Anträge in Regional-/Verkehrsausschüssen u.ä.


  • Interessante Idee (wird aber wahrscheinlich mit Verweis auf §45(9) abgelehnt; schon krass, dass de-facto dank (9) von (1) Satz 2 Nummer 3 ("zum Schutz der Wohnbevölkerung vor Lärm und Abgasen") nichts übrigbleibt, es sei denn es handelt sich um Maut-Schleichverkehr).


    Die Frage ist, ob das dem Regionalverkehrspolitiker so klar ist und er den Antrag nur für ein paar Wählerstimmen formuliert, oder ob er einfach keine Ahnung hat. (Ich wüsste nicht, was schlimmer wäre.)


    Normalerweise (wenn (1) angewandt wird um Radverkehr zu gängeln) finde ich (9) gut, weil er das verbietet.
    Jetzt, wo es um eine Lenkung des Autoverkehrs geht, finde ich (9) eher scheiße.


    Hmpf.

  • @Malte, wenn Du die Argumentation widersprüchlich findest, hast Du in gewisserweise Recht, allerdings begibst Du Dich damit auf die Linie der Verkehr-Vor-Argumentatoren.


    Tatsache ist, dass die StVO auf maximalen Durchsatz ohne zentrale Steuerung getrimmt ist. Da "fließt" dann der Verkehr durch alle Straßen und ein Zuviel an Verkehr verteilt sich gleichmäßig überall hin; insgesamt werden die Ressourcen optimal ausgelastet (soweit Verkehrsteilnehmer rational handeln...). Soweit so gut, heißt ja auch Straßenverkehrsordnung. Bloß fehlt dem als Konterpunkt eine "Ordnung für lebenswerte Straßen", die es erlauben sollte, Durchgangsverkehr aus bestimmten Straßen herauszuhalten und auf andere zu konzentrieren. Genau das verbietet §45(9) (außer für Mautausweichverkehr).


    Natürlich stehen die Leute in der Summe länger im Stau wenn noch mehr Leute durch Julius-/Koppel-/Sportplatzring müssen und dafür Tierparkstraße/Basselweg frei bleiben. Dafür wären das dann aber angenehme Straßen. Gleichzeitig genügen relativ wenige Fahrzeuge um den Basselweg ungemütlich zu machen, die Kosten-Nutzen-Rechnung ist mMn ungünstig. Unser Recht ist auf maximalen Verkehr (freie Fahrt für freie Bürger) ausgelegt, anstatt auch die städtische Lebensqualität hier reinzurechnen. Und für letztere ist eine Verkehrskonzentration durchaus sinnvoll.

  • Zitat von SPD (28.11.2015)


    vielen Dank für Ihre Email.
    Ich würde mich freuen, wenn Sie mir erläutern können, worin Sie eine
    Einschränkung für die Fahrradfahrer durch die beantragte Verkehrsführung erkennen.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Bloß fehlt dem als Konterpunkt eine "Ordnung für lebenswerte Straßen", die es erlauben sollte, Durchgangsverkehr aus bestimmten Straßen herauszuhalten und auf andere zu konzentrieren. Genau das verbietet §45(9) (außer für Mautausweichverkehr).

    Und was ist z.B. mit dieser Absperrung? Die wurde mal vor etlichen Jahren eingerichtet, weil vorher viele Autler die Nebenstraße genommen haben, um den täglichen Stau auf der Kieler Straße zu umfahren. Kein Mautausweichverkehr.

    "Terrorismus ist der Krieg der Armen und der Krieg ist der Terrorismus der Reichen"
    Peter Ustinov

  • Und was ist z.B. mit dieser Absperrung?

    Die Anordnung der Absperrung wäre vermutlich illegal falls kein Unfallschwerpunkt vorlag (und sich dieser nicht mit einem geringeren Eingriff hätte beheben lassen). Allerdings kann es sein, dass die Straßenkreuzung vom Bezirk zurückgebaut worden ist (völlig legal) und das PK nur die roten Pfeile angeordnet hat (legal und sogar geboten). Hier geht es aber nur um ein Verkehrszeichen und das kann ausschließlich eine StVB anordnen und ist dabei an die StVO gebunden. Und die verbietet das. Find ich doof, aber wird so sein. Es gibt ständig Stellungnahmen der PKs die mit Verweis auf §45(9) Verbote des fließenden Verkehrs ablehnen (außer bei Fahrrädern...).

  • Wie ist das denn mit Einbahnstraßen? Wikipedia nennt als Gründe zur Einrichtung einer Einbahnstraße:


    Zitat von wikipedia
    • Erhaltung der Flüssigkeit des Verkehrs bei schmaler Fahrbahn und hoher Verkehrsstärke,
    • Ermöglichen von zusätzlichen Parkflächen für Kraftfahrzeuge, ohne den fließenden Autoverkehr zu stark zu beeinträchtigen (dies dürfte in dicht bebauten (Wohn-)Gebieten der häufigste Grund sein),
    • Verringerung des Durchgangsverkehrs (so genannter Schleichverkehr) durch umwegreiche Führung (Verkehrsberuhigung),
    • Ermöglichung hoher Geschwindigkeiten durch Reduzierung der Kollisionsgefahr mit dem Gegenverkehr (beispielsweise: Schnellstraßen) sowie
    • Vermeidung von Unfallgefahren durch unübersichtliche Verkehrssituationen.

    Nur der letzte Punkt entspricht 45(9). Der gängige Grund wird das Ermöglichen zusätzlicher Parkflächen sein.


