Kalkflecken auf dem Fahrrad

  • Heute war Waschtag — wir haben die großen Räder in der benachbarten Waschanlage ein bisschen abgeduscht, den Wasserstrahl natürlich nur auf niedrigster Stufe abseits von Lagern und Naben mit großzügigem Abstand eingesetzt. Danach sind wir mit den feuchten Rädern in praller Sonne losgefahren und der Lack sieht einwandfrei aus, von Kalkflecken gar keine Spur.


    Die beiden Brommies, die seit fünf Wochen in der Ecke stehen und Staub ansetzen, bekamen das gleiche Schonprogramm in der Dusche zu Hause und trockneten im schattigen Wohnzimmer. Auf dem blauen Faltrad sind nun einige Kalkflecken zu sehen. Ich habe versucht, sie vorsichtig mit Ballistol und einem Mikrofasertuch zu entfernen, konnte aber den ganz hartnäckigen Flecken nicht beikommen. Das wundert mich ein bisschen, weil ich das Rad bestimmt schon ein dutzend Mal mit Wasser abgespült und an der Luft habe trocknen lassen, ohne dass mir die Kalkränder negativ aufgefallen sind.


    Nun findet man im Internet bekanntlich alles, wenn man mit den richtigen Stichworten sucht, das klappt nicht nur bei Verschwörungstheorien oder Krankheiten, sondern auch bei Kalkflecken im Lack. Insbesondere Kraftfahrer scheinen noch größere Sorgen zu haben als ich, es gibt im Netz seitenlange Threads über die Fahrzeugwäsche und das anschließende Trocknen des Autos in der prallen Sonne, beziehungsweise das Parken unter Bäumen, von den eventuell Wasser tropft — oder Läuse scheißen.


    Wenn ich einige Berichte lese, dann müsste mir spätestens morgen der Lack vom Faltrad in Eurocent-großen Stücken vom Rahmen platzen. Das halte ich für ein bisschen übertrieben, andererseits habe ich mir ja schon die Hälfte des Unterrohres mit einer Kombination aus Schweiß und Sonnencremé ruiniert, insofern bin ich momentan nicht so ganz empfänglich für Experimente.


    Insofern: Lasse ich die Kalkflecken einfach dran, weil sie spätestens nach der nächsten Fahrt im Matsch — sofern denn die Maßnahmen zur Eindämmung von SARS-CoV-2 irgendwann einmal aufgehoben werden und es wieder regnet — nicht mehr zu sehen sind oder entferne ich sie jetzt sorgfältiger, weil der Lack davon Schaden nehmen könnte?

  • Ich hätte keine Probleme mit den Kalkflecken, aber lösen werden sie sich nicht mehr. Je nachdem ob das wirklich nur Kalk ist (also CaCO3) oder dir ein organische Calciumverbindung ausgefallen ist, weil irgend etwas herumfliegt (im Wasserkocher wäre das dann typischerweise das Calciumcitrat mit der Zitronensäure vom Reiniger) ist das Zeug aber mehr oder weniger Permanent.


    Wenn es wirklich Kalk ist, dann löst er sich relativ leicht in sauren Reinigungsmitteln. Der Alurahmen leider auch, deswegen ist schon ein wenig Vorsicht geboten. Wenn das Zeug weg soll würde ich zügig und mit sehr wenig Druck einen Badezimmerreiniger versuchen (Cillit-Bang entfernt auch den Restschmutz, Antikal wäre deutlich besser gegen Kalk) und dann sehr schnell spülen.


    Aber nachdem du auch die "saisonale Häufung" siehst: sicher, dass es nicht einfach eingetrocknete Pollen sind?

  • ist das Zeug aber mehr oder weniger Permanent

    Das hatte ich befürchtet :(

    Der Alurahmen leider auch

    Das dürfte bei den Falträdern ja kein Problem sein, die sind ja aus Stahl.

    Aber nachdem du auch die "saisonale Häufung" siehst: sicher, dass es nicht einfach eingetrocknete Pollen sind?

    Wie erkenne ich denn da den Unterschied? Die Räder stehen im Wohnzimmer neben dem Fenster, das hin und wieder mal geöffnet ist, da können natürlich auch einige Pollen unterwegs gewesen sein.

  • Pollen müssen sich mit Wasser und Spülmittel abwischen lassen. Die sind nicht an sich klebrig, sondern nur in pappiger Hülle - nach Design sollen sie ja weit fliegen und nicht irgendwo hängen bleiben.


