Radfahren in Niedersachsen ist immer wieder eine Freude. Von Lüneburg bis zum Wilseder Berg sind es keine 40 Kilometer, die man grundsätzlich recht schnell überwinden könnte, wenn man nicht ständig die Wahl zwischen miserablen benutzungspflichtigen Buckelpisten…
… und Überlandstraßen ohne Radweg hätte, auf denen Radverkehr allerdings nicht toleriert wird. Dass mich mal jemand mit einem vernünftigen Abstand überholt halte ich ja schon beinahe für eine vermessene Erwartungshaltung, aber hier nahm sich tatsächlich ein wütender Kraftfahrer die Zeit, beim Überholvorgang abzubremsen und mich bei Tempo 25 ins Straßenbegleitgrün zu drängen. Sowas hatte ich ja schon ganz lange nicht mehr, so dass ich kurz in Erwägung zog, die Autozei zu benachrichtigen, aber vermutlich hätte ich mir dann nur die üblichen Weisheiten angehört, dass man auf „gelben Straßen“ (vulgo: Bundesstraße) ohne Radweg gar nicht mit dem Rad fahren darf oder dass langsame Fahrzeuge schnelleren das Überholen ermöglichen müssen.
Aber wenn man dann brav auf dem bestens ausgebauten und breiten Radwegen fährt, hat man auch nie Vorfahrt. Am Kreisverkehr sowieso nicht, da haben dann laut dem OLG Hamm weder der Fahrbahnverkehr noch der Radverkehr irgendwie Vorfahrt, der Radverkehr aber auf jeden Fall noch weniger Vorfahrt als der Fahrbahnverkehr:
Selbst an der bummeligsten Hofeinfahrt, die beinahe schon eher eine private Anliegerstraße ist, dürfen Zeichen 205 nicht fehlen. An einigen Ecken frage ich mich dann ja schon, was die Straßenverkehrsbehörde sich da wohl als Begründung ausgedacht hat. Wahrscheinlich ist der Radweg hier knappe fünf Meter von der Fahrbahn entfernt und daher aus der Vorfahrtregelung der Straße rausgefallen?
Und hier habe ich dann erst Vorfahrt, aber dann irgendwie doch nicht?
Auch superhäufig in jeder Ecke anzutreffen: In Fahrtrichtung rechts ein freigegebener Gehweg mit Schrittgeschwindigkeit, in der Gegenrichtung handelt es sich um einen linksseitigen Radweg, auf dem ich dann mit Vollgas langjagen darf.
Nun ja. So richtig Freude kommt da beim Radfahren echt nicht auf. Es ist bei mir schon eher die bange Sorge, was wohl die nächste Ortschaft für mich bereithalten wird — und wann mich der nächste Kraftfahrer maßregeln wird, weil ich irgendwo nicht auf einem freigegebenen Gehweg fahre.