    Sollte es wirklich an 45(9) scheitern, weil die Verkehrsbehörde sich querstellt, blieben ja zwei andere Lösungen: Bauliche Veränderung oder Einbahnstraße. Bei der Einbahnstraße könnte man entweder darauf hoffen, daß eine Einrichtung zur Verkehrsberuhigung ausreicht, oder kreativ werden. Wie in der Sierichstraße richtet man eine wechselnde Einbahnstraße ein allerdings so, daß die Fahrtrichtung immer der Hauptverkehrsrichtung entgegen steht.

  • In der Tagesordnung zu der oben zitierten Sitzung des Regionalausschusses finden sich ja einige interessante Nebensätze zur verkehrspolitischen Einstellung:


    -Fahrradparkplätze gehen nur zulasten von Fußgängern.
    -Radfahrer halten sich nie an Regeln! Die parken überall!
    -Fahrradparkplätze gehen niemals zulasten von KFZ-Parkplätzen.
    -Bei der Abwägung KFZ gegen Fußgänger wird die Ampel natürlich zugunsten der KFZ programmiert.
    -Radfahrer halten sich eh nie an die Regeln! Deshalb müssen Drängelgitter bleiben!
    -Autofahrer fahren versehentlich auf Gehwegen rum, deshalb wurde für sie das Drängelgitter besser sichtbar gemacht.
    -Autofahrer könnten Radfahrer übersehen, deshalb dürfen diese niemals Vorfahrt bekommen!


    Und da wundert es noch jemanden, dass die Verkehrsmeldungen im Radio mittlerweile (diesen Montag) länger sind, als die Nachrichten und man nur noch unterirdisch ans Ziel kommt?

  • und in Wandsbek am Friedrich-Ebert-Damm / Am Stadtrand entfällt jetzt die RWBP an den Kreuzungen.


    LSA wurde endlich umprogrammiert. Yay.


    Die Straße "Am Stadtrand" ist südlich der F-E-Allee aber weiter mit b-pflichtigen Radwegen ausgestattet.
    naja, zumindest abschnittsweise. Hier nämlich wieder nicht.


    Und dieses abenteuerliche Konstrukt ist mir auch schon seit langem hochgradig suspekt...

  • Ja, schon gesehen :-)
    Und ich dachte, da würde nichts mehr kommen nachdem als einziger ein FDP-Politiker etwas polemisch geantwortet hatte.


    Aber dass jetzt sogar die CDU den Antrag unterstützt, wundert mich schon. Ich kenn die ja ganz anders :-)

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Antrag wurde einstimmig angenommen.
    Die Vorsitzende hatte noch erwähnt, dass das der erste (und hoffentlich nicht letzte) interfraktionelle Antrag war :-)

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Nach der Quatsch-Retour aus der Verkehrsdirektion, die meinte man könne an der Martinistraße nichts machen (und müsse deswegen eine unsichere/unsinnige Lösung finden) jetzt eine interfraktionelle *Aufforderung*, es zu tun: Ich glaub die hat deutlich mehr Gewicht und der Regionalausschuss scheint Gefallen daran zu finden, das auszufechten. :thumbsup:

  • Nein, Schlangenlinie und schmal und mal Sand, mal Steine:

    Letzte Seite vom Anhang.


    Ein Radfahrer hat das scharf kritisiert, daraufhin wurde beschlossen, der Verkehr solle schon weiter westlich auf die Fahrbahn.



    Bezirksamt und Polizei sehen das problematisch, denn dann müssten sich KFZ aus der Troplowitzstraße auf zwei Spuren und Radfahrer von der Hoheluftchausse auf noch einer Spur alle gleichzeitig zu einer Spur verdichten. Haben sie ja nicht ganz Unrecht mit.
    Dann meinte ein anderer Radfahrer, man könne doch eine Geradeausspur den Radfahrern übergeben. Politik hat das prüfen lassen.





    Bezirksamt nölt rum, dann gäbe es Rückstau bis in den Grandweg und die Krankenwagen würden nicht mehr durchkommen.
    Ich hab mich letzten Freitag Nachmittag an die Kreuzung gestellt und grob gezählt, wieviel Verkehr wohin will. Gut jeder vierte Geradeaus, der Rest Stadtein- oder auswärts. Grandweg hauptsächlich Stadteinwärts.
    Ich denke das passt schon so mit einer Spur weniger.


    Politik meint, der Bauherr solle nochmal überplanen:


    Und nun wird die Politik voraussichtlich meinen, dass der LSBG bei der Planung helfen soll.


    Ich bin echt gespannt, wie lange der Status Quo (gar kein Radweg) noch erhalten bleibt und was am Ende bei rauskommt :-)

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Bezirksamt und Polizei sehen das problematisch, denn dann müssten sich KFZ aus der Troplowitzstraße auf zwei Spuren und Radfahrer von der Hoheluftchausse auf noch einer Spur alle gleichzeitig zu einer Spur verdichten. Haben sie ja nicht ganz Unrecht mit.

    Habe ich da etwas nicht mitbekommen? Wenn ich mit dem rad aus der Troplowitzstraße geradeaus in die Martinistraße fahre, dann befinde ich mich dabei durchweg auf der Fahrbahn - legal. Von welcher "Radableitung" ist eigentlich die Rede? Wozu denn? ?(

    "Terrorismus ist der Krieg der Armen und der Krieg ist der Terrorismus der Reichen"
    Peter Ustinov