Ich finde es schwierig, ständig das Narrativ vom Versagen der Ampel zu wiederholen, da man damit nicht selten gleichzeitig so tut, als seien Afd, Die Grünen, die SPD, die FDP, Trump, Habeck, Merz, Scholz, Söder, Klingbeil etc. pp. ohnehin alles derselbe Quark und es sei unwesentlich, wen man wählte. Gegen diese undifferenzierte und falsche Denke kämpfe ich tagtäglich, beruflich wie privat. Denn sie führt genau zu dem, was die USA seit Jahren vormachen und was hierzulande mehr und mehr zu sehen ist.
Es scheint daher nur logisch, dass nach der zunehmend gemeinsam verwendeten Begrifflichkeit "der" Linken wie "der" Rechten ("Politik-Darsteller" als ein Beispiel unter vielen), der BSW und die Afd existieren und immer größere Schnittmengen aufweisen, die Extreme also gestärkt werden und die Wähler*innen zunehmend nur noch in Dichotomien denken (können). Über Social Media sei in diesem Zusammenhang noch gar nicht gesprochen.
"Die da oben" und "haben eh alle Dreck am Stecken" ist so einfach gesagt wie wahr: Denn "die da oben" sind nicht anders als viele Menschen und auch wir hier, die ihre dunklen Seiten, ihre Eitelkeiten, ihren Egoismus, ihre Abgründe haben – die einen mehr, die anderen weniger. Und dass ausgerechnet dejenigen, die am lautesten mosern und pöbeln gegen "die da oben", nicht selten dieselben sind, die nicht einmal in dieser Mini-Bubble rational, fundiert und ohne gegen die Person zu gehen, diskutieren können, erscheint zunächst ironisch.
Ich fand bei allen Vorbehalten und bei allem Taktieren von Scholz vieles richtig, was er in seiner Rede gesagt hat: Und dass Demokratie hartes Ringen um Kompromisse und nicht die Durchsetzung der eigenen politischen Agenda bedeutet, scheint eben keine Binsenweisheit mehr zu sein und wurde dort richtig betont.