Sachschaden durch Betonsägearbeiten

  • Sicher? Dafür hat man doch einen Bauleiter, damit der sich um sowas kümmert. Ein Bauleiter ist jedenfalls kein Vorarbeiter, eher ein Architekt.

    Das ist nur im Innenverhältnis relevant. Für einen Fremdschaden haftet erst einmal der Bauherr. Deshalb ist z.B. eine Bauherrenhaftpflichtversicherung ziemlich wichtig.

  • Nun, er hat sich nicht an den Bauherren gewandt. Er will nicht mit dem Bauleiter telefonieren. Er stellt keine konkreten Forderungen. Oder war im Anschreiben etwa eine konkrete (Geld-)Forderung mit Zahlungsziel dabei?


    Was kann denn schlimmes passieren, wenn er da jetzt einfach anruft? Im schlimmsten Fall legt man einfach auf, wenn der Gegenüber frech wird.

  • Nun, er hat sich nicht an den Bauherren gewandt.

    Ich hatte mich an die Firma gewandt, welche auf der großen Bautafel, die über das Sanierungsprojekt informiert, als ausführende Firma benannt wird.



    Er will nicht mit dem Bauleiter telefonieren.

    Stimmt, das will ich nicht. Und doch habe ich gestern die angegebene Handynummer angerufen. Der Bauleiter war sogar im Bilde. Lustigerweise gab er mir meine Frage unvermittelt zurück, welche ich in meinem Anschreiben an die Firma bereits formuliert hatte. Ich hatte schriftlich angefragt, wie die Firma denn die Schadenregulierung abwickeln mag. Da ich jedoch nicht die Schadenhöhe kenne, konnte ich auch keine konkreten Forderungen stellen. Jedoch fordere ich zumindest, dass das Fahrrad in den Zustand vor der Verschmutzung zurück versetzt wird.


    Naja, ich habe mich mit ihm nun doch tatsächlich vor Ort verabredet. Da aber der Bauleiter auf mehreren Baustellen gleichzeitig tanzt und auch mein eigener Urlaub noch ansteht, wird es mit dem Rendevouz erst in zwei Wochen etwas. Mir geht es dabei wohlgemerkt nicht etwa um ein neues Fahrrad. Meinetwegen putze ich das Rad auch selber. Mir geht es vielmehr darum, dass eine Verschmutzung von Fahrzeugen nicht einfach so hingenommen werden soll. Wie würde denn schließlich ein Autobenutzer reagieren, wenn er sein Fahrzeug nicht mehr in der selben Farbe vorfindet, die er bislang gewohnt war? Da kann die Firma doch gerne ihre Versicherung in Anspruch nehmen, sie kann eine Werkstatt mit der Säuberung des Rades beauftragen, der Bauleiter kann das Fahrrad auch gerne selber putzen oder man gibt mir einen finanziellen Ausgleich, der verhandelbar ist und meinen eigenen Aufwand entschädigt.


    Ich bin jedoch auch damit einverstanden, dass die Firma auf Höhe des Fahrradunterstands den Bordstein absenkt, damit man mit dem Rad den Unterstand endlich einmal problemlos erreichen und verlassen kann. Oder die Firma finanziert eine Handvoll sinnvoller Fahrradbügel, damit die Felgenkiller, an denen sowieso kein Mensch sein Fahrrad vernünftig anschließen kann, hoffentlich bald abgeschafft werden. Aber Hauptsache, die Firma nimmt die Angelegenheit ernst und ist sich ihres - wenn auch nur versehentlichen - Handelns bewusst.


    Ich stelle das Rad übrigens nun wieder exakt an die selbe Stelle. Die Schneidemaschine ist zwischenzeitlich verschwunden. Aber sollte sie wieder auftauchen, wird mein Rad nicht weichen. Genau das ist die Gelegenheit, festzustellen, ob das Lernziel erreicht worden ist.

  • Ohne jetzt drängeln zu wollen: Betonstaub (und ähnliches) sind stark alkalisch, du hast mit hoher Wahrscheinlichkeit Aluminiumbauteile am Rad.


    Mach es doch ohne Lernziel für die Firma und mit dem idealen Ergebnis für dein Rad: beauftrage einen Sachverständigen die Wiederherstellung zu bewerten, reiche die Rechnung für den SV bei der Firma ein. Beauftrage dann einen Fahrradladen mit Reinigung/Austausch und nimm ein voll funktionsfähiges Rad in die Hand. Unachtsamkeiten sind doof, dafür ist aber die Versicherung da. Ob beim nächsten Mal einer mehr Rücksicht auf Auto oder Rad nimmt ist immer offen. Nur wird die Situation für das Rad mit jedem Tag mit hoher Luftfeuchte schlechter.

  • ...der Bauleiter kann das Fahrrad auch gerne selber putzen oder man gibt mir einen finanziellen Ausgleich, der verhandelbar ist und meinen eigenen Aufwand entschädigt. ...

    Nein, würde ich mich auf keinen Fall drauf einlassen, du weißt ja nicht womit der dann rumhantiert. Wenn es nicht mit Wasser, normalem Spülmittel und Schwamm weggeht, was ja hier der Fall ist, würde ich es nur von einer Fachwerkstatt instand setzen lassen.

  • So, mein Rad ist wieder sauber.


