Beiträge von Th(oma)s

    T50-Zone gesehen in BaWü. Die Rechtsprechung dazu ist wohl noch nicht im Süden angekommen.

    Ich hatte ca. 2010 mal die neue Anordnung einer T70-Zone im hiesigen Industriegebiet bei der StVB gerügt. Sie haben mir als Antwort geschrieben, dass die sachlich unzuständige Baubehörde die Schilder eigenmächtig bestellt und errichtet hätte (die Schilder gibt es offiziell auch gar nicht, sie sind aber als Scherzartikel im Versandhandel als originelles (hüstel) Geschenk für "runde" Geburtstage verfügbar). Binnen Tagen waren die Schilder tatsächlich wieder weg. Mit gleicher Mail hatte ich angefragt, wie ich mit den Zweirichtungs-Z.240 umgehen solle, die zeitgleich am schon länger bestehenden, je zur Hälfte rot und grau gepflasterten einseitigen Bürgersteig aufgetaucht waren. Insbesondere wollte ich wissen, ob ich auf dem in Fahrtrichtung rechts gelegenen Weg auf dem roten/linken vermeintlichen Radweg-Teil oder wegen Rechtsfahrgebot und Z.240 nur auf dem grauen/rechten Teil des Bürgersteiges fahren dürfte. Ferner hatte ich gefragt, falls nur der rote Teil zum Radfahren freigegeben sei, wer bei Gegenverkehr auf dem schließlich nur grade mal 1 Fahrrad schmalen Bereich Vorrang hätte. Hierzu schrieb die StVB nur als Antwort, dass sie dazu erst noch mit der Baubehörde Rücksprache nehmen wolle (will sagen: "die Blauschilder sind auch nicht von uns") und sich dann wieder bei mir melden wollte. Auf die Rückmeldung warte ich noch heute. :evil:

    Das sehe ich aber auch schon bei „Sicherer Radweg“, oder meinetwegen „Sichere Infrastruktur“. Insofern muß „fehlerverzeihend“ ja eine Steigerung sein. Einfach nur Ersatz, Neu gegen Alt, dürfte es nicht sein, weil das Attribut Sicher nun auch noch nicht so lange in Gebrauch ist. Oder.

    Der „sichere Radweg“ war seinerzeit die PR-Antithese zur angeblich „gefährlichen Fahrbahn“, so wie die „gute Butter“ die Überlegenheit des Michfetts gegenüber der (schlechten) Margarine herausstreichen sollte. Nachdem sich die Fahrradsegregation verkehrsplanerisch als unumstrittener Standard in ausnahmslos allen Köpfen etabliert hat, geht es aber jetzt darum, den Menschen irgendwie zu verklickern, warum es trotz (wegen) der schönen Wegelchen überall immer noch so oft so schwer kracht. Hauptquelle dieser verbalen Degenfechterei ist das Marketing der angeblichen holländischen Wunder-Schutzinselchen-Kreuzungen durch den „Darmstadt-fährt-Rad“-Architekten Timm Schwendy.

    „fehlerverzeihende Infrastruktur“, aha, so so. „Sichere Infrastruktur“ reicht nicht mehr.

    Das mit dem „fehlerverzeihend“ ist doch das ideale Schlupfloch für alle Infrastrukturfreunde. Radwegeunfälle passieren dann nicht mehr wegen der prinzipiellen Schwächen von Infra, sondern weil die vorhandene Infra eben mal wieder nicht „fehlerverzeihend“ genug war. Die Illusion, es gäbe überhaupt sowas, resultiert aus dem kompletten Ignorieren der Tatsache, dass Alleinstürze in NL häufiger vorkommen und tödlicher verlaufen als in D.