    Wenn es aber eh ein Stahlrahmen ist, nimm gleich den Badezimmerreiniger. Der löst Kalk und würde den Pollen auch mitnehmen. Danach deucht nachwischen und mit Küchenpapier (oder Klorolle, so trotz Pandemie verfügbar) trocknen sollte das Problem auch aus der Welt schaffen.

  • Wenn es aber eh ein Stahlrahmen ist, nimm gleich den Badezimmerreiniger. Der löst Kalk und würde den Pollen auch mitnehmen. Danach deucht nachwischen und mit Küchenpapier (oder Klorolle, so trotz Pandemie verfügbar) trocknen sollte das Problem auch aus der Welt schaffen.

    Und ein Risiko für den Lack besteht da nicht? Mit meinem Talent richte ich da bestimmt größeren Schaden ein, der die Kalkflecken noch übertrifft — ich denke da an die Story mit der Sonnencremé.

  • Verträglich zum Lack und Plastik, sollte auch gegen Kalk helfen, ist Motorrad-Reiniger, zum Beispiel S100.

    Eignet sich prinzipiell gut für die Fahrradwäsche.


    Mit richtigem Badreiniger würde ich aufpassen, Fließen sind sehr robust und die meisten sind so sauer, dass Naturstein wie Marmor das nicht verträgt.

    Da würde ich eher Neutralreiniger versuchen.

  • Als ich für die hier gearbeitet hatte, mußten der über mehrere Etagen gehende Brunnen in der Mitte und die dahinter befindliche Wand regelmäßig (mindestens zweimal monatlich) mit Antikal gereinigt werden, weil die Kalkmengen anders nicht zu beherrschen waren. Im Langzeitverlauf wurde der Klarlack/Schutzlack über der Farblackierung stumpf.


    Einmalig macht das also nichts bzw. wirkt sich nicht sichtbar aus. Regelmäßig wiederholt sollte das aber nicht werden, da sonst (rechtzeitig, was für uns Laien schwierig zu erkennen ist) mit Schutzlack nachlackiert werden muß.

  • Zitat

    Und ein Risiko für den Lack besteht da nicht? Mit meinem Talent richte ich da bestimmt größeren Schaden ein, der die Kalkflecken noch übertrifft — ich denke da an die Story mit der Sonnencremé.

    Das ist wieder so ein komplexe, mehrlagige Geschichte, dass ich mir schwer tue.


    Also: Die Kombination aus Schweiß und Sonnencreme ist wahrscheinlich! (das ist der Teil, den ich ohne Analyse nur sehr ungern beschreibe) deswegen so aggressiv, weil in den meisten Sonnencremes Titandioxid und/oder Zinkoxid als Bestandteil verwendet werden. Diese sind erstens schön weiß (so sieht man, wo die Creme aufgetragen wurde) und sind zweitens UV-Undurchlässig, dafür aber Hautneutral. Sind ja auch schon Oxide, da ist das mit dem weiter-reagieren recht schwierig. Nur sind beide (wie gesagt: Oxide) relativ hart. Bei Titandioxid ist das besonders bescheuert, weil es zwei Formen gibt (Anatas und Rutil), die in der Natur beide vorkommen - und auch noch parallel. Diese sind unterschiedlich hart (Mohs ist zwar für wenig zu brauchen, hier aber ganz gut: Anatas 5,5, Rutil 6,5).

    Das ist beides härter als nötig, um die Lackoberfläche mechanisch anzukratzen. So wie ich das beim kurzen überfliegen gerade gesehen habe waren deine Schäden gerade in dem Bereich, an dem die Beine am Lack reiben. Und damit erzeugt das Oxid (egal welches) Mikrokratzer im Lack, der Schweiß ist dann als Chloridmischung (mit Natrium, Kalium, Phosphor, Schwefel und allem möglichen organischen Batz den die Haut so absondert) besonders aggressiv gegenüber legierten Stählen.


    Also Kurzzusammenfassung: UV-reflektierende Anteile der Sonnencreme wirken wie Sandpapier, Schweiß wirkt als korrosives Medium gegenüber Edelstahl.


    Bei deinem Badreiniger mit möglichem Kalkflecken ist die Situation jetzt anders. Wenn du warten kannst, bis die Säure im Badreiniger den Kalk gelöst hat (Marmor ist übrigens nur hübscher Kalk, deswegen ist es für Natursteine so bedenklich), dann ist das Calcium als Ca2+-Ion in Lösung gegangen, die Säure ist auch noch dissoziiert in Lösung, das CO2 aus dem Kalk ist herausgeblubbert und das gebildete Wasser tut dir nicht weh. Dann passiert dem Lack zunächst nichts - die meisten Lacke sind relativ säurebeständig (und es handelt sich hier nicht um eine starke Säure). Nur ist es dann wichtig nicht zu früh und zu stark zu "rubbeln" - du willst ja nicht mit Kalksplittern den Sandpapiereffekt von oben wiederholen.


