Die Diskussion über die Aufteilung der Verkehrsfläche führt in die falsche Richtung, denn ich brauche mit dem Fahrrad keine andere Fläche als ein VW Golf, sondern ich beanspruche sie mit dem Fahrrad nur weniger. Trotzdem bin ich Sanktionen der Polizei und Verkehrsbehörden und Aggressionen der anderen Verkehrsteilnehmer ausgesetzt, wenn ich das tue.
Reden wir mal über das Geld: In meiner Stadt sind im Haushaltsentwurf für das kommende Jahr gerade einmal 2,1% der Investitionen im Bereich Straßen und Brücken für den Radverkehr eingeplant. Nirgends geht es darum, Radverkehr tatsächlich zu integrieren, sondern alle Maßnahmen sind nur Flickschusterei an einem desolaten Radwegenetz. Man versenkt Geld in die Separation des Radverkehrs, die an jeder Kreuzung, Grundstücksausfahrt und an jeder sich öffnenden Beifahrertür sowieso nicht funktioniert.
Die Ungerechtigkeit sehe ich darin, dass mit zweierlei Maß gemessen wird: Es ist unvorstellbar, dass man Hindernisse wie Ampelmasten, Laternenmasten oder Umlaufsperren dem MIV auf der Fahrbahn bereitet. Es gäbe einen Aufstand, wenn die Fahrbahnen im selben Zustand wären wie Radwege, oder wenn sich die geltenden Verkehrsregeln an jeder Kreuzung ändern. Das Problem ist, dass man das normal findet, solange davon "nur" der Radverkehr betroffen ist.
Es erinnert mich vom Prinzip an die Geschichte der Gleichberechtigung von Mann und Frau. In vielen Köpfen ist es immer noch normal, wenn Männer für die selbe Arbeit ein höheres Gehalt bekommen oder bei der Besetzung von Führungspositionen bevorzugt werden. Bei der Gleichberechtigung im Straßenverkehr stehen wir immer noch ganz am Anfang und wir sind hier so etwas wie die Suffragetten des Verkehrs: Für ein Wahlrecht der Verkehrsfläche. ![]()