    Nachtrag:

    Habs überflogen und in der Zusammenfassung ist da durchaus eine deutliche Andeutung darauf:

    „is significantly associated“ = es existiert eine Korrelation, keine Kausalität. Wahrscheinlich ist es ja kausal eher anders herum gelaufen: „they came and then they built it“. Beschauliche, „weiße“ Verwaltungs- und Universitätsstädte haben eher fahrradfreundliche Bedingungen, und ebenso haben sie eher eine Wählerschaft, die Infrastruktur-freundliche Verwaltungen ins Amt hievt, als industriell geprägte Arbeiterstädte mit vorwiegend farbigen Habenichtsen.

    Rennradfahrer rammt fahrbahnquerende Fußgängerin.

    POL-BN: Bonn-Beuel: Verkehrsunfall zwischen Rennradfahrer und Fußgängerin - 79-Jährige lebensgefährlich verletzt - Zeugen gesucht
    Bonn (ots) - Ein folgenschwerer Verkehrsunfall ereignete sich am Donnerstagabend (13.08.2026), gegen 20:45 Uhr, auf der Friedrich-Breuer-Straße in Bonn-Beuel.…
    www.presseportal.de

    „Zur Rekonstruktion des genauen Unfallgeschehens wurde ein spezialisiertes Verkehrsunfallaufnahmeteam aus Köln hinzugezogen. Zudem wurde die GPS-Uhr des Radfahrers zur Datenauswertung sichergestellt.“

    Da will ich mal was nachsehen und erwische gleich ein Prachtexemplar. Bin ich blind oder steckt der automatische Schuldzuweiser drin? Wer findet ihn als erster…

    Wer auch immer die Schuld hat, der langjährige Trend für Rad vs. PKW bzw. LKW ist gut fallend.

    Besonders krass ist der Rückgang bei Todesfällen, wo es 2025 einen neuen Fahrrad-Bestwert mit 5 Toten gab (4 mit KFZ, 1 Alleinsturz), und nach knapp 2/3 vom laufenden Jahr 2026 erst 2 Opfer (1 Rad vs Rad, 1 LKW-Radweg-Rechtsabbieger).

    Relativierungen zum Radverkehr:

    • es ist ein radelndes Kind alle 54 Minuten
    • es ist ein radelndes schwerverletztes Kind alle 260 Minuten
    • es ist ein radelndes schwerverletztes Kind mit MIV-Gegner alle 520 Minuten
    • es ist ein radelndes getötetes Kind mit MIV-Gegner alle 90.000 Minuten
    • in Dänemark (7% der deutschen Einwohner) wären es demnach bei gleichem Risiko nur jeweils 1/14 der obigen Werte, also zB nur ein radelndes getötetes Kind mit MIV-Gegner alle 1,2 Millionen Minuten.

    Einordnung der tödlichen Unfälle in den langjährigen Trend:

    Kinderunfälle 2025
    Dreizehn radfahrende Kinder kamen im Jahr 2025 in Deutschland ums Leben Im vergangenen Jahr 2025 wurde über 13 tödliche Fahrradunfälle mit Kindern unter 15…
    radunfaelle.wordpress.com

    Problem wirds erst, wenn das MIV-Volk meint, es ist hier alleine unterwegs.

    "Das Problem" existiert immer gänzlich unabhängig von der Frage, ob Radverkehr auf der Fahrbahn möglich/erlaubt/verboten ist. Unter schnellen KFZ auf der Landstraße leiden vor allen anderen schnelle KFZ-Nutzer.

    Anmerkung: von den 189 Radfahrern auf der Landstraße in 2023 starben nur 25 auf Landstraßen ohne Radweg im Längsverkehr (18x mit PKW von hinten angefahren, 2x mit Motorrad von hinten angefahren, 2x Zusammenstoß im Gegenverkehr, 2x Radfahrer Linksabbieger mit KFZ von hinten, 1x Autofahrer Kontrolle verloren und gg Radfahrer geschleudert). Bei den Fußgängern dürfte die Zahl der Längsverkehrstoten auf Straßen ohne Gehweg unter einer Handvoll liegen*.

