Das ist eine der Gegendarstellungen, die man sich merken muss, um den Verschwörungserzähler*innen den Wind aus den Segeln zu nehmen. In dem von Malte verlinkten WDR-Beitrag wird über die Maßnahmen in der belgischen Hauptstadt Brüssel gesprochen, die jetzt in der Corona-Phase umgesetzt wurden, um mehr Platz zu schaffen für das Social-Distancing und die bei vielen Brüsselern gut ankommen. Viele Straßen in der Innenstadt wurden für den Autoverkehr gesperrt, um mehr Platz zu schaffen für den Fuß- und Radverkehr.
In Minute 5:50 von 18:59 wird darüber berichtet, dass die Befürworter des Autoverkehrs jetzt befürchten, dass noch mehr Menschen in Brüssels Innenstadt strömen als ohnehin schon und der ohnehin schon chaotische Verkehr dadurch noch chaotischer werden würde.
Dabei sind die Autoverkehr-Befürworter ansonsten eher darauf aus, das Zerrbild der "toten Innenstadt" zu zeichnen. Umweltschützern und Befürwortern einer autofreien Innenstadt wird unterstellt, sie würden den Geschäften die Kundschaft vergraulen, weil die nun mal überwiegend mit dem Auto komme. Und wenn keiner mehr mit dem Auto in die Innenstadt fahren kann, dann würde gar keiner mehr kommen und die Innenstadt würde veröden.
Dass das Gegenteil der Fall ist, zeigt Brüssel. Und prompt ist es den Autoverkehrbefürwortern plötzlich ein Zuviel an Menschenandrang.
Und auch den Gegnern der Corona-Schutzmaßnahmen kann man entgegenhalten, dass diese Maßnahmen keineswegs zum totalen gesellschaftlichen Stillstand führen, sondern im Gegenteil in manchen Bereichen längst überfällige Entwicklungen anstoßen, wie zum Beispiel mehr Platz für Fuß- und Radverkehr.
Was mir allerdings tatsächlich noch Sorgen macht, ist die von verschiedenen Seiten abgegebene Prognose, dass der ÖPNV wegen der Corona-Infektionsgefahr nachhaltig an Ansehen verlieren werde und viele vom ÖPNV auf das Auto umsteigen werden.
So berichtet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt über die Ergebnisse einer eigenen Umfrage: "Der privat genutzte PKW weist gegenüber anderen Verkehrsmitteln aktuell einen deutlichen Wohlfühlfaktor auf. Fast alle Befragten gaben an, sich im Auto wohler oder genauso wohl zu fühlen wie vor der Krise. Das ist bei keinem anderen Verkehrsmittel der Fall. Zu den großen Verlierern gehören alle öffentlichen Verkehrsmittel. Ob Nahverkehr, Fernverkehr, Carsharing oder Flugzeug: Die Nutzung bricht ein, gleichzeitig fühlen sich die Menschen deutlich unwohler bei der Nutzung oder bei der Vorstellung, sie zu nutzen. Je häufiger sie den öffentlichen Nahverkehr im normalen Alltag nutzen, desto größter das Unwohlsein in der aktuellen Situation. Rund ein Drittel der Befragten aus Haushalten ohne eigenen PKW (in Deutschland etwas mehr als 20 Prozent) vermissen derzeit das Auto als Verkehrsmittel. Sechs Prozent der Haushalte ohne eigenen PKW geben an, aufgrund der Verbreitung des Coronavirus über die Anschaffung eines Pkw nachzudenken. Generell erwägen neun Prozent aller Befragten den Kauf eines Fahrrads oder Elektrofahrrads."
https://www.dlr.de/content/de/art…mobilitaet.html
Was allerdings auch deutlich wird: Es denken mehr Haushalte über den Erwerb eines Fahrrades oder Elektrofahrrades nach als über die Anschaffung eines Autos!
Hier ein Bild aus 2018 von einem rund 40 Jahre alten Straßenbahnfahrzeug aus Brüssel im regulären Alltagsbetrieb:
Die Langlebigkeit und damit Nachhaltigkeit von Straßenbahnfahrzeugen wird nur von wenigen Verkehrsmitteln übertroffen! Alleine dieses einzige Fahrzeug hat bereits mehrere Millionen Menschen transportiert!
Und dieses Straßenbahnfahrzeug (siehe unten) hatte bereits seit rund 25 Jahren seinen Dienst in Hannover versehen, als die sogenannte "spanische Grippe" in Europa wütete. Heute fährt es allerdings nur noch als Oldtimer bei Sonderfahrten.