Insektenparadies auf dem Balkon

  • Beim heutigen Spaziergang zu den Krokussen fand ich diese Hummel vor, die ich zunächst für ein Opfer von Frost und Erschöpfung hielt. Dann bewegte sich das Tier, plumpste aus dem Krokus ins Gras und ich beschloss, das Insekt mit nach Hause zu nehmen und zu füttern.



    Das eilig angerührte Zuckerwasser wurde verschmäht, stattdessen wurde die Hummel von der Wärme aufgeweckt, flog mir direkt aus der Hand in die Küche und knallte kopfüber gegen die Fensterscheibe. Danach wurde erstmal geruht, dann wieder geturnt. Und andauernd kippte das Tier wieder auf den Rücken und strampelte erfolglos herum, bis ich es wieder auf die Beine setzte.



    Lischen-Radieschen kam auf die Idee, statt Zuckerwasser Honig zu verfüttern — die Hummel fand’s auch prima und stürzte sich geradezu auf die klebrige Masse:



    Anschließend boten wir ihr einen Unterschlupf auf dem Balkon in einem mit Küchenpapier und dem Löffel mit Honig ausgestopften Glas an, den sie direkt bezog. Vorher pisste sie aber noch vor die Tür: Die Tropfen vor dem Glas sind kein Regen, sondern Hummel-Pipi. Die Hummel hielt sich mit den Vorderbeinen am Glasrand fest und pisste einfach in einem bemerkenswert kräftigen Strahl nach hinten raus.



    Weil es momentan draußen stürmt und friert und das Glas ein bisschen durch die Gegend rollte, bauten wir ihr einen neuen Unterschlupf fürs Wohnzimmer. Ich hoffe ja, dass sie bei der Wärme nicht allzu aktiv wird, aber bis morgen oder übermorgen darf sie gerne bleiben.


  • Wieder ein neuer Frühling.


    Wie man auf Strava sehen kann, bewege ich mich einigermaßen häufig draußen in der Natur, beziehungsweise arbeite zu Hause bei offenem Fenster, sofern es denn der Schalldruckpegel der gegenüberliegenden Grundschule zulässt.


    Was fehlt, sind Insekten. Okay, das stimmt nicht so ganz, Fruchtfliegen, Spinnen und Feuerkäfer sind schon da, Ameisen sowieso. Aber so etwas wie Bienen oder Schmetterlinge oder Hummeln habe ich drei Mal gesehen. Das weiß ich, weil ich diese Tiere bei der Gelegenheit sofort fotografieren wollte.


    Nun ist das bei uns zu Hause auch kein Wunder, das Fenster des Arbeitszimmers zeigt nach Westen, dort halten sich Insekten mutmaßlich allenfalls nach Feierabend auf, und jeden zweiten Donnerstag kommt der Gärtner, stutzt den Rasen und sorgt dafür, dass in den Blumenbeeten zwischen wertlosen Zierpflanzen kein Unkraut wächst. Der geht dort mit dem Laubbläser durch, damit hier alles seine Ordnung hat.


    Und sonst? Interessanterweise ist man ja in einigen Städten, etwa hier in Lüneburg, in Bad Segeberg, in Kiel, sogar in Rendsburg auf die Idee gekommen, Blumenkübel im Stadtgebiet zu verstreuen. Urban Gardening schreibt man dann drauf und was ich im ersten Moment für eine tolle Idee hielt, waren dann Stiefmütterchen mit Gesicht und irgendwelche Pflanzen, die ich nicht einmal benennen konnte, die aber offenkundig auch keinen weiteren Nutzen für die Natur hatten, außer dass sie Pflanzen sind.


    Auch nach den ersten Radtouren mit Sonnencreme im Gesicht komme ich so sauber nach Hause wie eine Windschutzscheibe nach 300 Kilometern auf der Autobahn: Kein Insekt klebt mir im Bart. Alles sauber.


    Und das Schlimmste an dieser Entwicklung ist nunmal, dass sie so langsam verläuft, dass wir uns locker daran gewöhnen können. Aus meiner Kindheit kenne ich brummende Büsche, die es quasi überall gab, sowohl in unserem Garten als auch auf dem Schulhof oder in der Innenstadt im Park. Heute brummt hier nichts mehr, allenfalls der Kraftverkehr, für den wir hier in Lüneburg noch eine Autobahn durch ökologisch wertvolle Flächen bauen wollen. Tja.