Versteht jemand die Steuer auf Zufallsgewinne?

  • "Die Abschöpfung von Zufallsgewinnen ist nur gerecht", sagte Habeck.

    Versteht jemand diese Aussage von Habeck?


    Wir sind uns vermutlich weitgehend einig, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix weiter steigen soll. Das funktioniert am besten, indem fette Gewinne winken, wenn man investiert.


    Und ausgerechnet diese Gewinne möchte Habeck jetzt beschneiden? Damit sendet er ein Signal, dass Investitionen in erneuerbare Energien riskant sind. Dann man hat anfangs hohe Investitionen. Und wenn es sich dann irgendwann rechnet, schnappt sich der Staat die Gewinne.


    Versteht jemand, warum er das macht? Ist er einfach überfordert?


    Auch hat Habeck die Gasumlage angekündigt, die nach seiner eigenen Aussage nicht nur Unternehmen vor der Pleite retten, sondern vielen Unternehmen die Gewinne sichern soll. Und die aktuell hohen Gewinne der Ölkonzerne ("Übergewinne") werden nicht angetastet. Letzteres wiederum vertritt Lindner ganz massiv. Und Scholz schweigt einfach.

  • Interessant zu lesen.

    Die Kernaussage, dass solche Gewinne zum Kern der Marktwirtschaft gehören, teile ich.

    Den Exkurs in Richtung "Wucher" im StGB fand ich doch recht merkwürdig. Wir reden hier ja über einen ganz normalen Mechanismus des Marktes. Dass das kein Wucher ist, liegt wohl auf der Hand.


    Leider bekommt er aber nicht die Kurve, dass "Merit Order" vollkommen normal ist: alle zahlen den "markträumenden Preis". Das kommt im VWL-Studium gleich im ersten Semester ganz am Anfang.

    Das Marktgleichgewicht

    Quelle


    Produzenten, die besonders preiswert anbieten können, machen dabei mehr Gewinne als Produzenten, die teurer produzieren. Und Konsumenten, die eigentlich viel mehr zu zahlen bereit wären, bekommen die Leistung günstiger.


    Am Strommarkt ist dieser Effekt aktuell lediglich ungewöhnlich groß. Und aufgrund der ungewöhnlich transparenten Preisfindung an der Strombörse auch noch sehr gut für alle sichtbar.


    Aber genau dieser Effekt ist eigentlich gewünscht. Denn er führt zum schnellstmöglichen weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien.

  • Tja, was Du und offenbar manche andere für "normal" halten, halten viele andere für eine Perversität des Kapitalismus.

    Die Grafik da oben ist Voodoo. Der Text in der Erläuterung ist blanke Theorie und suggeriert, als würde sich die "Nachfrage" nach, sagen wir, Trinkwasser/Brot/Heizenergie nicht nach dem Bedarf, sondern nach dem Preis richten, und am Schnittpunkt ist alles gut.

  • Meine Meinung: Das mag alles passen, wenn ich mir die Frage stelle,ob ich lieber das Kaffeservice von Firma X oder das der Firma Y kaufen soll.


    Eine warme Wohnung im Winter, Zugriff auf Warmwasser, Strom, Kommunikation sind aber aber ne andere Hausnummer. Ich dachte immer, das ist der wesentliche Unterschied zwischen sozialer Marktwirtschaft und Raubtierkapitalismus?

  • Wirklich: Bitte macht für solche grundsätzlichen Systemfragen einen eigenen Thread auf, wenn Ihr da Diskussionsbedarf habt.


    Ich stehe dafür hier nicht zur Verfügung. Denn mir geht es darum, die Motivation von Habeck bei diesem konkreten Thema zu verstehen.

  • Also echt: Du hast mit "Das funktioniert am besten, indem fette Gewinne winken, wenn man investiert." die Systemfrage aufgeworfen.


    Genauer gesagt: Du hast keine Frage aufgeworfen, sondern ein Dogma in den Raum gestellt. Und wenn man das ankratzt, ist man der Spielverderber?