Ich wiederhole mich:
Das ist halt der Punkt. Wenn es überhaupt eine Wirkung eines Fahrradhelmes gibt, ist sie derart gering, daß sie im statistischen Rauschen verschwindet.
Beziehst du deine Aussage auf das Alltagsfahrradfahren oder auf den Wettkampfsport?
Meines Erachtens gilt es, dass zu unterscheiden.
Was in dem weiter oben von Yeti verlinkten Zeit-Artikel mit einem Interview mit Radweltmeister Mike Kluge leider nicht geschieht. Im Gegenteil.
Da wird ein Rennradfahrer danach gefragt, ob es sinnvoll sei, beim Fahrradfahren einen Helm zu tragen. Dazu muss man sagen, dass sich die Rennradfahrer anfangs vehement gegen eine Helmtragepflicht bei Wettkämpfen wie der Tour de France ausgesprochen haben.
Zu einer Wende kam es nicht zuletzt durch zwei tödliche Fahrradunfälle bei der Tour de France. Heute ist im Rennradsport das Helmtragen der Normalfall und wird auch nicht mehr in Frage gestellt. Aber muss man es deshalb auf alle Fahrradfahrer*innen übertragen?
Gibt es eigentlich Erkenntnisse darüber, ob die Einführung der Helmpflicht bei der Tour de France von einem "Rebound-Effekt" begleitet war? Wurde durch das Helmtragen möglicherweise ein höheres Risikoverhalten begünstigt, dass dann möglicherweise zu mehr und schwereren Unfällen geführt hat, sodass die Verletzungsgefahrletztlich nicht abgenommen hat?
Ich vermute, dass das Vermarkten von Radsportereignissen wesentlich dazu beiträgt, dass im Alltagsradeln Merkmale sichtbar werden, die eigentlich dem Rennradsport zuzuordnen sind.
Dazu gehört schon seit vielen, vielen Jahren die Gangschaltung, schmale Rennradfahrsitze und schmale Reifen, die für den Alltagsgebrauch eigentlich nicht benötigt werden oder sogar von Nachteil sind. Neuere Trends sind zum Beispiel elektronische Gangschaltungen, Carbonrahmen, Scheibenbremsen oder Stecklampen.
Und beim Helmtragen ist es genau so. Fahrradfahrer*innen mit Rennradfahrer*innen als Vorbild sind bereit, hohe Summen zu investieren für ihr Equipment. Und dazu gehört mittlerweile selbstverständlich eine elektronische Schaltung oder ein Fahrradhelm. Und weil die Kaufbereitschaft in diesem Segment hoch ist, wird dafür kräftig die Werbetrommel gerührt. Und nach und nach entsteht bei vielen Menschen das Gefühl, dies und das und jenes auch noch habe zu müssen, um eine "richtige Radfahrerin"/ein "richtiger Radfahrer" zu sein.