Kreisverkehr? Nein Danke!

  • Da fährt also ein Radfahrer auf dem linksseitigen Radweg von Einmündung A zu Einmündung B.

    Und bei Einmündung B biegt der Radfahrer in die B-Straße links ab.

    Frage: wie viele Fahrbahnen quert der Radfahrer dabei? :rolleyes:

    Wer zum Beispiel von der Charlottenstraße (Tempo 30 Zone Wohngebiet) kommt und im Supermarkt einkaufen will, der kann auf dem Allerweg (Hauptverkehrsstraße, Tempo 50) mit dem Fahrrad auf dem Hin- und Rückweg auf der blau eingezeichneten Seite fahren, dort gibt es einen Zweirichtungs-Angebotsradweg.

    Auf dem Hinweg zum Supermarkt muss der Allerweg nicht 2x überquert werden.

    Viele Fahrradfahrer*innen machen von dieser Möglichkeit Gebrauch.

  • Manchmal bleibt einem fast keine andere Wahl als links herum durch den Kreisverkehr zu fahren. So wie ich hier in Schwarmstedt (YouTube). Hier nochmal in Google Maps (offenbar da noch in Bau)

    Solche Kreisel außerorts, bei denen außenherum ein Fahrradweg geführt wird, der in beide Richtungen benutzt werden darf (bzw. muss), gibt es auch in den Niederlanden.

    Hier einer bei Groningen:

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    Interessant an dem Kreisel sind die gewaltigen Betonquader, die auf der roten Schürze rund um die Kreiselmitte liegen. Diese rot gestaltete Schürze darf nicht vom PKW-Verkehr benutzt werden, sondern dient ausschließlich den inneren Rädern großer Nutzfahrzeuge als Lauffläche.

    Die gewaltigen Betonquader, sind sicher nicht einem LKW von der Ladfläche gefallen, sondern dienen vermutlich dazu, allzu schnelle Kreiseldurchfahrten mit Abkürzungen über die rote Schürze, die breiten LKW vorbehalten ist, zu unterbinden. (Allerdings werdensie so den LKW zum Hindernis.)

    Und auch in den Niederlanden gibt es außerorts Kreisel, bei denen die Fahrradfahrer*innen wartepflichtig sind gegenüber dem Verkehr, der in den Kreisel hineinfährt oder den Kreisel verlässt.:

    Dieser ist ebenfalls in der Nähe von Groningen:

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  • Habe mir gerade noch mal den Kreisel aus meinem letzten Beitrag angesehen.

    Tatsächlich gibt es dort eine Ausfahrt aus dem Kreisel, die für Fahrräder und Mopeds verboten ist. Es gibt auch keinen parallel geführten Fahrrad- und Mopedweg. Die Straße ist aber auch nicht als Kraftfahrtstraße ausgeschildert.

    Siehe hier:

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    Auch im angeblichen "Fahrrad-Vorzeigeland Holland", in den Niederlanden, gibt es fiese Beispiele dafür, dass es mit der angeblichen Fahrrad-Vorzeigeinfrastruktur auch nicht überall so weit her ist.

  • Manche interessante Details entdeckt man erst beim zweiten oder dritten Mal hinschauen:

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    Da hängt doch tatsächlich ein Schild mit Fahrrad und Moped-Symbol unter dem Kreisverkehrschild [Zeihen 215] . Und diese Fahrräder und Mopeds sind "uitgezonderd", dürfen also den Kreisel ausdrücklich nicht auf der Fahrbahn befahren. Warum hängt da dieses Schild? Ich vermute mal deshalb, weil das relativ häufig vorkommt. Denn würden dort nicht häufiger Fahrräder und Mopeds auf der Fahrbahn im Kreisverkehr mitfahren, dann müsste man das Schild ja nicht extra aufhängen.

  • Das Video zeigt den Vortrag eines niederländischen Verkehrsexperten, der unter anderem über das Thema Kreisverkehr referiert und ein Beispiel für einen Kreisverkehr in den Niederlanden zeigt, den er als sicher für den Fahrradverkehr bezeichnet.

    Das ist sehr interessant, dass die vom Niederländer vorgestellte Art des Kreisverkehrs anscheinend sicherer ist als die von Timm Schwendy so gepriesene geschützte "holländische Kreuzung", bei gleichem Platzverbrauch.

  • Das ist sehr interessant, dass die vom Niederländer vorgestellte Art des Kreisverkehrs anscheinend sicherer ist als die von Timm Schwendy so gepriesene geschützte "holländische Kreuzung", bei gleichem Platzverbrauch.

    Der niederländische Verkehrsexperte, Johan Diepens, stellt in dem Film sowohl Kreisverkehre als auch Kreuzungen vor. Hier ist noch mal der Link:

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    Von Minute 13:00 bis Minute 16:50 stellt Johan Diepens ein Kreuzungs-Design vor, das er für gelungen hält.

