25. Woche 17.6. - 23.6.2019

  • Der UDV meint das beim "Zeit Magazin".


    Die Zahlen beziehen sich wohl auf Unfälle.

    Ich argumentiere nun mal ganz böse: Jeder kleine Lack-Kratzer beim Auto wird registriert und zählt als Unfall. Viele Alleinunfälle und Bagatellen mit Radfahrerbeteiligung (Gegner Fußgänger und Radfahrer) werden nicht gezählt. Gezählt wird hier erst, wenn's zu schweren Schäden kommt.


    Davon abgesehen: Radfahrer haben keine Knautschzone. Und jeder Sturz kann tödlich enden, wenn's unglücklich läuft. Gerade ältere Radfahrer trifft das eher mal.


    Ich müsste die Studie sehen, so es überhaupt eine gab.


    Ich suche immernoch belastbare Zahlen, wie hoch mein Lebenszeitrisiko ist, mit dem Rad einen tödlichen oder schwersten (bleibende Schäden die einen stark einschränken) zu erleiden. Sowas konnte mir bisher niemand liefern.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • https://www.spiegel.de/auto/ak…was-bringt-a-1273290.html


  • Oh, mal wieder etwas aus dem großstädtisch verzerrten Elfenbeinturm...

    Zitat

    Wo eine Autobahn chronisch überlastet ist, hilft es mancherorts vielleicht mehr, eine parallel verlaufende Bahnstrecke auszubauen, als eine weitere Fahrspur hinzuzufügen. Diese würde im Zweifel nur noch mehr Autos in die verstopften Städte leiten.

    Zeigt, dass der Mann wohl keine Ahnung hat, dass das bundesdeutsche Schienennetz grade auf dem Land schlicht nicht mehr vorhanden ist. Und sich damit der Transport auf der Schiene in jeder Hinsicht erledigt hat. Außerdem kann man grade die klassischen Schienenstrecken, die verkehrlich bedeutetenderen Autobahnen folgen, gar nicht mehr ausbauen. Die sind bereits zweigleisig und elektrifiziert. Was für ein Großteil des Schienennetzes abseits dieser Magistralen grade nicht gilt. Da wird auch in 50 Jahren noch auf eingleisigen Strecken rumgedieselt. Falls man sie nicht auch noch abbaut.

    Zitat

    "Außerdem sollte das Geld auch für den Rückbau von Straßen genutzt werden", sagt Knoflacher. "Hätten wir weniger Straßen, gäbe es auch viel weniger Autoverkehr." Stattdessen sollten etwa Fahrradwege ausgebaut werden.

    Das ist doch mantraartig wiederholter Blödsinn. Der Verkehr nimmt zu, weil wir in einem kranken Wirtschaftssystem leben, in welchem Menschen immer längere Wege aufgenötigt werden. Weil es beispielsweise auf dem Land kaum noch Infrastruktur (Arzt, Bank, Metzger, Bäcker, Supermarkt, Kneipe...) gibt, müssen die Leute halt von den Dörfern in die Städte fahren. Wenn diese "neuen Straßen" keine Kraftfahrstraßen sind und da keine [Zeichen 254] stehen, dürfen auch Radfahrer die benutzen. Ich begrüße als Außerorts-Radfahrer ausdrücklich jede Umgehungsstraße, die mir die Fahrten durch verstopfte (und gefährlichere) Ortskerne erspart. Außerdem wüsste ich auch nicht, was an Straßen, die z. B. durch Neubaugebiete führen, böse wäre...!?


    Der Mann scheint auch nicht zu verstehen, was der Unterschied zwischen einer zweckgebundenen Gebühr und einer Steuer ist? Eine Seine "Fahrradwege" kann er auch daher gerne behalten. Denn wenn ich die Wahl hab zwischen einer Straße und einem Wegelchen, weiß ich, was mir lieber ist.

