Beiträge von Malte

    Meine Bilanz nach anderthalb Wochen sieht eher durchwachsen aus: Ein E-Rollerfahrer hat mich beim Gehweg-Cruisen in der Mönckebergstraße gestreift, ein anderer direkt vor dem Bureau fast erwischt. Gestern kamen mir zwei E-Roller-Fahrer auf dem Radweg entgegen, die sich nicht einig werden konnten, wer nun ausweicht, heute kam eine E-Roller-Fahrerin direkt entgegen und stürzte beim Ausweichen beinahe vom Fahrzeug. Boah.

    Meinetwegen können wir dieses Experiment jetzt wieder einstellen.

    Wie sollen die Käufer und Nutzer von solchen Fahrzeugen sich im Straßenverkehr denn richtig und korrekt verhalten, wenn schon der Händler der allererste ist, der falsche Vorschriften verbreitet?

    Ist ja auch die Frage, ob auf Radwegen ohne Benutzungspflicht auch auf der Fahrbahn gefahren werden darf und was mit linksseitigen Radwegen mit oder ohne Freigabe oder Benutzungspflicht ist.

    Dass bei Verkehrsverboten ein elektrisches Kleinfahrzeug sowohl ein Fahrrad als auch ein Motorrad ist, finde ich hingegen schon fast wieder elegant. Andererseits: Welche Lichtzeichen gelten denn für diese Fahrzeuge? Der Signalgeber für Fußgänger sinnvollerweise nicht, aber wenn das Ding mal Motorrad, mal Fahrrad ist, vielleicht eher die Signalgeber für den Fahrbahnverkehr?

    Ich habe mich ja schon mehrmals über das Buchungssystem der Bahn ausgelassen. Dann habe ich gestern mal das System der Österreichischen Bundesbahn ausprobiert. Okay, von der Bedienung und der Positionierung der Eingabeelemente eine ganz spezielle Nummer, aber das Ding kann problemlos Preise mit Lisas BahnCard 50 und meiner BahnCard 100 ermitteln. Und ich kann auch Fahrräder dazupacken und sehe gleich, ob das funktioniert und nicht erst zwischen Eingabe meiner Zahlungsdaten und dem Abschluss der Bestellung, wenn ganz verschähmt in roten Buchstaben angezeigt wird, dass die Fahrradstellplätze schon ausgebucht wären.

    Warum ich das weiß? Weil ich eigentlich gestern eine Fahrt nach London buchen wollte. Das hat nicht geklappt, also mussten Alternativen sondiert werden, etwa der schicke Nachtzug nach Wien.

    Für die Buchung der Fahrt nach London war ich im Reisezentrum im Hamburger Hauptbahnhof. Im letzten Jahr, als ich mit meinem Vater zur Symfony-Live-Konferenz nach London gedüst bin, haben wir den Mitarbeiter beinahe anderthalb Stunden beschäftigt.

    Seine Kollegin gestern tat sich nicht unbedingt leichter mit der Bedienung der Buchungssoftware, erreichte aber immerhin schon nach einer halben Stunde und drei Telefonaten den Stand, dass es nicht funktioniert: Man kann momentan wegen des Brexits keine Eurostar-Verbindungen länger als 40 Tage (?) im Voraus buchen.

    Bis dahin war es aber ein steiniger Weg. Das geht gar nicht damit los, dass wir verschiedene BahnCards haben, sondern dass wir überhaupt BahnCards haben. Ohne BahnCard bekommt man nämlich einen Sparpreis-Europa, mit Bahncard 50 aber nicht, dafür aber den zwar um 50 Prozent reduzierten, aber immer noch deutlich teureren Flexpreis. Mit BahnCard 100 bekomme ich auch keinen Sparpreis, zahle aber deutlich drauf, wenn ich mit der BahnCard 100 von Hamburg-Altona bis Köln fahre und mit dem Sparpreis-Europa von Köln bis London, weil der Sparpreis-Europa günstiger wird, wenn ich von Hamburg-Altona bis London fahre.

    Okay, das mag eine Besonderheit des Tarifs sein. Aber nach meinem Verständnis wäre es doch sinnvoll, wenn man einfach angibt, dass da zwei Personen mit BahnCard 50 und BahnCard 100 von Hamburg-Altona nach London und wieder zurück wollen und der Computer irgendwas ausspuckt. Aber das geht nicht, man muss für jede Rabattkarte separat buchen.

