Bei der Bewertung der derzeitigen Corona-Lockdown-Lage wird anscheinend gerne vergessen, dass bis vor wenigen Wochen noch der Vorschlag auf dem Tisch lag, wesentliche Öffnungsschritte nicht zu wagen, bevor nicht der Wert für die 7-Tage-Inzidenz unter 35 gefallen ist.
"Öffnung erst ab 7-Tage-Inzidenz von 35
Der Handel fordert vor dem Corona-Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel eine baldige Öffnung aller Geschäfte und Läden. Doch das geschieht erst ab einer bundesweit stabilen 7-Tage-Inzidenz von 35."
Südwest-Zeitung vom 11. Februar 2021
https://www.swp.de/panorama/hande…e-54968697.html
Die neue 35 heißt jetzt 100 und trotzdem wird gehadert und dagegen Sturm gelaufen.
"Warum dürfen Friseure öffnen und Lebensmittelgeschäfte randvoll sein, während Textilgeschäfte, die vielleicht nur zehn Menschen in einem großen Laden haben, dies ohne Terminabsprache nicht tun dürfen? Das ist schwer erklärlich, und wir müssen willkürlich wirkende Dinge immer wieder den Menschen erläutern. Das fällt zunehmend schwer. Dabei ist bei uns allen die Sorge sehr groß, dass der Verdruss immens wächst und wir im Herbst bei den Wahlen diesen Verdruss zu spüren bekommen. Das möchten wir nicht. Die Menschen müssen Vertrauen haben, dass der Staat in dieser Krise gut organisiert ist und seine Maßnahmen vernünftig erklären kann."
HAZ-Printausgabe von heute, 11.3.2021: „Wir haben gewarnt“: Oberbürgermeister verzweifeln am Corona-Wirrwarr
Die getroffenen Maßnahmen vernünftig erklären, wie es die drei Oberbürgermeister fordern, wird freilich zunehmend schwieriger, je mehr vereinzelte Öffnungsschritte dazu kommen. Und die Forderung nach weiteren Öffnungen wird mit großer Macht gerade von denen propagiert, die einerseits viel zu verlieren haben, wenn nicht bald wieder der Laden rund läuft, andererseits aber noch mehr zu verlieren haben, wenn es dadurch erneut zu großflächigen und entschiedenen Schließungen kommen sollte.