Ich habe mich ja schon mehrmals über das Buchungssystem der Bahn ausgelassen. Dann habe ich gestern mal das System der Österreichischen Bundesbahn ausprobiert. Okay, von der Bedienung und der Positionierung der Eingabeelemente eine ganz spezielle Nummer, aber das Ding kann problemlos Preise mit Lisas BahnCard 50 und meiner BahnCard 100 ermitteln. Und ich kann auch Fahrräder dazupacken und sehe gleich, ob das funktioniert und nicht erst zwischen Eingabe meiner Zahlungsdaten und dem Abschluss der Bestellung, wenn ganz verschähmt in roten Buchstaben angezeigt wird, dass die Fahrradstellplätze schon ausgebucht wären.
Warum ich das weiß? Weil ich eigentlich gestern eine Fahrt nach London buchen wollte. Das hat nicht geklappt, also mussten Alternativen sondiert werden, etwa der schicke Nachtzug nach Wien.
Für die Buchung der Fahrt nach London war ich im Reisezentrum im Hamburger Hauptbahnhof. Im letzten Jahr, als ich mit meinem Vater zur Symfony-Live-Konferenz nach London gedüst bin, haben wir den Mitarbeiter beinahe anderthalb Stunden beschäftigt.
Seine Kollegin gestern tat sich nicht unbedingt leichter mit der Bedienung der Buchungssoftware, erreichte aber immerhin schon nach einer halben Stunde und drei Telefonaten den Stand, dass es nicht funktioniert: Man kann momentan wegen des Brexits keine Eurostar-Verbindungen länger als 40 Tage (?) im Voraus buchen.
Bis dahin war es aber ein steiniger Weg. Das geht gar nicht damit los, dass wir verschiedene BahnCards haben, sondern dass wir überhaupt BahnCards haben. Ohne BahnCard bekommt man nämlich einen Sparpreis-Europa, mit Bahncard 50 aber nicht, dafür aber den zwar um 50 Prozent reduzierten, aber immer noch deutlich teureren Flexpreis. Mit BahnCard 100 bekomme ich auch keinen Sparpreis, zahle aber deutlich drauf, wenn ich mit der BahnCard 100 von Hamburg-Altona bis Köln fahre und mit dem Sparpreis-Europa von Köln bis London, weil der Sparpreis-Europa günstiger wird, wenn ich von Hamburg-Altona bis London fahre.
Okay, das mag eine Besonderheit des Tarifs sein. Aber nach meinem Verständnis wäre es doch sinnvoll, wenn man einfach angibt, dass da zwei Personen mit BahnCard 50 und BahnCard 100 von Hamburg-Altona nach London und wieder zurück wollen und der Computer irgendwas ausspuckt. Aber das geht nicht, man muss für jede Rabattkarte separat buchen.
Und man kann noch nicht einmal im Eurostar nebeneinander sitzen: Für deutsche Züge können pro Fahrkarte auch mehrere Reservierungen gebucht werden, für den Eurostar gibt es aber pro Fahrkarte genau eine Reservierung, der ist ja schließlich reservierungspflichtig. Da sitzt der eine in Wagen 3, der andere in Wagen 11 — für uns kein Problem, das wird man überleben, aber wären wir als Familie mit Kind unterwegs, wären das schon ziemlich blöde zwei Stunden.
Und ganz am Ende des Buchungsprozesses fällt dem System ein, dass der Warenkorb voll ist. Was stand wohl im Lastenheft für diese Software? Maximal fünf Produkte im Warenkorb, damit der Arbeitsspeicher des Servers nicht vollläuft? Das heißt, wenn drei Leute mit unterschiedlichen BahnCards hin und zurück fahren wollen, geht das nicht, weil das sechs einzelne Fahrten wären, die den Warenkorb sprengen?
Okay, also noch mal, die Dame trickste irgendwie herum, dann passte es auch mit dem Warenkorb.
Dann fiel dem Apparat ein, dass die Buchungsfrist für den Eurostar abgelaufen wäre. Der Betreiber hat wohl auch ein bisschen Angst, dass Boris Johnson den Eurotunnel bei einem harten Brexit mit Beton ausgießen könnte, und verkauft die Fahrkarten dementsprechend kurzfristig.
Das heißt für mich, regelmäßig zum Reisezentrum zu latschen und zu gucken, ob die Buchungsfrist passt, natürlich jedes mal mit dem halbstündigen Vorspiel, erst einmal die ganze Verbindung zusammenzuklicken, weil der blöde Computer das vorher nicht verrät.
Immerhin kann ich als BahnComfort-Kunde so ein Fastlane-Ticket im Reisezentrum ziehen und muss nicht noch eine weitere Stunde dort warten.
Aber mir stellt sich nach den gestrigen Erlebnissen schon wieder die Frage, wie um alles in der Welt die Bahn eigentlich eine ernstzunehmende Konkurrenz zum Auto werden soll, wenn die Buchung einer Reise so unglaublich kompliziert ist. Und wir hatten weder Kinder noch Fahrräder dabei.
Ich fände es so toll, gäbe es online eine Warenkorb-Funktion und die Möglichkeit, unterschiedliche BahnCards anzugeben — die ÖBB hat es ja auch hinbekommen.