Hamburg: Ampelschaltung verändern, Teil 2

  • Es gibt noch was neues vom Regionalausschuss Stellingen: Drucksache - 20-0991


    Die bereits angekündigten Maßnahmen wurden bereits teilweise umgesetzt. Die von mir reklamierte Aufstellfläche wurde entfernt:



    Dafür hat man dann an der anderen Seite ein Zeichen 237 mit dem Zusatzzeichen „Ende“ angebracht:



    Soll wohl bedeuten, dass ich da über die Fußgängerampel rollen und dann ein Stück in der Gegenrichtung über die Fahrbahn fahren darf, damit ich dann nach links in den Hörgensweg fahren darf. Okay: Man hat sich immerhin einige Gedanken gemacht, aber die Lösung halte ich nach wie vor nicht für optimal, schon allein weil es nur das „Ende“ gibt, aber keinen „Anfang“. Die Streuscheiben wurden auch noch nicht ausgetauscht, die blauen Schilder entlang der Holsteiner Chaussee hängen ebenfalls noch.


    Bin ja mal gespannt, ob sich außer den üblichen Verdächtigen noch jemand dort auf die Fahrbahn traut. Das dürfte ja noch schwieriger zu befahren sein als der Wiesendamm: Zum Überholen sind die Richtungsfahrbahnen zu schmal, außerdem sieht man durch die Windschutzscheibe den besten ausgebauten und breiten Radweg nebenan… :whistling:

  • An der Stelle stelle ich mich mal kurz vor: ich komme aus Stelle ;)
    Nein, ich komme aus Schnelsen und heisse Chris. "Blaue Sau" ist meinem über 20 Jahre alten Stahl-MTB, welches ich als Regenrad benutze und selten putze, geschuldet ;).


    @Malte
    Wenn die Lollis weg sind, wie sieht es mal mit einer Befahrung in der Gruppe aus? Evlt. ein bisschen regelmässig. Alleine stelle ich mir das hart vor...

  • Die Abordnung der Radwegbenutzungspflicht an der Holsteiner Chaussee kommt beim Radverkehrsexperten der FPD nicht so ganz gut an. Dr. Wieland Schinnenburg hat darüber am 1. September eine Schriftliche Kleine Anfrage gestellt, die vom Senat eine Woche später beantwortet wurde: Radfahrer auf die Holsteiner Chaussee?


    Besonders großartig: Bevor der Senat die eigentlichen Fragen beantwortet, schreibt er:


    Zitat

    Nach § 2 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) müssen Fahrzeuge, dazu gehören auch Fahrräder, die Fahrbahn benutzen. Eine Pflicht, Radwege in der jeweiligen Fahrtrichtung zu benutzen, besteht nur, wenn dies durch Zeichen 237 (Radweg), Zei- chen 240 (Gemeinsamer Geh- und Radweg) oder Zeichen 241 (Getrennter Rad- und Gehweg) angeordnet ist. Rechte Radwege ohne die Zeichen 237, Zeichen 240 oder Zeichen 241 dürfen benutzt werden. Linke Radwege ohne die Zeichen 237, Zeichen 240 oder Zeichen 241 dürfen nur benutzt werden, wenn dies durch das allein stehen- de Zusatzzeichen „Radfahrer frei“ angezeigt ist.
    Nach Maßgabe des § 45 Absatz 9 StVO prüfen die Straßenverkehrsbehörden regel- mäßig, ob die Beschränkungen des Radverkehrs durch die Radwegebenutzungs- pflicht erhalten bleiben dürfen oder ob es die Gesamtumstände in einem Straßenzug zulassen, die Radwegebenutzungspflicht aufzuheben. Die Prüfung erfolgt unter Berücksichtigung der Verkehrssicherheit, der Verkehrsbelastung, der Verkehrsbedeu- tung, der Verkehrsstruktur, des Verkehrsablaufs, der Flächenverfügbarkeit und der Art und Intensität der Umfeldnutzung.
    Dies vorausgeschickt, beantwortet der Senat die Fragen wie folgt:


