In Berlin nähern wir uns so langsam der Selbstjustiz.
Vor ein paar Jahren war es noch eine groß angelegte Aktion mit Presse und so, als mal jemand mit Sprühsahne die Markierung von Radfahrstreifen auf Falschparkern nachmalte. Auch die Aktion, bei der mal ein paar Fahrräder in zweiter Reihe parkten, wurde von der Presse begleitet.
Vor ein paar Wochen wurde dann schon anonym an einer Unfallkreuzung einfach ein Poller zwischen Fahrstreifen und Radfahrstreifen gestellt, um Radfahrer zu schützen.
Und jetzt malen verzweifelte Eltern die nötigen Markierungen schon einfach selber auf die Fahrbahn.
Und alles nur, weil dieser Staat nicht willens ist, die öffentliche Ordnung im ruhenden Verkehr aufrecht zu erhalten.
Wer genau ist der Staat?
"Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus!", heißt es im Artikel 20, Abs. 2 GG.
Das Problem: Viele Medien und Parteien postulieren bei jeder Gelegenheit, wir seien ein Volk von Autofahrern und das Wohl und Wehe unserer Gesellschaft hänge in erster Linie vom wirtschaftlichen Erfolg der Autoindustrie ab. Selbst Parteien, die vorsichtig Kritik daran üben, werden sofort als "Verbotsparteien" gebasht. Unter den sog. "etablierten" Parteien gibt es ohnehin keine mehr, die dem weit verbreiteten Autowahn noch etwas entgegensetzen. Bei den Grünen endeten diese Ambitionen weitgehend als die schlechten Wahlergebnisse bei den Bundestagswahlen vor 20 Jahren mit dem vorausgegangenen Beschluss "Fünf Mark für ein Liter Sprit" begründet wurden. Und die Grünen hatten nicht die Kraft aufgebracht, sich dagegen zu wehren. Schlimmer noch: Seitdem dominieren Angstneurosen bei den Grünen, wenn es darum geht dringend notwendige, aber scheinbar unpopulistische Entscheidungen einzufordern. Stattdessen lässt sich die Grünen-Spitze in Wahlkampfzeiten lieber in schicken E-Autos filmen. https://www.youtube.com/watch?v=AtWVqGT5RYg
Und trotzdem gelingt es der extremen Rechten, ihre ultraautoritäre gesellschaftliche Grundhaltung auf den politischen Gegner zu projizieren. 
Die aktuelle verkehrspolitische Diskussion ist geprägt von vagen Zukunftskonzepten wie E-Autos, automatischen Fahrassistenzen und selbstfahrenden Autos, die mit völlig überzogenen Heilserwartungen aufgeladen werden, obwohl bei nüchterner Betrachtung damit keine Verkehrsprobleme gelöst, sondern vielfach die vorhandenen sogar noch verschlimmert werden.
Sei's drum: "Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen." (Churchill) von dem stammt auch die "Blut, Schweiß und Tränen"-Rede, in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg. Zu hoch gegriffen? Gemessen an den Opferzahlen übertreffen die Verkehrstoten weltweit deutlich die Opfer von Kriegen, Genoziden und Terrorismus!
Fußgänger oder Radfahrer sein ist nichts für Feiglinge!
So ganz schlimm ist es dann allerdings auch wieder nicht. Denn gestorben wird im Verkehr am meisten immer noch im Auto! Bloß will das keiner so Recht wahrhaben.