    *) Edit: ich habe zur Bestätigung dieser Aussage im gerade parat liegenden Opendata-File von 2025 nachgesehen. Darin sind insgesamt 22 Fälle von tödlich verletzten Fußgängern mit PKW oder Motorrad im Längsverkehr verzeichnet. 3 Fälle davon liegen auf Autobahnen bzw. Kraftfahrstraßen, 1x Landstraße mit an der Unfallstelle gemeinsamem Geh- und Radweg, und 12 Unfallorte lagen im bebauten Gebiet. Verbleiben also 6 Fälle von getöteten Fußgängern im Längsverkehr auf Landstraßen ohne Gehweg im letzten Jahr. Davon wird 3x "dunkel" und 2x "Dämmerung" als Lichtverhältnisse angegeben. Der einzige Unfallort, wo es zwischen schnellem KFZ und Fußgänger im Längsverkehr bei Tageslicht geknallt hat, liegt bei Bad Rodach tief im geschlossenen Wald an der Grenze zwischen Bayern und Thüringen.

    Nichts als Müll perpetuieren, und den Eltern sind ihre eigenen Kinder soweit egal, das sie nichtmal eine Minute über das nachdenken, was sie da tun.

    Dieses „vier von zehn“ bezieht sich einerseits auf die Altersgruppe unter zehn, die noch auf dem Gehweg fahren muss (darf), und die an allen Stellen, wo es zu Konflikten mit KFZ kommen kann, ohnehin gemäß StVO absteigen muss. Das ist so, als würde der ADAC lamentieren, dass vier von zehn 16-Jährigen noch nicht sicher Auto fahren können. Außerdem reden wir hier vom Ergebnis einer Umfrage des ADAC unter Eltern, die die Fertigkeiten ihrer Kinder subjektiv einschätzen sollten.

    Andererseits klagen befreundete Sportlehrer am Gymnasium auch, dass vier von zehn Kindern keine Rolle vorwärts mehr schaffen. Das Problem ist wie immer nicht das Fahrrad.

    Radfahrer tötet Autofahrer? (Ja, ich weiß, die Wucht des Aufpralls gemeinsam mit dem Design der Felgen des Mercedes und dem Fahreralter weisen darauf hin, dass es mehr als einen Faktor gegeben haben dürfte...).

    Radfahrer als Auslöser: Mercedes kracht gegen Bäume - Mann kämpft um Leben, Mitfahrer tot
    Ein Unfall auf der Isenburger Schneise in Frankfurt am Main hat am späten Mittwoch das Leben eines Menschen gekostet. Drei weitere Personen wurden verletzt. |…
    www.tag24.de

    Die Unfallstelle liegt außerorts und besitzt eine Bedarfsampel, die anscheinend ohne Drücken ganz erlischt. Da der Mercedes ungebremst in den Honda reingerauscht ist, dürfte der fahrbahnquerende Radfahrer, der das fatale Haltemanöver der Hondafahrerin mitten auf der Kreuzung ausgelöst hatte, die Anforderungstaste entweder gar nicht gedrückt haben, oder zumindest nicht abgewartet haben, bis die Fahrbahnsignale auf rot gesprungen waren.

    Abbiegeunfall, aber ganz anders:

    POL-UL: (UL) Langenau - Radlerin von Fahrzeug erfasst / Am Freitagvormittag erlitt eine Fahrradfahrerin in Langenau tödliche Verletzungen.
    Ulm (ots) - Der Unfall ereignete sich kurz nach 9 Uhr in der Bismarckstraße. Die 62-jährige Radfahrerin befuhr die Bismarckstraße in Richtung Wörthstraße. Um…
    www.presseportal.de

    Ein LKW hatte scheinbar abgebremst, um links abzubiegen. Die Radlerin überholt ihn auf seiner linken Seite, wohl um ebenfalls in die selbe Nebenstraße abzubiegen. Der LKW fuhr an und überrollte dabei die Radlerin neben/vor sich. Schauplatz: Wohngebiet, nach den älteren Streetview-Bildern T30-Zone mit linksseitig Gehweg & "Rad frei". Nach aktuellerem Luftbild und auch entsprechend der auf Mapillary erkennbaren Beschilderung an der Einmündung in die Hauptstraße handelt es sich aktuell aber um eine "Fahrradstraße" mit rot eingefärbten Kreuzungsflächen mit Rad-Piktogrammen drauf.

