• In meinem Bekanntenkreis und in der Presse ist der ADFC durch diesen Test alle zwei Jahre Gesprächsthema! Man könnte also auch unterstellen das Ziel ist Aufmerksamkeit, z.B. um Mitglieder zu generieren.
    Haben Radfahrer keinen Feind und keine Probleme, brauchen sie auch keinen Verband. Handlungsbedarf bei Radfahrern zu erzeugen, könnte(!) also gewollt sein.

    Dann gelingt es dem ADFC offensichtlich auffallend gut, den Fahrradklimatest alle zwei Jahre wieder so zu gestalten, dass es gelingt Aufsehen zu erregen und den verband zum Gesprächsthema zu machen. Das finde ich abseits von den eigentlichen Testfragen und Ergebnissen sehr erfreulich!

    Haben Radfahrer "keinen Feind und keine Probleme"?

    Ich denke doch. Vielleicht ist es ein bisschen übertrieben von "Feind" zu reden. Ein bisschen "schöner gesprochen" müsste man wohl vom Mitbenutzer bzw. vom Mitbewerber um die vorhandene Verkehrsfläche sprechen.

    Ein bisschen derber gesprochen ist es jedoch nach meinem Empfinden der Motorisierte Individualverkehr, der dem Fahrradverkehr (und dem Fußverkehr und dem ÖPNV) das Leben schwer macht. Und mal deutlich auf den Punkt gebracht: Der Autoverkehr muss weg! Aber das ist auch vielen ADFC-Mitgliedern zu brachial formuliert.

    Bei einigen Zuschriften hier im Forum habe ich allerdings den Eindruck, herrscht der Gedanke vor: "Der Radfahrer ist dem Radfahrer ein Autofahrer." (Um das mal ein wenig abgewandelt von der Redewendung, "Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf", zu formulieren.)

    Das mit den Wölfen im "Menschenpelz" überlass ich gerne den Philosophen. Aber ein wenig krass (deshalb meine Abwandklung von dem bekannten Sprichwort) ist es schon, wenn hier wer schreibt:

    Denn die Sichtweise unterscheidet sich deutlich zwischen Gehwegradelnden Bewegungsmuffeln auf Gehhilfen und Fahrzeugbenutzern die ernsthaft zeitnah irgendwo ankommen wollen.

    Da unterscheidet also Quiddje die Gruppe der Radfahrenden zwischen "gehwegradelnden Bewegungsmuffeln", die "Gehhilfen" benutzen und "Fahrzeugbenutzern", also Menschen, die das Fahrrad als "Fahrzeug" benutzen und nicht als "Gehhilfe". Wobei die zuerst genannte Gruppe erkennbar diffamiert wird.

    Es ist gut, dass der ADFC diese Unterscheidung nicht trifft. Und es ist gut, dass der ADFC aus dem Selbstverständnis heraus agiert, dass gerade auch langsam fahrende Fahrradfahrer*innen willkommen sind und besonders für diese Gruppe unter den Fahrradfahrer*innen die Verkehrsinfrastruktur zu verbessern ist. Es ist nicht nur deshalb gut, weil es ein edler Gedanke ist, den Schwachen und Benachteiligten zu helfen. Es ist auch deshalb gut und folgerichtig, weil diese Gruppe, die mit Abstand größte Gruppe unter den Fahrradfahrenden ist und darüber hinaus auch das größte Potenzial darstellt unter denjenigen, die noch kein Fahrrad nutzen oder es nur sehr sporadisch in wenigen Ausnahmefällen tun, bei denen es aber für gewöhnlich im Keller steht und Spinnweben ansetzt. Deutschland hat immerhin einen Fahrradbestand von über 90.000.000 Fahrrädern! https://www.mtb-news.de/news/ziv-marktdaten-2025/

    Eigentlich gibt es nur eine Gruppe von Verkehrsteilnehmer*innen, die ein noch größeres Potenzial darstellt und die insbesondere unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit und einer wirklich gelungenen Verkehrswende eine nochmals deutlich höhere Beachtung verdient, nämlich die Gruppe der Fußgänger*innen!

  • ...dass gerade auch langsam fahrende Fahrradfahrer*innen willkommen sind und besonders für diese Gruppe unter den Fahrradfahrer*innen die Verkehrsinfrastruktur zu verbessern ist.

    Kurze Verständnisfrage: Ich verstehe, dass eine Infrastruktur, auf der man schnell fahren kann, erhöhte Anforderungen an die Oberfläche, Kurvenradien, etc. erfüllen muss. Aber welche besonderen Anforderungen werden denn an eine Verkehrsinfrastruktur gestellt, um darauf langsam zu fahren?

  • Aber welche besonderen Anforderungen werden denn an eine Verkehrsinfrastruktur gestellt, um darauf langsam zu fahren?

    Keine zu schnellen Fahrzeuge.
    Was ich meine: Keine 50er Roller auf der Autobahn, keine Radfahrer auf der Kraftfahrstraße, keine Fußgänger auf sehr sehr vielen Straßen.

    Rein theoretisch (und praktisch) kannst du eine Autobahn am Sonntag sperren und die eignet sich perfekt für Fußgänger, Inliner und Radfahrer. Aber wenn sie nicht gesperrt ist, ist sie absolut ungeeignet dafür.

    Edit: War jetzt nur ein spontaner Gedanke. Bitte nicht zu viel hineininterpretieren.

  • Keine zu schnellen Fahrzeuge.

    Das ist doch aber keine Anforderung an die Infrastruktur :/

    *edit: umgekehrt vielleicht ist es eine Anforderung an eine Infrastruktur zum Schnellfahren, dass es dort keine langsamen Fahrzeuge oder Fußgänger gibt. Hier ging es aber doch nicht um Autobahnen, sondern um innerörtliche Straßen. Ist das auch eine Infrastruktur, die zum Schnellfahren da ist?

  • Der Test für Jugendliche ist tatsächlich neu. Im Newsletter September an Mitglieder heißt es dazu:

    Kinder und Jugendliche im Fokus
    Beim diesjährigen Schwerpunkt stellt der ADFC fünf Fragen zur Mobilität von Kindern und Jugendlichen. Zusätzlich widmet er Kindern und Jugendlichen zum ersten Mal eine eigene Umfrage im Rahmen des ADFC-Fahrradklima-Tests: den FKT Jugendliche. Gerade junge Menschen brauchen besonders sichere Bedingungen, um selbstständig mit dem Rad unterwegs zu sein – zur Schule, zum Sport oder in der Freizeit. Deshalb möchte der ADFC von ihnen selbst wissen, was beim Radfahren gut funktioniert, was ihnen Schwierigkeiten macht und was sich verändern muss, damit sie gerne oder überhaupt auf das Fahrrad steigen.

  • Der Test für Jugendliche ist tatsächlich neu. Im Newsletter September an Mitglieder heißt es dazu:

    Preisfrage: wieviele Jugendliche füllen den Fragebogen selber aus, und bei wie vielen sind es in Wahrheit hysterische Helikopter-Eltern, die sich anmaßen, stellvertretend für ihre kleinen Kronprinzen idiotensichere Verhältnisse einzufordern?

  • Die sind nicht hysterisch, sondern besorgt. So besorgt, das sie nach dem Ankreuzen mit ihren Kleinen auf dem linken Gehweg fahren und mir vors Rad. Dafür müssen „besonders sichere Bedingungen“ her. Ach ja, Fußgänger-Aus-Dem-Weg-Klingeln gehört dazu, das können die Kleinen nicht früh genug lernen. Helm & Co. sind obligatorisch.

    Also ja, Eltern haben die Interessen ihrer Kleinen kein bißchen im Blick, es reicht nichtmal für 5 Minuten Nachdenken. Deshalb hatte ich schon an verschiedenen Stellen angemerkt, das, wenn der Befehl dazu nur laut genug ertönt, Eltern ihre Kinder vor den nächsten Lkw würfen, grüne Eltern natürlich zuerst. Antwort des mir links vors Rad fahrenden Vaters: Das ist vorgeschrieben.

    Also, selbst wenn die Jugend selbst antwortete, würde sie allenfalls eines Protestes wegen von ihren Eltern abweichen. So oder so wird der ADFC nun hinschreiben lassen, das auch Kinder Ghettos wollen, natürlich nur besonderes sichere Ghettos.

    Mit Radwegen lernte ich den Menschen kennen.

  • So oder so wird der ADFC nun hinschreiben lassen, das auch Kinder Ghettos wollen, natürlich nur besonderes sichere Ghettos.

