"Fridays for future" fordert die Verkehrswende

  • Bilder von der 2. Klimaschutz-Demonstration in Linden-Limmer unter Beteiligung von Fridays For Future in Hannover.

    Start war an der Stadtbahnhaltestelle Brunnenstraße:

    Hier gab es eine kleine Start- und Abschlusskundgebung, bei der unter anderem auch Greta kam.

    Greta ............ ?

    Nicht Greta Thunberg.

    Sondern Greta Garlichs, die neue grüne Parteivorsitzende von Hannover. Sie hat die Abschluss-Ansprache gehalten. https://www.haz.de/Hannover/Au…arlichs-neue-Parteichefin


    Die Polizei fuhr vorraus ...


    Und rund 70 Demonstrant*innen folgten:


    Die Strecke war schon im Vorfeld angemessen geschmückt worden:


    Besonders erfreulich waren die vielen sehr jungen Demonstrations-Teilnehmer*innen:

  • Eine andere Aktion, an der sich FFF in Hannover beteiligt, ist die Petition gegen die Leinemasch-Autobahn.

    Ein Blick auf's Satellitenbild zeigt die aktuelle Situation:

    https://www.google.com/maps/@5…a,35y,39.1t/data=!3m1!1e3

    Der Südschnellweg soll im Rahmen einer "Renovierungsmaßnahme" deutlich aufgeweitet werden und für Tempo 100 "ertüchtigt" werden.

    Das ist genau das Gegenteil von dem was im Sinne einer Klimawende getan werden müsste.

    Auch wurde den bisherigen Plänen zufolge der Radverkehr komplett ausgeklammert.

    Zwar gibt es Möglichkeiten in der Leinemasch auf mehr oder weniger gut ausgebauten Strecken mit dem Rad mehr oder weniger parallel zum Schnellweg zu fahren. Einen komfortabel ausgestatteten Radweg mit Beleuchtung gibt es jedoch nicht.

    Deshalb lautet eine der Forderungen der Petition:

    "Wir fordern, dass der Radverkehr in einem solch großen Ausbauvorhaben angemessen und fair berücksichtigt wird: durch eine schnelle und komfortable hochwassersichere Querung durch die Leinemasch"!

    Hier der Link zur Petition:

    https://weact.campact.de/petit…bahn-durch-die-leinemasch


    Dieses Satellitenbild zeigt eine seit Jahrzehnten bestehende Engstelle der Radwegverbindung durch die Leineaue. Parallel zur Schnellwegbrücke über die Leine gibt es eine schmale Fußgängerbrücke. Radfahrer müssen dort absteigen. Auf dem Satellitenbild-Link ist die schmale Fußweg-Brücke oben, die breite Autobrücke unten zu sehen:

    https://www.google.com/maps/@5…,90h,39.47t/data=!3m1!1e3

    Hier ein Foto von der Brücke:

  • "Man schämt sich, Auto zu fahren, wie man sich ja mittlerweile schämt zu fliegen, was als »Flugscham« betitelt wird oder, weil es wie Greta Thunberg aus Schweden kommt, »flygskam«. Die Organisation erdölexportierender Staaten OPEC sieht die Klimaaktivisten als ernste Bedrohung an."

    Zitat aus:

    Salomon Scharffenberg, No car, oekom-Verlag, 2020, S. 27


    "Dieses Buch ist ein provokanter Beitrag zu der Frage, wie eine zukunftsfähige und verantwortliche Mobilität aussehen kann.", heißt es in der Ankündigung des oekom-Verlags.


    Bin gerade dabei, das Buch zu lesen. Die Vision des Autors, Salomon Scharffenberg, ist die Fahrrad-Eisenbahn-Straßenbahn-Mobilität. Eine Verkehrswende, die diesen Namen tatsächlich verdient und möglicherweise sogar einigen Fridays for Future Aktivist*innen ungewohnt radikal erscheinen mag.

    Obwohl Scharffenberg genau auf ihre Identifikations-Figur anspielt. Kommt mit der Flug-Scham auch die Auto-Scham?


    Mehr Infos zu dem Buch auf der oekom-Verlagsseite:

    https://www.oekom.de/buch/no-car-9783962381707

    Und hier ein kleiner Appetithappen, S. 1-40 von 232 Seiten im pdf-Format:

    https://www.oekom.de/_files_me…eproben/9783962381707.pdf

  • Scharffenberg kritisiert wiederholt in seinem Buch das verbissene Festhalten am autogerechten Ausbau der Mobilitätswege.

