Wenn das Ziel nicht weiter als 5km weg ist, sind diese Probleme vernachlässigbar: Da ist es nicht sehr anstrengend, mit dem Rad zu fahren und man ist auch nicht länger unterwegs. Dass der Komfort im Auto (trocken, warm, gar nicht anstrengend, keine ekelhaften Fremden) trotzdem für viele ein Grund ist, nicht mit dem Fahrrad zu fahren, stimmt ja trotzdem. Auf der anderen Seite hat man allerdings auch alles dafür getan, das Autofahren noch komfortabler zu machen und Rad- und Fußverkehr maximal unkomfortabel. Die Komfort-Kluft ist also größer als sie sein müsste.
Kürzlich habe ich von einer Umfrage gelesen, warum die Menschen in Kopenhagen mit dem Fahrrad fahren (Quelle leider wieder nicht gespeichert, daher aus dem Gedächtnis):
1% Klima- und Umweltschutz
12% Gesundheit
...
59% weil es am schnellsten geht
Die anderen Zahlen (z.B. Kosten) habe ich mir nicht gemerkt.
Hier wird man als Radfahrer überall als Verkehrsteilnehmer 3. Klasse behandelt: Man darf nicht auf der asphaltierten Fahrbahn fahren, sondern muss auf dem holprigen "Radweg"-Pflaster fahren. Man steht an jeder Kreuzung an der roten Ampel, weil die grüne Welle auf den Autoverkehr abgestimmt ist und weil bei kombinierten Fuß-/Rad-Lichtsignalen die Räumzeiten der Fußgänger die Grünphase begrenzen. Radverkehrsführungen sind selten intuitiv zu erfassen und nicht durchgängig. Man kommt sich mit Fußgängern, Hunden und Mülleimern in die Quere und dann wundern wir uns, warum nicht mehr Leute Fahrrad fahren.
Es geht damit los, dass unter der Leistungsfähigkeit einer Kreuzung immer noch die maximale Menge an Kraftfahrzeugen verstanden wird, die in einer Zeiteinheit den Knoten passieren kann und nicht die mögliche Anzahl der Menschen, die innerhalb einer Stunde eine Kreuzung überqueren könnte. Wir richten unser Verkehrssystem an der ineffizientesten Verkehrsart aus und wundern uns, warum es Staus gibt. Das ist völlig gaga.
Wäre ich Verkehrsminister, würde ich eine Cabrio-Pflicht einführen: Auch im Winter und in strömendem Regen dürfte nur offen gefahren werden. Dann wäre zumindest der Wetter-Vorteil für's Auto weg und alle würden ihr Auto im Parkhaus oder in der Garage abstellen anstatt im öffentlichen Raum am Straßenrand. Auf Hauptstraßen müsste es in der Mitte eine Busspur geben und auf der restlichen Fahrbahn gälten die Regeln einer für den Kfz-Verkehr freigegebenen Fahrradstraße (Autos zu Gast). Parken in der Innenstadt kostete 8,50 EUR / Std. Anwohnerparken im öffentlichen Raum hätte sich wegen der Cabrio-Pflicht ohnehin bald erledigt. Außerdem würde es eine Maut auf allen öffentlichen Straßen geben, die vom Gewicht des Fahrzeuges abhängt. Alles unter 250kg wäre kostenlos und darüber stiegen die Gebühren exponentiell. Die Einnahmen würden zum großen Teil in die Bahn fließen, neue Fernstraßen würden nicht mehr gebaut werden. Auf Autobahnen würde die rechte Spur zur Busspur für Fernbusse, die dort im Minutentakt fahren. An jeder Autobahnausfahrt gäbe es eine Haltestelle mit Umstiegsmöglichkeit in den Regionalbus.
Unrealistisch? Ich finde das alles nur halb so absurd wie das System, das wir derzeit haben. ![]()