Ab Minute 36:00 führt der Filmautor ein Interview mit dem niederländischen Radverkehrs-Experten Marco te Brömmelstroet, der zu dem Schluss kommt, "... auch das Fahrrad ist nicht der Weisheit letzter Schluss." Und das ist ein wirklich interessanter Ansatzpunkt in dem Film, der doch eigentlich Lust aufs Fahrradfahren machen will: So toll ist das Fahrradfahren gar nicht.
Vielleicht ist es ja das, was dich Th(oma)s daran stört, wenn die Niederlande als "vorbildliches Fahrradland" glorifiziert wird? Du übst daran ja immer wieder Kritik.
Für Marco te Brömmelstroet steht vielmehr als Zukunftstaufgabe im Raum: "Wir müssen den öffentlichen Raum grundlegend neu denken." Für ihn ist das was in den Niederlanden erreicht wurde nicht das Ende einer Entwicklung. Vielmehr haben die Niederlande das Potenzial ihrer Städte noch lange nicht ausgeschöpft. "Wir sollten größere Träume haben als das, was die Niederlande erreicht haben.(...) Eine Stadt sollte die Möglichkeit für ein gutes Leben bieten, ohne ständig auf schnelle Mobilität angewiesen zu sein." Das ist für ihn wichtiger, als jeden auf ein Fahrrad setzen zu wollen. Marco te Brömmelstroet befürchtet, dass es sehr schwer sein wird, diese Diskussion in den Niederlanden zu führen, weil es zu viele gibt, die meinen mit einer "Fahrradgerechten Stadt" den Endpunkt einer städtischen Entwicklung erreicht zu haben, so dass keine weitere Verbesserungen möglich sind.
Wer weiß, vielleicht hat Marco de Brömmelstroet ja auch solche Fehlentwicklungen im Blick, wie die Flut der sogenannten Fatbikes, Pedelecs mit extra breiten Reifen, die besonders häufig manipuliert sind, sodass auch bei einem Tempo über 25 km/h der Motor noch mehr Tempo macht und sogar ohne Motorunterstützung nur mit Daumendruck sehr schnell gefahren werden kann. Leider wird das nicht in dem Film thematisiert.
Siehe ab Minute 36:00 in dem an diese Stelle verlinkten Film CYCLING CITIES von Ingwar Perowanowitsch: