Ullie - nein, das ist keine Festschreibung. Das ist eines der vielen Rädchen an denen man schrauben kann.
Mal zu meiner Person: die meiste Zeit meines Lebens bin ich komplett ohne Auto ausgekommen. Meine bevorzugten Fahrzeuge waren das Fahrrad und das Motorrad. Gleichberechtigt. Mit beiden bin ich den Winter durchgefahren und hab mit beiden auch meinen Urlaub gestaltet.
Ich bin Camper. Mit Hotels und geführten Reisen kann ich nichts anfangen. Null. Meine Erkrankung hat daführ gesorgt das ich das in der bisherigen Form nicht mehr durchführen kann. Mit dem Auto meiner Süßen können wir noch mit dem Faltwohnwagen los. Das können wir mittlerweile auch kaum noch (meine Süße ist auch erkrankt). Was ist deine Lösung für uns? Zu Hause bleiben? Das ist nur ein (wichtiger) Aspekt der Mobilität. Es gibt ja auch noch andere Aspekte, insbesondere wenn man mehr oder weniger Bewegungseingeschränkt ist. Was ist da deine Lösung? Auch zu Hause bleiben? Auf die Bahn verlassen? Das tu ich seit 30 Jahren nicht mehr. Auf Mietfahrzeuge verlassen? Kann man vergessen. Auf andere Leute verlassen? Kann man vergessen. Ich denk nur mal an die Öffis in Hamburg. Es gibt eine große Zahl an Strecken die schnell und problemlos sind. Sobald man aber quer unterwegs ist hat man unglaubliche Reisezeiten durch langes warten, oder man hat Umsteigebahnhöfe die für mich nicht zu bewältigen sind. Und dann hab ich noch nicht mal was dabei. Und zu Hauptverkehrszeiten brauch ich gar nicht los. Da in den "Viehtransportern" keine Sitzplätze sind ist das für mich unbrauchbar. So ist das oft im Leben - was für den einen eine einfache Lösung ist ist für den anderen Unzumutbar.
ÖPNV-Mobilität ist oft leider keine "einfache Lösung". Die einfachste Lösung ist zu Fuß gehen. Und wenn das nicht geht oder nicht mehr geht, geeignete Hilfsmittel benutzen. Bereits Fahrradfahren ist ein deutlich kompliziertere Angelegenheit. Und die ÖPNV-Nutzung hat nach meinen Erfahrungen sehr viel mit Routine zu tun. Besonders im Alter macht es sich sehr negativ bemerkbar, wenn jemand es sein Leben lang gewohnt war, mit dem eigenen PKW mobil zu sein. Für so jemanden ist die Umstellung auf den ÖPNV oft sehr sehr schwierig und wird in der Regel "umgangen". Selbst wenn eines Tages die zahlreichen von dir geschilderten Beispiele fehlender Barrierefreiheit zuverlässig bewältigt sind, wird es sicher noch mehrere Jahrzehnte dauern, bis die dann bereit stehende barrierfreie ÖPNV-Mobilität auch tatsächlich von allen angenommen wird. Falls es überhaupt dazu kommt, denn die Propangandisten der Automobilität unternehmen einiges, um den Aufbau von autofreien Siedlungsstrukturen zu verhindern.
Beim jetzigen Tempo des "barrierefreien Ausbaus von Omnibushaltestellen" in der Region Hannover etwa, wird es noch rund fünfzig Jahre dauern, bis alle bestehenden Haltestellen barrierefrei ausgebaut sind. Trotzdem: Je nach Krankheitsbild oder Form einer Behinderung verleiht bereits jetzt der ÖPNV mehr Menschen mit Handycaps mehr Mobilität als das Verkehrsmittel Auto das leisten kann.