Beiträge von CKO

    War soeben mit der AG "Barrierefreies Bauen" vom Behindertenbeirat sowie unserem Ortsteilbürgermeister beim Vor-Ort-Termin. Dabei stellte sich heraus, dass die Vorsitzende des Blindenverbands mein obiges Foto Naumburger Str. / Flurweg nicht richtig erkannt hatte. Ihre zuvor geäußerte Kritik war damit hinfällig.

    Sie haben mir erklärt, dass die Verlegung der Sperrfelder parallel zum Bord der DIN entspricht, einer hatte sogar ein Buch dabei und zeigte die Seite mit der Norm. Dort war aber der Fall "Sperrfeld in der Krümmung" nicht enthalten. Die Sperrfelder im Buch waren allesamt sowohl parallel zum Bord als auch senkrecht zur Laufrichtung.

    Nun ja, die Blinden finden es dennoch i.O. wenn die Sperrfelder auch dann parallel zum Bord gehen wenn sie dadurch in flachem Winkel zur Laufrichtung sind. Schließlich wissen sie, dass die Nullabsenkung (Radverkehrsfurt) näher an der Fahrbahn liegt als ihre Querung mit dem >= 3 cm - Bord. Sie laufen also nicht aus Versehen in die falsche Richtung. Man sagte mir sogar, die Gestaltung in der Erfurter Str. sei falsch.

    Da wir uns nun an dieser Haltestelle aufhielten,

    kam das Gespräch unweigerlich auch auf die Radverkehrsführung im Haltestellenbereich. Die Leute vom Behindertenbeirat würden hier auch lieber eine Radverkehrsführung hinter dem Wartehäuschen sehen. Einzig die Vorsitzende des Blindenverbands sagt: "Wenn ich mit meinem Stock komme, dann haben sie schon Respekt." Aber andere sind schon über den Haufen gefahren worden.

    Nebenbei fiel den Teilnehmern bereits nach wenigen Minuten auf, dass hier die meisten Radfahrer auf der falschen Seite fahren:

    Der Regelhüter der AG "Barrierefreies Bauen" hat darum mal einen Radfahrer angehalten: "Sie wissen sicher, dass das nicht erlaubt ist, Warum tun sie das?" Der Radfahrer machte aus seiner nicht unberechtigten Kritik an der Gestaltung und dem "bitteren Ende" der RVA keinen Hehl, monierte die Verantwortungslosigkeit der Planer. Darauf der Herr mit dem DIN-Buch in der Hand: "Aber die müssen so planen, weil es die Norm so vorschreibt. Das ist Gesetz." ..

    Als Repräsentant der Radfahrer habe ich noch dies und das zu hören bekommen. Aber eine Frau, die währenddessen mit ihrem ca. 7-jährigen Sohn über die Bettelampel auf die linke Seite wechselte um dort weiterzufahren, habe ich in Schutz genommen, wegen des Kindes. Unser OTB hielt auch zu ihr: "Zufällig kenne ich sie. Das ist eine hochqualifizierte Frau." ;)

    Den Sachverhalt an sich halte ich für durchaus glaubwürdig. Vielleicht etwas überspitzt dargestellt.

    Solche Situationen können schnell eskalieren, wenn man "in der richtigen Stimmung" ist.

    Dass ich morgens mit meiner Tochter diesen Radweg zu Schule fahre habe ich deswegen schon zum Anlass genommen zu sagen: "Wir machen kein böses Gesicht, wenn jemand auf der Radwegfurt steht." (Weil er dachte, er könnte jetzt rausfahren, aber dann noch schnell jemand kam. - bei zHg 60 keine Seltenheit.)

    Den Blickkontakt suchen wir aber immer in solchen Situationen.

    In Hamburg ist JEDER Hochbordradweg qua gelebtem Recht ein Zweirichtungsradweg.

    Hätte ich mir eigentlich denken können. Das ist ein generelles Manko, um das sich die meisten Verkehrsbehörden überhaupt nicht kümmern. Es sei denn, die schweren Unfälle häufen sich, und es gibt öffentlichen Druck, etwas zu ändern. Solange es keinen großen Ärger gibt kann man ja sagen, dass die Geisterradler selbst schuld seien. Das fiese an der Sache ist jedoch, dass man auch diejenigen, die in die richtige Richtung fahren, einem erhöhten Risiko aussetzt, wenn man das Geisterradeln stillschweigend akzeptiert.