    Und diese Kreuzung sieht doch sehr so aus, wie die "holländische Kreuzung", die unter anderem auf der ADFC-Internetseite mit dem Titel, "Kreuzungsdesign aus den Niederlanden", am 9.11.2020 vorgestellt wird:

    Hier der Link zu dem Artikel:

    Kreuzungsdesign aus den Niederlanden
    Gute Kreuzungen beugen Unfällen vor. Das ADFC-Projekt InnoRAD hat besonders gute Kreuzungsdesigns recherchiert und geprüft, ob sie in Deutschland anwenbar…
    www.adfc.de

    Hier der Link zu dem Bild aus dem Artikel:

    https://www.adfc.de/fileadmin/_processed_/b/1/csm_Kreuzung_2020-11-10_mit_Ampel_Timm_Schwendy_84423c36ff.jpg

    Timm Schwendy ist auf derselben Veranstaltung aufgetreten wie Johan Diepens:

    Fachtagung des ADFC – Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V. am 26.09.2019 in Berlin.

    Ich hatte nicht den Eindruck, dass der niederländische Verkehrsexperte Kreisverkehre grundsätzlich für sicherer hält.

    Auf jeden Fall sagt er zu dem Kreisel mit einem außen herum geführten Fahrradweg, der in Minute 3:30 - 4:15 gezeigt wird: "Was ganz wichtig ist, in der geschlossenen Ortschaft haben Fahrradfahrer und Fußgänger fast immer Vorfahrt." (Minute 4:05)

    Das ist vermutlich in den Niederlanden selbstverständlicher als in Deutschland.

    Das ist übrigens der Link zu dem Vortrag von Timm Schwendy:

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    Einmal editiert, zuletzt von Ullie (28. Februar 2022 um 00:42) aus folgendem Grund: Ergänzung: Link zu Timm Schwendy-Vortrag

  • Bei googlemaps bin ich auf diesen Kreisel gestoßen:

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    (Kreisel auf der Landsberger Straße in Höhe Holzhofstraße)

    Eine separate Radverkehr-Führung ist da nicht erkennbar.

    In diesem Film kann man sehen, wie es einem Fahrradfahrer ergehen kann, der im Kreisel von einem schneller fahrenden Auto überholt wird:

    Im Prinzip ist der Kreisverkehr durchaus so gedacht, dass innen Fahrzeuge fahren, die an außen fahrenden Fahrzeugen vorbeifahren. Allerdings ist beim Ausfahren aus dem Kreisel rechtzeitig in eine Lücke nach außen zu wechseln. Keinesfalls dürfen weiter außen fahrende Fahrzeuge geschnitten werden. Notfalls muss eine Kreisel-Extra-Runde gefahren werden. Davon hat der Autofahrer in dem kurzen Film nichts gehalten:

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    Autofahrer und Radfahrer kommen aus der Holzhofstraße.

    Der Autofahrer verlässt den Kreisel an der Wernher-von-Braun-Straße und ignoriert den Fahrradfahrer, der noch weiter im Kreisel fahren will.

    Vielen Dank an Alf, der mich in einem anderen Thread hier im Forum auf den Film hingewiesen hat:

    Ich denke schon, dass man diesen Kreisel als gefährlich für den Fahrradverkehr bezeichnen kann. Allerdings habe ich kein Patentrezept für eine bessere Ausgestaltung des gezeigten Kreisverkehrs. Die Kreisel, die Johan Diepens (siehe weiter oben) in seinem Vortrag vorgestellt hat, waren alle größer. Für eine Kreuzung müsste man vermutlich die Holzstraße zur Sackgasse machen.

  • In diesem Film kann man sehen, wie es einem Fahrradfahrer ergehen kann, der im Kreisel von einem schneller fahrenden Auto überholt wird:

    "einem Fahrradfahrer" ist drollig. Das war ICH!

    Ich denke schon, dass man diesen Kreisel als gefährlich für den Fahrradverkehr bezeichnen kann. Allerdings habe ich kein Patentrezept für eine bessere Ausgestaltung des gezeigten Kreisverkehrs.

    Seit diesem Vorkommnis fahre ich in diesem Kreisel nur noch provozierend mittig. Seitdem ist nichts mehr passiert, außer dass ich in seltenen Fällen nun direkt von hinten massiv bedrängt werde.

  • "einem Fahrradfahrer" ist drollig. Das war ICH!

    Seit diesem Vorkommnis fahre ich in diesem Kreisel nur noch provozierend mittig. Seitdem ist nichts mehr passiert, außer dass ich in seltenen Fällen nun direkt von hinten massiv bedrängt werde.

    Da war ich mir nicht so ganz sicher, ob du das wirklich selbst warst und ob es dir vielleicht nicht so recht gewesen wäre, das zu betonen.

