Und auch in den Niederlanden gibt es eine Fahrradfahrer*innen-Vereinigung, dort ist es nicht ganz so lange her, dass ich da Fahrrad gefahren bin. Und da gibt es auch Verbesserungs-Bedarf.
In NL gibt es zwei Organisationen, die eine unterschiedliche Ausrichtung haben: Der Fietsersbond ist dazu da, die Radfahrer gegenüber den Staat (als Gesetzgeber und Bauherr) zu vertreten und hat da durchaus jede Menge zu meckern. Dies macht der aber ohne größere Öffentlichkeit direkt gegenüber den staatlichen Vertretern. Das andere ist die "Dutch Cycling Embassy", die gegenüber der Öffentlichkeit den ganzen Tag erzählt, wie toll und sicher Radfahren ist.
In Deutschland haben wir dagegen nur zwei Vereine, die kaum mehr tun als der Öffentlichkeit zu erzählen, wie dumm und unfähig alle deutschen Behörden wären (positive Beispiele müssen unbedingt aus dem Ausland sein!) und dass man als Radfahrer bitte in ständiger Todesangst lebt und am besten gleich mit dem viel sichereren Auto fährt…
Ich möchte niemanden unter Dauerstress setzen
Tust du auf der Fahrbahn aber: Bei jedem Auto, dass mit höherer Geschwindigkeit und viel Lärm von hinten ankommt, sagt das Gehirn "Achtung, da will dich einer fressen". Das ist ein menschlicher Ur-Instinkt, den man nicht einfach wegdiskutieren kann. In 30-Zonen wird der Mischverkehr auch nicht von den Radfahrern primär akzeptiert, weil es objektiv sicherer ist (ist es natürlich auch), sondern weil die Autos da nicht "mit Gebrüll" ankommen – bei einer Harley oder irgendeiner Potenzprothese mit "Hubraum ersetzt Hirn" kommt dieses unwohle Gefühl dagegen auch da.
Ein Radweg (vor allem außerorts oder sonst mit wenig Konfliktpunkten) dagegen löst dieses Problem: Das Gebrüll von hinten betrifft einen nicht; man muss sich nur an bestimmten Punkten auf eine Gefahr konzentrieren, die man sehen kann. Zudem ist die Möglichkeit jeder Zeit anhalten zu können ein Qualitäsaspekt des Radverkehrs, den man nicht unterschätzen darf.
Die Vorschrift, dass Kinder bis zum 8. Lebensjahr auf Gehwegen fahren müssen, würde ich streichen.
In der Schweiz gilt die Regel nur, wenn die Kinder alleine unterwegs sind, auf der Straße 50 erlaubt ist und es keinen Radweg gibt – so in der Richtung ergibt das für mich Sinn. Und so wird es nach meiner Erfahrung auch hier meist gelebt, zumal es in vielen 30-Zonen gar keinen Gehweg gibt, auf dem die Kinder fahren könnten. Und wer noch nicht sicher geradeaus fährt, sollte wohl kaum auf <1,5 Meter zwischen Außenspiegeln und Maschendrahtzaun üben. Übrigens sollten IMHO auch Tretroller in 30-Zonen und Fahrradstraßen die Fahrbahn und bei 50 den Radweg benutzen dürfen – ebenfalls etwas, was eh gelebte Praxis ist.
Das kann doch gar nicht sein, so ganz ohne Radwegbenutzungspflicht!!!11elf
So ganz ohne Radfahrer geht's halt doch… In kaum einer Industrienation ist das Fahrrad bedeutungsloser. Dafür geht kaum einer so viel zu Fuß.