    Das Deutsche Institut für Urbanistik (difu) schreibt zu dem Begriff Superblock: "Die Idee der Superblocks (auf Katalanisch „Superilles“) kommt aus Barcelona und basiert auf dem dort typischen schachbrettartigen Straßenmuster. Enorm hohe Bevölkerungsdichten, wenig Grün sowie gesundheitsgefährdende Lärm- und Luftschadstoffbelastungen durch den Straßenverkehr zwangen die Stadtverwaltung zum Handeln. Als Superblock wird ein Straßenblock von etwa 400 mal 400 Meter beziehungsweise drei mal drei Häuserblocks definiert, in dem der Kfz-Verkehr neu organisiert wird. Ein ausgeklügeltes System von Diagonalsperren und Einbahnstraßen führt dazu, dass Kfz-Verkehr das Wohnviertel nicht mehr durchqueren kann. Zu Fuß Gehende und Radfahrende haben Vorrang, die verbleibenden Autos dürfen nur mit 10 bis 20 km/h ein- oder ausfahren."*

    Udoline würde es vermutlich Ghetto nennen?;)

    *https://difu.de/nachrichten/wa…-ein-superblock

    In den 70er und 80er-Jahren gab es das Phänomen der Stadtflucht. Wer sich jedoch heute im ländlichen Raum umschaut entdeckt schnell, dass diejenigen, die wegen des vielen Autoverkehrs aus der Stadt flüchteten, nicht nur ihre Autos mitgenommen hatten, sondern noch viele neue dazu kauften. Und als die Kinder dann älter wurden, haben die natürlich auch alle ein Auto gekriegt und das ländliche Idyll hat längst an Attraktivität eingebüßt.

    Da ist der Superblock eine sehr viel erfreulichere Entwicklung und ein geeignetes Gegenmodell, auch wenn udoline abfällig von "Ghettos" spricht.:*

    Möglicherweise wäre es mehr im Sinne von udoline , wenn der ADFC in seinem Fahrradklimatest z. B. eine solches Antwort-Paar anbietet:

    "A) In meiner Stadt kann man schnell und problemlos mit dem Fahrrad fahren, weil der Radverkehr auf mehrspurigen Hauptverkehrsstraßen ohne eigene Radverkehrs-Infrastruktur geführt wird."

    versus

    "B) In meiner Stadt werden für den Radverkehr breite Fahrradwege angeboten, die nicht benutzungspflichtig sind, aber die Fahrradfahrenden dazu verführen, eine eigene Radverkehrsinfrastruktur zu bevorzugen, weil sie es als angenhem empfinden, dort zu fahren."

    ;)Wenn udoline dann den Test auswertet, bekommen die Städte, bei denen die Radfahrer*innen A) ankreuzen die maximal positive Punktzahl. Und die Städte, bei denen die Radfahrer*innen B) ankreuzen, gehen leer aus und werden zur Radfahrer*innen-feindlichsten Stadt Deutschlands erklärt.;)

  • Das Deutsche Institut für Urbanistik (difu) schreibt zu dem Begriff Superblock: "Die Idee der Superblocks (auf Katalanisch „Superilles“) kommt aus Barcelona und basiert auf dem dort typischen schachbrettartigen Straßenmuster. Enorm hohe Bevölkerungsdichten, wenig Grün sowie gesundheitsgefährdende Lärm- und Luftschadstoffbelastungen durch den Straßenverkehr zwangen die Stadtverwaltung zum Handeln. Als Superblock wird ein Straßenblock von etwa 400 mal 400 Meter beziehungsweise drei mal drei Häuserblocks definiert, in dem der Kfz-Verkehr neu organisiert wird. Ein ausgeklügeltes System von Diagonalsperren und Einbahnstraßen führt dazu, dass Kfz-Verkehr das Wohnviertel nicht mehr durchqueren kann. Zu Fuß Gehende und Radfahrende haben Vorrang, die verbleibenden Autos dürfen nur mit 10 bis 20 km/h ein- oder ausfahren."*

    Udoline würde es vermutlich Ghetto nennen?;)

    1) Superblocks brauchen riesige Wohnviertel mit Schachbrett-Grundriss. Das ist in Deutschland nirgendwo der Fall. Dieser verkehrsplanerische Drops ist damit von vorneherein gelutscht.

    2) Ghetto bezeichnet ein Areal, das nach willkürlichen Kriterien ausgewählte Gruppen nicht verlassen dürfen. Demzufolge handelt es sich um eine Diskriminierung. Demgegenüber wäre ein Superblock ein Bezirk, in den man als Radfahrer hinein darf, weil man willkürlich gewählte Kriterien erfüllt. Hierbei handelt es sich um das Gegenteil einer Diskriminierung, also um ein Privileg.