Beiträge von Peter Viehrig

    Zynisch ist es, den ADFC, bzw. die Veranstalter*innen der Senior Mass als ein gewinnorientiertes Unternehmen darzustellen, das etwas "vermarkten" will.

    Wer hat wann und wo wem eine Gewinnorientierung unterstellt? Dezidierte Belege bitte.

    Und ich sehe da keine "finsteren Mächte" am Werk, die die Teilnehmer*innen an der Demonstration für irgendwelche vermuteten "Geschäftsmodelle" ausnutzen.

    Wer hat wann und wo wem genau eine Ausnutzung der "Teilnehmer*innen" für welches Geschäftsmodell genau unterstellt? Dezidierte Belege bitte.

    Sie schrammen hier ganz knapp an der bewußten Lüge entlang. Also, Belege.

    Wenn ich die teils zynischen Kommentare zur Senior Mass hier lese, dann frage ich mich, ob da nicht so jemand wie der von Dota Kehr beschriebene Rennrad-Typ dahinter steckt.

    Zynisch, also menschenverachtend, ist es, Radwege als Sicherheitsgewinn zu vermarkten, denn sie sind das exakte Gegenteil. Und die Vermarkter wissen das auch genau. Senioren bewußt in den Tod zu schicken, das ist menschenverachtend. Sie zu einer Demo zusammenzutrommeln, um das zu tun, ist an Perfidie kaum zu übertreffen.

    Naja, was heißt hier "Nebelkerzen" und "abgehandelt". Zumindest scheinen wir uns ja darin einig zu sein, dass beim Mountainbike-Rennsport die Helme einen gewissen Unfallschutz gewährleisten.

    Nein, denn auch dafür fehlt der evidenzbasierte Beleg. Ich habe lediglich der leider typischen Erweiterung des Themas widersprochen, denn es ging und geht um Fahrradhelme. Dafür ist die Beleglage ausreichend schlecht, im Gegensatz zum Helm für Mountainbiker. Womit für mich das Thema Mountainbikehelme bis zum evidenzbasierten Beleg beendet ist.

    Ich habe den Eindruck, du unterstellst den Rennveranstaltern, dass sie wider besseren Wissens die Helmpflicht bei Straßenradrennen eingeführt hätten, und dass die von ihnen in Auftrag gegebenen Gutachten nicht genügend belegen, dass Fahrradhelme Straßenradrennen sicherer machen.

    Ich unterstelle nicht. Sie haben das schlicht so getan. Es gibt halt bis heute keine Evidenz, daran ändern Gutachten gar nichts.

    Radrennfahrer sehe ich tempomäßig näher an Motorradfahrern als an Flachland-Alltagsradlern. Deshalb macht der Helm wie beim Motorradfahren Sinn.

    Integralhelme möglicherweise. Fahrradhelme: Evidenz bitte, keine Anekdoten.

    Soll das heißen, du machst keinerlei Unterschied zwischen Rennradsport-Training und Rennradsport-Veranstaltungen, insbesondere Wettkämpfen und Alltagsfahrradfahren?

    Ich mache Unterschiede. Radsport ist anstrengend, Alltagsradelei hingegen nur bei freiwilliger Verausgabung. Bei Radsport kommt es immer auf die Zeit an, bei Alltagsradelei lediglich auf die Ankunft und den Transport von etwas/jemandem. Rennradsport-Veranstaltungen finden in eingehegten Bereichen statt, Alltagsradelei ganz überwiegend im öffentlichen Straßenverkehr etc.
    Soweit es die Helmfrage betrifft, mache ich keinen Unterschied. Warum auch?

    Fakt ist, dass der Fahrradhelm seit rund 20 Jahren zur Grundausstattung beim Rennrad-Sport gehört. Da haben die Rennrad-Sportler eine Entscheidung getroffen,

    Das haben sie nicht. Das waren die Rennsportveranstalter, nicht die Sportler. Und dahinter stehen sicher haftungsrechtliche Auflagen der Versicherer einerseits und Werbeauflagen der Sponsoren andererseits.

    die ich nicht in Frage stellen will.

    Schade, gerade dann, wenn es doch sinnvoll wäre.

    Wie stellst du dir das vor: Soll ich den Rennradfahrern sagen, lasst das mal schön bleiben mit dem Helmtragen! Das ist schlecht für's Fahrrad-Image, weil es suggeriert, das Fahrradfahren eine gefährliche Sache ist.

    Ich habe nirgendwo einen Auftrag für eine Predigt erteilt. Wenn da etwas gesagt werden muß (ausdrücklich kein Auftrag!), dann ist es am besten die nachweisbare Wahrheit, womit Heiliger Geist und angebliche Sicherheit durch Fahrradhelme herausfallen.

    Fakt ist auch, dass der Rennradsport sich auf das Kaufverhalten und die Gewohnheiten der Fahrradfahrenden auswirkt. Und nicht nur das Straßenrennen, sondern auch Mountainbike-Rennen sind sehr beliebt. Beides wird mit Helm betrieben.

    Ja und? Mountainbike-Helme sind nochmal eine ganz andere Liga und mit Fahrradhelmen im Straßenverkehr nicht vergleichbar.

    Und jeder im leicht fortgeschrittenen Alter weiß, dass in den Hochzeiten von Team Telekom Rennradfahren stark angesagt war und sich viele ein neues Rad kauften und dazugehöriges Equipment.

    Ja und?

    Das hat sich damals (noch) nicht auf den Kauf von Fahrradhelmen ausgewirkt, denn Team Telekom lehnte die Helm-Tragepflicht ab. Aber seitdem sind einige Jahre ins Land gegangen. Und zum modischen Fahrradfahren ("wie die Profis") gehört inzwischen auch der Helm.

    Ja und?

    Was ich aber wichtig finde: Für das Alltags-Fahrradfahren sehe ich keinen Grund eine Helmpflicht einzuführen.

    Es gibt auch sonst keinen. Letztlich geht es bei der ganzen Debatte um zweierlei:

    Erstens will man Radfahrern ohne Helm eine Teilhaftung bei unverschuldeten Unfällen aufzwingen, denn das entlastet die Kfz-Haftpflicht-Versicherungen. Und der BGH hat ja bereits angekündigt, absehbar so zu entscheiden, wenn die Helmtragequote nur hoch genug ist. Ein evidenter Wirkungsnachweis von Fahrradhelmen ist dann nicht erforderlich.

    Zweitens will man den Radverkehr an sich unattraktiver machen, was allen anderen Verkehrsträgern dienlich ist, einschließlich und vor allem dem PKW.

    Nachdem ich nun diese ganzen Nebelkerzen abgehandelt habe: Wo ist denn nun der evidenzbasierte Beleg, der eine unterschiedliche Sicherheitsbetrachtung des Fahrradhelmes im Rennradsport bzw. Straßenverkehr rechtfertigt?

    Hat es denn überhaupt jemand jemals versucht?

    Massenhaft. Naja, fast. Es gibt immer wieder Versuche, die entweder auf einer unzureichenden Datenlage beruhen oder einem wissenschaftlichen Anspruch auf Evidenz schlicht nicht standhalten.

    Eine der berühmtesten "Studien" dürfte wohl die aus Seattle sein, bei deren genauerer Betrachtung die "festgestellten" Daten sich ebenso heranziehen ließen, weißen Tennissocken eine signifikante Präventionswirkung gegen schwere Kopfverletzungen "nachzuweisen". Die Autoren hatten schlicht "vergessen", daß die USA ein zutiefst rassistisches und sozialdarwinistisches Gesundheitssystem haben. Weiße Kids in Vorstädten tragen häufiger Fahrradhelme (und weiße Tennissocken) als schwarze in den Slums der Großstädte. Erstere werden bei Unfällen aber auch bei geringeren Verletzungen eher, schneller und besser medizinisch versorgt, weshalb Verletzungen, also auch Kopfverletzungen während einer Radfahrt, natürlich weniger gravierende Langzeitfolgen zeigen, und die leichten Verletzungen der Kids aus den Slums oft erst gar nicht erfaßt werden, Helm hin oder her.

    Dann einmal neugierig gefragt:

    Lassen wir einmal die Toten weg: Wie sieht es bei Verletzungen aufgrund von Stürzen aus? Wie oft verhindert der Helm da schlimmeres?


    Ich wiederhole mich:

    Es gibt bisher keine empirisch valide Statistik, keine wissenschaftlich sattelfeste Evidenz, die das belegt. Keine. Weltweit.

    Das ist halt der Punkt. Wenn es überhaupt eine Wirkung eines Fahrradhelmes gibt, ist sie derart gering, daß sie im statistischen Rauschen verschwindet.

    Sicher reduziert der Helm im statistischen Mittel den Schweregrad von Kopfverletzungen und deren Folgen, bei Unfällen, wo der Verunglückte überlebt.

    Es gibt bisher keine empirisch valide Statistik, keine wissenschaftlich sattelfeste Evidenz, die das belegt. Keine. Weltweit. Und die Annahme, daß Helme statistisch signifikant die Schwere von Verletzungen reduzieren, die Todesrate aber nicht, ist inkonsistent. Täten sie das eine, täten sie zwingend auch das andere.

    Man mag sich fragen, woran die Wirkungslosigkeit von Fahrradhelmen liegt. Das wurde bisher aber nie untersucht, da man noch beim versuchten Wirkungsnachweis festhängt.

    Sowohl die Turntec T2 von Busch & Müller als auch die BLNKR von Motogadget werden an die Lenker-Enden montiert und strahlen nach vorn und hinten. Allerdings können die Enden des Lenkers im ungünstigen Fall vom eigenen Körper nach hinten verdeckt werden. Etwa, wenn die Straße einen leichten Bogen nach rechts macht, während man nach links abbiegen will. Es gibt Nachrüstsysteme, die gesonderte Blinklichter für vorn und hinten vorsehen. Etwa von Busch & Müller und Velorian. Deren Montage ist allerdings aufwendiger und sollte im Fachgeschäft erfolgen. Wir haben diese Systeme nicht getestet. Jedoch einen Helm, der ebenfalls Blinklichter für vorn und hinten hat.

    Ok, die einzigen Blinker, die zugelassen sind und wahrscheinlich etwas bringen könnten, da man sie auch von hinten sicher erkennen kann, wurden nicht getestet.
    Getestet wurden stattdessen Blinker, bei denen das nicht sicher ist oder die nicht zugelassen sind.