    Zitat

    Hilfreich wäre eine Maut, die für alle gilt, also für Pkw und Lkw. "Insbesondere Lkw verursachen einen Großteil der Kosten, die für Straßenreparaturen entstehen, also sollten sie auch die Kosten dafür tragen", sagt Knoflacher.

    Gefährlicher und unnötiger Blödsinn. Das wäre eine zweckgebundene Nutzungsgebühr - die darf nicht für "Fahrradwege" verwendet werden. Außerdem hätten dann die Kfz-Nutzer gegenüber Radfahrern (endlich...) in der Tat ein gewichtiges Argument, dass sie ja (im Gegensatz zu den schmarotzenden Radfahrern) für die Nutzung der Straßen ja bezahlen würden - was sie heute mit dem Verweis auf Steuern grade eben nicht machen. Dann hagelt es zukünftig noch deutlich mehr Verkehrsverbote - und der Anreiz, Straßen gleich direkt als Kraftfahrstraßen zu projektieren, steigt weiter an. Radfahrer werden dann wie an der B 10 im Pfälzerwald auf minderwertige "Wirtschaftswege" verwiesen.

    Zitat

    Durch eine flächendeckende Lkw-Maut auf allen Straßen - also nicht nur Fernstraßen wie zurzeit - würde ein Teil des Güterverkehrs zudem auf die Schiene verlagert und Ballungsgebiete würden entlastet. Mancherorts würde Platz frei für Radwege oder Straßenbahnen.

    Ich beneide solche Leute um ihr einfaches, binäres Weltbild. :rolleyes: Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen gehen den Bund schlicht nix an. Und er versteht auch die Kernprobleme nicht: Die LKW, die in Städten rumfahren, sind auch bei einem (rein hypothetisch) perfekten Schienennetz zumindest für "die letzte Meile" weiterhin notwendig.

  • Achja, mal zum Thema "Ausländermaut" im Allgemeinen: JEDE Maut zielt im Kern einzig und allein in erster Linie nur auf Ausländer - denn anders kriegt man von denen kein Geld (vom Anreiz für Tanktourismus durch niedrigere Energiesteuern mal abgesehen). Das ist in jedem Land so. Auch im scheinheiligen Österreich...


    Die Deutschen waren nur zu blöd, dass halt frank und frei so zu formulieren. Aber das war ja auch Absicht - denn nun muss halt leider, leider, leider wegen der EU die Entlastung bei der Kfz-Steuer entfallen. :rolleyes:

  • JEDE Maut zielt im Kern einzig und allein in erster Linie nur auf Ausländer - denn anders kriegt man von denen kein Geld

    Würde ich so pauschal nicht sagen. Die Maut auf den m.W.n. privat betriebenen Autobahnen in Italien und Frankreich finanziert schon die eigene Strecke. Dito bei den kleineren Mautstraßen in den Alpen.

    Recht hast Du bei den Mautsystemen für Pkws auf staatliche Straßen wie in Österreich.

    Bei der Lkw-Maut sieht's bissele anders aus, weil Lkws mit großen Tanks mit Billigsprit wohl schon mal ganze Länder durchfahren können, ohne was dazulassen, wenn man sinnigerweise versuchen täte, die Mauteinnahmen auf die Mineralölsteuer umzulegen ...

  • Oh, mal wieder etwas aus dem großstädtisch verzerrten Elfenbeinturm...

    Du scheinst den Namen Hermann Knoflacher noch nie gehört zu haben. Lies erstmal was von ihm. Und bitte: Wenn er von »mancherorts« redet, dann ist »mancherorts« gemeint, nämlich dort, wo es ausbaufähige Bahnstrecken gibt. Du unterstellst in Deiner Replik, er hätte von »immer und überall« geredet.

  • Du unterstellst in Deiner Replik, er hätte von »immer und überall« geredet.

