Haha, Pforzheim, in der Tat Vorhof zur Hölle...
Pforzheim ist eine der nur fünf deutschen Großstädte mit durchgehend Fahrrad-KFZ-Visionzero seit (mindestens) 2013. Quintessenz: „it‘s *not* the infrastructure, stupid.“
Haha, Pforzheim, in der Tat Vorhof zur Hölle...
Pforzheim ist eine der nur fünf deutschen Großstädte mit durchgehend Fahrrad-KFZ-Visionzero seit (mindestens) 2013. Quintessenz: „it‘s *not* the infrastructure, stupid.“
Mal wieder die typische Meldung: LKW, Rechtsabbieger, übersehen, kein Helm. Zum Glück nur Rippen- und Hüftprellungen.
Wie kommst du auf "Rechtsabbieger" (=Typ 243)? Das Fahrrad liegt an der linken Flanke des LKW. Wohl eher Vorfahrtnahme mit 90°-Fahrlinien.
Gibt es schon Daten zur Fahrleistung der Radfahrer ?
Die offiziellen Erhebungen der Mobilitätsforschung liegen für eine Jahr-zu-Jahr-Trendanalyse viel zu weit auseinander. Näher dran am Geschehen sind die Stichproben der städtischen Pegelzähler:
Demnach ist die Radverkehrsstärke innerorts derzeit relativ stabil. Parallel dazu weist auch die stetige Zunahme der Alleinunfälle darauf hin, dass die Radfahrleistung jedenfalls nicht abnimmt, wenngleich durch die überproportionale Zunahme bei "leichten" gegenüber "schweren" Alleinstürzen auch der Verdacht aufkommt, dass die Zunahme zumindest teilweise weniger an absolut mehr Unfällen durch mehr Fahrleistung liegen könnte, sondern auch mit einer wachsenden Bereitschaft zu tun hat, auch bei Bagatellverletzungen nach Alleinstürzen die Polizei zu informieren (auch so ein Pedelec-Senioren-Ding?
).
Baden-Württemberg hat gerade die Jahresstatistik 2025 veröffentlicht. Wie jedes Jahr liegt die Helmquote der tödlich verunglückten Radfahrer (46,7%) über der Helmquote, die die BASt parallel dazu bei ihren alljährlichen Zählkampagnen auf der Straße beobachtet (2024: 42,6%).
Aus den Daten der Statistik wurde in den Stuttgarter Gazetten die Schlagzeile "So viele tote Radfahrer wie nie zuvor im Südwesten". Ist das künstliche oder menschliche Dummheit? Tatsache ist, dass selbst in der jüngeren Vergangenheit (2018, 2019, 2022, 2023) mehr Opfer zu beklagen waren als 2025, von den sicherlich ungleich höheren Werten aus den Siebziger Jahren ganz zu schweigen:
Natürlich darf auch der ADFC nicht fehlen, der die vermeintliche Zunahme der Gefährdung als real bestätigt und der Politik die Schuld für das angebliche Desaster in die Schuhe schiebt, weil sie wie immer viel zu wenig "Radweg macht". Meine Analyse der Todesfälle aus dem letzten Jahr zeigt, dass jenseits des "Höchststand"-Fehlers auch das "aber die Iiinfrastruktur!" wie nicht anders zu erwarten weder bei KFZ-Gegnern noch bei Alleinstürzen eine Rolle spielte. Was das "die Straße gehört ja leider schon den Autos, wir brauchen unbedingt mehr Platz!"-Framing im (Unter-)Bewusstsein der Menschen anrichtet - dagegen ist doch jede "der Autofahrer übersah wegen tiefstehender Sonne den Radfahrer"-Formulierung in einer Unfallmeldung Kindergeburtstag.
Heise meldet:
[Studie-Aeltere-Maenner-auf-E-Bikes-verletzen-sich-oefter-schwer]
"Die Ärzte machten auch auf den erheblichen Anstieg der Unfallzahlen allein im Untersuchungszeitraum aufmerksam. Knapp die Hälfte der Unfälle ereignete sich allein 2023 – ein Anstieg um das Anderthalbfache im Vergleich zum Vorjahr."
Da dieser Trend in der Bundesstatistik nicht auftritt, kann es sich bei der kleinen Stichprobe, die in München untersucht wurde, auch nicht um ein repräsentatives Abbild des Gesamtgeschehens handeln. Alle verallgemeinernden Schlussfolgerungen auf der dünnen Datenbasis (wir reden hier über ganze 11 Traumapatienten in 7 Jahren...) sind somit unzulässig.