    Auch hier Kurzzusammenfassung: die richtige Säure löst den Kalk völlig. Wie Zucker im Kaffee wird so kein mechanischer Schaden am Lack verursacht, der Lack selbst hält Badreiniger aus. "Etwas einwirken lassen" reduziert die Kratzer durch schrubbeln.


    Und ich lasse viele, viele Dinge weg. Das ist ein Thema, bei dem ich mich auskenne - kurze Antwort fällt mir deswegen ganz furchtbar schwer. Vielleicht hilft dieses bei der Entscheidungsfindung: Ich würde an meinem Rad reinigen. Mit Badreiniger. Und einem weichen Schwammtuch.

  • Das sollte eigentlich mehr die Arbeit beim Lösen beschreiben. Wenn der Kalk erst einmal eingetrocknet ist ist es fast egal. Bei den Flecken auf dem Rad ist es ja gerade nicht wie im Wasserkocher, wo zwischen den einzelnen Kalklagen eine Feuchteschicht verbleibt, die das Zeug schneller auflöst, weil Säure eindringen kann.


    Ich würde aufsprühen, daneben stehen bleiben, wenige Sekunden warten (sagen wir mal 10 oder so .. damit irgend etwas greifbares dabei steht) und dann anfangen zu wischen. Der Schwamm hat den Vorteil, dass du nicht "hin und her" wischen musst und somit möglicherweise nicht gelöste Partikel nicht mehrfach kratzen (aber jetzt wird es dann schon arg theoretisch: so anfällig ist der Lack auch nicht. Wir reden ja nicht von Mona Lisa, sondern eher dem Äquivalent eines Kaffeeflecks auf einer CD-Oberfläche oder dem Bildschirm).

  • Das Thema hat sich übrigens mit der Zeit in Wohlgefallen aufgelöst: Während der Benutzung reibt man mit dem Hosenbein rüber und das Rad wird ohnehin wieder schmutzig, insofern fällt es mir schwer, selbst unter Einsatz einer Taschenlampe die Kalkflecken irgendwo auszumachen.


    Schade um den erhöhten Blutdruck, den mir diese Thematik für ein paar Stunden beschert hat.

  • Tja: Wenn man keine Probleme hat, dann sucht man sich eben welche.


    Will sagen, beziehungsweise fragen: Was macht man denn mit dem so genannten Honigtau, also den Hinterlassenschaften der Blattläuse?


    Ich habe eine Weile bei meinem früheren Arbeitgeber, als ich das mit dem Fahrradparken im Bureau noch nicht durchgesetzt hatte, unter einer Linde geparkt und das sah man dem Rad beim Feierabend auch an. Ob es dem Lack geschadet hat vermag ich nicht zu beurteilen, denn das ist der Zossen, der auch mal draußen vor dem Bahnhof parken darf, der sieht das mit dem Lack nicht so eng und ist Kummer gewohnt.


    Als ich heute den Wagen meiner Mutter ausgeliehen hatte, wurde mir aufgetragen, bitte nicht unter Linden zu parken, damit der Lack nicht ruiniert würde. Befrage ich das Internet zu dieser Problematik, dann ist ähnlich wie bei Kalkflecken Alarmstufe rot und sofortiges Einschreiten angesagt.


    Gehe ich recht in der Annahme, dass ich mir bei meinen Rädern, die eine Linde jeweils nur für ein paar Sekundenbruchteile sehen, wenn ich unter ihnen hindurchbrause, und die in der Regel ausschließlich in geschlossenen Räumen parken, keine Sorgen machen muss?

  • Zitat

    Er ist reich an Zuckern, vor allem an Frucht-, Trauben- und normalem Zucker (Saccharose), daneben kommen auch Maltose, Fructomaltose und Melezitose sowie weitere Oligosaccharide in kleineren Mengen vor. Daneben enthält der Honigtau Fermente, organische Säuren, Vitamine und Adenosinphosphate.

    Ich klaue mal die Zusammensetzung aus Wikipedia. Das ist also im Endeffekt eine wenig wasserhaltige Zuckerlösung mit etwas Säre. Den Rest kannst vermutlich dem Lack gegenüber ignorieren.