    Mag sein. Auch deshalb hatte ich meinen Beitrag auch mit dem "großstädtisch verzerrten Elfenbeinturm" eingeleitet... :evil: Denn es ist Tatsache, dass in Deutschland nur ein relativ kleiner Teil der Bevölkerung in Großstädten lebt. Dort mögen die verkehrspolitischen Probleme besonders ausgeprägt sein (hohe Bevölkerungsdichten werden von Städtern ja grundsätzlich nie in Frage gestellt). Das heißt aber nicht, dass man die auf dem "Land" (wo die Mehrzahl der Deutschen lebt) ignorieren - und weiter so tun muss, als würden ALLE in Berlin oder Hamburg leben...


    Grade das permanente Gejammer in den Großstädten kann ich am Wenigsten nachvollziehen. Da hat man die beste Auswahl, von der man auf dem Land nur träumen kann...

  • Jeder Euro, der heute noch in neue Auto-Infrastruktur investiert wird, ist rausgeworfenes Geld, weil das den Teufelskreis nur noch weiter antreibt: Autofahren wird noch bequemer und die Distanzen, die sich die Leute zumuten (sich zumuten lassen), mit dem Auto zu fahren, immer größer.


    Aktuelle Großprojekte hier in der Gegend: Autobahn A26 mit Anschluss an die A7. Die Autofahrt nach Hamburg dauert dann künftig nur noch halb so lange wie mit der Bahn. Verlängerung der A26 nach Nordwesten und Bau der A20 mit neuem Elbtunnel zwischen Glückstadt und Drochtersen, Verlängerung der A20 bis nach Bremerhaven. Kehdingen wird boomen, wenn das Autobahndreieck Drochtersen erstmal durch die Verkehrsnachrichten bekannt wird.


    Das kostet ein Vielfaches von dem, was es kosten würde, auf der Bahnlinie Hamburg-Cuxhaven z.B. ein drittes Gleis zu verlegen, um langsamen Güterverkehr von der S-Bahn und RE zu trennen, um bei Störungen weiterhin Zugbetrieb in beiden Richtungen aufrecht zu erhalten oder die Taktrate zu erhöhen. Derzeit ist auf den beiden Gleisen alles schon am Limit und sobald das labile System gestört ist, kommt alles durcheinander. Und wenn die S-Bahn und der RE nicht fahren, dann fahren sowieso alle wieder mit dem Auto nach Hamburg und parken den Elbtunnel zu. Wenn das künftig noch einfacher geht, dann sowieso.


    Die Regionalbahn durch die Lüneburger Heide von Braunschweig nach Uelzen ist regelmäßig gut gefüllt und fährt im Stundentakt. Der Bedarf wäre da und das Angebot würde noch attraktiver, wenn die Bahn halbstündlich fahren würde. Dafür müsste man aber an einigen Bahnhöfen ein zweites Gleis bauen (meinetwegen auch dazwischen), damit mehr Züge auf der eingleisigen Strecke fahren können. Das wären Peanuts im Vergleich zu den irrsinnigen Kosten einer völlig neuen Autobahn.


    Es mag ja sein, dass man in der Pfalz zwingend Auto fahren muss, aber woanders gäbe es auch Alternativen (wenn man wollte).

  • Mag sein. Auch deshalb hatte ich meinen Beitrag auch mit dem "großstädtisch verzerrten Elfenbeinturm" eingeleitet... :evil: Denn es ist Tatsache, dass in Deutschland nur ein relativ kleiner Teil der Bevölkerung in Großstädten lebt. Dort mögen die verkehrspolitischen Probleme besonders ausgeprägt sein (hohe Bevölkerungsdichten werden von Städtern ja grundsätzlich nie in Frage gestellt). Das heißt aber nicht, dass man die auf dem "Land" (wo die Mehrzahl der Deutschen lebt) ignorieren - und weiter so tun muss, als würden ALLE in Berlin oder Hamburg leben...


    Grade das permanente Gejammer in den Großstädten kann ich am Wenigsten nachvollziehen. Da hat man die beste Auswahl, von der man auf dem Land nur träumen kann...