    Mich wundert in diesem Zusammenhang, dass in der öffentlichen Debatte um die "richtige" Radverkehrsinfrastruktur bei Schutzstreifen oder RFS die Gefahr durch regelwidriges Verhalten (beim Überholen) stets herausgehoben wird, während beim Hochbordradweg die Gefahr durch regelwidriges Verhalten (Geisterradeln) kaum Beachtung findet.

    Spannend finde ich, dass bei schweren Unfällen vom Typ 6 ("im Längsverkehr") erheblich mehr Opfer durch Konflikte Rad-Rad bzw. Rad-Fußgänger anfallen (64) als zwischen Rad-KFZ (43).

    Naja, nicht ganz: LKWs sind ja auch KfZ, sodass es 64:59 steht, also etwa Gleichstand. Allerdings sind die 44 schweren Rad-Rad-Unfälle nicht gerade wenig. Sind Dir da Häufungen auf Zweirichtungsradwegen bekannt? Wahrscheinlich sind hier aber viele Unfälle beim gemeinsamen Fahren in die gleiche Richtung dabei: Wenn man irgendwie aneinander hängen bleibt o.ä.

    Unabhängig von der Polarisierung der amerikanischen Gesellschaft sollten die sozialen Bemühungen immer darauf abzielen, dass die Mütter und, so soll es sein, auch die Väter ein Ja zum Kind finden. Mir scheint, das wird von Jahr zu Jahr schwieriger angesichts der sich häufenden globalen Herausforderungen und Zukunftsängste.

    Wobei ich den angestimmten Ton auf dem Zusatzzeichen noch viel zu höflich finde.

    Aber die Kinder lernen doch zuerst das Gehwegradeln. Und da die Altersbeschränkung (bis 9 Jahre) für etliche Fahrbahnen (auch auf Schulwegen) unglücklich gewählt ist, fahren viele noch bis 12 J. auf dem Gehweg. In dem mühevollen pädagogischen Wirken, sie eines Tages dennoch auf die Fahrbahn zu bringen, dürfen auch freundliche Töne nicht fehlen.

    Letzten Montag habe ich ja mit meiner Tochter mal in der neuen Kleiderkammer unserer Stadt geholfen, die wesentlich von Ukrainerinnen getragen wird. Dort gilt offiziell Maskenpflicht für alle, aber man erkennt die Deutschen sofort an der Maske im Gesicht. Konflikte gibt es aber keine deswegen.

    Kurz: Zur Abrüstung gehört neben dem irren Putin auch die irre NATO. Und die hat evtl. eher ausgelotet, wie weit sie in Sachen Expansion gehen kann, anstatt auszuloten, wie man mit Russland einen stabilen Frieden, oder gar ein gemeinsames System, findet?

    Habe gestern diesen Beitrag dazu angehört. Im Ggs. zum Reporter wirkt der Bonner Professor sehr kompetent:

    "Wir haben Putin mitproduziert": Konfliktforscher über Versäumnisse des Westens | MDR.DE
    Es sei es unklug gewesen, Bundespräsident Steinmeier in Kiew auszuladen. Doch die Reaktion der Ukraine, sagt Konfliktforscher Andreas Heinemann-Grüder, würde…
    www.mdr.de

    Er meint u.a., dass der Westen in den 90ern die Schwäche Russlands zu schamlos ausgenutzt und Russland seitdem nicht wirklich ernst genommen hat, und u.a. dadurch eine Mitverantwortung trägt. Doch zur Rechtfertigung des Krieges reicht diese Mitverantwortung (bei weitem) nicht aus.

    Als Ortskundiger würde ich diesen Weg ganz sicher nicht benutzen, sondern auf der Fahrbahn fahren.

    Meintest Du als Ortsunkundiger? Also mit dem erworbenen Grundmisstrauen ggü. allen [Zeichen 240].

    Als Ortskundiger bin ich dort 30 Jahre lang auf der Fahrbahn gefahren, ohne das als belastend empfunden zu haben. Doch weil hier der Radweg kürzer ist, weniger Höhenmeter und dazu den glatteren Asphalt hat, verkürzt er die Fahrzeit von Sondershausen nach Bad Frankenhausen (knapp 20 km) um 5 - 10 min. Und das hat Einfluss auf meine Streckenwahl nach Jena.

    Was mir zudem auffällt, sind die "Understatements" in der Beschilderung. Immer wieder bin ich überrascht, dass sich die Fußgänger dort verhalten als sei es eine [Zeichen 244]. Bei der psychischen Bewältigung des [Zeichen 206] an jeder (verkehrsschwachen) Fahrbahnquerung hilft mir wahrscheinlich, dass ich als Kind in den 80ern etwas anarchisches Verhalten in einem autoritären Staat gelernt habe (grob gesagt: "Alles, was nicht geahndet wird, ist quasi legal").