Baden-Württemberg hat gerade die Jahresstatistik 2025 veröffentlicht. Wie jedes Jahr liegt die Helmquote der tödlich verunglückten Radfahrer (46,7%) über der Helmquote, die die BASt parallel dazu bei ihren alljährlichen Zählkampagnen auf der Straße beobachtet (2024: 42,6%). Entweder, der Helm nutzt nichts, oder Helme schützen, vergrößern aber das Sturzrisiko um so viel, dass mit Helm netto mehr als das gleiche Sterberisiko wie ohne Helm herauskommt. Der Schadeffekt durch mehr Stürze wäre dabei um so größer, je höher man den potentiellen Schutzeffekt des getragenen Helmes ansetzt. Sucht's euch aus.
Zur Männerquote: Männer sind in meiner Verkehrstoten-Statistik der Radfahrer stark überrepräsentiert (was vor allem an ihrer 10:1-Dominanz bei Alleinstürzen liegt, die wiederum mehr als 1/3 aller Toten insgesamt ausmachen). Dass Männer in der Seniorengruppe seltener Helme als Frauen tragen, würde ich entschieden verneinen. Der Schluss liegt nahe, dass die kausale Verknüpfung daher einfach nur "Mann->Unfall" und keineswegs "Pedelec->Mann ohne Helm->Unfall" lautet.
Wie häufig Radler wohl bei zHg 30 km/h mit 50+ unterwegs sind?
Ich zugegebenermaßen bei uns bergab am Engelsberg.
Aber ob das wirklich problematische Ausmaße hat?
Bei KFZ ist die V85 die Messlatte, also das Tempo, das 85% der Fahrer ohne Überwachung einhalten bzw unterschreiten. Liegt das unter dem geltenden Limit, wird idR gar nicht erst geblitzt und auch nicht das allgemeine §3-Limit per Verkehrszeichen abgesenkt. IOW: bei KFZ gelten selbst 15% „Raser“ nicht als Problem. Ich glaube auch nicht, dass an der fraglichen Stelle 15% der durchfahrenden Radler schneller als 30 sind. So steil ist das da nicht, dass man ohne lange 8m-Rennrad-Übersetzung und ordentlich Mitstrampeln spürbar über 30 kommt..
Nenne ein großes Medienportal, das diese Meldung noch nicht zum fahrradfeindlichen Sticheln verwendet hat:
https://polizei.nrw/presse/nachrodt-wiblingwerde-radfahrer-mit-59-statt-30-kmh-geblitzt
Ist das Fangnetz an den Haltestellen der Wuppertaler Schwebebahn möglicherweise die einzige Verkehrinfrastruktur-Sicherheitsmaßnahme, die du für akzeptabel und wirksam hältst?
Ohne Fangnetz hätte ich mich ja gar nicht erst nach vorne gelehnt. ![]()
In den Anfangsjahren gab es in der Tat keine Sicherung über dem Fluss. Dafür waren aber Zäune auf dem Bahnsteig montiert, die nur an den Türstellen passiert werden konnten (z.B. Minute 2:10), so wie heute in manchen U-Bahnstationen. Das hat man aber schon sehr früh umgebaut als sich herausstellte, dass die Türchen den Fahrgastwechsel zu stark behinderten.
Heute haben die im Zuge der Gerüsterneuerung ab 1995 ebenfalls grundlegend renovierten Bahnsteige AFAIK alle stabile engmaschige Gitter anstatt des früher gespannten Maschendrahts von der Rolle. Da sieht man eh nicht mehr viel.
Bemerkenswert dieses Zitat bei Minute 6:25 "In 63 Jahren Betrieb hat sich nicht ein einziger tödlicher Ufall ereignet. Das ist einmalig in der Welt, die sich an sechsstellige Verkehrsopferzahlen hat gewöhnen müssen." 1964 gab es 16.432 Verkehrstote im Bundesgebiet und Westberlin.
Anekdote: etwa 1973 wurde ich selber „angeschwebt“, als ich nachmittags auf dem Weg zum Querflötenunterricht auf die Bahn wartete. Durch das Maschendrahtnetz, was die Bahnsteige miteinander verbindet, hatte ich eine Entenfamilie unten in der Wupper entdeckt und mich vorgebeugt, als sie unter dem Bahnsteig außer Sicht schwammen. In dem Augenblick fuhr die Bahn ein, rumms, und der kleine Tommi saß mit einer Platzwunde an der Stirn auf dem Boden. Hätte ich damals einen Helm aufgehabt, wäre ich ohne Helm jetzt tot gewesen.