    Ich halte ja Kreisel ohnehin für keine Fahrradverkehrsgerechte Infrastruktur. Wie siehst du denn die Chancen für einen Umbau zu einer Kreuzung? Würde das dem Fahrradverkehr zu Gute kommen? Könnte man nicht eine der fünf in den Kreisel mündende Straßen zur Sackgasse machen, so dass sie nicht mehr in den Kreisel mündet?

    Das Problem, mit dem mittig fahren, ist wohl bei den meisten Kreiseln gegeben. Weil die meisten Kreisel auch LKW-gängig sein sollen, ist die Kreis-Fahrbahn oft sehr breit. Oder es gibt eine Kreiselschürze, die nur von LKW befahren werden darf, aber auch von Autofahrern benutzt wird, die mal eben an einem mittig fahrenden Fahrradfahrer vorbei wollen.

  • Da war ich mir nicht so ganz sicher, ob du das wirklich selbst warst und ob es dir vielleicht nicht so recht gewesen wäre, das zu betonen.

    Nee, das passt schon. Ansonsten hätte ich auf das Video ja nicht hingewiesen, wenn ich nicht gewollt hätte, dass man dies mit mir in Verbindung bringt.

    Ich halte ja Kreisel ohnehin für keine Fahrradverkehrsgerechte Infrastruktur. Wie siehst du denn die Chancen für einen Umbau zu einer Kreuzung?

    Das war früher mal eine Kreuzung. Und zu Zwecke der Verkehrssicherheit wurde vor einigen Jahren nun dieser provisorische Kreisel daraus, der jetzt zur Dauereinrichtung geworden ist. Ich denke nicht, dass man nun erwägt, diesen Kreisel wieder zurückzubauen, wenn man dafür keinen Grund sieht. Und ich glaube nicht, dass die Entscheider hierzu ein Grund hätten.

    Lustig ist auch, dass die Goethestraße hier ebenfalls fast den Kreisel trifft. Somit wäre das dann schon die sechste Straße, die auf diesen Knotenpunkt trifft. Die Goethestraße ist für den Verkehr jedoch zum Kreisel hin gesperrt. Ob diese vor langer Zeit einmal geöffnet war, weiß ich nicht. Kann ich mir aber gut vorstellen. Nur für Fußgänger gibt es die Möglichkeit, von der Gothestraße in Richtung Kreisel und umgekehrt zu gelangen. Kraft- und Radfahren ist hier nicht erlaubt. Die Fahrbahn ist gesperrt. Trotzdem trägt das VZ 357-50 in der Goethestraße den Hinweis auf Durchfahrtmöglichkeit auch für Radverkehr. Dies ist definitiv falsch.


    Noch viel lustiger ist, dass die Einbahnstraße "Aicher Straße", die in Nähe des Kreisels liegt, in Gegenrichtung zwar für Radverkehr geöffnet ist, Radfahrer aber nicht in diese Einbahnstraße in Gegenrichtung einfahren durften:

    Erst auf meine Meldung in radar-online.net wurden insgesamt drei [Zusatzzeichen 1022-10] nachgerüstet:

    Wie gesagt, dies hat jetzt nichts direkt mit dem Kreisel zu tun, liegt aber in der unmittelbaren Nachbarschaft.

    Könnte man nicht eine der fünf in den Kreisel mündende Straßen zur Sackgasse machen, so dass sie nicht mehr in den Kreisel mündet?

    Das ist schlecht, da zwei von diesen einmündenden Straßen sowieso schon Einbahnstraßen sind. Und die übrigen drei Arme sind die Hauptfahrstrecken des Verkehrs. Außerdem denke ich, dass die Sicherheit des Radverkehrs nicht unbedingt von der Anzahl der einmündenden Straßen abhängig ist. Wenn alle sich an die Regeln halten und jeder auf den anderen Acht gibt, passiert normalerweise auch nichts. Es liegt schlichtweg am Verhalten der Kraftfahrer, wenn Radfahrer hier gefährdet werden. Wie überall woanders halt auch. Motorisierte Gewalt eben. Die machen es, weil sie es können. Aber wie gesagt: Wenn der Radfahrer erst einmal gelernt hat, im Kreisel gegen das Rechtsfahrgebot zu verstoßen, ist ja alles in Ordnung.

    3 Mal editiert, zuletzt von Alf (2. März 2022 um 09:07)

  • Lustig ist auch, dass die Goethestraße hier ebenfalls fast den Kreisel trifft. Somit wäre das dann schon die sechste Straße, die auf diesen Knotenpunkt trifft. Die Goethestraße ist für den Verkehr jedoch zum Kreisel hin gesperrt. Ob diese vor langer Zeit einmal geöffnet war,

    Ja, aber da war die Kreuzung noch kein Kreisl, sondern die Gothestraße traf auf die W-v-Braun Straße. Die Hauptverkehsführung zur/von Schöngeisinger ging damals über die Landsberger, nicht wie heute über die Holzhofstraße. Da bin ich mir nicht so 100%& sicher, ob es, als ich ein kleines Kind war, den Stich Holzhofstraße überhaupt gegeben hat.