Den Vergleich von Autoverkehr mit der Kernkraft und deren Störfällen meinst nicht ernst, oder?
Die Rückstände der zahlreichen Unfälle in kerntechnischen Anlagen haben das Potenzial sich noch (hundert-)tausende Jahre ihre Opfer zu suchen, auch wenn diese Verluste dann längst nicht mehr der (vermeintlich) ursächlichen Technologie zugeschrieben werden.
Bei Autounfällen gibt es diese Langzeitwirkung meines Wissens nicht, insofern halte ich deine These wonach "[...] bei der friedlichen Nutzung der Atomenergie nur ein Bruchteil der Menschen bei Unglücken ("Störfällen") ums Leben gekommen sind im Vergleich zur Autonutzung" perspektivitisch gesehen mindestens für recht gewagt.
Aber das Thema "Kernkraft" war ja vermutlich eh nur wieder als Ablenkungsmanöver geplant, um sich nicht weiter mit etwaigen technischen Unzulänglichkeiten der geforderten ISA-Systeme beschäftigen zu müssen oder magst du dich noch dazu äußern, ...
Der Verweis auf die Atomkraft-Debatte sollte vor allem eines zeigen: Man muss kein Atomkraftwerk selbst hochfahren können oder selbst in einem Atomabfall-Endlager arbeiten, um sich dazu ein Urteil zu bilden. Das hast du denn ja auch gezeigt, daher können wir gerne weiter über technische Details zu Geschwindigkeitsassistenzsystemen diskutieren, wenn dabei nicht so getan wird, als müsse man selber ein Autofahrer sein, um dazu was Qualifiziertes sagen zu können.
Im Übrigen meine ich das sehr ernst, diesen Vergleich mit den Autounfällen und den Störfällen. Aber keineswegs in dem Sinne, dass wir ja problemlos an der friedlichen Nutzung der Atomkraft zur Energiegewinnung festhalten könnten. Ich habe es schon in Diskussionen erlebt, dass Leute sagen, man könne doch an der friedlichen Nutzung der Atomkraft festhalten, schließlich zeige die sehr niedrige Zahl der Todesopfer im Vergleich zum Autoverkehr, dass es sinnvoller wäre den Autoverkehr abzuschaffen, als die Atomkraftwerke abzuschalten. Manch einer, der so argumentiert, rechnet damit, dass du den Autoverkehr für so unverzichtbar hältst, dass dir sofort einleuchtet, dass es Sinn macht, an der friedlichen Atomkraftnutzung festzuhalten. (Ich will mal an der Stelle die Problematik außen vorlassen, dass eine friedliche Atomkraftnutzung sehr eng verknüpft ist mit dem Atombombenbau.)
Aber was spricht dagegen, sowohl die friedliche Nutzung der Atomkraft aufzugeben, als auch das Verkehrsmittel Auto ad acta zu legen, das nachweislich für deutlich mehr Tote verantwortlich ist, als die friedliche Nutzung der Atomkraft.
Zurück zum intelligenten Geschwindigkeitsassistenten: Die Weigerung der Automobilproduzenten und der Vermarkter, verbindlich arbeitende ISA-Systeme einzuführen, hat unter anderem den Grund, dass es dann schwerer würde, immer größere und schwerere und PS-stärkere Autos zu verkaufen und damit immer höheren Profit zu erzielen. Die üblichen Geschwindigkeitsassistenten arbeiten so, dass sie keine höheren Geschwindigkeiten zulassen, als die, die erlaubt sind. Zumindest kann man sie in diesem Sinne benutzen, oder eben abschalten oder teilabschalten oder bei manchen Modellen auch die erreichbaren Geschwindigkeiten nach eigenem Gutdünken nach oben korrigieren. Sozusagen sich selbst neue Geschwindigkeitslimits setzen, die dann um eine bestimmten Prozentsatz über den amtlich vorgegebenen Tempolimits liegt. Bislang sind die Abschaltmöglichkeiten in den entsprechenden Gesetzen und Verordnungen sehr weitgehend ausgelegt. Hier muss sehr schnell und deutlich eine Engführung stattfinden.
Und das von dir angesprochene Problem des Altwagen-Bestandes lässt sich dadurch in den Griff bekommen, dass vereinfachte Varianten von ISA Vorschrift werden. Ein intelligenter Geschwindigkeitsassistent, der durch Warnsignale auf zu hohe Geschwindigkeiten hinweist, gibt es ja längst schon als Handy-App. Natürlich findet dabei kein Eingriff in die Motorsteuerung statt. Wer jedoch mit einem Altwagen mit einem einfachen Geschwindigkeitsassistenten durch Geschwindigkeitsverstößen auffällt, der hat nur eine Chance, weiter Auto zu fahren, indem er auf ein neueres Fahrzeug mit verbindlich arbeitenden ISA umsteigt. Entsprechend ist die Verkehrsrechtsprechung zu gestalten.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Gestaltungsspielräume, die endlich genutzt werden müssen, um eine Entwicklung einzuleiten, die den Fußverkehr, den Fahrradverkehr und den ÖPNV deutlich begünstigt und sicherer macht und den Autoverkehr sukzessive komplett ablöst. Angefangen beim privaten Autoverkehr bis hin zum Wirtschaftsverkehr in einem maximal möglichen Umfang.