    Die Poller müssen sein, sehe es genauso wie mkossmann. Es gibt dort genug Kleingärtner und Landwirte, für die das Befahren evtl. vorteilhaft wäre.

    Um auch mal was Positives aus Thüringen zu berichten: Beim 2013-2016 erbauten Kyffhäuserbahnradweg hat man komplett auf Umlaufsperren verzichtet.

    Stattdessen Poller mit Markierungen, die auch im Dunklen hervorragend zu sehen sind:

    Über die Stoppschilder könnte man streiten, zumal an vielen Fahrbahnquerungen sehr gute Sichtverhältnisse vorliegen. Wahrscheinlich wollte man hier zur Unfallvermeidung ein bisschen dicker auftragen.

    In der Praxis bin ich auf diesem Weg (fahre dort ca. 2-4 mal im Jahr lang) immer wieder überrascht, wie zuvorkommend ich behandelt werde, wenn ich dort mit dem Rennrad fahre. Bei meiner ersten Fahrt auf dieser Trasse hat (an einer ähnlichen Stelle wie im Foto) ein Autofahrer angehalten um mich durchzulassen. Ich hatte leichten Rückenwind, leichtes Gefälle und kam mit 35-40 km/h, habe zeitig aufgehört zu treten, Körperschwerpunkt nach hinten verlagert, geguckt, gebremst, geguckt, .. das übliche halt. Bei vll. 20 km/h Restgeschwindigkeit habe ich sein freundliches Zunicken erkannt und konnte mich bedanken und wieder Fahrt aufnehmen. Auch so etwas kommt vor.

    Ohne große Erwartungen habe ich folgende Anregung für das in Arbeit befindliche neue Radverkehrskonzept unserer Stadt gegeben.

    Sehr geehrter Herr ...,

    aufgrund der zahlreichen kritischen Kommentare auf https://www.radforum-jena.de/?a=reports für den sanierten Abschnitt der Naumburger Str. möchte ich auf ein wesentliches Detail aufmerksam machen, auf das Sie bei der Befahrung der Strecken bitte unbedingt achten sollen: Die Ausrichtung der Rillen in den Blindensperrflächen an Radverkehrsfurten

    Erfurter Str. / Mühltal (zweckmäßige Gestaltung):

    in Laufrichtung der Fußgänger (d.h. auch der Blinden) ein Sperrfeld vor der Radverkehrsfurt und ein Richtungsfeld vor dem nicht ganz abgesenkten Bordstein angebracht. Die Orientierung der Felder entspricht der Richtung des Weges anstatt der Richtung des (z.T. auf Null abgesenkten) Bords. Ri. stadtauswärts schließt sich seitlich an das Sperrfeld ein Leitstreifen zum Richtungsfeld an.

    Nun für die Naumburger Str. exemplarisch die Kreuzung Flurweg:

    Sämtliche Sperrfelder sind senkrecht zum abgesenkten Bord verlegt. Gerade die Felder an der Radwegfurt sind aus Laufrichtung der Fußgänger betrachtet eher Richtungsfelder als Sperrfelder. Wie werden sich Blinde hier orientieren? Die von den Sperrfeldern eingenommene Fläche vergrößert sich, die beim Queren mit dem Rad auf dem Sperrfeld zurückgelegte Strecke verlängert sich hierdurch erheblich. Der flache Winkel zwischen Rillen und Fahrtrichtung verunsichert nicht wenige Radfahrende beim Überfahren. Die Frequenz des Rüttelns erinnert sehr stark an die Rüttelstreifen für KfZ, deren Feedback dem Fahrer anzeigen soll: "Hier bist du falsch." Eben dieses Hier-bist-du-falsch-Feedback erfährt man beim Queren solcher Furten mit dem Rad (betr. einen Großteil der 2020 neu gebauten Furten). Ich habe erst kürzlich etwas ältere Radfahrer (ca. 60 J.) beobachtet, die Sonntagmorgen bei Verkehrsstille den Flurweg an der Rollstuhlfurt querten. Um nicht auf die "Rüttelstreifen" zu geraten.

    Darum ist es sinnvoll und bestimmt auch nötig, wenn das neue Radverkehrskonzept neben Anregungen zum Streckennetz auch sinnvolle Standards zur Bauausführung enthält. Sowohl um die Stadt vor einer erneuten Blamage zu bewahren als auch um hinreichend sichere und komfortable Radverkehrsanlagen bereit zu stellen, die auch Blinden keine Rätsel aufgeben.