    Nun ist es bei Glaskeramikherdplatten wirklich so, dass Zucker extrem kritisch ist. Der schmilzt und erstarrt mit unterschiedlichem Wärmeausdehnungskoeffizienten und bringt dann eine Zugspannung parallel zum Zuckertropfen ins Glas. Deswegen ganz furchtbar.


    Glücklicherweise passiert das erstens bei Lack nicht (ich vermute, dein Radl wird nicht mehrere hundert Grad warm) und zweitens ist die Lösung die selbe. In warmem Wasser abwaschen. Wenn das heute Abend immer noch eine Frage ist wäre ich zu einem Experiment bereit: Mein Gartenzauntor ist dermaßen eingesifft, da klebt die Hand dran. Das muss ich eh reinigen. Ich könnte dann Fotos über den Fortschritt machen.

  • Den Rest kannst vermutlich dem Lack gegenüber ignorieren.

    Naja, außer dass sich mit etwas Pech ein Pilz drin festsitzt, der am Zucker nascht und dabei den Lack aufsprengt. Irgendwo anders habe ich noch gelesen, dass in den Zuckertropfen Alkohol gäre, der dann den Lack angreift.


    Andererseits: Wenn man sich im Internet zu diesen Themen informiert, dann hat man schon den Eindruck, dass man weder Fahrräder noch Autos draußen abstellen könne und ganz offensichtlich ist die Problematik so groß ja nicht.

    In warmem Wasser abwaschen.

    Was dann ja wieder zum Eingangsthema führt: Dann habe ich wieder die Kalkflecken im Lack, die ja bei warmen Wasser offenbar prächtigst gedeien.

  • Ich gebe zu, wir sind hier mit relativ weichem Wasser gesegnet. Würzburg wäre da vermutlich anders zu bewerten. Für den Notfall: Nimm warmes Wasser mit einem Schuss Essigreiniger. Wenn der Kalk gar nicht erst aus der Lösung ausfallen kann bleibt er auch nicht auf dem Rad.

  • weil in den meisten Sonnencremes Titandioxid und/oder Zinkoxid als Bestandteil verwendet werden

    Lischen-Radieschen und ich hatten Anfang des Monats mal das durchaus üppige Sortiment einer dm-Drogerie mit Codecheck abgeklappert.



    Wir haben tatsächlich nicht eine einzige Sonnencremé gefunden, die weder Titan- noch Zinkoxid enthält und gleichzeitig frei von irgendwelchen schwer abbaubaren Polymeren und kein Mikroplastik enthält und frei von Stoffen ist, die Lebewesen im Wasser hormonell beeinflussen. Grundsätzlich hat man entweder eines der beiden Oxide oder ein schwer abbaubares Polymer mit drin, den ganzen anderen Kram gibt’s dann in verschiedenen Kombinationen noch oben drauf.


    Ich habe den Eindruck, dass Sonnenschutz ein dermaßen chemischer Cocktail ist, dass man eigentlich kein Produkt guten Gewissens kaufen kann. Umweltfreundlich (und lackfreundlich) verhält man sich wohl nur, wenn man sich vor 9 Uhr oder nach 17 Uhr draußen bewegt, so dass die UV-Strahlung nicht mehr ganz so extrem ist und weder zum Sonnenbrand noch zu einer nennenswerten Alterung der Haut führt. Sobald man aber Sonnenschutz aufträgt, klatscht man ja einen chemischen Cocktail sondergleichen in die Umwelt.


    Beim Radfahren habe ich immerhin noch den Vorteil, langärmelige Kleidung und eine lange Hose tragen zu können. Das hat in den letzten beiden Wochen temperaturmäßig eigentlich hervorragend geklappt. Ins Gesicht muss ich mir den Kram aber trotzdem schmieren, mit Skimaske ist Radfahren wohl eher nicht angesagt.

  • Äh, ich bin verwirrt. Titan- oder Zinkoxide sind soweit mir bekannt nahezu völlig inert. Es sind ja schon Oxide - so wie halt Sand oder Rost oder Aluminiumoxid. Es ist auch sehr schwer, die vergleichsweise reaktiven Metalle wieder daraus zu lösen. Metalle (und vor allem deren Stäube) sind teilweise gesundheitsschädlich. Oxide sind relativ harmlos.


    Das stimmt in soweit natürlich nicht, dass Staubpartikel und Feinstaub durchaus eine Rolle spielen - eine echte Umweltgefahr von den paar Gramm Sonnenschutzoxid pro Person und Jahr sehe ich derzeit nicht.