    Und man kann noch nicht einmal im Eurostar nebeneinander sitzen: Für deutsche Züge können pro Fahrkarte auch mehrere Reservierungen gebucht werden, für den Eurostar gibt es aber pro Fahrkarte genau eine Reservierung, der ist ja schließlich reservierungspflichtig. Da sitzt der eine in Wagen 3, der andere in Wagen 11 — für uns kein Problem, das wird man überleben, aber wären wir als Familie mit Kind unterwegs, wären das schon ziemlich blöde zwei Stunden.

    Und ganz am Ende des Buchungsprozesses fällt dem System ein, dass der Warenkorb voll ist. Was stand wohl im Lastenheft für diese Software? Maximal fünf Produkte im Warenkorb, damit der Arbeitsspeicher des Servers nicht vollläuft? Das heißt, wenn drei Leute mit unterschiedlichen BahnCards hin und zurück fahren wollen, geht das nicht, weil das sechs einzelne Fahrten wären, die den Warenkorb sprengen?

    Okay, also noch mal, die Dame trickste irgendwie herum, dann passte es auch mit dem Warenkorb.

    Dann fiel dem Apparat ein, dass die Buchungsfrist für den Eurostar abgelaufen wäre. Der Betreiber hat wohl auch ein bisschen Angst, dass Boris Johnson den Eurotunnel bei einem harten Brexit mit Beton ausgießen könnte, und verkauft die Fahrkarten dementsprechend kurzfristig.

    Das heißt für mich, regelmäßig zum Reisezentrum zu latschen und zu gucken, ob die Buchungsfrist passt, natürlich jedes mal mit dem halbstündigen Vorspiel, erst einmal die ganze Verbindung zusammenzuklicken, weil der blöde Computer das vorher nicht verrät.

    Immerhin kann ich als BahnComfort-Kunde so ein Fastlane-Ticket im Reisezentrum ziehen und muss nicht noch eine weitere Stunde dort warten.

    Aber mir stellt sich nach den gestrigen Erlebnissen schon wieder die Frage, wie um alles in der Welt die Bahn eigentlich eine ernstzunehmende Konkurrenz zum Auto werden soll, wenn die Buchung einer Reise so unglaublich kompliziert ist. Und wir hatten weder Kinder noch Fahrräder dabei.

    Ich fände es so toll, gäbe es online eine Warenkorb-Funktion und die Möglichkeit, unterschiedliche BahnCards anzugeben — die ÖBB hat es ja auch hinbekommen.

    Das Flottenmanagement der DB teilt daher mit: 12 von 30 Zügen dieser Baureihe seien dann »im Stillstand«.

    Ich habe das Gefühl, dass seit dieser Schweißnaht-Nachricht überdurchschnittlich viele ICE-4-Verbindungen mit ICE 1 geleistet werden. Hin und wieder schiele ich auf den Fahrplan, um zu gucken, wo man mal stressfrei hinfahren könnte, aber das sieht momentan nicht so geil aus.

    War nicht auch mal im Gespräch, die alten ICE 1 zu verkürzen und mit einem Fahrradabteil auszustatten, um damit alte IC-Verbindungen zu bedienen? Michael?

    Übrigens auch ganz witzig: Bei dem grünen ICE, der hin und wieder mal in Hamburg vorbeischaut, ist seit Urzeiten eine der beiden Türen vorne am Fahrradabteil defekt. Mitte Mai konnten die Zugbegleiter die Tür wenigstens noch manuell öffnen:

    Als ich gestern in Hamburg-Altona auf den RE 70 wartete, kamen mir zwei Radfahrer entgegen, die aufgrund der defekten Tür nicht einsteigen konnten — mittlerweile ist sie also wohl komplett hinüber. Sie sollten dann die S-Bahn von Altona zum Hauptbahnhof nehmen, um dort einzusteigen. „Aber der Zug hält dort auf Gleis 14, das ist auch die falsche Seite“, fasste ich meine Kenntnisse aus den Baumaßnahmen am Hauptbahnhof zusammen.

    Die beiden wussten mit der Information natürlich eher wenig anzufangen, aber ich wundere mich schon, was das für eine lustige Idee ist. Will das Zugpersonal für die zusteigenden Radfahrer noch einen Gleiswechsel anleiern? Falls nicht, wäre es ja günstiger, die Fahrräder ganz in Ruhe in Altona von Wagen 2 durch Wagen 1 ins Fahrradabteil zu schieben, als ein solches Manöver im überfüllten Hauptbahnhof zu versuchen.

