Tempo 30 wird in Spanien innerorts zum Regelfall: Spanien verabschiedet sich von Tempo 50 - DER SPIEGEL
Eine ähnliche Reaktion gab es schon, als kürzlich über den Vorstoß des Parlaments in NL berichtet wurde, T30 verbindlich als Regelgeschwindigkeit vorzuschreiben. Im Kern läuft der Tenor der Berichterstattung auf das übliche "Deutschland kriegt mal wieder nix auf die Kette. Andi Scheuer kann es nicht"-Bashing hinaus. Die Pointe: wenn man nachsieht, welche Anteile in deutschen Großstädten bereits als T30-Zonen ausgewiesen sind, dann merkt man, dass Deutschland anordnungsmäßig schon längst da steht, wo die anderen erst noch hinwollen.
Sofern es dann noch Unterschiede bei der Verkehrssicherheit gibt, können sie nur auf unterschiedlicher Praxis der Überwachung und Sanktionierung (Vollzugsdefizit statt Regeldefizit) beruhen.
München zB hat bereits auf 85% aller Straßen T30. Folglich kommt es auch nicht unerwartet, dass von den 32 tödlichen Fahrradunfällen mit KFZ, die ich seit 2013 für München registriert habe, kein einziger bei ist, wo "spanisches" Tempo 30 (also pauschal auf allen zweistreifigen Fahrbahnen) einen Unterschied gemacht hätte. Die Unfälle basieren zumeist auf Fahrmanövern, wo die KFZ aus physikalischen Gründen langsamer waren als 30 (Abbiegen, Einbiegen, Einfahren, Zurücksetzen). Oder sie waren entweder in bereits ausgewiesenen T30-Zonen oder auf Straßen mit mehr als 1 Fahrstreifen pro Richtung. Oft genug waren gleich mehrere der einschränkenden Bedingungen gleichzeitig erfüllt.