    Wie viele Gleise liegen zwischen Saarbrücken und Pirmasens? (-Nord, nach Hbf muss man ja umsteigen) Warum fährt da der letzte Zug um 20:43 in Pirmasens-Nord bzw. um 21:07 in Saarbrücken ab? Warum ist da nicht alles zweigleisig elektrifiziert, während nebenan auf breiten Asphaltpisten gebrettert wird?

    Wie sieht es zwischen Würzburg und Erfurt aus? Nach 1990 wurde eine Autobahn gebaut. Die Bahn (da fehlten ein paar Kilometer an der Grenze) ist heute noch eine Bimmelbahn, alle 2 Stunden in 2:20 Stunden. Göttingen-Erfurt - wie Entwicklungsland!

    Das was Hermann Knoflacher anspricht, ist doch gerade auch für den ländlichen Raum gedacht.

  • Zitat

    (-Nord, nach Hbf muss man ja umsteigen)

    Muss man in den allermeisten Fällen eben nicht.

    Wie viele Gleise liegen zwischen Saarbrücken und Pirmasens?

    Eins. Wie auch in Richtung Landau und Kaiserslautern. Alle nicht unbedingt nötigen Kreuzungsbahnhöfe wurden zurückgebaut, weshalb es dauernd (unnötige und sich aufschaukelnde) Verspätungen gibt. Die Trassierung stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist mit der Straße NULL Konkurrenzfähig. Außer der Bahnstrecke Saarbrücken - Kaiserslautern - Mannheim (KBS 670) gibt es hier nur nicht elektrifizierte Bahnen, überwiegend nur eingleisig. Die Glantalbahn existiert auch nicht mehr, auch nicht die Verbindung Landau - Germersheim.

    Warum ist da nicht alles zweigleisig elektrifiziert, während nebenan auf breiten Asphaltpisten gebrettert wird?

    Frag das das Bundes- und Landesverkehrsministerium. Es gibt südlich von Kaiserslautern auch überhaupt keinen Schienen-Güterverkehr mehr. Daher könnte auch niemand Gut auf die Schiene bringen, selbst wenn er es wollte. Würde auf der "Rennbahn" bei Kaiserslautern mal ein "Rastatt-Ereignis" stattfinden, hätte die Bahn auch wieder ein totales Problem, weil es keinerlei Alternativstrecke auf dieser Relation gibt. Nur die eingleisige Strecke Rohrbach - Pirmasens - Landau.

    Das was Hermann Knoflacher anspricht, ist doch gerade auch für den ländlichen Raum gedacht.

    Kann ich nicht erkennen. Dass ich die B 10 mit dem Rad nicht mehr benutzen darf, hat auch den Grund, dass hier autobahnübliche Verkehrsstärken unterwegs sind, weshalb diese Bundesstraße als Kompromiss zu einem um Welten schlimmeren Neubau der A 8 mitten durch den Wasgau vierstreifig ausgebaut wird. Und das halte ich persönlich auch vor allem für den Wirtschaftsraum Südwestpfalz für notwendig.

    Das was Hermann Knoflacher anspricht, ist doch gerade auch für den ländlichen Raum gedacht.

    Sehe ich (den zitierten Text betreffend) eher nicht so. Es geht ihm hier nach meiner Lesart in erster Linie um die Transitrouten zwischen den Großstädten. Was dazwischenliegt, interessiert auch einen Knoflacher eher weniger. Jedenfalls: Baut den Leuten erst mal eine brauchbare Alternative - und macht ihnen dann ein schlechtes Gewissen, weil sie trotzdem noch Auto fahren... Andersrum funktioniert das nämlich nicht.

  • Jeder Euro, der heute noch in neue Auto-Infrastruktur investiert wird, ist rausgeworfenes Geld, weil das den Teufelskreis nur noch weiter antreibt: Autofahren wird noch bequemer und die Distanzen, die sich die Leute zumuten (sich zumuten lassen), mit dem Auto zu fahren, immer größer.

    Was ist an (für Radfahrer nicht gesperrten oder zwangsberadwegten) Bundes-, Landes- und Kreisstraßen bitteschön "Autoinfrastruktur"?