Norwegen gehört bereits heute zu den Ländern mit den weltweit sichersten Straßen. Im Jahr 2024 gab es 16 Verkehrstote pro einer Million Einwohner.
In 2025 gab es einen Anstieg der Toten um 28%, auf 20/Mio (von 87 auf 111 Toten bei 5,66 Mio Einwohnern). Was wohl in Deutschland bei "plus 28%" binnen Jahresfrist los wäre?
In der Hauptstadt Oslo gilt bereits in vielen Vierteln vollständig Tempo 30, ein Großteil des Innenstadtbereichs ist autoarme Zone."
Der letzte quantitative Wert, den ich für Oslo gefunden habe, war 2/3 Tempo-30 Straßen vor 5 Jahren. Das wäre erheblich weniger als in den deutschen Metropolen schon seit Jahrzehnten üblich. Der Fahrradmodalsplit von Oslo liegt im einstelligen Bereich. Was auch immer der Grund für die niedrige Mortalität des norwegischen Straßenverkehrs ist - es kann weder an Tempo 30 liegen noch an einem durch Tempo 30 und Infrastruktur induzierten Umstieg aufs Fahrrad.
"...immer mehr manipulierte Fatbikes mit deutlich zu hoher Geschwindigkeit", sind meines Erachtens ein plausibler Grund dafür, dass die Bewegungsfreude für Fußgänger*innen und Fahrradfahrer*innen beeinträchtigt wird und vermutlich auch für steigende Unfallzahlen mit gravierenderen Folgen.
Dass schnelle KFZ in NL auf dem Fietspad verkehren, ist ja nun nichts Neues. Oder umgekehrt, die Fatbikes verdanken ihre NL-spezifische steile Karriere ja erst dem Umstand, dass das langgewohnte Nebeneinander von Fiets, Snorfiets und Bromfiets auf den Radwegen in der jüngeren Vergangenheit durch Helmpflichten und Radwegeverbote für die Verbrenner-Motorzweiräder zunehmend eingeschränkt wurde. Da wurde also bestenfalls ein Risikofaktor gegen einen anderen ausgetauscht.
Die offizielle "wissenschaftliche" Tempo-30-Auswertung gibt es übrigens hier:
Ergebnisse:
"Die Gründe sind vielfältig: Mehr ältere Radfahrer, eine zunehmende Zahl schneller E-Bikes, kaum Helmnutzung und – speziell in Amsterdam – immer mehr manipulierte Fatbikes mit deutlich zu hoher Geschwindigkeit."
Die aufgezählten Faktoren sind plausibel klingende Gemeinplätze ohne empirische Belege für die behauptete Risikoerhöhung. Risiko ist ein Bruch, und die isolierte Betrachtung des Nenners allein ist blanker Unsinn. Aber selbst dann, wenn man den Nenner tatsächlich kennen würde, wäre eine dann möglicherweise gefundene Korrelation immer noch kein Beweis für eine kausale Verknüpfung.
"Schockierend!! E-Scooter-Unfälle seit den 1970er Jahren dramatisch angestiegen!"![]()
Die Stopp den Kindermord Kampagne führte dazu, dass die Leute auf sichere Straßen gedrängt haben.
Das hat irgendwie nicht so richtig geholfen (Zahl für 2025 in AMS ist nicht "Null", sondern fehlt noch).
Und es geht weder in dem Beitrag des Sauerlandkuriers noch in dem von mir verlinkten Polizeibericht aus Hannover zum selben Thema darum, dass Fahrradkuriere Mordopfer in Krimis werden.
Die bevorzugte Auswahl gerade der Kuriere als Opfer läuft IMO so ab:
Dem kann ich nur beipflichten. Insbesondere die Uber Essen Fahrer sind hier in Hamburg rücksichtslos.
Jedes dritte radelnde Mordopfer ist ein Fahrradkurier. Woher Produzenten und Drehbuchautoren bloß immer die Inspiration für den Plot im TV-Krimi nehmen? ![]()
[Liste mit Filmen, in denen Radfahrer im Straßenverkehr getötet werden.]
