Haben die nichts gelernt aus ihrer Berichterstattung? Diese Frage drängt sich auf, wenn erneut, diesmal bei der Wahlberichterstattung über die Berlin-Wahl und die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern, von "Wahlgewinnern" gesprochen, wird.
Die AfD ist nicht die "Wahlgewinnerin", sondern die Partei, die in Mecklenburg Vorpommern ein gerade mal 2,7 Prozentpunkte höheres Stimmenergebnis erzielt hat als die SPD.
Der Begriff "Wahlgewinner" ist selbst dann unangebracht, wenn eine Partei die absolute Mehrheit erzielt. Denn es ist ja nicht so in einer Demokratie, dass die Opposition völlig bedeutungslos und entmachtet wäre.
„Opposition ist Mist. Lasst das die anderen machen – wir wollen regieren.“ Dieses Zitat des SPD-Politikers Franz Müntefering ist natürlich in einer bestimmten Situation ausgesprochen eine aufmunternde oder anspornende Redewendung. Fakt ist aber auch, dass gute Oppositionsarbeit in einer Demokratie wichtig ist. Und selbst außerparlamentarische Opposition kann Erfolge erzielen. Die Partei Bündnis 90 / Die Grünen hat eine ihrer Wurzeln in der sogenannten "APO" der 1960er-Jahre.
Leider gibt es Grund zur Befürchtung, dass die AfD im Falle eines Wahlergebnisses, dass ihr die absolute Mehrheit der Parlamentssitze ermöglichen würde, mit dem demokratischen Prinzip, Oppositionsarbeit zuzulassen, brechen würde. Und leider geben die Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern Anlass für diese Befürchtung.
Das Gerede vom "Wahlgewinner" assoziiert, dass die "Gewinner" jetzt alleine das Sagen hätten und die anderen jetzt "Staub fressen" müssten. Und das Gerede vom "Wahlgewinner" kann zu Irritationen führen bei Menschen, die Betrug wittern, wenn der "Wahlgewinner" zwar die "Wahl gewonnen" hat, aber trotzdem nicht regiert, wie es sich jetzt in Mecklenburg-Vorpommern abzeichnet. Es ist absehbar, dass die AfD jetzt kolportieren wird, sie, "die eigentlichen Wahlgewinner" würden jetzt um die Früchte ihrer Arbeit betrogen. Und die Menschen, die die AfD gewählt hatten, würden um die für die AfD abgegebenen Stimmen betrogen. Es wäre für die Demokratie hilfreich, ein wenig sparsamer mit dem Begriff "Wahlgewinner" umzugehen.