Woche 1 vom 4. bis zum 10. Januar 2021

  • Nun ja, ein Imagefilm hat ja auch nicht die Aufgabe, historische Aufklärungsarbeit zu betreiben, sondern er soll Werbung für Mercedes machen. Und so gesehen ist er geschickt inszeniert.

    Ich bezweifle, dass dieses Filmchen irgendwas mit Historie zu tun hat. In der Tat wären mir persönlich für den vermeintlichen Zweck(?) aktuellere Situationen eingefallen:

    1. Schröder/Fischer verkünden den Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie. Mercedes bremst.
    2. Merkel/Gabriel verkünden den Ausstieg vom Ausstieg: Mercedes fährt sie um.

    Die Studenten hätten wohl schlechte Karten, wenn ihr Professor CDU-Anhänger ist. Insofern haben sie halt den Hitler gewählt. Da sind sie auf der sicheren Seite. :)


    PS:

    3. Nach ein paar Jahren kommt dann plötzlich doch der Ausstieg, allerdings 10 Quintilliarden Euro teurer als zuerst: Steuerzahler stürmen den Reichstag.

  • Ich bezweifle, dass dieses Filmchen irgendwas mit Historie zu tun hat. In der Tat wären mir persönlich für den vermeintlichen Zweck(?) aktuellere Situationen eingefallen:

    1. Schröder/Fischer verkünden den Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie. Mercedes bremst.
    2. Merkel/Gabriel verkünden den Ausstieg vom Ausstieg: Mercedes fährt sie um.

    Die Studenten hätten wohl schlechte Karten, wenn ihr Professor CDU-Anhänger ist. Insofern haben sie halt den Hitler gewählt. Da sind sie auf der sicheren Seite. :)


    PS:

    3. Nach ein paar Jahren kommt dann plötzlich doch der Ausstieg, allerdings 10 Quintilliarden Euro teurer als zuerst: Steuerzahler stürmen den Reichstag.

    Ein Missverständnis?

    ich meinte den Mercedes-Imagefilm, in dem Bertha Benz als die Autofahr-Pionierin inszeniert wird.

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    Der andere Film, in dem ein selbstfahrendes Mercedesfahrzeug einen Zeitsprung nach 1889 macht (das ist übrigens ein Jahr nach der Autofahrt von Bertha Benz aus dem anderen Film), um Adolf tot zu fahren, der ist ja, wenn ich's richtig verstanden habe, gar nicht von Mercedes. (Oder vielleicht doch und Mercedes tut nur so, als ob sie damit nichts zu tun hätten.)


    "Mit einem provokanten Werbevideo haben Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg den Unmut des Autobauers auf sich gezogen. In dem Video erkennt eine Daimler-Limousine dank seiner Technik Gefahren, "bevor sie entstehen" - und tötet dabei kurzerhand den jungen Adolf Hitler. Die Macher mussten in das Video auf Wunsch des Autoherstellers nachträglich Hinweise einfügen, dass Daimler mit dem Spot nichts zutun hat."

    ntv vom 25.8.2013 https://www.n-tv.de/panorama/D…pass-article11228441.html


    Kurios und ebenfalls völlig unhistorisch: Ähnlich wie die Dorfbevölkerung in dem Mercedes-Film über Bertha Benz wird die Bevölkerung von Braunau am Inn im Jahr 1889 (Hitlers Geburtsjahr), in dem Film, mit dem Mercedes angeblich nichts zu tun hat, als dümmliche Dorfbevölkerung dargestellt. Und Braunau wird als kleines Bauerndörfchen dargestellt.

    Tatsächlich ist Braunau da schon sehr lange eine relativ große Stadt mit 4.500 Einwohnern (1869) und 6000 Einwohnern (1900).

    https://www.land-oberoesterrei…vstand/bevstand_40404.pdf

    Ich frage mich langsam, wie oft solche Filmchen wohl geguckt werden und ob diese oft krassen Fehlinformationen und historischen Unwahrheiten wohl sehr weit und intensiv Verbreitung finden in den Köpfen der Betrachter. Wer so was unkritisch konsumiert, der denkt dann, Hitler sei in einem kleinen Dorf geboren. Sieht man sich allerdings sein Geburtshaus an, dann kommt man schon dahinter, dass das nicht hinhauen kann:

    https://upload.wikimedia.org/w…/Braunau_Hitlerhaus_2.jpg

    Oder Bertha Benz hat die Frauen davon befreit als Zugtiere vor einen Pflug gespannt zu werden, um noch mal auf den Mercedes-Image-Film über Bertha Benz zurückzukommen.

    Einmal editiert, zuletzt von Ullie () aus folgendem Grund: Link zur Einwohnerstatistik von Braunau ergänzt

  • Aus dem gleichen Grund, aus dem das Filmchen entstanden ist: Marketing ;)

    Da spricht einiges Für, dass es sich genau so verhielt.

    Bertha Benz (geb. Ringer) ist die dritte Tochter eines zu Wohlstand gekommenen Zimmermannsmeisters. Der schrieb nach ihrer Geburt ins Familienstammbuch: "Leider wieder nur ein Mädchen"! Ob die Eltern nach ihr noch Söhne bekamen? Darüber habe ich nichts gefunden.

    Jedenfalls lässt sich Bertha Ringer vorzeitig ihr Erbe auszahlen, als sie den Ingenieur Carl Benz heiratet. Mit Bertha Benz's Geld tüftelt ihr Mann an einer Kutsche mit Verbrennungsmotor. Fahrzeuge mit Elektromotor gab es zu diesem Zeitpunkt bereits: So fuhr 1882 der französische Erfinder Trouve mit seinem batteriegetriebenen Trouve Tricycle in Paris die Straßen auf und ab.

    https://upload.wikimedia.org/w…f8/Trouve_trike_1881a.jpg

    https://de.wikipedia.org/wiki/Trouv%C3%A9_Tricycle

    Ob es eine Verzweiflungstat war, dass sie mit dem Automobil, das ihr Mann konstruiert hatte, eines Tages zusammen mit ihren Söhnen nach Pforzheim aufbrach? Jedenfalls hat sie es gut vermarktet, vermutlich hatte sie nicht nur eine gute Geschäftsidee sondern war auch ausreichend vernetzt, um ihre "Pionierfahrt" publik machen zu lassen.

    Nötig, im Sinne von um von Punkt A nach Punkt B zu kommen, hatte sie es nicht. Schließlich hätte sie mit ihren beiden Söhnen sehr viel sicherer und schneller mit der Eisenbahn reisen können. Möglicherweise wären sogar die Eisenbahn-Fahrkarten preiswerter gewesen als das Benzin, dass sie unterwegs in Apotheken einkauft.

    Das hält jedoch das Unternehmen Mercedes Benz nicht davon ab, die Sache auf ihrer Internetseite mbpassion Oldtimerticker so darzustellen: "Stellen Sie sich doch einmal vor, Sie müssten mit einer Kutsche ohne Pferde, die nur drei Räder hat, über staubige Feldwege von Mannheim nach Pforzheim fahren. Unvorstellbar sagen Sie… Aber genau das ist vor 131 Jahren passiert. Bertha Benz hat mit ihren beiden Söhnen Eugen und Richard damals diese Reise gewagt."


    Einem Faktencheck hält diese Promotion-Erzählung nicht stand. Aber bei der Autovermarktung geht es ja auch nur sehr sekundär um Fakten, dafür um so mehr um Emotion.