Ich möchte an dieser Stelle kurz darauf hinweisen, dass es bereits im Jahr 1997 eine Änderung der StVO gab, bei der die allgemeine RWBP abgeschafft wurde und Radwege seitdem nur noch in seltenen Ausnahmefällen benutzungspflichtig sein dürfen.
Man braucht also gar keine neuen Regelungen, weil es ausreichen würde, wenn sich Verkehrsbehörden an das bereits seit 26 Jahren geltende Recht halten würden.
Das Problem ist halt, dass bei den Verkehrsbehörden und den Parlamenten nicht unbedingt immer Leute sitzen, die klatschen und Hurra schreien, wenn sie mit dem Problem konfrontiert werden, dass eine StVO-Änderung in der Form umzusetzen ist, dass Fahrradwege entweder zu nicht mehr benutzungspflichtigen Fahrradwegen erklärt werden sollen.
Dazu kommt das Problem, dass die StVO-Änderung auch beinhaltet, dass Fahrradwege dort, wo sie gebraucht werden, ausgebaut werden müssen, weil die früher einmal geltenden Standards nicht mehr erfüllt werden. Das geschieht auch nur in Zeitlupe.
Siehe zum Beispiel hier:
Die Fahrradwege an der Königsworther Straße sind 1 m breit (mit den roten Begrenzungs-Klinkerstreifen zusammen 1,40 m). Die Königsworther Straße ist so stark befahren, dass die Kriterien erfüllt sind für eine Fahrradwegbenutzungspflicht. Sogar so weit erfüllt, dass die an aktuellen Standards gemessenen zu schmalen Radwege als benutzungspflichtig ausgeschildert sind.
Es ist ein bisschen gruselig, dort von einem Pedelec überholt zu werden. Das kommt aber immer häufiger vor, weil es zunehmend mehr Pedelecs gibt, die weniger schnelle Fahrradfahrer*innen wie mich dann überholen, leider auch an dafür ungeeigneten Stellen. Besonders in die eine Richtung, nämlich von der Glocksee zum Königsworther Platz kommt das sehr häufig vor, weil es dort leicht bergauf geht. Du hast ja von dir berichtet, dass du ein sehr sportlicher Fahrer bist, der in der Ebene noch jedes Pedelec hinter sich lässt. Du schaffst vermutlich diese leichte Steigung immer noch locker mit 25 km/h. Ich höchstens mit 12-15 km/h und da bin ich bei weitem nicht alleine. Ich habe hier im Forum manchmal das Gefühl, es diskutierten vor allem Leute, für die es gar kein Problem ist ohne Mühe das Tempo zu fahren, dass weniger trainierte nur mit Mühe mit einem Pedelec halten können, wenn es auf maximaler Unterstützung geschaltet ist. Deshalb weise ich da noch mal extra drauf hin.
Und auch darauf, dass ich längst keine Ausnahmeerscheinung in dieser Hinsicht bin. Nicht nur die Leute in meinem Altersjahrgang, sondern auch jüngere Fahrradfahrer*innen fahren auch nicht schneller als ich. Darüber hinaus ist es mir stets wichtig auch Leute für's Fahrrad zu begeistern, die es nur selten oder nie benutzen und von denen die meisten noch langsamer fahren als ich.
Und jetzt kommen auch noch die Pedelecs ins Spiel. Es verletzt nicht meinen Stolz, von einem Pedelec überholt zu werden. Wenn ich aber wieder und wieder erlebe, dass auf dafür nicht geeigneten, weil zu schmalen Fahrradwegen, Pedelec-Nutzer (manchmal auch einfach nur sportliche Fahrradfahrer*innen) langsamere Fahrradfahrer*innen überholen, dann wünsche ich mir schon, dass denen die Möglichkeit gegeben wird, auf der Fahrbahn zu fahren.
Mit der Fahrbahnfreigabe für alle Fahrradfahrer*innen in allen Straßen hat es bisher nicht geklappt. Leider gibt es sogar noch viele Straßen, in denen zu Recht (manchmal aber auch rechtswidrig) Fahrradwege als benutzungspflichtig ausgeschildert sind.
Warum also nicht das Problem in der Form abmildern, Pedelecs mit Tretunterstützung bis 25 km/h von der Fahrradwegbenutzungspflicht zu entbinden?