in desolatem Zustand, gegen die Verwaltungsordnung verstoßend, Radfahren dort nicht sicher, sollte man nicht ein gemeinsames Konzept für ganz Schenefeld erstellen in Abstimmung mit den Kreis- und Landesbehörden.


    Und dann nahm das Drama seinen Lauf...
    Die CDU-Konsorten sahen dort absolut keine Möglichkeit, weil sich der Verkehr in der Blankeneser Chaussee in der Rush-Hour "Kilometerweit" zurückstauen würde, außerdem parkende Autos am Straßenrand stünden und man als Radfahrer an denen nicht vorbei käme. Außerdem wolle man niemanden, erst recht keine Kinder, auf die Straße zwingen.


    Herr van Gerpen (Grüne) erläuterte nochmals, dass die Radwege so wie sie sind, nicht sicher seien und man auch niemand auf die Straße zwingt. Wer auf den Radwegen fahren möchte, darf das auch zukünftig tun, man wolle nur die blauen Schilder der Benutzungspflicht demontieren lassen.


    Dann war der Seniorenbeirat dran, der nicht verstehen konnte, dass man Radfahrer nun auf die Straße zwingen will!
    Herr Schmitz verdeutlichte ihm und dem Publikum nochmals die rechtliche Situation und meinte, dass der nette Herr vom Seniorenbeirat da wohl etwas falsch verstanden hätte. Dieser erwiderte nachdrücklich: "nein!"
    Naaaaja.


    Die CDU-Hemden meinten dann, dass der Verkehr quasi zusammenbricht, wenn man langsame Radfahrer auf die Straße zwänge. Es kam nochmals der Hinweis, dass Radfahrer nicht gezwungen werden, die Fahrbahn zu nutzen.
    Es wurde dann noch darüber diskutiert, wie die Situation in der Blankeneser Chaussee aussähe mit Schutzstreifen. Ergebnis: Schutzstreifen wären doch toll, dann könnten die Radfahrer auf der Fahrbahn fahren, oder eben auf den Hochbordradwegen daneben... 8|
    Dass Schutzstreifen und "sonstige Radwege" oder "Radfahrer frei" gleichzeitig nicht zulässig sind, viel hinten runter. Generell wollte man jetzt Radfahrer dazu "missbrauchen", den "Lärmaktionsplan" durchzudrücken. Denn man verfiel in die Diskussion, ob man auf der Blankeneser Chaussee nicht T30 oder T30-Zone einrichten könne. Wegen Schule. Und Radverkehr und so...


    Zum Glück wurde die Diskussion bald beendet, weil erkannt wurde, dass man sich da im Ausschuss verrennt. Zuständigkeiten, Landesstraße usw, man sich lieber mit der Radwegefrage beschäftigen solle.
    Herr Schmitz wies jetzt erneut darauf hin, dass die meisten Unfälle Auto->Fahrrad eben beim Abbiegen passieren, nicht auf freier Strecke von hinten überfahren.


    Jetzt hatte die Stunde von des Jupp Heesters der CDU geschlagen. Herr Engel führte führte an, dass Radfahren auf der Fahrbahn dennoch zu gefährlich sei. Man würde 11 tote Radfahrer in Hamburg betrauern. Aber die Situation wie in Hamburg, wo der Radweg hinter parkenden Autos verläuft, den hätte man in Schenefeld nicht. Hier würden die Radwege immer im Sichtbereich der Autos geführt, es ginge keine Gefahr aus.
    Der Typ war sich dann auch nicht zu schade, Victimblaming der übelsten Sorte zu betreiben. Auf der Fahrbahn fahrend machen Radfahrer nämlich immer wieder den Fehler, in den toten Winkel von LKWs zu fahren. Und der arme LKW-Fahrer sieht nichts und ist das Opfer! Da sind die Radfahrer schuld, und man sollte da mehr aufklären! Dann passieren auch keine Unfälle. Jeder sollte sich mal auf einen LKW setzen und selber sehen, dass man nichts sieht.


    Dass Radwege eben in jedem Fall das Fahren in den toten Winkel begünstigen, hat ihm keiner gesagt.


    Zu dem Zeitpunkt wurde es Herrn Schmitz wohl echt zu dumm. Der hat knackige, markante und laute Worte gefunden, dass es seiner Meinung nach eben NICHT sein kann, dass man alle Radfahrer auf schlechte Radwege zwingen will.
    Er selbst fahre mit dem Fahrrad auf der Straße, weil er dort objektiv sicherer aufgehoben sei. Und er lässt sich nicht weiter auf unbefahrbare Holperpisten zwingen.
    Wenn die Radwegebenutzungspflichten nicht fallen, sorgt er eben selbst mit Anträgen auf Aufhebung für die Abschaffung. Er sei sich durchaus bewusst, dass die Kreisbehörde in Pinneberg entscheidet. Aber vor der Entscheidung sehr wohl die Gemeinde fragen wird. Und es sei ein Unding, dass Schenefeld sich so quer stellt.



    Hamburg mache aktuell eine ganze Menge für den Radverkehr - in Schenefeld hatte man fast 18 Jahre Zeit, es wurde aber nichts gemacht!


    daraufhin lamentierte der Seniorenbeirat rum, dass die Politik nur Radwegebenutzungspflichten abschaffen wolle, damit sie die Radwege dann verlottern lassen könne! Bestes Beispiel sei die Straße Borgfelde!
    Wieder wurde versucht, ihm zu erklären, dass Borgfelde eine T30-Zone ist, Radwege dort nicht angeordnet werden _können_
    Er wollte es nicht verstehen...


    Bei der Abstimmung, was nun passieren soll, waren CDU und FDP knallhart gegen jede Form der Änderung. SPD und Grüne stimmten für ein "Radwegekonzept".


    Naja...
    Ich hab Herrn Schmitz am Ende gesagt, dass er Anträge für Hauptstraße und Kiebitzweg sein lassen kann, weil ich da schon tätig geworden bin. Und wenn ich natürlich höre, dass die Schenefelder Abgeordneten (zumindest die Grünen) mit der Arbeit der Kreisbehörde nicht einverstanden sind, bin ich noch weniger Bereit, da mal "abzuwarten", bevor ich Klage einreiche... :)

  • Offenbar haben alle Beteiligten noch nicht mitbekommen, dass ein Radwegezwang nur bei einer deutlich erhöhten Gefahrenlage aufgrund besonderer örtlicher Verhältnisse angeordnet werden darf. Besonders die Klugscheisser Herren der CDU ignorieren diese Rechtslage nur zu gern. :cursing:


    Weiterhin wollen sie nicht begreifen, dass Radfahrer "der Verkehr" sind, ebenso wie Autofahrer und Fußgänger. Ein Pulk von Radlern staut sich nie im öffentlichen Straßenverkehr! Da hat "der Verkehr" wohl ein ungünstiges Fortbewegungsmittel gewählt.

    "Terrorismus ist der Krieg der Armen und der Krieg ist der Terrorismus der Reichen"
    Peter Ustinov


  • hach, ich meinte Radfahrstreifen. komm auch schon ganz durchn Tüddel....


    Gleiche Frage nochmal :-)
    Intuitiv würde ich dir sofort recht geben, aber ist es irgendwo geregelt?


    Naja, eigentlich auch nicht so wichtig. Mit etwas Glück bzw. Pech könnte ich bald ab und an durch Schenefeld fahren und auch noch Schildern widersprechen. Wenn die Politiker und Behörden das Recht nicht umgesetzt kriegen, muss es halt wer anders machen.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Hallo Zusammen,


    ich verfolge mit Hoffnung diesen Faden, da ich in Schenefeld und Umgebung mein Fahrrad benutze. Ich kann allen Kommentaren hier nur zustimmen.


    Heute morgen ist mir auf der Alten Landstraße (Zone 30 mit nicht benutzungspflichtigem Radweg) genau so ein Betonkopf in die Quere gekommen. Während ich dort auf der Straße neben Stehzeugen langradel, überholt mich sehr knapp ein Geländekraftwagen und der Fahrer bedeutet mir eindringlich, dass ich doch auf jeden Fall auf den Radweg gehöre und braust davon, um 200 m weiter einen Parkplatz zu nehmen. Wie praktisch, dass ich ihn dadurch direkt auf geltende Vorschriften aufmerksam machen konnte (Benutzungspflicht, Mindestabstand beim Überholen). Sein Kommentar war nur: Ich kann doch nicht über den Gehweg zum Überholen fahren und auf der Straße fahren wäre ja für mich so gefährlich, .....


    In der Straße Borgfelde ist mir letztes Jahr Ähnliches passiert. Da sollte ich sogar einen linksseitigen (nicht benutzungspflichtigen) Radweg unbedingt benutzen, wozu ich für die Belehrung grauslich geschnitten und ausgebremst wurde.


    Ich hoffe also Bestes für Hauptstraße & Co. Eine(r) wird nach Aufhebung definitiv die Fake-Radwege nicht mehr benutzen! :thumbsup: Danke für die Mühe.
    '
    Lotte

  • "...wird die zuständige Verkehrsbehörde den Straßen- und Wegebestand in der Region unter die Lupe nehmen. Das ist das Ergebnis eines Treffens von zuständigen Behörden, Polizei und Straßenbauträger. ...


    ...Anschließend soll es einen Runden Tisch mit den Radfahrverbänden geben. "


    Das wird wohl kaum annähernd in dem Zeitrahmen bleiben.

  • Vielleicht sollte ich besser schonmal Vorbereitungen für die Klagen treffen :)


    Zumindest einmal wird ein Gerichtsverfahren notwendig sein, wenn es absehbar besser werden soll. Jedenfalls würde ich davon ausgehen. Die Zeitspanne zwischen Fristablauf und Klageeinreichung sollte kurz gehalten werden.