    Zitat

    aber woanders gäbe es auch Alternativen (wenn man wollte).

    "Man" will aber offensichtlich nicht.

  • Muss man in den allermeisten Fällen eben nicht.

    Stimmt - das hatte ich verwechselt! Wer nach Landau will, muss umsteigen ...


    Zitat

    Eins. Wie auch in Richtung Landau und Kaiserslautern. Alle nicht unbedingt nötigen Kreuzungsbahnhöfe wurden zurückgebaut, weshalb es dauernd (unnötige und sich aufschaukelnde) Verspätungen gibt. Die Trassierung stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist mit der Straße NULL Konkurrenzfähig. Außer der Bahnstrecke Saarbrücken - Kaiserslautern - Mannheim (KBS 670) gibt es hier nur nicht elektrifizierte Bahnen, überwiegend nur eingleisig. Die Glantalbahn existiert auch nicht mehr, auch nicht die Verbindung Landau - Germersheim.

    Tja, das isses eben. Die Infrastruktur für Autos wurde drastisch verbessert, bei der Bahn wurde so gut wie nix investiert, die Fahrpläne waren ein schlechter Witz - und dann werden mit großem Bedauern sinkende Fahrgastzahlen registriert und erklärt, die Bürger wollten nicht mehr Bahn fahren, weshalb noch mehr für das Auto getan werden müsse ... So, und da wäre nun gemäß Knoflacher mal zu überlegen, wie es aussähe wenn zweigleisig unter Strom gefahren werden könnte.


    Man schaue sich Stuttgart-Singen an. Die Gäubahn ist teilweise bis heute eingleisig (Reparation an Frankreich nach WK II), während eine Super-Duper-Bodenseeautobahn hingepflanzt wurde.

  • Denn es ist Tatsache, dass in Deutschland nur ein relativ kleiner Teil der Bevölkerung in Großstädten lebt. Dort mögen die verkehrspolitischen Probleme besonders ausgeprägt sein (hohe Bevölkerungsdichten werden von Städtern ja grundsätzlich nie in Frage gestellt). Das heißt aber nicht, dass man die auf dem "Land" (wo die Mehrzahl der Deutschen lebt) ignorieren - und weiter so tun muss, als würden ALLE in Berlin oder Hamburg leben...

    Ich habe mal citypopulation.de befragt, das geht am schnellsten.

    In den 14 Städten mit mindestens 500.000 Einwohnern (von Nürnberg aufwärts) wohnen 13,9 Mio. = 16,8 % der Einwohner.

    In den 26 Städten mit mindestens 250.000 Einwohnern (von Gelsenkirchen aufwärts )wohnen 17,8 Mio. = 21,5 % der Einwohner.

    In den 40 Städten mit mindestens 200.000 Einwohnern (von Kassel aufwärts) wohnen 21,0 Mio. = 25,4 % der Einwohner.

    In den 80 Städten mit mindestens 100.000 Einwohnern (von Cottbus aufwärts) wohnen 26,4 Mio. = 31,9 % der Einwohner.

    Wenn man den Speckgürtel der offiziellen Großstädte dazukommt, dürfte man auf ein Drittel kommen. Soooo wenig ist das nicht. Aber in der Stufe drunter, nämlich 111 Städte mit 50.000 bis 100.000 Einwohnern mit zusammen 7,5 Mio. Einwohnern = 9,1 %, dürfte es mit der Infra in der Tat noch düsterer aussehen.

  • Tja, das isses eben. Die Infrastruktur für Autos wurde drastisch verbessert, bei der Bahn wurde so gut wie nix investiert, die Fahrpläne waren ein schlechter Witz - und dann werden mit großem Bedauern sinkende Fahrgastzahlen registriert und erklärt, die Bürger wollten nicht mehr Bahn fahren, weshalb noch mehr für das Auto getan werden müsse ...

