Zurück zum Thema Erscheinungsbild von Fahrradfahrer*innen und welche Emotionen sie auslösen:
Ich finde jetzt grad den Text und den Autor nicht, aber es gibt diese Theorie, dass man als Fahrradfahrer*in besonders beim Überholen am respektvollsten und mit dem größten Abstand überholt wird, wenn man sich so kleidet, dass es aussieht, als sei man eine ältere Frau mit Migrationshintergrund. Dazu benutzt man ein Fahrrad, dass zumindest von hinten betrachtet ebenfalls den Eindruck erweckt, als sei man eine besonders unsichere und wenig routinierte Fahrradfahrerin. Man nutzt sozusagen die bei vielen Autofahrern verbreitete Vorurteile und setzt zugleich auf deren Respekt vor dem Alter oder ganz einfach darauf, dass die möglichst keinen "Unfall-Ärger" haben wollen.
Du spielst auf die Forschungen von Ian Walker an? Der hatte ja zunächst 2007 postuliert, dass eine blonde Langhaarperücke mehr Überholabstand gewährleistet als ein dunkelhaariger Männerkopf, der wiederum mehr Raum bekam als ein behelmter Mann. Allerdings waren die gemessenen Unterschiede im Bereich weniger Zentimeter und damit wesentlich kleiner als die durch den Rechtsabstand zum Bordstein beeinflussten Unterschiede im Überholraum*.
In einer späteren Veröffentlichung hat Walker das Experiment 2014 wiederholt und dabei seinen ersten Befund widerlegt. Es gab zwar in Abhängigkeit vom Erscheinungsbild ebenfalls geringfügige Differenzen im mittleren Abstand, aber die waren in keinster Weise systematisch mit der vermeintlichen Schwäche/Unsicherheit des Subjekts korreliert.
*) beachte, dass der Überholraum, ganz im Gegensatz zu den im Netz kursierenden Ratschlägen für die optimale Position auf der Fahrbahn, um so kleiner wird, desto weiter am Rand (für uns rechts; bei Walker im UK links) man radelt.