"Mikromort" - eine (wenig) geeignete Einheit zur Risiko-Einschätzung bei der Verkehrsmittelwahl?

  • "Auch die Nutzung von Verkehrsmitteln wird bei der Berechnung des Sterberisikos mit einbezogen. Fliegen gilt dabei als besonders sicher. Wer fliegt, kann 12.000 Kilometer bis zu einem weiteren Mikromort zurücklegen. Wer Auto fährt braucht dagegen nur 500 Kilometer zurücklegen. Und wer Rad fährt hat schon nach 30 Kilometern ein weiteres Mikromort gesammelt."

    aus: Mikromort: Wie wir unser eigenes Sterberisiko errechnen können, dlf vom 17.12.2020

    Mikromort: Wie wir unser eigenes Sterberisiko errechnen können
    Wann wir sterben, das wollen die wenigsten von uns wissen. Die Wissenschaft will es aber sehr genau wissen und hat deshalb die Einheit Mikromort erfunden.
    www.deutschlandfunknova.de

    Dass das Fahrradfahren im Vergleich zum Autofahren so schlecht abschneidet, halte ich für einen Rechenfehler.

    In einem Spiegel-Artikel vom 6.7.2027 heißt es: "Man kann 10 Kilometer mit dem Motorrad fahren oder 40 Kilometer auf dem Rad oder 43 Kilometer zu Fuß gehen, und schon erreicht man ein Micromort."

    Risikoforscher David Spiegelhalter über Alltagsrisiken und Micromorts
    Der Forscher David Spiegelhalter berechnet Alltagsgefahren. Wie groß ist unser Risiko, in der Badewanne zu ertrinken - im Vergleich zu einem möglichen…
    www.spiegel.de

    Was fehlt? Wer im Auto sitzt bewegt sich kaum, wer dagegen Fahrrad fährt oder zu Fuß geht, der tut was für seine Gesundheit. In den beiden Artikeln habe ich keine Hinweise darauf gefunden, wie stark das zu Buche schlägt und den Mikromort möglicherweise relativiert.

    Ebenfalls erfolgt kein Hinweis darauf, ob das Fahrradfahren oder zu Fuß gehen an und für sich gefährlich ist, oder wie stark Autoverkehr das Risiko steigert, beim Zufußgehen oder Radfahren, ein Opfer des Autoverkehrs zu werden. Es müsste eigentlich ein Vergleich erfolgen zwischen Spazierengehen in einem Park mit guter Luftqualität oder auf einer autofreien Nordseeinsel und in einem Stadtteil mit stark vom Autoverkehr durch Abgase, bzw. durch Reifenabrieb belasteter Luft. Und der Gefahr Auto-Unfallopfer zu werden, die in einer autofreien Umgebung nicht besteht.

    2 Mal editiert, zuletzt von Ullie (14. Oktober 2026 um 11:52) aus folgendem Grund: "Und der Gefahr Auto-Unfallopfer zu werden, die in einer autofreien Umgebung nicht besteht." angehängt

  • Ullie 14. Oktober 2026 um 11:19

    Hat den Titel des Themas von „"Mikromort" - eine (wenig) geeignete Einheit zur Risiko-Einschätzung bei der verkehrsmittelwahl“ zu „"Mikromort" - eine (wenig) geeignete Einheit zur Risiko-Einschätzung bei der Verkehrsmittelwahl?“ geändert.
  • Mal so nebenbei: Auf diese "Mikromort"-Einheit kam ich beim Blättern in einer Zeitschrift, die auf den ersten Blick so aussieht wie eine typische NGO-Zeitschrift:

    Übersicht Magazine

    Tatsächlich ist der Herausgeber die Bundesgesellschaft für Endlagerung, also eine staatliche Stelle.