    Trotzdem die schädlichen Auswirkungen des MIV immer wieder thematisiert werden und hinreichend bekannt sind, verweigern die Verantwortungsträger*innen in Politik und Verwaltung den konsequenten Rückbau der Autoverkehrsinfrastruktur. Stattdessen wird am Autobahnausbau und am Parkplätze-Ausbau ebenso festgehalten wie an der Flächenversiegelung durch den Ausbau von Einfamilienhaus-Siedlungen, die besonders schwer an den ÖPNV anzubinden sind.

    In Hannover ist der Ausbau des Schnellweges zu einer Kraftfahrstraße mit Autobahncharakter in Planung. Derzeit zweispurig, ohne Standstreifen mit einem Tempo-70-Limit, soll eine Aufweitung um mehrere Meter stattfinden, um einen breiten Mittelstreifen zu schaffen und breite Standspuren einzurichten. Von den Verantwortungsträgern in Politik und Verwaltung wird das gerne damit verteidigt, dass der Autoverkehr so sicherer gestaltet werden könne.

    Wer genau hinsieht entdeckt schnell, dass es den Verkehrsplanern, die diesen Schnellwegausbau vorantreiben, in Wirklichkeit darum geht, das Tempo auf 100 km/h oder gar 120 km/h zu erhöhen. Dass das höhere Tempo einen möglichen Sicherheitsgewinn wieder auffrisst, wird verschwiegen.

    Gegen den Ausbau zur Stadtautobahn protestiert FFF-Hannover gemeinsam im Bündnis gegen den Ausbau des Südschnellwegs: ADFC Region Hannover, ADFC Stadt Hannover, BUND Region Hannover, Extinction Rebellion Hannover, FridaysForFuture Hannover, HannovAIR Connection, ParentsForFuture Hannover und Region, PlatzDa!, Transition Town Hannover, VCD Hannover, VeloCityNight

    https://adfc-hannover.de/keine…ahn-durch-die-leinemasch/

    Link zum HAZ-Bericht (Leider Bezahlschranke):

    https://www.haz.de/Hannover/Au…edschnellwegs-in-Hannover

    "Am Freitag, den 26. Februar wird es um 15 Uhr eine Mahnwache auf dem Opernplatz in Hannover geben. An einem toten Baum werden Kerzen und Plakate niedergelegt. Damit sagt das Bündnis: Nein zum Südschnellweg. Nein zum Ausbau von Straßen für den Autoverkehr. Nein zur Zerstörung der Leinemasch. Die Demonstration findet im Rahmen einer Soli-Reihe zu den Protesten gegen die A49 im Dannenröder Forst statt.

    Natürlich passiert die Demonstration unter Corona-Auflagen, also bitte einen Mund-Nasen-Schutz tragen und Abstand halten."

    https://www.hannover-entdecken…riert-auf-dem-opernplatz/


    FFF beteiligt sich mit seinen Ortsgruppen auch an Veranstaltungen in anderen Städten, in denen weiter dem Auto-Kult gehuldigt wird:

    Beispiel Wuppertal:

    https://www.wuppertaler-rundsc…ler-nordpark_aid-56256657

    oder Beispiel Hameln:

    https://www.gew-nds.de/bezirke…for-future-am-09-12-2020/

    Hier ein Bild von Januar 21, das die prekäre Radweg-Situation in Hameln zeigt:

  • Hannovers Oberbürgermeister protestiert bei Scheuer gegen "Autobahnbau"

    Erneut berichtet die HAZ heute früh über die Demonstration heute Nachmittag: "An diesem Freitag wird es ab 15 Uhr eine Kundgebung vor dem Opernhaus gegen die Verbreiterung des Schnellwegs geben. Ein Bündnis aus Allgemeinem Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), Fridays for Future und anderen lädt dazu ein. Die Corona-Bedingungen sollen mit großen Abständen eingehalten werden."

    Quelle: HAZ-Printausgabe vom 26.2.2021:

    "Onay schreibt Scheuer: Schnellweg neu planen"

    Bereits die Überschrift verrät:

    Schon die Ankündigung des Protestes hat Wirkung gezeigt.

