Es gibt erstaunlich viele Zeitgenossen, leider auch in meinem Bekanntenkreis, die in ihren Mitmenschen (vulgo "Volk") mehrheitlich eine Horde verblödeter Idioten sehen. Aber innerhalb der Amtsträgerschaft seltsamerweise nicht, da sind es dann bestenfalls "einzelne schwarze Schafe". Die Volks-Idioten dagegen müssen unbedingt "geführt" werden, weil sie sonst wohl andauernd gegen Wände laufen und sich den Kopf stoßen würden.
Woher dieser m.E. völlig unsinnige Pickelhauben-Gehorsam kommt - und warum er bis heute anhält - hat sich mir bis jetzt nicht erschlossen. Nach vielen gekauften Doktotiteln und korrumpierten Amtsträgern denke ich, dass es in Wirklichkeit eher andersrum ist.
"Wir sind das Volk", war die politische Parole, mit der bei den Montagsdemonstrationen in der ehemaligen DDR die SED-Diktatur herausgefordert wurde, die ihrerseits den Begriff "Volk" für die Staatsorgane in Anspruch nahm. So gab es in der ehemaligen DDR, die Volksdemokratie mit einer "Volksarmee" und einer "Volkspolizei".
In den Jahren davor, während der Nazi-Diktatur, warst du ein Volksgenosse, oder eben nicht, weil du zum Beispiel einer den Nazis missliebigen "Rasse" angehört hast und deshalb kein Mitglied der Volksgemeinschaft sein durftest.
Konnte man in den Spätjahren der DDR die Parole "Wir sind das Volk" noch sympathisch finden, dann wandelte sich das zumindest in meiner Erinnerung dann, als die Parole umgewandelt wurde in "Wir sind ein Volk", um möglichst schnell eine Wiedervereinigung herbeizuführen, bei der es sehr bald für viele nur noch darum ging, das vermeintlich "Versäumte" während der Zeit der DDR-Diktatur endlich nachzuholen.
Dieser große Nachholbedarf machte vor dem Geschehen im Straßenverkehr nicht halt, was Zum Beispiel Klaus Gietinger in seinem Buch "Totalschaden" zu dem Hinweis veranlasst hat, dass die Zahl der tödlich verunglückten Verkehrsunfallopfer in der unmittelbaren Nachwendezeit die Zahl der Mauertoten bei weitem überstieg. Da kann man dann schon mal auf die Idee kommen zumindest einen großen Anteil der autofahrenden Mitmenschen mehrheitlich als "eine Horde verblödeter Idioten"*) zu sehen.
*)Zitat Pepschmier.
Und was die "verblödeten Idioten" in der Amtsträgerschaft angeht: Das kannst du ja bei REZO nachhören, dass es die gibt.
Nur dass REZO meines Erachtens falsch liegt, wenn er glaubt, eine breite Bevölkerungsmehrheit erwarte jetzt umgehend einen möglichst umfänglichen "Lockdown" und ein Ende des andauernden Hoch- und Runterfahrens in Restaurants, Kaufhäusern und Kulturbetrieben sowie Schulen und Kitas. Dieser Wunsch nach dem notwendigen "harten Lockdown", der auch von vielen Medizinern und anderen Wissenschaftlern gefordert wird, stößt beim "Volk" nicht auf die Gegenliebe, die notwendig wäre um ihn erfolgreich umzusetzen.
und was den "Pickelhaubengehorsam" angeht: Niedersachsens Ministerpräsident mimt derzeit den Öffner und sehr viel stärker noch der Ministerpräsident des Saarlandes Hans, schielen damit auf breite Zustimmung beim "Volk". Währenddessen wetteifern gerade Laschet und Söder mal wieder. Diesmal um den Titel des Ober-Schließers, um damit Volksverbundenheit auszudrücken.
Wenn ich mir dann noch vergegenwärtigen muss, dass die Querdenker, Pegida, AfD, sowie Alt- und Neonaziszene bei ihren Demos "Wir sind das Volk" für sich reklamieren, dann hab' ich genug Gründe beisammen, um den Begriff "Volk" und die ihn für sich reklamieren mit größter Vorsicht zu begegnen.
Schau dir mal diesen rund 11 Monate alten SpiegelTV-Beitrag an:
https://www.spiegel.de/panorama/spieg…c5-8ab3111d6046
Titel: Wir sind das Volk