    Da hatte wohl jemand keine Lust, dem Herrn Schinnenburg in jeder Antwort die Verkehrsregeln zu erklären. Man erkennt allerdings schon an der Fragestellung, dass Schinnenburg möglicherweise nur auf die Reizwörter „Radfahrer“ und „mitten auf der Straße“ hereingefallen ist. Die Radwege in der Holsteiner Chaussee sind nunmal teilweise in einem erbärmlichen Zustand, insbesondere im Bereich vom Hornbach-Baumarkt bis zum Eidelstedter Platz, und ansonsten teilweise häufiger von Kraftfahrzeugen frequentiert als von Fahrrädern, denn aufgrund der Absperrgitter, die das Kampfparken auf dem Radweg unterbinden sollen, müssen Kraftfahrer eine ganze Weile auf dem Radweg herumfahren, um schließlich ordnungswidrig auf dem Gehweg vor ihrem Haus parken zu können. In diesem Bereich wurden die Radwege im Jahr 2008 saniert, entsprechen aber immer noch nicht den Regelwerken, wobei man ja zugeben muss, dass man einigermaßen problemlos darauf fahren kann, wenn man nicht gerade ein Auto vor oder hinter sich hat. Ach ja, und natürlich kann man eben nicht vernünftig nach links abbiegen, was ja eigentlich der Grund meiner Beschwerde war.


    Natürlich könnte man auch die übrigen Radwege sanieren, nur kommt man selbst mit einer Verbreitung der Radwege, die mit der Fällung mehrerer Bäume einherginge, nicht mal ansatzweise an die Mindestbreiten für Radwege heran. Im Übrigen, und das müsste ja auch dem Herrn Schinnenburg der FDP bekannt sein, reicht es für ein blaues Schild nunmal nicht aus, dass es jenseits der Fahrbahn einen durch die Windschutzscheibe optisch ansprechenden Radweg gibt.


    Er fragt:


    Zitat

    Auf welchem Abschnitt der Holsteiner Chaussee sollen Radfahrer künftig auf der Straße fahren?


    Nirgendwo sollen Radfahrer „auf der Straße fahren“. Ist § 2 Abs. 4 StVO denn wirklich so schwer zu verstehen?


    Allerdings:


    Zitat

    Trifft es zu, dass dieser Abschnitt eine Ausweichstrecke für die Autobahn 7 ist?


    Da hat der Senat zwar recht, es handelt sich nicht um eine ausgewiesene Umleitung, aber trotzdem steigt die Verkehrsdichte bei Stau oder Arbeitsstellen auf der Autobahn deutlich an — man denke an die beiden Vollsperrungen an zwei Wochenenden im Juli, als zwei Brücken abgerissen wurden. Allerdings ist die Holsteiner Chaussee dann auch sofort so voll, dass kein Radfahrer auf der Fahrbahn fahren wird, weil’s da überhaupt nicht mehr vorangeht.


    Inzwischen rechnet auch noch die BILD mit der Politik ab. Im Bericht Artikel über die Verschwendung von Steuergeldern wird aus irgendeinem Grunde auch noch ein Unfall in der Holsteiner Chaussee erwähnt. Geschickt wird suggeriert, dass dort ein Radfahrer überfahren worden wäre — tatsächlich gab es aber „nur“ einen Unfall zwischen zwei Kraftfahrzeugen, der nun aber als Aufhänger für die Gefährlichkeit des Fahrbahnradelns herhalten muss.


    Dann schreibt BILD:


    Zitat

    Doch die Behörde von Verkehr(t)-Staatsrat Andreas Rieckhof (SPD) will den schützenden Grünstreifen und die Bordsteinkante entfernen, die zwei Fahrspuren auf eine verengen. Dann sollen Radfahrer künftig direkt auf der viel befahrenen Straße radeln. (…) Behörden-Irrsinn ohne Not und ohne Verstand! Denn auf beiden Seiten der Chaussee gibt es wunderbar ausgebaute Radwege. Und radelnde Kinder genießen bislang noch den deutlichen Sicherheits-Abstand zum gefährlichen Auto- und Lasterverkehr.


    Ich wusste noch gar nicht, dass die Radwege tatsächlich entfernt werden sollen. Bislang war nur davon die Rede, dass das blaue Schild abgebaut wird, der Unterschied zwischen einem blauen Schild und einem nicht vorhandenen Radweg muss wohl echt schwer zu verstehen sein — nicht nur bei BILD, sondern auch bei der FPD. Dass es an der Holsteiner Chausssee „wunderbar ausgebaute Radwege“ gibt, ist ja wohl eher ein Witz: Die Radwege im sanierten Bereich sind ganz okay, der Rest aber weder „wunderbar ausgebaut“ noch irgendwie sicher. Der Untertitel des Fotos („Der Opel Corsa klebt an der Eiche. Eine Radlerin nutzt den sicheren Radweg, der entfernt werden soll“) ist ja auch eher ein Witz, schließlich fährt die Radfahrerin ordnungswidrig nebenan auf dem Gehweg.


    Naja.


    Dann dachte ich mir, vielleicht gibt es ja doch noch neue Pläne, tatsächlich größere Änderungen an der Radverkehrsinfrastruktur vorzunehmen, man kann ja nie wissen, schließlich rezitiert BILD ja größere Maßnahmen mit der Verringerung der Fahrstreifen von vier auf zwei (obwohl auf dem Foto ohnehin nur zwei zu sehen sind und es im fraglichen Bereich auch nur zwei gibt), aber der einzige Treffer im Netz führte… zu BILD: SPD schickt Fahrradfahrer auf Holsteiner Chaussee


    In dem einen Monat alten Artikel war man sich auch nicht so ganz im Klaren, ob Radfahrer nun auf der Fahrbahn fahren dürfen oder sollen oder müssen, auch die Polizei, mit der man offensichtlich gesprochen hat, konnte BILD nicht verdeutlichen, worum es eigentlich geht.


    Ich warte ja nur noch darauf, dass ich morgens im Bus das Titelblatt der BILD mit meinem Foto stehe und nebenan steht: „Dieser Radfahrer will Ihnen das Auto wegnehmen!“ Irgendwie scheint das ja alles mit dieser Beschwerde aufgrund der eingangs erwähnten Kreuzung zu tun zu haben, an der ich ja mindestens etwas beteiligt war.

  • Die BLÖD-Autolobby mal wieder:
    (stammt aus einem von Malte verlinkten Artikel)



    Hier schickt die Stadt bald Radler auf die Straße


    Eidelstedt – Zum Glück rammte der Opel nur einen Baum und keinen Menschen!
    Doch schon bald könnte es dort auch Radfahrer treffen. Gestern stieß auf der Holsteiner Chaussee ein Kleinwagen mit einem schweren Laster zusammen. Nur eine harte Eiche konnte den Opel stoppen. Totalschaden!
    Doch die Behörde von Verkehr(t)-Staatsrat Andreas Rieckhof (SPD) will den schützenden Grünstreifen und die Bordsteinkante entfernen, die zwei Fahrspuren auf eine verengen. Dann sollen Radfahrer künftig direkt auf der viel befahrenen Straße radeln.
    Dabei nutzen viele Autofahrer die Holsteiner Chaussee als Ausweichstrecke für die oft vollgestaute A7...
    Behörden-Irrsinn ohne Not und ohne Verstand! Denn auf beiden Seiten der Chaussee gibt es wunderbar ausgebaute Radwege. Und radelnde Kinder genießen bislang noch den deutlichen Sicherheits-Abstand zum gefährlichen Auto- und Lasterverkehr. dino

  • Ich frage mich wo nun genau die Anordnung die RWBP zu kippen herkommt. Das ist ja eine Bundesstrasse und damit Hoheitsgebiet.
    Der zukünftig freigegebene Fahrbahnabschnitt wird, da lehne ich mich jetzt mal aus dem Fenster, einer der gefährlichsten für Radfahrer in Hamburg sein.
    Schätzungsweise wird weniger als ein Promille der Radfahrer dort auf der Fahrbahn fahren. Selbst ich als schneller "Kampfradler" habe da wirklich Angst vor - werde es aber trotzdem machen.
    Das zuständige PK unterstütz einem dabei, in dem sie Schilder mit "Radfahren auf der Fahrbahn erlaubt" aufstellen werden.
    Man darf sehr gespannt sein.

  • Der zukünftig freigegebene Fahrbahnabschnitt wird, da lehne ich mich jetzt mal aus dem Fenster, einer der gefährlichsten für Radfahrer in Hamburg sein.
    Schätzungsweise wird weniger als ein Promille der Radfahrer dort auf der Fahrbahn fahren. Selbst ich als schneller "Kampfradler" habe da wirklich Angst vor - werde es aber trotzdem machen.

    Ich hätte da auch nicht so viel Lust aufs Radfahren. Wenn ich mir ansehe, wie die Kraftfahrer da miteinander umgehen und sich gegenseitig um die Vorfahrt zur Autobahn bekriegen, habe ich keine großen Ambitionen, noch den „Radfahrer trotz Radweg mitten auf der Straße“ zu spielen.


    Weiß man eigentlich, wann es denn soweit sein wird?



  • Da steht:


    Zitat

    Nach Umbau der Kreuzung Holsteiner Chaussee / Hörgensweg / Wiebischenkamp hat sich gezeigt, dass die dortige indirekte Führung der Radfahrenden aus der Holsteiner Chaussee in den Hörgensweg nicht angenommen wird.


    Dass man bei der Planung einen Zustand herbeigeführt hat, bei dem die indirekte Führung von Radfahrenden einfach gar nicht möglich ist, hat man ja nett umschrieben. Linksabbiegen ohne Signalgeber und Kontaktschleife ist halt eine schwierige Sache.