    Und das ist doch in jedem Fall erst einmal eine gute Nachricht!

    Es ist gut, dass Hannovers Oberbürgermeister sich nicht beteiligt am großen Schweigen der Verantwortungsträger in Politik und Verwaltung, sondern Scheuer die richtigen Fragen stellt!

    Warum die vorhandene Südschnellweg-Trasse ausbauen, wenn der Motorisierte Individualverkehr (MIV) doch ohnehin im Rahmen einer Verkehrswende abnehmen soll?

    Und zwar nicht nur der private KFZ-Verkehr. Auch der Güterverkehr soll von der Straße auf die Schiene verlagert werden, wie es Scheuer gerade erst Anfang Februar erneut angekündigt hat.

    "Scheuer: Güterverkehr soll von der Straße auf die Schiene"

    Next Mobility vom 05.02.2021, Autor / Redakteur: dpa / Tanja Schmitt

    https://www.next-mobility.de/s…auf-die-schiene-a-997990/

    Die Behauptung, die vom Bund beschlossene Ausbauvariante mit einer Verdoppelung der Trassen-Breite diene der Verkehrssicherheit ist eine Schimäre. Denn die Verbreiterung des Mittelstreifens und die breiten Seitenstreifen werden nur deshalb vorgenommen, um das Tempo auf dem Südschnellweg von 70 auf 100 bis 120 km/h zu erhöhen. Damit wird die Sicherheit nicht erhöht. Im Gegenteil, es wird auch weiterhin Unfälle geben. Und bei denen wird es dann richtig "krachen".

    Genau so der Lärm! Als Lärmschutzmaßnahme sind Schallschutzwände geplant. Doch bereits die scheinbar nur "geringe" Tempozunahme um Tempo 30 würden die Lärm-Emissionen mehr als verdoppeln und die Wirkung der Schallschutzwände würde gegen Null tendieren. Zumal durch die größere Trassenbreite sich ohnehin der Schall weit nach rechts und links der Trasse über die Schallschutzwände hinaus ausbreiten würde.

    Scheuer versucht seinen Autobahnbau als Renovierung einer Bundesstraße zu verkaufen. Onay macht ihm einen Strich durch diese fiese Rechnung!

    Der Protest von Fridays for Future und ADFC gemeinsam im Bündnis gegen die Autobahn durch die Leinemasch zeigt Wirkung! Einfach immer nur die MIV-Infrastruktur weiter ausbauen und dabei so zu tun, als müsse das alles so sein, ist jetzt nicht mehr möglich!

  • CDU profiliert sich als Autofahrerpartei

    Das Schreiben des hannoverschen Oberbürgermeisters an den Bundesverkehrsminister wird von der CDU-Ratsfraktion kritisiert:

    "Onay missachte Beschlüsse der Gremien, denn: Der Radweg sei bereits vor Jahren von der Verwaltung abgelehnt worden."

    Quelle:

    NDR vom 26.02.2021:

    Mahnwache gegen Südschnellweg in Hannover

    https://www.ndr.de/nachrichten…,aktuellhannover7896.html

    Tatsächlich hatte die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung es vor Jahren versäumt, einen gute Radwegeverbindung parallel zum Südschnellweg auf den Weg zu bringen.

    Nur war damals

    1. Belit Onay noch gar nicht Bürgermeister und

    2. hat in den letzten Jahren die Kritik am völlig einseitigen Ausbau der MIV-Infrastruktur erheblich zugenommen. Höchste Zeit also für eine Neubewertung!

  • Nur war damals

    1. Belit Onay noch gar nicht Bürgermeister und

    2. hat in den letzten Jahren die Kritik am völlig einseitigen Ausbau der MIV-Infrastruktur erheblich zugenommen. Höchste Zeit also für eine Neubewertung!

    1. Welche Rolle soll das spielen?

    2. Selbstverständlich kann man Entscheidungen immer überdenken und sich nicht an diese gebunden fühlen. Nur sollte man bedenken, dass das anders herum dann nicht anders zu bewerten ist. Dann sollte man nicht meckern, wenn, wie in Hamburg mit der Straßenbahn, auch schon recht weit gediente Planung einfach beendet werden.