    Aufgrund meines Urlaubs hatte sich die Regulierung zunächst um eine Woche verzögert. Doch am darauf folgenden Montag bin ich mit meinem verschmutzten Fahrrad wieder zum Bahnhof gefahren und habe es demonstrativ genau dort abgestellt, wo die Verschmutzung herbeigeführt wurde. Da ich die Telefonnummer vom Bauleiter ja aus der schriftlichen Antwort bekommen hatte, habe ich ihm kurzerhand per WhatsApp mitgeteilt, dass ich am Montag Nachmittag aus der S-Bahn steigen und das Angebot annehmen werde, die weitere Vorgehensweise vor Ort zu besprechen. Er war einverstanden.


    Also bin ich am Nachmittag erst einmal zu meinem Fahrrad. Dort habe ich es überraschenderweise in einem einigermaßen gereinigten Zustand vorgefunden:



    Der Bauleiter war zu diesem Zeitpunkt bereits seit einer halben Stunde im wohlverdienten Feierabend. Nur ein weiterer Mitarbeiter der Baufirma war noch da, war über den Fall aber voll im Bilde. Er sagte, gerne hätte man das Fahrrad auch noch gründlicher gereinigt, wenn ich es nicht angeschlossen hätte. So aber hätte nur eine grobe Reinigung durchgeführt werden können. Mir wurde vorgeschlagen, dass ich am nächsten Tag das Fahrrad wieder vorbei bringe und direkt vor den Baucontainern platziere. Auch um fünf Uhr in der früh wird schon gearbeitet, so dass das Fahrrad direkt in Empfang genommen werden könne.


    Also gesagt, getan! Am nächsten Morgen Fahrrad postiert. Es war jedoch wieder ein anderer Mitarbeiter vor Ort, der sich meiner annahm. Den Bauleiter gibt es dort wohl gar nicht. Egal. Mir wurde zugesichert, dass das Fahrrad am Abend sauber geputzt abholbereit wäre. Ich bräuchte mir keine Sorgen machen, das Fahrrad würde nicht abhanden kommen. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass die Baufirma gar nicht selbst das Fahrrad eingesaut hatte, sondern ein Sub-Unternehmer, der das Arbeitsmaterial der Baufirma benutzt. Der Sub stellt anscheinend lediglich die Arbeitskraft. Ich erklärte trotzdem noch kurz mein Bügelschloss mit Zahlencode, damit das Fahrrad nicht doch noch wegkommt und setzte mich in die S-Bahn.


    Abends empfing mich dann ein fast perfekt geputztes und angeschlossenes Fahrrad.



    Und ich hatte nicht den Eindruck, als hätte man den scharfen Strahl eines Hochdruckreinigers draufgehalten. Nein, da muss sich jemand intensiv und ganz genau mit der Reinigung auseinander gesetzt haben. Der Rahmen, der Korb, die Speichen und Felgen: Alles war wieder blitzblank sauber. Ich war schwer beeindruckt. Da zu diesem Zeitpunkt kein Mitarbeiter greifbar war, trat ich meine Fahrt nach Hause an. Zwar bemerkte ich einige Schleifgeräusche, zu Hause angekommen musste ich dann aber nur abgeplatzten Lack von der Innenseite des Schutzblechs entfernen. Die Schutzbleche sind ohnehin unterhalb des Lacks großflächig verrostet, so dass es nicht verwundert, dass dort überall der Lack abblättert.


    Heute morgen wiederum hatte ich auf dem Bahnsteig insgesamt drei Mitarbeiter der Baufirma getroffen. Man erkannte mich sofort und begrüßte mich freudestrahlend. Hätte nur noch das Bier am Morgen gefehlt und wir hätten zwischen Betonplattenstapel und Absperrzäunen angestoßen. Zwar begann man dann, sich über mein Fahrrad nun etwas lustig zu machen: Es würde Schrott darstellen, andererseits würden über Facebook schon Höchstpreise dafür geboten. Gaudi hin und her. Man zwinkerte mir zu und ich bedankte mich nochmal für die Reinigung. Auch teilte ich nochmals mit, dass ich sehr positiv überrascht bin über den ganzen Ablauf der Regulierung. So verschwand ich in der kurz darauf einfahrenden S-Bahn. Ach ja, ich fragte noch gezielt nach, ob nun der Sub das Fahrrad gereinigt hätte. Nein, das wäre die Baufirma selbst gewesen. Man hätte die Reinigung anscheinend sehr freudig genossen. Keine Ahnung, was man damit gemeint hat. Das ganze Thema muss die Stimmung auf der Baustelle wohl extrem angehoben haben.


    Na, jedenfalls ist für mich die Sache nun erledigt. ich werde stets dieses Erlebnis in Erinnerung behalten, wann auch immer ich an meinem Heimatbahnhof ein- oder aussteige. Und das wird wohl geschätzt noch bestimmt zehntausend Mal der Fall sein. Lustige Sache!


    Ich sag mal, es ist schon doch ein Unterschied, ob es nun meinen 60.000-Euro-SUV betreffen würde (wenn ich denn einen hätte), oder eben ein schrottiges, aber dennoch zuverlässiges und funktionsfähiges Bahnhofsfahrrad, was bei eBay vielleicht für maximal 55 Euro weggehen würde. Daher habe ich mich dazu entschlossen, auch nicht den offiziellen Weg über (mecker, mecker...) Sachverständigen, Fahrradwerkstatt, möglicherweise Gericht usw. zu gehen. Die Baufirma hat ihrerseits so süß mitgewirkt und war wirklich um mein Fahrrad und mich echt besorgt. Das belohne ich dann auch mit meiner vollsten Zufriedenheit. Irgendwo muss man ja auch noch Mensch bleiben.