  • Ein positiver Nebeneffekt (Gedächtnisprotokoll aus einer Drucksache B.Amt. Eimsb.) ist allerdings, dass nun die Fussgängerfurthen, auf der Holst. Chaussee Richtung Norden, rüber zum Baumarkt/Edeka verpollert werden sollen.
    Da wird massiv im Grünstreifen geparkt. Um den zu erreichen, müssen zum Teil 100-200 Meter auf dem Geh- und Radweg zurückgelegt werden.
    Das nervt total, wenn man mal wieder einen Ein-/Ausparker vor sich hat.
    Noch dazu ist der Radwege gerade mit einer langsam einsickernden Ölspur überzogen, die genau neben einem Baum endet. Da hat sich wohl jemand die Ölwanne aufgefetzt.




  • Witzig, es gibt ja echt für alles eine eigene Drucksache. Ich habe allerdings tatsächlich das Gefühl, dass da manchmal mehr Kraftfahrzeuge als Fahrräder auf dem Radweg unterwegs sind. Toll ist es dann auch, wenn man auf dem Radweg noch zur Seite gehupt wird, damit ein Kraftfahrer zum Wiebischenkamp brausen kann.


    Das muss die Umsetzung dieser Androhung sein, die man immer wieder hört und liest: Wenn du mit deinem Fahrrad „mitten auf der Straße“ fährst, fahren wir mit den Autos auf dem Radweg. Und davon lassen die sich dann auch nicht mit Sperreinrichtungen abhalten. Mal sehen, wann der erste rauskriegt, wie man das Schloss zu so einem Poller aufknackt.

  • An der Holsteiner Chaussee zwischen Oortskamp und Wiebischenkamp wird wieder auf dem Grünstreifen neben dem Gehweg geparkt. Vermehrt ist das gegenüber dem Baumarkt „Hornbach“ zu beobachten. Diese Unsitte trat bereits vor längerer Zeit auf und wurde zunächst durch den Einbau von Schutzgittern am Fahrbahnrand kurzfristig unterbunden. Als dann erste Kfz-Führer die Möglichkeit nutzten, über die vorhandenen Gehwegüberfahrten auf den Gehweg und Grünstreifen zu gelangen, war binnen Kurzem wieder die alte Situation vorhanden. Nur dass jetzt die Autos relativ lange Strecken über den Gehweg fahren, bis sie die gewünschte Position auf dem Grünstreifen erreicht haben. Zeugen berichten in diesem Zusammenhang sogar von einem nötigenden Verhalten der Kfz-Führer, indem die schon mal „störende“ Fußgänger anhupen.


    Manchmal gibt’s auch Dinge, zu denen mir dann auch nicht mehr so richtig viel einfällt. Eigentlich wollte ich heute die fragliche Stelle mal fotografieren:



    Und dann plötzlich so:
    HUUUUUUUUUUUUP! HUPHUPHUP!



    Ein Auto! 8o



    Der fuhr dann auch ein ganzes Stück vor mir her, allerdings nicht unbedingt mit einer angemessenen Geschwindigkeit. Weiter hinten, wo das eine Kraftfahrzeug den Gehweg versperrt, wurden auch noch gleich zwei Fußgänger beiseite gehupt. Dabei handelte es sich immerhin um seinesgleichen, denn die hatten auch gerade erst dort eingeparkt.

  • Das frage ich mich auch langsam.


    Am Mittwoch durfte ich an der Kreuzung Doormannsweg/Eimsbütteler Chaussee zur Feierabendzeit ähnliche Szenen beobachten. An der Ampel stehend, gelangweilt um mich schauend erblicke ich einen Mercedes SUV, der sich gerade auf dem Radweg (Hochbord) leicht über Schritttempo durch eine Traube Fußgänger zwängt um dann zwischen Absperrbügeln und Radweg zu parken. Den Fußgängern konnte man wenig Vorwürfe machen, da der Fußweg durch diverse motorisierte Stehzeuge (die eigentlich fast immer da stehen) nahezu komplett blockiert war.


    Während ich kopfschüttelnd die Straße überquerte, erblickte ich noch einen Mercedes - diesmal ein Kombi, der gerade fröhlich über den Radweg auf der anderen Straßenseite fuhr um ebenfalls einen schönen Parkplatz zwischen Absperrbügel und Radweg zu erreichen. Wozu waren diese Bügel nochmal da???


    Ich werde bald auch noch zum Knöllchen-Horst. Dieser Egoismus und diese absolute Rücksichtslosigkeit einiger Mitmenschen treibt mich langsam immer weiter auf die Palme!

  • Ich werde bald auch noch zum Knöllchen-Horst. Dieser Egoismus und diese absolute Rücksichtslosigkeit einiger Mitmenschen treibt mich langsam immer weiter auf die Palme!

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