  • Die Straßenbahn-Planungen in Hamburg wurden zunächst erst mal wieder auf Eis gelegt, weil sich diejenigen durchsetzten, die die noch ältere Planungen verfolgten, nämlich die Straßenbahn komplett zurückzubauen. Und da darf man sehr wohl drüber meckern, weil das Eliminieren der Straßenbahn ein zentraler Baustein für die Verwirklichung einer autozentrierten Verkehrsinfrastruktur darstellt. Die Straßenbahn ist ein zentrales Element einer nachhaltigen Verkehrsinfrastruktur, die jahrzehntelang den Menschen ein hohes Maß an Mobilität ermöglichten, bevor sie in vielen Städten mit dem Ziel eine autogerechte Stadt zu schaffen, eliminiert wurde.

    Besonders perfide wurde in den USA die Straßenbahnen aus dem Verkehrsgeschehen verdrängt: "Als Großer Amerikanischer Straßenbahnskandal (englisch General Motors streetcar conspiracy) wird die systematische Zerstörung des auf der Straßenbahn basierenden öffentlichen Personennahverkehrs in 45 Städten der Vereinigten Staaten unter Führung des größten Automobilherstellers der USA, General Motors (GM), ab den 1930er bis in die 1960er Jahre bezeichnet. Die Verkehrsunternehmen wurden aufgekauft, um anschließend eine Stilllegung der Straßenbahnstrecken zu Gunsten des Automobilverkehrs zu erreichen, damit Fahrzeuge und Betriebsstoffe aus eigener Produktion abgesetzt werden konnten."

    https://de.wikipedia.org/wiki/…r_Stra%C3%9Fenbahnskandal

    Es ist gut das Onay das zusätzliche Zubetonieren der Naturflächen in der Leinemasch für das Aufrüsten des alten Schnellweges auf eine Hochgeschwindigkeits-Rennstrecke in Frage stellt.

    Nicht zuletzt deshalb weil der Bau der Schnellwege schon sehr früh Kritiker auf den Plan rief: "Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand ein Netz von Stadtautobahnen, unter anderem um die Verkehrsströme zur bedeutenden

    Messe zu kanalisieren. Der Bau des Messeschnellweges allerdings brachte die Bewohner Hannovers auf die Barrikaden: Denn dafür musste eine breite Schneise in die Eilenriede, in den Wald der Hannoveraner, geschlagen werden. Der Bau dieser Schnellstraße konnte nicht verhindert werden, aber fortan war man sensibilisiert: Man musste Schaden von der Eilenriede abwenden. Aus

    diesem Grund wurde der Eilenriedebeirat ins Leben gerufen, ein vom Rat gewähltes Gremium unabhängiger Bürgerinnen und Bürger, das sich für die Bewahrung dieses einmaligen Stadtwaldes einsetzen."

    http://www.kleefeld-online.de/…iedebeirat-Broschuere.pdf

    Wer heute früh in die Hannoversche Lokalpresse geschaut hat, erkennt schnell, dass Onay den Nerv getroffen hat. Als geradezu ungehörig bis staatsfeindlich wird von SPD, CDU und FDP kritisiert, dass Onay eine umweltverträglichere Lösung für die Erneuerung des Schnellweges vorschlägt, bei der auch die Belange des Radverkehrs berücksichtigt werden. Dabei hat Onay nichts anderes getan, als die wohlfeilen Sonntagsreden in denen unisono die Verkehrswende angekündigt und gepriesen wird, auf das herunterzubrechen, was an alltäglichen Tätlichkeiten gegen Natur, Umwelt und Klima in Form von Straßenausbau durchgeführt wird.

  • Meine Hoffnung, dass dem ganzen Gerede um eine Verkehrswende etwas Spürbares folgt, ist inzwischen bei Null angelangt. Außer dem irrationalen Verlangen, autofreundlichen Städten das Siegel "fahrradfreundlich" zukommen zu lassen, merk ich gar nix.

  • Meine Hoffnung, dass dem ganzen Gerede um eine Verkehrswende etwas Spürbares folgt, ist inzwischen bei Null angelangt. Außer dem irrationalen Verlangen, autofreundlichen Städten das Siegel "fahrradfreundlich" zukommen zu lassen, merk ich gar nix.