    Ich habe jedenfalls die Daumen gedrückt, dass die beiden irgendwie ans Ziel kommen — die sahen nicht so aus, als hätten sie nur einen Tagesausflug vor sich, die wollten eine längere Reise unternehmen.

    Ganz im Gegensatz zu mir: Mein ICE 973 von Kiel nach Hamburg ist heute morgen ausgefallen. Eigentlich wollte ich mein großes Fahrrad mit nach Hamburg nehmen und mir nicht das ganze Gerumpel mit den überfüllten und halbkaputten Nahverkehrszügen antun, was mir sogar ganze 25 Euro für Sparpreis und Fahrradkarte wert war, aber… naja.

    Ich habe momentan nicht ganz so viel Glück.

    Naja, nun — ich denke mir, dass wir ja nun nur diese eine Version des Handlungsstranges kennen, in dem ich rechtzeitig aus der Bahn gehüpft bin, bevor ich in ernste Schwierigkeiten gerate. Aber das ist eben so wie bei diesen Comics, in denen man an einigen Stellen eine Abzweigung im Handlungsstrang wählen kann, aber noch nicht weiß, wie die anderen Stränge ausgehen.

    Mal angenommen, ich wäre einfach mit dem Fahrrad im Gang stehengeblieben, dann hätte ich jetzt unter Umständen nicht nur ein paar Schrammen im Lack von vorbeigeschliffenen Koffern, sondern vielleicht auch noch einen kaputten Umwerfer. Eventuell wäre noch mehr kaputt gegangen, je nachdem, wie viele Radfahrer noch in Dammtor und am Hauptbahn einsteigen und sich eine kleine Ecke irgendwo teilen müssen.

    Oder ich hätte den Zugbegleiter gesucht und Schneeweißchen wäre am Bahnsteig stehengeblieben, während der Zug abdampft.

    Oder ich hätte durch Diskussionen mit dem Zugbegleiter nicht nur die Abfahrt um eine halbe Stunde verzögert, sondern auch noch die Bundespolizei auf den Plan gerufen.

    Ich weiß relativ wenig über die Abläufe im Hintergrund dieser ganzen großen Maschinerie der Deutschen Bahn, aber es fehlt mir an der notwendigen Fantasie zu glauben, dass der Zugbegleiter wirklich die vier Fahrradabteile leergeräumt hätte, damit dort Fahrräder transportiert werden können, während aber gleichzeitig bis zu 24 Fahrgäste in einem verkürzten und laut Prognose vollkommen überfüllten Zug stehen müssen. Das ist ein Handlungsstrang, den ich für vollkommen abwegig halte, bei dem ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass so etwas passieren wird.

    Im Endeffekt habe ich also die Wahl, rechtzeitig meine Fahrt abzubrechen, solange das noch ohne größere Umstände möglich ist, oder im anderen Extremfall mit einem kaputten Schaltwerk in Ludwigslust ausgesetzt zu werden. Und wenn ich das mit Verlaub bitte einmal so frech behaupten darf: Dann schrieben hier ja auch alle, Malte, warum hast du denn die Fahrt überhaupt angetreten, es war doch klar, dass das schiefgehen wird!

    Wie erwartet interessiert sich die Straßenverkehrsbehörde nicht so doll für die Meinung des Verwaltungsgerichts und sitzt die Sache einfach aus.

    Damit aber der Verkehr nicht behindert wird, wie man ja so schön sagt, wurde an fahrbahnradelnde Verkehrsteilnehmer anscheinend Bußgelder verteilt: https://twitter.com/bHrdrs/status/1140984137718743041

    Woher weiß ich eigentlich, dass sich [Zeichen 254][Zeichen 259] nicht nur auf den gesperrten Rad- und Gehweg beziehen, sondern auch auf die Fahrbahn nebenan? An der Esplanade kann ich mir ja auch quasi aussuchen, welchen Straßenteil ich als gesperrt erachten möchte.

    So sieht’s aus, wenn man sich mit dem Fahrrad vom Holstenwall nähert. Wenn ich ortsunkundig wäre und es nicht besser wüsste, ginge ich davon aus, dass man geradeaus nicht weiter mit dem Fahrrad fahren dürfte.

