Neuer Radfahrstreifen vor dem Hauptbahnhof Hagen im Graf-von-Galen-Ring

  • Kürzlich führte mich einer meiner Wege ins Märkische Sauerland.

    Auf dem Weg dorthin nutzte ich die Umsteige-Pause, um einen Blick auf den Bahnhofsvorplatz von Hagen zu werfen.

    Siehe da, es tut sich was in Sachen Verbesserung der Radverkehrs-Infrastruktur: Der Graf-von-Galen-Ring hatte einmal zwei Autofahrspuren je Richtung.

    Auf den älteren streetview-Bildern kann man das noch sehen:

    Street View · Google Maps
    Ort in Google Maps noch intensiver erleben.
    www.google.com

    (Aufnahme abgerufen am 7.10.2026)

    Dieselbe Stelle als neuere Satelliten-Aufnahme zeigt: Je eine Autofahrspur wurde umgewandelt in einen breiten Radfahrstreifen:

    Google Maps
    Find local businesses, view maps and get driving directions in Google Maps.
    www.google.com

    (Aufnahme abgerufen am 7.10.2026)

    Einmal editiert, zuletzt von Ullie (7. Oktober 2026 um 22:32)

  • War auf diesen "Autofahrspuren" das Radfahren verboten?

    Die älteren streetview-Bilder lassen das Problem erahnen. Staus vor den Ampeln, Fahrradfahrer*innen, die im Autostau stehen, der beide Autofahrspuren blockiert hat. Zum Beispiel an dieser Stelle:

    Street View · Google Maps
    Ort in Google Maps noch intensiver erleben.
    www.google.com

    Ein weiteres Problem: Langsam fahrende Fahrradfahrer*innen fahren nur etwa ein Drittel bis ein Viertel des Tempos von Autofahrer*innen auf Straßen innerorts, auf denen Tempo 50 gilt, was nach meiner Beobachtung vor Ort dort zutrifft. Und die Anzahl solcher Radfahrenden ist trotz Pedelec-Verbreitung immer noch sehr hoch. Besonders bei hohem Verkehrsaufkommen ist das Fahrrad-Fahren auf einer zweispurigen Hauptverkehrsstraße lästig bis unangenehm. Bei sehr niedrigem Verkehrsaufkommen dagegen, ermuntern solche breiten Hauptverkehrsstraßen mit zwei Fahrspuren je Richtung viele Autofahrer*innen zum Rasen.

    Und besonders für die vielen potenziellen Fahrradfahrer*innen mit wenig Fahrroutine, die es für das Fahrradfahren zu gewinnen gilt, ist der breite Radfahrstreifen eine Einladung!

  • ja, man kennt es: fährste mitm Auto durch die Stadt, siehst auf 100m einen "breiten einladenden Radfahrstreifen" und entscheidest dich, beim nächsten Mal einfach mit dem Rad zu fahren.

    Zack, Anzahl Radfahrer +1

    Und jetzt kommen wir in der Realität an: "Angebote" zur Änderung des eigenen Verhaltens kommen nur dann an, wenn das neue Angebot besser als das bisherige ist. Warum genau soll ich mich aufs Rad setzen, wenn es nass, windig, kalt ist? Warum genau soll ich mit dem Rad einkaufen fahren, wenn dann einen Rucksack brauche oder Packtaschen und in beidem Waren-Tetris spielen muss?

    Hat man ein Auto, wird dieses so lange genutzt, bis die Kosten (monetär, zeitlich etc) dafür deutlich höher sind als bei der Alternative.

  • Vermutlich ist nur sehr schwer in kurzer Zeit zu erheben, wieviel eine solche Maßnahme bringt, um den Radverkehrsanteil zu steigern.

    Andererseits sind die Erfolge für den Radverkehr an der neuen Flächenverteilung der Verkehrsteilnehmer sehr präzise abzulesen. Ich werte das bereits als ein Erfolg, auch wenn der sich erst langfristig voll auswirken sollte in der Form, dass die Autonutzung zurückgeht und der Umweltverbund gestärkt wird.

    Wiederum andererseits sind zusätzlich geschaffene Autoverkehrsflächen zu berücksichtigen, die dazu beigetragen haben, dass dem Projekt Radfahrstreifen zugestimmt wurde. "Die Straße soll insgesamt Radfahrer- und Fußgänger-freundlicher werden. Möglich macht das die Bahnhofshinterfahrung, die die Innenstadt deutlich vom Verkehr entlasten soll." Radio Hagen https://www.radiohagen.de/artikel/mehr-r…adfahrer-391035

    Dann muss nicht nur berücksichtigt werden, ob die Radfahrstreifen dazu geführt haben, dass dort mehr Radverkehr langgeht, sondern auch, ob es dazu geführt hat, dass Radverkehr, der dort unerlaubterweise auf dem Fußweg erfolgte, jetzt auf dem Radfahrstreifen stattfindet. Da spricht einiges für. Zahlen dazu wurden aber vermutlich nicht erhoben.

    Am eindeutigsten scheint mir der langfristige Erfolg zu sein, der darin besteht, dass die Straßenraumgestaltung eindeutig signalisiert: Hier ist viel Radverkehr und Fußverkehr erwünscht. Noch schöner wäre es natürlich, wenn der Autoverkehr ganz ausgesperrt würde!

    Für den ÖPNV übrigens gibt es schon länger eigene Spuren.