    Da gilt es ja auch ziemlich dicke Bretter zu bohren. Das Modell "autogerechte Stadt" ist jedoch nicht mehr in dem Maße unumstritten das leuchtende Vorbild, wie es einmal in den 50er und 60er Jahren der Fall war.

    Aber natürlich wird es schwierig, wenn es konkret darum geht, Forderungen umzusetzen und Maßnahmen zu ergreifen, die tatsächlich nachhaltig eine Abkehr vom Modell autogerechte Stadt beinhalten.

    Ich würde es auch nicht einfach als "Gerede um eine Verkehrswende" bezeichnen, wenn über Verkehrsinfrastruktur gesprochen wird.

    Dass eine Verkehrswende erstrebenswert ist, ist eine inzwischen recht weit verbreitete Einsicht. Wie die konkret ausgestaltet gehört, jedoch nach wie vor ein umstritten. In einer Demokratie kommt es in der Auseinandersetzung um solche Fragen idealerweise dazu, dass sich wirklich gute Ideen langfristig durchsetzen.

    Und zu dieser Auseinandersetzung gehört es natürlich auch, dass unterschiedliche Interessengruppen versuchen, den Begriff in ihrem Sinne zu besetzen.

    Die Autoproduzenten, leider auch die Gewerkschaften, der Mitarbeiter haben lange Zeit versucht, den Diesel-Motor als Kernstück einer erfolgreichen Verkehrswende anzupreisen. Dann hieß es, die Dieseltechnik sei eine wichtige "Brückentechnologie" zur E-Mobilität, jetzt versucht die Autoindustrie den E-Antrieb medial in den Vordergrund zu rücken, während weiter vor allem Autos mit Verbrenner-Motoren verkauft werden.

    Aus meiner Sicht alles keine Bemühungen eine echte Verkehrswende voranzutreiben. Aber selbst in diesem Radverkehrsforum musste ich vielfach feststellen, dass weitergehende Forderungen bei manchen Diskussionsteilnehmern energische Gegenreaktionen auslösen.

  • Soviel Gegenwind gibts hier eigentlich nicht zur Verkehrswende, nur zu einzelnen Punkten, zum Beispiel wenn Sie behaupten, die Lösung auf dem Land sei ein gut ausgebautes und schnelles ÖPNV-Netz, hier vor allem Bus.

    Das mag die Lösung gegen MIV sein, aber diskutiert wird hier, ob es auch eine Lösung für die Klima-Problematik ist und, mit dem aktuellen Zustand,

    -> Ich kann praktisch jederzeit überall hin fahren auf direktem Weg und bin 2-3x schneller als im ÖPNV

    überhaupt akzeptiert werden würde.


    Und, was gerne ignoriert wird, alleine die Grundlast in Deutschland bei der CO²-Produktion pro Kopf ist höher als der Gesamtausstoß eines Inders zum Beispiel.

    Das liegt unter anderem daran, das unser Staat angeblich so gut funktioniert aber zumindest vorhanden ist mit Infrastruktur ec. und allen Annehmlichkeiten eines extrem reichen Industrielandes.


    Dazu gehört auch der ÖPNV. Der müsste also nicht nur sehr viel klimafreundlicher werden, sondern eigentlich sehr viel effektiver und, wo möglich, durch Benutzung der natürlichen Ressourcen des Menschen, ersetzt werden.

    Und beim Thema Effektiv kann man eben durchaus geteilter Meinung sein, ob 2000 MIV-Fahrten tatsächlich weniger CO² produzieren als 140 Busfahrten mit 5-10% Auslastung und 20-50% mehr Strecke.

  • Ich erlebe häufig bei Diskussionen über die Verkehrswende, bei der Frage, Verkehrswende auf dem Land, ein sehr starkes Festhalten am Status quo.

    Wenn ich an der Stelle nachhake, dann werden durchaus unterschiedliche Motivationen für dieses Beharren auf den Status quo deutlich:

    Die einen halten es ohnehin für Spinnerei sich über Umweltverschmutzung oder Klimawandel und Gegenmaßnahmen Gedanken zu machen. Das sind alles technische Detailfragen, "eine Sache für die Profis", die dafür schon beizeiten Lösungen finden werden.