    Ein bisschen näher dran. Woher soll ich wissen, ob das Zeichen 254 nun für rechts oder links gilt? Gehen wir davon aus, dass Verkehrszeichen in der Regel rechts stehen? Grundsätzlich macht ja weder die linke noch die rechte Richtungsfahrbahn auf normale Radfahrer den Eindruck, als solle man dort mit dem Fahrrad fahren:

    Will man weiter zum Harvestehuder Weg, muss man einen ziemlich komplizierten Umweg einschlagen, den ich hier drüben schon mal beschrieben habe. Eigentlich darf man hier gar nicht links abbiegen, aber ohne diese Ordnungswidrigkeit kommt man halt nicht zum Harvestehuder Weg. Tja.

    Wie sagt man so schön? Hamburg wird Fahrradstadt!

    Ich finde ja, das es auch andere Möglichkeiten außer Fahrradhelmen gibt, um die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen. Für Thering sind Helme aber offenbar ein integraler Bestandteil jeglicher Radverkehrsförderung: https://twitter.com/DennisThering/status/1056161616037900288

    Schade, dass er nicht auf die Kommentare zu seinem Tweet eingeht. Ein Fahrradhelm verhindert nunmal keine Unfälle, ordentliche Infrastruktur schon.

    Sicher? Die NDR-Meldung legte nahe, dass der LKW aus der Lohmühlenstraße eingebogen sei.

    Soweit ich das verstanden habe, hat sich der NDR auch gedacht, „Unfall zwischen LKW und Fahrrad, muss ja ein Abbiegeunfall sein, passt ja zur örtlichen Situation“.

    Beim Hamburger Abendblatt gibt es noch ein paar „Aber die bösen Radfahrer!“-Leserbriefe, die mit dem eigentlichen Thema eigentlich nichts zu tun haben: Briefe an die Redaktion: 19. Juni 2019

    Das man den Tod eines anscheinend regelkonform gefahrenen Radfahrers unbedingt zum Anlass nehmen muss, das Fehlverhalten anderer Radfahrer zu bemängeln, muss wirklich so ein Reflex sein, oder?

    Im Metronom fuhren wenigsten Ende Mai immer noch viele Fahrradabteile mit eingebauten Sitzengruppen herum; von den theoretisch vorgesehenen 32 Stellplätzen für Fahrräder wurden die Hälfte gegen 16 Sitzplätze in vier Sitzgruppen ausgetauscht.

    Dem Bedarf im Sommer ist das insbesondere im Sommer natürlich überhaupt nicht angemessen, nur abends geht’s:

    Das Zugpersonal erklärte, das Land Niedersachsen habe in diesem Jahr nur die Hälfte der Kapazitäten im Fahrradabteil bestellt, um mehr Platz für Ausflügler im Sommer bereitzustellen. Dafür leistet man sich nun regelmäßig die Lautsprecherdurchsage, dass für Radfahrer an den Unterwegsbahnhöfen kein Zustieg mehr möglich wäre, beziehungsweise komplimentiert die radfahrenden Fahrgäste offenbar noch vor der Abfahrt aus dem Zug, wie mir Kollegen berichteten.

    „Fahrradland Niedersachsen“ ist offenbar genau wie „Fahrradland Schleswig-Holstein“ eher so zu verstehen, dass radfahrende Touristen die Anfahrt mit dem Auto zurücklegen, um dann eine kleine Runde im Kreis zu drehen und mit dem Auto zurückzufahren. Schade eigentlich.

    Das ist heute das vierte Mal in Folge, dass ich morgens aufgrund einer Verspätung zu spät zur Arbeit gekommen bin und das zweite Mal in Folge, dass abends der eigentlich anvisierte Zug ausfällt, weil sich die grünen Triebwagen im Laufe des Tages in Wohlgefallen auflösen.

    Und auf anderen Strecken sieht es nicht besser aus: Man kann das Pendeln per Bahn wirklich nicht empfehlen.

    Und schon wieder: Verkehrsunfall mit schwer verletztem Kind in Hamburg-Lurup

    Es geht um diesen Fußgängerüberweg, an dem ein 82-jähriger Kraftfahrer eine siebenjährige Radfahrerin angefahren hat. Der Kraftfahrer ist nach einem Fahrtüchtigkeitstest seine Fahrerlaubnis erst einmal los.

    Und die Medienberichterstattung wird sich wieder nur darauf konzentrieren, dass man mit dem Fahrrad nicht auf dem Fußgängerüberweg fahren darf und der arme Kraftfahrer jetzt zu Fuß zum Einkaufen muss.