Heute ganz frisch neue Folge von Polizeiruf 110. Mal wieder Radfahrer und Unfallflucht. Wie originell. Immerhin diesmal kein Fahrradkurier.
[Liste mit Filmen, in denen Radfahrer im Straßenverkehr getötet werden.]
nachmal drei, aus "K11"
In die Untersuchung flossen Studienergebnisse aus 14 Städten ein, die Tempo-Limits in Innenstädten eigeführt haben. Dazu zählen Berlin, Belfast, Graz, Helsinki, London und Toronto in Kanada."
Bei allen der in der BSS-Studie genannten Städten, wo ich mich darum bemüht habe, die wissenschaftliche Basis der städtischen Erfolgsmeldungen anhand von Primärquellen nachzuvollziehen, komme ich zu dem Schluss, dass keine davon wirklich den Anspruch erfüllt, die Hypothese „30 auf Magistralen erhöht nachweisbar die Verkehrssicherheit“ zu belegen. Da gibt es jede Menge statistisches Cherrypicking (selektive Vermarktung von einzelnen positiven Ausreißern, Helsinki!), unplausible Vermengung von Korrelation und Kausalität (Rückgänge aus den Corona-Jahren sind vermeintlich T30, Bologna steht dank Großbaustellen für die neu gebaute Tram im Dauerstau…), ins Leere laufende Zirkel-Zitate (u.a. T30-Effekte in Berlin, für die keine Primärquelle auffindbar ist, und wo bloß irgendwelche Stickoxid-Reduktionen behauptet werden, ohne wie von der BSS suggeriert Reisezeiten gemessen und Unfalldaten analysiert zu haben). Und zehnmal das gleiche Ergebnis macht die Angelegenheit auch dann nicht plausibler, wenn zehnmal durch politischen Druck aus dem Rathaus in die gleiche Richtung gelo^h^h^h geschönt wird. Das praktische für die NGO-Kampaigner ist natürlich jetzt, dass durch die Metastudie der BSS noch eine weitere intransparente Barriere-Ebene zwischen Rohdaten und behauptete Ergebnisse geschoben wird.
Polizei NRW framt Radfahren unter tatkräftiger Mitwirkung der NRZ mal wieder halt- und sinnlos als lebensgefährlich. Diesmal: angebliche kindliche und jugendliche Pedelec-Raser. Als Beispiel für den angeblichen Trend, dass in 2025 jetzt auch zunehmend junge Menschen mit dem Pedelec überfordert gewesen sein sollen, wird exemplarisch ein tödlicher Pedelec-Unfall eines 17-Jährigen erwähnt, ohne dass dazu gesagt wird, dass das Ereignis schon 2024 war. Stattdessen heißt es dreist "kein Einzelfall" dazu im Text. Außerdem wird gesagt, dass der Jugendliche auf der Landstraße unterwegs gewesen sei, als der offenbar schuldige Autofahrer zu spät gebremst habe und in den Jugendlichen hinein-"gerast" sei. Da leuchtet doch sofort das Kopfkino vom engüberholenden Raser im Kleinhirn der Leserschaft auf, oder? Was aber war 2024 tatsächlich passiert? Der Jugendliche kam im rechten Winkel auf einem Feldweg an die Landstraße und wollte diese überqueren, entweder geradeaus auf der Fortsetzung des Feldweges, oder (wahrscheinlcher), um auf den jenseits der Fahrbahn gelegenen Zweirichtungsradweg entlang der Landstraße aufzufahren. Was aber hat dieses Drama wiederum mit der gleich im Anschluss daran gezogenen Schlussfolgerung, die Kinder und Jugendlichen seien offenbar mit der enormen Geschwindigkeit und Beschleunigung ihrer Pedelecs überfordert und müssten jetzt (genau wie die schon länger angeblich überforderten Senioren) extra Kurse fürs Pedelecfahren besuchen, zu tun? (der jüngste tödlich verunglückte Pedelecfahrer, den ich in 2025 erfasst habe, war übrigens 24)
[Liste mit Filmen, in denen Radfahrer im Straßenverkehr getötet werden.]
Wenn man erstmal systematisch sucht. Mit dem vorsätzlich verursachten Radfahrertod im deutschen Fernsehen verhält es sich so wie mit dem Morden auf Island durch die isländischen Krimischriftsteller: erheblich mehr Tote in der Fiktion als tatsächlich im realen Leben.![]()
ZDF Soko Hamburg, Folge "Fahrradflitzer"