    Andere sehen in der "Abrüstung" der Autos die Lösung, die sie oft schon selbst in verschiedenen Formen praktizieren. PKW mit Erdgasantrieb oder Flüssiggasantrieb oder E90-Benzinantrieb oder Kleinst-PKW mit Elektroantrieb oder pedalunterstützten Elektroantrieb. Eher selten. Oder noch seltener, halt einfach ohne Auto auf dem Land leben.

    An der Stelle drohen Diskussionen über eine Verkehrswende schnell zu versanden. Oder sie eskalieren unter Verschiebung des Diskussionsgegenstands. Aus der Frage Verkehrswende wird dann eine Frage von Leben in der Stadt contra Leben auf dem Land. Dann sind es die ahnungslosen Städter, die der Landbevölkerung diktatorisch irgendwelche absurden Vorschriften machen wollen, obwohl die aus der Stadt doch angeblich keine Ahnung vom Landleben hätten.


    Was dann "der Städter" gerne damit quittiert, dass er zumindest aus eigner leidvoller Erfahrung wisse, dass die Autoinvasion der Landbevölkerung in die Stadt nicht nur ein "Terrorakt" gegen die Stadtbevölkerung darstelle, sondern auch völlig überflüssig sei, in Anbetracht der guten ÖPNV-Möglichkeiten in der Stadt.

    Schade, wenn die Diskussion so endet, aber es kommt leider häufig vor.


    Dass eine Klimawende sich nicht darin erschöpfen darf, eine Verkehrswende einzuleiten, an deren Ende der private Autoverkehr ersetzt wird durch fast leer fahrende Omnibusse, ist natürlich richtig. Allerdings sehe ich diese Gefahr nicht.


    Derzeit wird das Leben auf dem Land im hohen Maße subventioniert. Es existiert ein komfortabel ausgebautes Straßennetz, das immer weiter und schneller ausgebaut wird, vielfach mit schnellen Landesstraßen und Bundesstraßen auf denen Tempo 100 und manchmal noch schneller gefahren werden darf, und auf denen ein noch schnelleres Fahren häufig nicht geahndet wird. Und es existieren kaum Sonderfahrrechte für den Linienbusverkehr. Im Gegenteil. In vielen Ortschaften ist immer noch die Haltebucht Standard, die so angelegt ist, dass der Omnibus die Fahrbahn verlässt und in eine Bucht fährt, die oft zu Ungunsten der Bürgersteigbreite angelegt wurde.

    https://kampagne.sozial-muss-d…01222-OPNV_Layout.mp4?_=2

    (Dieser Werbefilm von der Partei Die Linke für ÖPNV auf dem Land zeigt eine solche Haltestelle)

    Ampelvorrangschaltungen, zumindest in manchen Städten Standard, sind in ländlichen Gegenden eine absolute Ausnahme-Erscheinung.


    Dafür wurden besonders im ländlichen Raum in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche sogenannte "Ortsumgehungen" angelegt, die für den Autoverkehr die Fahrt beschleunigt haben, von denen aber der Linienbusverkehr nicht profitiert. Einerseits deshalb, weil er aufgrund der geringen Dichte, in zahlreiche Ortschaften reinfährt und dort mehrere Haltestellen anfährt, andererseits, weil der Linienbusverkehr nur maximal 60 km/h schnell fahren darf. Und nicht zuletzt deshalb, weil der Linienbusverkehr, dann, wenn er auf die regionalen Zentren zufährt, dort wo der Verkehr dann dichter wird, im Autostau stecken bleibt, der von den zahlreichen Autos verursacht wird.


    Vieles davon ließe sich in einer extremen Ausnahmesituation technisch und logistisch innerhalb von zwei drei Jahren ändern (Provisorisch innerhalb von wenigen Tagen). Aber das wäre vermutlich eine rein fiktive Ausnahmesituation. Zum Beispiel alle Motoren privat benutzter KFZ würden von heute auf Morgen nicht mehr anspringen und es gäbe keine andere Möglichkeiten als zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV mobil zu sein.


    Längerfristige Veränderungsprozesse sind erst recht erfolgsversprechend. Aber es müssten viele Stellschrauben neu justiert werden. So lange der Straßenausbau für den Privat-KFZ-Verkehr als verkehrspolitischer Erfolg verkauft wird, geht die Entwicklung in eine falsche Richtung.

    Einmal editiert, zuletzt von Ullie () aus folgendem Grund: Video mit Bushaltestellensituation eingefügt