    Mit freundlichen Grüßen, ...

    PS: Ich habe Frau ... vom Blindenverband in CC gesetzt, damit sie ggfs. korrigieren kann, falls ich was Falsches geschrieben habe.


    Zu meiner Überraschung hat die Vorsitzende des Blindenverbands sofort reagiert:

    Zitat

    Sehr geehrter Herr ...,

    Vielen Dank, dass Sie mich in CC gesetzt haben. Das ist ja ein absoluter Schildbürgerstreich und ich werde mich kümmern, dass wir eine vor Ort Begehung machen, denn dieser Überweg geht überhaupt nicht.

    Da fragt man sich wieder, wer dies abgenommen hat,.

    Mit freundlichen Grüßen

    Am 5.5. ist die Begehung. Bin schon gespannt, ob und wann die Baufirma nachbessern muss.

    Neu gebaute Gehwege müssen innerorts mit einem Blindenleitsystem an Querungen und ÖPNV-Haltestellen ausgestattet sein. Da Gehwege häufig per [Zeichen 239] [Zusatzzeichen 1022-10] oder [Zeichen 240] gleichzeitig zu Radverkehrsanlagen erhoben werden, sind auch diese von der barrierefreien Gestaltung "betroffen". Leider kommt es hier und da vor, dass durch sog. barrierefreie Gestaltung neue Barrieren geschaffen werden, z.B. Nordbahntrasse im WDR

    In Jena wurde 2020 der erste Bauabschnitt der Straßenbahnverlängerung zum nördlichen Stadtende freigegeben. Mit sehr vielen Mängeln (Critical Mass 2021) von denen die Gestaltung der Blindenleitsysteme eine gesonderte Betrachtung wert ist.

    Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Orten ist die alte Landstraße ( Th(oma)s)

    Manchmal ist es auch die Bahntrasse, die später entstand und für die dann größere Geländearbeiten vorgenommen wurden als für die alte Landstraße.

    Doch was die alte Landstraße betrifft, so kenne ich einige Beispiele, wo sie durch eine neue Bundesstraße ersetzt wurde, oft mit [Zeichen 254], obwohl die Straßenbreite genug Platz für sichere Radfahrer ermöglicht. :( Doch wer fährt schon ernsthaft mit dem Rad, um außerorts von A nach B zu kommen?

    Solche Schilder sind auch ein Symptom einer kranken Gesellschaft. Wenn es kein Überholen ohne Sicherheitsabstand gäbe, wären sie nicht nötig.

    Und ja, man kann sie auch nicht an jeder zweiten Landstraße aufstellen. Das hätte dann schon die psychologische Wirkung, dass man es auf anderen Straßen nicht so genau nehmen müsst.

    Als ich letztes Jahr ahnungslos dort lang fuhr habe ich sie vor allem als (willkommene) Anti-Mobbing-Schilder empfunden. Auf der Hauptverbindung Meißen-Dresden, zwar Landesstraße, aber > 10.000 KfZ/24h mit viel Schwerverkehr, gibt (oder gab) es keinen straßenbegleitenden Radweg. D.h. nicht nur Radsportler machen sich dort bei so manchem KfZ-Fahrer unbeliebt.

    Auch andere Kommunen könnten ihre lokale Anhupstrecke Nr. 1 mit solchen Schildern ausstatten.

    Und in welchem Zusammenhang stehen die Schilder zu dem tödlichen Verkehrsunfall, wo jemand von einem betrunken Fahrer umgefahren wurde?

    Es war nicht irgendjemand, sondern der Dresdener Schulamtsleiter, der dort totgefahren wurde.

    Bisher gibt es hier wenig Grund zur Hoffnung. Auch wenn sich einige Oligarchen um eine Begrenzung von Gewalt und Zerstörung bemühen, was ja mit den Sanktionen auch beabsichtigt wurde.

    Russland: Politische Grabenkämpfe im Kreml | MDR.DE
    Präsident Wladimir Putin und die russische Elite versuchen vor allem jetzt während des Ukraine-Krieges Einheit zu demonstrieren. Doch hinter der Fassade…
    www.mdr.de

    Kein Wunder, dass man sich im Westen nicht allein mit einem mehr oder weniger langen Schweigen der Waffen begnügen möchte:

    Ukraine war: US wants to see a weakened Russia
    US Defence Secretary Lloyd Austin says he hopes to see the Russian military depleted in Ukraine.
    www.bbc.com