    Nein, grade in der Pfalz bzw. besonders der Gegend rund um Pirmasens stimmt das eben nicht: dass die Infrastruktur für Autos "drastisch verbessert" worden wäre. Auch für Autofahrer fließt nicht überall Milch und Honig. Denn da besteht in einem leistungsfähigen Fernstraßennetz eben bis heute eine Lücke (in Form der B 10). Und die wird auch noch mindestens 20 bis 30 Jahre bestehen. Ich musste während meines ÖD-Studiums mit der Fahrgemeinschaft 21 Monate lang raus in die Vorderpfalz fahren. Das war definitiv kein Spaß...


    Ich sehe hier auch kein Entweder-Oder. Es kann gute Fernstraßen auch mit guten Schienenwegen geben bzw. sich beides gut ergänzen. Aber ich gehöre ja auch zu den wenigen Radfahrern, die das Auto nicht in Bausch und Bogen verdammen wollen. Ich bin halt kein Grüner, der meint, man könne die Welt retten, indem man (miese) "Radwege" baut, auf denen dann Autofahrer plötzlich mit Begeisterung Rad fahren würden. :rolleyes: Ich bin deshalb beim Fahrrad gelandet, weil ich mit ÖPNV oder SPNV nix anfangen kann, weil er mir eben viel zu starr (und zu teuer) ist... Von der Tatsache, dass man wegen der Tarifsysteme, Verkehrsverbünde und Sonderregelungen einzelner Verkehrsunternehmen mindestens 6 Semester studiert haben muss, mal ganz abgesehen...


    Die Ausdünnung des Schienennetzes und die Streichung von Zugleistungen war in der Tat volle Absicht. In erster Linie zur späteren Privatisierung der Bundesbahn (die ja heute auch streng betriebswirtschaftlich "Gewinn" machen muss). Gemeinwohl interessiert da keinen mehr. Und ja, natürlich auch zur Förderung der Kfz-Industrie - die ja wirklich (mit allem drum und dran - und auch den negativen Seiten...) einen ziemlich relevanten Teil zur "Wirtschaftskraft" beiträgt. Aber das war halt eine rein politische Entscheidung - eine, die auch voll und ganz zum Wirtschaftssystem und den Interessen des Kapitals passt. Und jenes System will ja kaum einer derer, die die Verkehrsprobleme vor allem in übervölkerten Großstädten beklagen (für mich nur Symptome), in Frage stellen. Lieber als Städter über Auto-Pendler herziehen, die vom Dorf in die Stadt fahren müssen, weil es halt im Dorf nix mehr gibt... Weil das der unfehlbare Markt so bestimmt. An den großen Privatisierungen der vergangenen Jahrzehnte hat ja auch keiner mehr was auszusetzen.

  • Die Maut auf den m.W.n. privat betriebenen Autobahnen in Italien und Frankreich finanziert schon die eigene Strecke. Dito bei den kleineren Mautstraßen in den Alpen.

    Nun muss man aber die Frage stellen, ob Gewinninteressen privater "Investoren" (um das böse Wort "Kapitalisten" zu vermeiden) plötzlich knorke sind, nur weil Autofahrer dafür blechen müssen, von A nach B zu kommen. Früher nannte man das Wegelagerei...

    Recht hast Du bei den Mautsystemen für Pkws auf staatliche Straßen wie in Österreich.

    Ja eben. Wenn man sich allein die Finanzierungsseite betrachtet, zielt vor allem auch die österreichische Maut im Wesentlichen auf den Transitverkehr ab, also eben: Ausländer. Was die Ausländer an Maut bezahlen, muss man den eigenen Bürgern / Autofahrern nicht über andere Arten von Steuern aus der Tasche ziehen - wie z. B. einer Kfz-Steuer. Im Grunde finanziert damit der Niedriglöhner, der zum Camping an den Gardasee fährt, die Steuergeschenke für Österreichs Oberschicht...

    Bei der Lkw-Maut sieht's bissele anders aus, weil Lkws mit großen Tanks mit Billigsprit wohl schon mal ganze Länder durchfahren können, ohne was dazulassen, wenn man sinnigerweise versuchen täte, die Mauteinnahmen auf die Mineralölsteuer umzulegen ...

