Woche 41 vom 10. bis 16. Oktober 2016

  • Ich vertrete dann halt mal die andere Meinung. Also in diesem Fall die "gehts noch? Das Ding ist so blöd nicht".

    Ebenso wie ich denr Rückwärtsfahrpiepser bei manchen LKWs und Pistenraupen für sinnvoll halte, gibt es durchaus auch und gerade bei der Müllabfuhr Möglichkeiten in einen nicht einsehbaren Bereich zu gelangen. Das ist nicht so schwer, weil die Hauptaufgabe nicht im zügigen Abbiegen liegt, sondern darin den Müll weg zu bringen. Nun sind hier ja gerne Teilnehmer dabei, die alle Kraftfahrzeuge für verwerflich halten ... ich mag es, wenn mein Müll verbrannt wird. Da kann ich mit anderen Meinungen leben - da müssen wir halt alle durch.

    Nun schadet der gute Bruce erstmal wenig. Wenn tatsächlich an der Ampel mal jemand neben dem Müllauto steht wird er jetzt noch (auch versucht humorvolle Weise) darauf hingewiesen. Das ist ein Vorteil gegenüber dem reinen Blinker - der direkt neben dem Führerhaus etwa nicht einsehbar ist. Nun haben alle meine Vorredner mit Eifer hinein interpretiert, dass der Müllfahrer nun gar nicht mehr schauen muss, weil er ja den Bruce dabei hat. Das halte ich für ein ganz klitze kleines bisserl Paranoid und wenig wirklichkeitsnah. Ebenso wie bisher (das ist nicht unbedingt gut) würde im Falle eines totgefahreren Fußgängers oder Radlers wohl eine Untersuchung der Umstände stattfinden. So lange aber Keiner verstorben ist, ist zunächst einfach eine zusätzliche Warnung da.

    Und zusätzliche Warnungen sind (gerade im langsamen Verkehr eines Müllwagens in Wohngebieten) gut. Eigentlich sogar in allen Fällen. Wenn beide Verkehrsteilnehmer möglichst viel zielgerichtet kommunizieren haben beide eine Möglichkeit auf Fehler des Anderen zu reagieren. Ohne diesen Zusatzeingriff - der dem Vorfahrtklauer, schlecht Abbieger oder Plötzlich-Stehen-Bleiber - die Situation rettet gäbe es ja noch viel mehr Unfälle.

    Gute Güte (wäre meine Zusammenfassung). Beruhigt euch mal wieder. Ein "heiteres" Klangsymbol alleine bringt noch nicht das Abendland zum Untergang.

  • Wenn tatsächlich an der Ampel mal jemand neben dem Müllauto steht wird er jetzt noch (auch versucht humorvolle Weise) darauf hingewiesen.

    Das Problem ist, dass hier eine Aufforderung geäußert wird, für die es keine rechtliche Grundlage gibt. Denn die Aussage legt nahe, dass das Fahrzeug Vorfahrt hat. Das ist aber falsch.
    Bei einem Menschen hätte ich damit nichtmal ein Problem. Jeder braucht mal Rücksicht von anderen. Eine automatische Ansage, die automatisch mit dem Blinker angeht, wird aber gerne für "die Wahrheit" gehalten. Der Effekt ist vielfach untersucht. Wenn ein Kassierer sagt: "Das kann die Kasse nicht" oder wenn er einen Zettel hat, auf dem das steht, geben Kunden viel eher nach, als wenn er sagt: "Das darf ich nicht".
    Genau diesen Effekt wird es mit den Ansagen geben. Und da die Ansage automatisiert ist, kann man nichtmal darüber diskutieren - im Gegensatz zu einem Menschen.
    Und schreibt man eine Mail an die Stadtwerke, bekommt man natürlich eine aalglatte Pressesprecher-Antwort ohne jegliche Chance auf Korrektur.
    Ich wette, dass diese Ansage früher oder später einem Radfahrer bei einem vermeintlichen Vorfahrtsverstoß als Argument entgegen gebracht wird.

    Aber ich bin bei sowas ja sowieso sehr empfindlich. Ich halte ja auch die "Warnwesten-für-Grundschüler"-Aktion vom ADAC für eine Frechheit. Eben weil die falsche Botschaft davon ausgeht: Nicht der Stärkere kümmert sich um den Schwächeren, sondern der Schwächere hat sich anzupassen.

  • Warum schult die ASH Hamm nicht ihre Fahrer und bringt das in die Presse?

    Warum bauen sie das Teil nicht aufs Armaturenbrett und lassen Bruce sagen:

    " ...und versuch, keinen umzubringen." oder

    Yieppie ya yeah, Schweinebacke!

  • Das Problem ist, dass hier eine Aufforderung geäußert wird, für die es keine rechtliche Grundlage gibt. Denn die Aussage legt nahe, dass das Fahrzeug Vorfahrt hat. Das ist aber falsch.

    Man muss es eigentlich noch viel schärfer sagen: Mit der Ansage wird der Versuch gemacht sich Vorfahrt zu erpressen.

  • Auch ein Müllwagen sollte so mit Spiegeln versehen sein, dass es keinen toten Winkel gibt.

    Damit ist die Ansage einfach nur eine unnötige Frechheit zur Komfortsteigerung des Fahrers. Blinker an, und Bruce sorgt für freie Fahrt. Eigene Umsicht unnötig.

    bye
    Explosiv smilie_be_131.gif

  • Nein, immer noch nicht. Die Ansage macht nur das Selbe wie der Blinker. Nur ist das Warnsignal hier akustisch, nicht optisch. Und das ist gut, weil man manches nicht sieht (zum Beispiel weil man nicht hin schaut). Das Warnsignal an sich gibt noch keinen Vorrang - sonst wäre die Situation neben einem Lastwagen mit Blinker ja ähnlich. "Ich hab geblinkt - da muss der Radler schon wissen dass ich nicht schaue".

    Das mag traurige Realität sein, hilft aber in der rechtlichen Einordnung wenig (und Strafmaß lassen wir heute mal weg). Wer (mit Blinker oder Bruce) rechts abbiegt, nicht schaut und jemanden umfährt ist rechtlich immer noch dran. Nur gibt es dem potentiellen Opfer eine weitere Chance.

    Wie wichtig akustische Systeme sind merkt man schön, wenn in der Tempo 30 Zone ein Hybrid oder E-Auto von rechts kommt. Ich nehme die regelmäßig zu spät wahr.

  • Das Warnsignal an sich gibt noch keinen Vorrang - sonst wäre die Situation neben einem Lastwagen mit Blinker ja ähnlich.

    Ein Blinker ist ein abstraktes Signal, das erst durch die Kenntnis der Verkehrsregeln zu folgender Aussage wird: "Ich möchte abbiegen und nach StVO muss ich warten".
    Die deutliche Ansage per Lautsprecher "Ich biege jetzt ab, mach bitte Platz!" ist etwas ganz anderes.

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    Doomsday: It's nature's revenge for what we've done (Chris Pohl)

  • Wie wichtig akustische Systeme sind merkt man schön, wenn in der Tempo 30 Zone ein Hybrid oder E-Auto von rechts kommt. Ich nehme die regelmäßig zu spät wahr.

    Dann solltest Du Dein Detektionssystem für bevorrechtigten Verkehr mal von akustisch auf optisch umstellen. Funktioniert bei Tempo 30 ganz gut. :thumbup:

    Twitter: @Nbg_steigt_ab