    Die Fahrbahn wäre deutlich schmaler als LKW + Fahrrad + "einsfuffzich".

    Da der LKW aus dem Stand anfuhr, dürfte er jedenfalls noch nicht mehr als Schrittgeschwindigkeit gehabt haben. Dieses explizite Limit für LKW innerorts gilt jedoch gemäß §9 StVO auch nur beim *Rechts*abbiegen...

    Da Radwege vermeintlich auch den Fußverkehr wachsen lassen: Korrelation ist keine Kausalität. Im Übrigen ist die implizite Behauptung, die Studie würde die Effekte durch einen vorher-nachher-Vergleich nachweisen falsch. Die Autoren postulieren mögliche Effekte, wenn alle Städte wie Kopenhagen wären.

    https://www.pnas.org/doi/pdf/10.1073/pnas.2422334122?download=true

    [„RiMs“]

    Und diese Verkehrsplaner behaupten, es sei eine sichere Radverkehrsführung. Sie werden ihre Planung ja wohl kaum damit begründen, dass sie sagen: "Es ist anders gemacht als in den Niederlanden und es ist für Fahrradfahrer deutlich gefährlicher als in den Niederlanden, aber das stört doch keinen großen Geist."

    RiMs sind eine Zeit lang auch in NL Stand der Technik gewesen, wurden aber in den letzten drei Jahrzehnten wohl dort nicht mehr gebaut bzw existierende Markierungen wieder zurückgebaut. Dass eine empirisch ermittelte mangelnde Verkehrssicherheit der Grund für diesen Modenwechsel gewesen wäre, ist allerdings nirgendwo (außer als Legende in der deutschen Verkehrswende-Bubble) zu finden. Das gleiche gilt im Übrigen auch für die angeblich sicherheitstechnisch überlegene „holländische Schutzkreuzung“ mit ihren mehrere Meter in die Nebenstraße gerückten Fahrbahnfurten. Das BASt-Gegenstück in NL (SWOV) hat Anfang der 2000er eine ausführliche Erörterung des Rechtsabbieger-Konflikts publiziert. Darin sind aber weder Diskussionen von Für und Wider einzelner Führungsvarianten noch konkrete Empfehlungen für die bauliche Kreuzungs-Ausführung enthalten.

    Die Uni Berlin hat im Auftrag der BASt eine Studie angefertigt, die die Verkehrssicherheit von RiMs im vorher-nachher-Vergleich untersucht hat. Dabei kam heraus, dass die Unfallrate sich gegenüber der vorherigen Hochbordführung nicht gravierend ändert. Je nachdem, ob die Radspur eingefärbt war oder nicht lag sie mal leicht unter mal leicht über dem Ausgangswert. Unfälle mit RiM resultierten dabei aber weitgehend aus Fehlnutzung der Kreuzung durch Radfahrer mittels (Geister-)Radeln auf dem Bürgersteig. Vom Ergebnis wurde in den Medien allerdings nur einseitig der nachteilige Effekt bei ungefärbten Furten als ultimativer Beweis für die Gefährlichkeit der ungeliebten Führung präsentiert. Wenn dann noch zB Changing Cities mit gestellten Gruselbildern gegen RiMs stänkert, kann die behauptete Lebensgefährlichkeit natürlich schnell zur selbsterfüllenden Prophezeihung geraten.

    Zusammenfassung: nachdem das „build it and they will come“ in D irgendwie unbefriedigend funktioniert hat, wird „build it the Dutch way, and they will come like the Dutch came“ propagiert. Der Witz daran ist, dass NL seinen starken Radverkehr in den 1980er Jahren gewonnen hat (worauf hin er seitdem stagniert) und zwar mit genau den Radführungen, die von der deutschen Verkehrswendeszene heute als unsicher, unwirksam und typisch deutsch diffamiert werden.