    Österreich macht ja absurderweise grade beides: Bemauten - und geringere Mineralölsteuern! Was je nach Kurs ein Anreiz auch für Fernverkehrs-Lkw mit größeren Tanks ist, nochmal vor der deutschen Grenze eine Menge zu tanken. Auch deshalb war die ganze Geschichte mit dieser Klage für mich ein vollkommen absurdes, vermutlich auch zw. Ö und D insgeheim abgekartetes Schauspiel, damit sich der deutsche Finanzminister dann die Absenkung der Kfz-Steuer sparen kann... Hat ja die EU so befohlen - und da kann man halt nix machen.


    Ich freu mich jedenfalls drauf, wenn ich auf blöde Autofahrersprüche der Marke "ich bezahle im Gegensatz zu dir dafür, dass ich die Straßen benutzen darf" sachlich nicht mehr viel entgegnen kann. Bisher reichte es ja, den Leutchen zu erklären, was der Unterschied zwischen Steuern und Gebühren ist.

  • Ich schaue mir zur Entspannung ganz gerne mal ein paar Folgen "Eisenbahnromantik" an. Das Nebenbahnsterben begann nicht erst in Vorbereitung auf die Privatisierung der Bundesbahn. Bereits lange vorher schrieb die DB tiefrote Zahlen und im Gegensatz zur Straße konnte und kann man das ja bei der Bahn auch leicht nachrechnen. Gleise müssen Geld verdienen, Straßen nicht bzw. in den allermeisten Fällen (insb. bei unwichtigen Kreisstraßen) weiß man vermutlich gar nicht so genau, wie der betriebs- und volkswirtschaftliche Nutzen oder Schaden aussieht.

    Mal ein Beispiel, an das ich mich erinnere. Es ging um eine Nebenbahn im Schwäbischen. Die darauf fahrende Schienenbuslinie wurde (in den 60ern) eingestellt, weil unwirtschaftlich, ersetzt werden sollte sie durch einen Bahnbus. Blöderweise war die zu nutzende Straße quasi einspurig und musste hierfür erst ausgebaut werden. Und diese Ausbaukosten laufen dann eben nicht über die Bücher der DB. Auch Wartung und Reparatur laufen nicht über die DB. Win-Win für DB.

    Ähnlich beim Güterverkehr. Das Zeug mit Schenker zu transportieren ist einfach billiger.

  • Was ist an (für Radfahrer nicht gesperrten oder zwangsberadwegten) Bundes-, Landes- und Kreisstraßen bitteschön "Autoinfrastruktur"?

    Ich habe die geplanten Autobahnen genannt. Dort fahren weder Binnenschiffe, Eisenbahnen oder Radfahrer und auch als Start- und Landebahn für Flugzeuge sind Autobahnen nur in Ausnahmefällen geeignet und nicht generell vorgesehen. Also ist das reine Auto-Infrastruktur (Auto = PKW + LKW).


    1 Kilometer Autobahn-Neubau kostet je nach Gelände 15-20 Mio EUR. Auf dem moorigen Marschboden im Elbtal muss der Boden erst jahrelang durch Vorbelastungsdämme verdichtet werden, bevor der eigentliche Bau beginnt. Das macht mir ein wenig Hoffnung, dass das Ganze noch so lange dauert, dass man es noch rechtzeitig abblasen kann. Das Geld wäre für den Ausbau oder die Reaktivierung des Schienennetzes deutlich besser investiert. Und du hast recht: Das müsste man wollen. In der Vergangenheit war man immer nur der Meinung, dass die Bahn wirtschaftlich arbeiten müsse, während Auto-Infrastruktur schon immer massiv subventioniert wurde. Das Selbe in der Energiewirtschaft: Erneuerbare Energien sollen wirtschaftlich sein und sich "nach den Regeln des Marktes" gegen massiv subventionierte Kohle- und Atomenergie behaupten. Lobbyisten machen sich die Welt wie sie ihnen gefällt.