    Zum Vergleich diese Intenetseite einer NGO-Organsation:

    Das .ausgestrahlt-Magazin
    Unser Magazin bietet mehrmals pro Jahr Hintergrundinfos zur Atompolitik, Atomkraft in Deutschland und der Anti-Atom-Bewegung. Kostenlos abonnieren.
    www.ausgestrahlt.de
  • aus: Mikromort: Wie wir unser eigenes Sterberisiko errechnen können, dlf vom 17.12.2020

    [...]

    Dass das Fahrradfahren im Vergleich zum Autofahren so schlecht abschneidet, halte ich für einen Rechenfehler.

    Jedenfalls sind die Daten nicht mit deutschen Werten berechnet, sondern gelten für US-Verhältnisse.

    Deutschland hat derzeit im Schnitt ca. 450 gestorbene Radfahrer jährlich bei einer Gesamtfahrleistung von 45 Mrd Kilometern. 45.000.000.000 / 450 = 1 Todesfall je 100 Millionen km. Für 1 Micromort müsste man demnach in Deutschland 100 km Radeln (100.000.000/1.000.000).

    Spannender wäre für Viele an dieser Stelle sicherlich die Überlegung, wie hoch das Risiko wäre, unverschuldet einem Zusammenstoß mit einem fahrenden KFZ zum Opfer zu fallen. Von den 450 Toten p.a. entfallen nur ca. 100 auf schuldige KFZ-Führer, so dass sich die zurückzulegende Distanz für je einen Mikromort entsprechend auf 450 km erhöht.

    Für einen realistischen Vergleich wäre allerdings nicht der Bezug auf die zurückgelegten km entscheidend, sondern das pro Zeiteinheit wirkende Risiko der Tätigkeit. Das allgemeine Sterberisiko je Tag zB ergibt sich aus der mittleren Lebenserwartung; für 80 Jahre also [(1/(80 x 365))*1.000.000] bzw. 34 Mikromort am Tag. Vielradler mit 5.000 Jahres-km kommen für Radeln auf [(5000/450)/365] bzw. 0,03 KFZ-bedingte Mikromort am Tag, senken aber durch ihr wahrscheinlich um 5 Jahre längeres Leben ihr allgemeines Sterberikiso um 2 Mikromort am Tag auf 32.

    Von den "Mikromord" (Typo intended), die die Tätigkeit Radfahren im Vergleich zur PKW-Nutzung für die Lebenserwartung von Fremden bedeutet, haben wir bis dahin noch gar nicht gesprochen.:evil:

    3 Mal editiert, zuletzt von Th(oma)s (14. Oktober 2026 um 15:23)

  • Zitat

    Auch die Nutzung von Verkehrsmitteln wird bei der Berechnung des Sterberisikos mit einbezogen. Fliegen gilt dabei als besonders sicher. Wer fliegt, kann 12.000 Kilometer bis zu einem weiteren Mikromort zurücklegen. Wer Auto fährt braucht dagegen nur 500 Kilometer zurücklegen. Und wer Rad fährt hat schon nach 30 Kilometern ein weiteres Mikromort gesammelt.

    12.000 km im Flugzeug - 12 Stunden. Wobei ich ja vermute, dass das Risiko von 40 Kurzstreckenflügen je 30 km höher ist als bei Paris rauf und in Santiago de Chile runter.

    500 km Auto - hm. 4 Stunden Autobahn oder 20 Stunden Stadtverkehr.

    30 km Fahrrad - 30 Minuten bergab in den Alpen wäre wohl anders zu bewerten als 3 Stunden durchs hyggelige Hinterland eines dänischen Badeortes ...

  • 12.000 km im Flugzeug - 12 Stunden. Wobei ich ja vermute, dass das Risiko von 40 Kurzstreckenflügen je 30 km höher ist als bei Paris rauf und in Santiago de Chile runter.

    Fairerweise müsste die Abschätzung der Sterblichkeit durchs Fliegen auch berücksichtigen, dass wesentlich mehr Passagiere durch Komplikationen von Reisethrombosen versterben als durch Abstürze, und da sieht es wiederum beim Langstreckenflug düster aus.