    Es waren knapp 80 Teilnehmer bei der Mahnwache:


    [album='34'][/album]

    Wichtiges Detail: Es handelt sich nicht um einen Abbiegeunfall, der LKW-Fahrer hat seine rote Ampel „übersehen“ und den querenden Radfahrer erfasst. Das ficht natürlich die ganzen Drunterkommentatoren nicht an, weil sogar die Meldung der Polizeipresse von einem Fußgängerüberweg fabuliert, den der Radfahrer querte, und wie wir ja alle wissen, muss man an einem Fußgängerüberweg absteigen. Blah.

    Im Fernverkehr wird’s mit Fahrrad jetzt ganz besonders witzig. Das Problem der defekten Schweißnähte im neuen ICE 4, das sich schon vor ein paar Monaten ankündigte, ist jetzt akut geworden: Einige mit ICE 4 geplante Verbindungen fallen jetzt aus oder werden mit anderen Zügen geleistet.

    Vor ein paar Tagen fragte ich frech bei @DB_Bahn auf Twitter nach, was denn mit meinem Fahrrad passiert, wenn wegen der Schweißnähte jetzt ein ICE 1 statt eines ICE 4 vorgefahren kommt, aber @DB_Bahn meinte, das werde nicht planmäßig passieren.

    Nun wollte ich am Freitag eigentlich mit dem ICE 697 von Hamburg nach Berlin fahren, um Sonnabend mit dem Fahrrad von Berlin nach Hamburg zurückzudüsen (sofern denn die Ferse hält, aber das ist eine andere Geschichte) aber dummerweise, naja, fällt die Fahrt aus und niemand weiß, was stattdessen am Bahnsteig stehen wird.

    Soweit, so schlecht. Ich ging also ins Reisezentrum am Hamburger Hauptbahnhof, um mir meine Optionen erklären zu lassen. Schon das Personal direkt am Eingang, das die Wartenummern verteilte, präsentierte mir eine abschließende Aufzählung ebenjener Optionen:

    • Gucken, ob in nachfolgenden Zügen noch Platz für Fahrräder sein wird. Am Freitagabend in der allerbesten Sommerzeit eher unwahrscheinlich.
    • Nahverkehr fahren. Am Freitagabend in der allerbesten Sommerzeit schon ohne Fahrrad schwierig — abgesehen davon, dass ich dann locker doppelt so lange unterwegs wäre. Und das ist bei Nahverkehrsverbindungen, die nur alle zwei Stunden fahren, schon gleich ein Verzug von insgesamt vier Stunden.

    Naja. Ich ließ nicht locker und sprach noch mal direkt im Reisezentrum vor, nachdem die Kollegen dort einen Bereich von knapp 70 Wartenummern in einer halben Stunde abarbeiteten. Und das lohnte sich: Es gibt eine inoffizielle Regelung, die auf einem Blatt Papier mit einem lustigen Fahrrad-Comic abgedruckt ist, dass in ICE-1-Verbindungen, die als Ersatz für den ICE 4 fahren, vier Abteile im Wagen 1 für Fahrräder reserviert werden sollen. Leider durfte ich das nicht fotografieren, alleine die lustige Darstellung eines Radfahrers wäre es wert.

    Okay, jetzt mal unter uns gefragt: Wer glaubt, dass die Fahrradmitnahme reibungslos funktioniert?

    Ich mein, sorry: „LOL“.

    Okay, Hamburg-Altona, 17:14 Uhr, ein ICE 1 fährt auf Gleis 12 rein. Sechs Minuten Zeit zum Zustieg sind in Hamburg-Altona ohnehin schon ziemlich mutig bemessen, aber man nimmt ja was man kriegt, nicht wahr?

    Und das mit dem nehmen, was man kriegt, das gilt natürlich umso mehr in einem Zug, in dem die Reservierungen nicht gelten, der weniger Sitzplätze als der eigentlich vorgesehene ICE 4 bietet und der der Prognose zufolge superstark ausgelastet sein soll.

    Hier sind nun tatsächlich die versprochenen vier „Fahrradabteile“. Das blöde ist halt: Vorne klebt zwar ein Zettel, „Tür defekt“, mit der kaum erkennbaren Aufschrift „Fahrradabteil“, aber mal im Ernst: Wer liest denn das durch? Zwei Fahrgäste diskutierten kurz über den Zettel, gingen davon aus, dass wohl die Schiebetür des Abteils defekt wäre und nahmen fröhlich Platz:

    Okay, und nun stellt euch mal vor, da kommt Malte Hübner und sagt, nee, sorry, das ist das Fahrradabteil, hier möchte ich gerne mein Fahrrad abstellen. Das ist für die Leute vermutlich das abwegigste, was sie in dieser Woche gehört haben. Und ich kann es ihnen nicht verdenken: Wer geht denn davon aus, dass in diesem Abteil mit sechs Ultrabequemsitzen und einem Tisch Fahrräder stehen sollen? Also: Wo sollen denn Fahrräder stehen?

    Ehrlich, hätte ich mich nicht vorher informiert, ich würde auch denken, Spinner, hau mal schön ab, der nächste möchte dann gerne seinen Elefanten im Suppenwagen abstellen? Insofern war auch der Dialog zwischen den Fahrgästen und mir wenig fruchtbar, beinahe eher ein Monolog, in so große Augen habe ich schon lange nicht mehr geschaut. Aber Augenbling hin oder her, man gibt halt seinen Sitzplatz in einem ausgebuchten Zug ohne Reservierungen nicht auf, weil irgendjemand da was mit Fahrradabteil skandiert.

    Tja. Die Uhr tickt, noch zwei Minuten bis zur Abfahrt. Jetzt das Fahrrad einfach in den Gang stellen, damit den Wagen 1 faktisch vom Rest des Zuges trennen und allen auf den Sack gehen? Oder erstmal den Zugbegleiter suchen, der zuletzt irgendwo im Bereich des Suppenwagens gesehen wurde und den Fahrgästen die Modalitäten der Erstattung der Reservierung erklärte? Da sind ja nur so gefühlt 200 Fahrgäste am Zug, die alle genau wissen wollen, was nun plötzlich ihrer Sitzplatzreservierung widerfahren ist.

    Äh, by the way, Sitzplatzreservierungen — welche Art von Reservierungen zeigt eigentlich die elektronische Anzeige an den Abteilen an, die eigentlich für die Fahrradmitnahme vorgesehen sind? Einfach irgendwelche Reservierungen, die noch auf der Diskette gespeichert waren, die noch von der letzten planmäßigen Fahrt im Rechner steckte? Oder sind das die umgebuchten Fahrradreservierungen? Äh, fünf Räder in ein Abteil, obwohl der ganze ICE 4 doch eigentlich nur acht Räder befördert? Das passt alles vorne und hinten nicht, aber natürlich nehmen die Fahrgäste ohne Fahrrad diese Reservierungen gerne an. Wenn „Hamburg–Berlin“ draufsteht, kann es so verkehrt ja nicht sein:

    Und was passiert, wenn der Zugbegleiter noch gar nichts von der frohen Kunde weiß, dass er im Wagen 1 vier Fahrradabteile herumfährt, weil er den Zug gerade von Kollegen übernommen hat und den Zettel mit dem lustigen Fahrradcomic nicht gelesen hat? Was ist, wenn er gerade andere Sorgen als einen renitenten Radfahrer hat? Und was, wenn der Zug einfach abfährt, während Schneeweißchen noch draußen auf dem Bahnsteig steht?

    Noch eine Minute. Scheiß drauf, ich bleibe zu Hause. Ich habe es einfach satt, dass quasi jede Fahrt mit Fahrrad und Bahn dermaßen stressig wird.

    Ein Kollege berichtete mir auf Nachfrage, dass der Zug gegen 17:38 Uhr am Hamburger Hauptbahnhof abgefahren wäre, und dort mindestens zwei Radfahrer eingestiegen wären. Er habe sich schon gewundert, was die in einem ICE 1 zu suchen hätten — vielleicht hatten die ja mehr Glück. Ich bin’s mittlerweile echt leid.

    Vielleicht stünde mir ein bisschen mehr Arschloch ganz gut zu Gesicht.

    Und der Witz ist halt auch: Geld zurück gibt’s nicht. Erstens hätte ich mit meinem Ticket ja mit dem Nahverkehr fahren können, zweitens gab es ja nicht nur einen Ersatzzug, sondern auch die theoretische Möglichkeit einer Fahrradmitnahme, drittens besteht laut Beförderungsbedingungen nunmal kein Anspruch auf Mitnahme des Fahrrades. Soll wohl heißen: Selbst schuld, wer’s trotzdem versucht. Immerhin hält sich mein wirtschaftlicher Schaden mit knapp 40 Euro in Grenzen — und die Ferse wird dankbar sein.

    Falls bei anderen Fahrrad-Fahrgästen auf diese Weise aber ein mehrtägiger Ausflug in die Hose geht, beziehungsweise womöglich die bereits gebuchten Hotels oder Folgeverbindungen nicht mehr storniert werden können, wären die Leute bestimmt nicht mehr so ganz entspannt.