    Nicht aus dieser Woche, sondern aus der letzten (sorry, falls der Link schon gepostet wurde):

    Vollbremsung https://www.heise.de/tp/features/Vollbremsung-4442357.html

  • Und weiter...? ;) Der Verkehr ist aber doch bereits trotzdem da...!? Man kann ihn also weiterhin über dafür nicht ausreichend dimensionierte Landstraßen und durch die Dörfer zockeln lassen. Womit vor allem Fußgänger und Radfahrer, aber auch die Autofahrer selbst unnötig gefährdet werden. Oder man baut dafür eine Autobahn. Ja, mir ist klar, dass das auch den Naturschutz betrifft - aber auch hierzu gibt es durchaus Gesetze, die auch angewendet werden. Deshalb dauert so ein Autobahnbau durchaus halt auch mal eine Ewigkeit. Oder fand wie im Pfälzerwald mit dem Lückenschluss der A 8 gar nicht erst statt.


    Mir fehlt übrigens bis heute der Nachweis, dass die ständige Behauptung, der Bau von Straßen führe dazu, dass Leute sich ins Auto oder den Lkw hocken und aus Langeweile sinnlos hin- und herfahren, stimmt. Aber dieser Nachweis fehlt bekanntlich ja auch bei Radwegen... :evil:

    Zitat

    Das Geld wäre für den Ausbau oder die Reaktivierung des Schienennetzes deutlich besser investiert.

    Da liegt dein Denkfehler: Der Ausbau des Schienennetzes nützt nur denjenigen was, die genau an dieser Strecke von A nach B wollen. Weicht der Start- und Zielort nur marginal davon ab, wird das Ganze sehr schnell für sehr viele unattraktiv. Weil ein Schienennetz mangels Flexibilität des darauf verkehrenden Fahrzeugs NIE eine derartige Feinerschließung wie mittels Straßen ermöglichen wird. Und deshalb bleibt der Individualverkehr mittels Auto UND Rad weiterhin die bevorzugte Mobilitätsform der Mehrheit. Die haben keinen Bock auf ewig warten, Umwege fahren, 5 x umsteigen, Fahrten nur von Mo bis Fr. 7 bis 20 Uhr - und das auch noch zu unverschämt hohen Preisen. Eine ICE-Fahrt kann sich ein Niedriglöhner bspw. bestenfalls 1 x im Jahr leisten...

    In der Vergangenheit war man immer nur der Meinung, dass die Bahn wirtschaftlich arbeiten müsse, während Auto-Infrastruktur schon immer massiv subventioniert wurde.

    Nochmal: Der Großteil des Straßennetzes ist grade KEINE "Auto-Infrastruktur"! Denn das Autobahn-Netz entlastet dafür die sonstigen Straßen, also auch vom Durchgangsverkehr belästigte und auch gefährdete Anwohner. Seid doch froh, dass ein Großteil des nervigen Verkehrs dort stattfindet...?


    "Wirtschaftlichkeit" ist überwiegend eine Illusion, geschaffen von den Gläubigen der Ökonomie-Kirche. ;) Ich persönlich halte als Radfahrer das Straßennetz hier in der Pfalz auf jeden Fall für sehr "wirtschaftlich"! Denn die Alternative wäre, dass ohne Straßen niemand mehr von A nach B käme. Also wie das im Mittelalter mal der Fall war... :/

  • Jaja, wer nicht deiner Meinung ist, begeht wieder Denkfehler. Komm mal von deinem hohen Ross runter.


    Das Autobahnnetz entlastet nicht die sonstigen Straßen, sondern führt auch auf den sonstigen Straßen zu mehr Autoverkehr. Man kann das direkt beobachten: Auch in meinem Bekanntenkreis fahren einige Leute, die in Hamburg arbeiten, wieder mit dem Auto anstatt mit der Bahn, seit nur das Teilstück der A26 bis kurz vor Buxtehude fertig ist. Diese Autobahn "entlastet" also höchstens den RE und die S-Bahn.